Kasparov in London

21.10.2003 – In den vergangenen Tagen besuchte Gary Kasparov London und dort u.a. die erfolgreiche und kürzlich verlängerte Ausstellung "The Art of Chess" in der Gilbert Collecton des Somerset House. Diese war am 28.Juni mit einem Dinner eröffnet worden, zu dem Lord Jacob Rothschild bekannte Schachenthusiasten lud, darunter die frühere First Lady Nancy Reagan, den Ex-Außenminister Dr. Henry Kissinger, aber auch Fide-Präsident Kirsan Ilymshinov und den Sponsor der Ausstellung, Oleg Deripaska (Foto: Illyumshinov, Rothschild, Deripaska). Deripaska ist Chef des russischen Aluminium-Giganten RusAl und unterstützt außerdem die russische Schachföderation. Rotschild und Kissinger hingegen sind Vorstandsmitglieder der Open Russia Foundation, zu der auch der größte russische Oligarch Michail Chodorkowski gehört. Gegen diesen und seine Mitarbeiter richteten sich kürzlich Aktionen der russischen Behörden. Gerald Schendel berichtet. Mehr...

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Kasparow besuchte „Art of Chess“-Ausstellung

Bevor Garri Kasparow am 21. Oktober im London Chess Centre einen PR-Termin wahrnahm, um sein neues Buch vorzustellen, besuchte er am 17. Oktober die Ausstellung „The Art of Chess“ im Edmond-J.-Safra - Hof des Somerset House in London (Quelle: http://www.news.scotsman.com/).

Die Ausstellung wurde am 20. Mai dieses Jahres annonciert, am 28. Juni mit einer Schaupartie von FM David Howell (12 Jahre alt; Seaford/England) und GM Sergei Karjakin (13 Jahre; wie FIDE-Weltmeister Ruslan Ponomariow aus Kramatorsk/Ukraine) eröffnet, sollte ursprünglich bis Ende September dauern und wurde dann (anscheinend Anfang August) bis zum 30. November 2003 verlängert.

Die Ausstellung der Gilbert-Collection zeigt 19 Schachsets, die von verschiedenen Künstlern in den letzten 100 Jahren entworfen wurden (u.a. von Marcel Duchamp, Man Ray, Max Ernst, John Lennon’s Witwe Yoko Ono). Fünf dieser Schachspiele sind erstmals öffentlich zu sehen - sie wurden von zeitgenössischen Künstlern entworfen: Damien Hirst, Jake und Dinos Chapman, Paul McCarthy, Yayoi Kusama und Maurizio Cattelan. Die neuen Arbeiten wurden von der neuen Firma RS&A Ltd. in Auftrag gegeben. Die Idee zu dieser Ausstellung hatte Mark Sanders, ein Partner von RS&A, der schon seit Jahren im Londoner Kunstbetrieb etabliert ist. Im Jahre 2001 erteilte er den Auftrag für die neuen Schachspiele bei Künstlern, die er persönlich kannte und die sich unter einander kannten. Mark Sanders wurde angeregt zu diesem Projekt, als er das Propaganda-Schach der Danko-Schwestern (Leningrad 1925) in einem Museum sah: „A fantastic art-deco design!“

Arrangiert ist die beim Publikum gut ankommende Ausstellung so, dass jedes Schachspiel einen Zug in der legendären Partie Napoleons gegen General Bertrand auf St. Helena 1820 zeigt: http://www.gilbert-collection.org.uk/.

Am Abend des 28. Juni lud Lord Jacob Rothschild bekannte Schachenthusiasten zum Dinner. Unter den Gästen befanden sich - wie die FIDE-Website verlauten ließ - u.a. die frühere First Lady Nancy Reagan (USA), Prinzessin Firjal (Jordanien), Ex-Außenminister Dr. Henry Kissinger und Gemahlin (USA) und Lady Hamlyn (England).

Sponsor der Schach-Ausstellung ist der russische Oligarch Oleg Deripaska (Russland). Sein Aluminium-Konzern RusAl, der zweitgrößte der Welt, unterstützt die russische Schachföderation. Das Vermögen des gerade mal 35 Jahre „alten“ Firmenchefs Oleg Deripaska wurde von Forbes auf 1,5 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Lord Rothschild und Dr. Henry Kissinger sind Vorstandskollegen der im Dezember 2001 im Somerset House, London, gegründeten Open Russia Foundation. Der US-amerikanische Zweig dieser Stiftung wurde am 18. September 2002 in Washington D.C. gegründet. Zum Vorstand der Open Russia Foundation gehört ferner der Chef des russischen Ölkonzerns Jukos, Michail Chodorkowski.

Am Rande sei bemerkt: seit Ende Juni ließ die russische Justiz mehrere führende Jukos-Mitarbeiter verhören. Erst den Sicherheitschef von Jukos, Alexei Pitschugin, am 21. Juni wegen eines Doppelmordes. Am 2. Juli Platon Lebedew, den Chef der Holding, die 61% von Jukos kontrolliert. Diese und weitere Aktionen gegen führende Manager von Jukos sowie andere Oligarchen Russlands wurden als „Warnschuss der Organe an die Business-Elite“ interpretiert. Am 18. September 2003, dem Tag, an dem der russische Präsident Wladimir Putin in Jalta (Krim/Ukraine) der Eröffnung des (am 29.8. abgesagten) Ponomariow-Kasparow-Matches hätte beiwohnen sollen, veröffentlichte Wall Street Journal-Kolumnist Garri Kasparow seinen neuesten Beitrag: „KGB State“:

„(...) Russia now is entering an extremely dangerous phase of property redistribution, which is shaking the country's weak economy from top to bottom. The Putin regime's recent, blatant attack on Russia's largest private oil company, Yukos, run by the outspoken oligarch Mikhail Khodorkovsky, illustrates this trend. One of Yukos's major shareholders, Platon Lebedev, has been jailed on charges widely seen in Russia as having less to do with justice than with signaling to all Russian business that no one is safe. Security forces are interfering in business activities when and where they choose. The attorney general's office rubber stamps accusations against oligarchs and big businesses upon orders from the Kremlin. (...)“

Zur Eröffnung der „Art of Chess“-Ausstellung kam auch Prominenz vom Weltschachbund. Ein von der FIDE veröffentlichtes Bild zeigt (v.l.): Exzellenz Kirsan Iljumschinow, Lord Jacob Rothschild und - selten auf einem Bild zu sehen - RusAl-Chef Oleg Deripaska.

Gerald Schendel

 

 

 


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