Kasparovs Deutschlandreise

26.03.2007 – Mit den Stationen Hamburg, Köln, Leipzig und Berlin unternahm Garry Kasparov in den letzten zehn Tagen eine Deutschland-Tournee mit zahlreichen Terminen. Auf der lit.cologne und der Leipziger Buchmesse stellte er sein neues Buch "Strategie und die Kunst zu leben" (Piper, 19,90 Euro) vor. Zuvor war er in Hamburg zu Gast bei Beckmann und hatte bei ChessBase Videos für seine nächste DVD Najdorf 3 (Englischer Angriff) aufgenommen. In Berlin durfte er endlich auch bei Christiansen auftreten. Zuvor hatte er bei Dussmann ebenfalls sein Buch vorgestellt. Dagobert Kohlmeyer hat den Kasparov-Auftritt bei Dussmann beobachtet. Kasparov auf Deutschland-Tour...

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Kasparov in Deutschland
Fotos: Mac Matzen, Friedel, Kohlmeyer

In der letzten Woche besuchte Garry Kasparov Deutschland und unternahm eine knapp zehntägige Reise mit Terminen in Hamburg, Köln, Leipzig und Berlin. Seine erste Station war Hamburg, wo er bei ChessBase Aufnahmen für seine nächste DVD vornahm. Diese wird Teil drei seiner Reihe über die Najdorf-Verteidigung sein und den Englischen Angriff zum Thema haben.


Kasparov mit Gattin "Dasha"


Englischer Angriff: Nicht immer leicht

Am Samstag Abend war Kasparov dann Gast in der Talkshow von Reinhold Beckmann und sprach über seine Rolle als Oppositionspolitiker in Russland. Reinhold Beckmann war so zufrieden mit der Sendung und seinem Gast, dass er Kasparov bereits für eine weitere Sendung im Herbst eingeladen hat.


(Foto: Mac Matzen)


Nachgespräche

Ausgestrahlt wurde die Aufzeichnung erst am folgenden Montag, zusammen mit Aufzeichnungen von Gesprächen mit Marianne Sägebrecht und Familienministerin von der Leyen.

Bei zwei weiteren Terminen präsentierte sich Kasparov als Autor.

Gerade ist in deutscher Übersetzung bei Olms Band 6 der Reihe "Meine großen Vorkämpfer" erschienen. Er befasst sich mit Spielern der späten Sechziger und frühen Siebziger Jahr, Reshevksy, Najdorf, Larsen und vor allem Fischer. Mit 500 Seiten ist es der bisher umfassendste Band dieser Serie. Fischer ist Kasparovs Vorbild und so fiel die Würdigung dieses Spielers besonders gründlich aus. Vielleicht trifft auch der Reihentitel am allermeisten auf Bobby Fischer zu. Sieht man von Fischers "Meine 60 erinnerungswürdigen Partien" ab, so ist der Zugang zu Fischer über Kasparov sicher der schachlich interessanteste.



Gebundene Ausgabe: 502 Seiten , Verlag: Edition Olms, Euro 39,95



Fast zeitgleich erschien gerade in englischer Sprache eine weiteres Buch von Kasparov zur Eröffnung einer neuen Reihe mit dem Titel "Kasparov on modern chess". Der erste Band heißt "Revolution in the 70s. Kasparov gibt hier einen Überblick über die Entwicklung der Schacheröffnungen in dieser Zeit und ermöglicht damit auch dem jüngeren Publikum diese für das Verständnis bestimmter Varianten wichtige Vorgänge mit zeitlichem Abstand nach zu erleben.



Gebundene Ausgabe: 450 Seiten, Verlag: Everyman Chess, Sprache: Englisch , Euro 33,95


Aber diese beiden Bücher waren nicht der Gegenstand von Kasparovs Werben. Im Piper-Verlag erschien kürzlich ein weiters Buch, das man als eine Art allgemeinen Lebens Ratgeber betrachten kann.



Gebundene Ausgabe: 320 Seiten, Verlag: Piper, Euro 19,90
 

In Kasparovs "Strategie und die Kunst zu leben" versucht der Autor, erfolgreiche Strategien des Schachs auf das Leben zu übertragen. "Ich konnte Schach spielen, bevor ich eine Ahnung vom Leben hatte. Als ich mit den Tücken des Daseins konfrontiert wurde, gab es keine Situation, die ich nicht vom Schach her kannte", so Garri Kasparov.

Von Hamburg reiste der Ex-Weltmeister nach Köln und war dort auf dem Literaturschiff Gast von Klaus Bednarz im Rahmen der "lit.cologne."


Podiumsdiskussion auf dem Schiff


Kasparov, Bednarz





Autogramme, Autogramme


Nicht nur bei Schachspielern beliebt, Kasparov


Blick vom Literaturschiff auf das nächtliche Köln

Kasparovs nächste Station war ein paar Tage späte die Leipziger Literaturmesse "Leipzig liest", wo er ebenfalls seinen Ratgeber vorstellte.

Letzter Anlaufpunkt seiner Deutschlandreise war Berlin. Am Sonntag-Abend durfte er endlich als Gast bei Christiansen ( Berliner Morgenpost:  Christiansens EU-Erheiterung...) auftreten. Vor ein paar Wochen war er wieder ausgeladen worden, als es um die Demokratie in Russland ging. Diesmal war die EU und deren Erweiterung das Gesprächsthema. Tags zuvor hatte Kasparov einen in der Buchhandlung Dussmann. Nach einem kleinen Vortrag stellte er sich für eine Signierstunde zur Verfügung. Dagobert Kohlmeyer war dabei:

 

Ein Autor, der sich in die Politik einmischt
Von Dagobert Kohlmeyer

Kasparovs Deutschlandtournee in der vergangenen Woche war ein von den Medien stark reflektiertes Ereignis. In der ARD zeigte sich der Exweltmeister bei Beckmann und Christiansen, bei der Süddeutschen im Interview. Einen bemerkenswerten Auftritt legte er am Samstag bei einer Buchpremiere in Berlin hin.

Kultur-Kaufhaus Dussmann, Friedrichstraße. Schon eine halbe Stunde vor 16 Uhr hat sich eine lange Schlange gebildet. Einige hundert Leute wollen zur Signierstunde des Ex-Champions, der sein neues Buch "Strategie und die Kunst zu leben" vorstellt.

Wie kaum ein zweiter weiß der charismatische Russe, der seine Schachkarriere beendet hat und sich inzwischen neuen Herausforderungen in der Politik stellt, was das Spiel der Könige für die Herausforderungen des Lebens bereithält.

Mit dem Reporter ist sein langjähriger Schachfreund Klaus Kapr gekommen. Der Vorsitzende des SC Friesen Lichtenberg in Berlin interessiert sich wie viele der Buchpremieren-Besucher für die Ansichten Kasparovs auch außerhalb des Schachbretts.


Schachfreund Kapr

Wir nehmen das 375 Seiten starke Werk zur Hand, auf dessen Rücktitel steht „Von Garri Kasparov lernen, heißt siegen lernen.“ Der Spruch kommt früheren DDR-Bürgern mehr als bekannt vor. Damals lautete der Slogan „Von der Sowjetunion lernen heißt siegen lernen“. Der Piper Verlag hat den gängigen Satz einfach abgekupfert bzw. modifiziert.

Kasparov erscheint mit zehn Minuten Verspätung. Der Moderator begrüßt ihn und sagt: „Mister Kasparov, its your show!“. Und Garri legt los, wie wir es von ihm gewohnt sind und wie es kein gewiefter PR-Mann besser könnte: „In erster Linie bin ich jetzt Autor“, verkündet er. „Darüber hinaus halte ich Vorlesungen, und als Drittes mische ich mich in die Politik ein. Ich will im Zentrum dieses Kampfes stehen“.

Eine halbe Stunde spricht Kasparov temperamentvoll über Entstehungsgeschichte und Anliegen des neuen Bandes, den er als Beratungsbuch für den Alltagsmenschen versteht. Es helfe, Entscheidungen im täglichen Leben zu treffen, indem man seine eigenen Stärken und Schwächen analysiert. Immer gehe es darum, die Stärken zu potenzieren und die Schwächen abzubauen.

Ein amerikanischer Verleger hatte ihn ursprünglich gebeten, ein universelles Buch über Lebenshilfe zu schreiben, „um ein besserer Mensch zu werden“. Das wollte ich nicht tun, sagte Kasparov und jenes Projekt scheiterte. Danach gab es Kontakte mit einem englischen Verlag, und am Ende landete er bei einem deutschen Verlagshaus. Piper bringt das Buch über Lebensstrategien als Erster heraus, es soll noch in 10 anderen Ländern erscheinen: u. a. in Holland, England, Spanien, China (!), was Kasparov selbst erstaunte, und im Herbst in den USA.



Die russische Ausgabe werde sich von den anderen unterscheiden, weil es wenig Sinn mache, das Buch aus dem Englischen in sie zu übersetzen. Jedes Land erhalte übrigens eine leicht modifizierte Ausgabe, gewürzt mit Schach-Anekdoten ihrer Helden (Deutschland z.B. mit Lasker usw.)

Als Grundlage des Beratungsbuchs für jedermann hat Kasparov die Entscheidungsprozesse im Schach genommen. Eine Selbstanalyse empfiehlt er jedem Leser. „Meine Hinweise werden erst wirksam, wenn die betreffende Person ihre eigenen Stärken und Schwächen analysiert.

Wie mein Schachfreund Klaus sind die meisten im Publikum von Garris Auftritt beeindruckt. „Kasparov ist der größte Schachspieler aller Zeiten und derjenige, der sich am aktivsten in seiner Zeit einbringt“, finden nicht wenige. Er ist ohne Zweifel der beste Geschäfts- und PR-Mann von allen. Eine junge Frau sagt mit glänzenden Augen: „Der Mann verkauft sich einfach großartig. Deswegen habe ich seine ‚Show’ besucht!“

Weniger zu Wort kommt Kasparov tags darauf bei Sabine Christiansen, wo er Europa als positives Projekt und Russland als einen Polizeistaat bezeichnet, den man mit Venezuela vergleichen könne. Frau Merkel tue recht daran, wenn sie eine strikte Position gegenüber Putin einnimmt, damit dieser nicht länger die Möglichkeit hat, mit den Energielieferungen Russlands zu spekulieren.

Der Weltbürger Kasparov ist inzwischen zurück nach Moskau gedüst. Auf der anderen Seite des Globus, in New York, hat seine neue Frau Daria vor wenigen Tagen eine gesunde Tochter zur Welt gebracht. „Beiden geht es gut“, erfuhren wir bei Dussman noch von ihm.

 

 

 

 

 


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