Kiezblitzen

07.08.2007 – Viele Nichthanseaten kennen den Hamburger Kiez vor allem als Rotlichtviertel, doch der Anteil von Clubs, Diskotheken, Theatern und Konzerthallen wird immer größer und ein Teil der Geschichte der Popmusik hat im Hamburger Star Club in der Großen Freiheit 39 seinen Anfang genommen. Viele junge Musiker, darunter die Beatles, hatten hier ihre ersten Auftritte. Heute bewahren Konzerthallen wie die Docks (in der Reeperbahn), das Grünspan und die Große Freiheit 36 die musikalische Tradition des Viertels. Wo Kultur ist, darf Schach nicht fehlen, findet Andreas Albers vom Hamburger Schachklub. Nach zwei Kiezblitz-Turnieren in der China Lounge hat er nun in der Galerie 36 in der Großen Freiheit eine neue Heimat für das Turnier gefunden, das von nun an sogar monatlich durchgeführt werden soll. Mit Schach zur Großen Freiheit...

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Mit Schach zur Großen Freiheit

Zusammen mit der Reeperbahn gehört die Große Freiheit wohl zu den berühmtesten Straßen Hamburgs. Die Hansestadt besitzt eine große Anzahl von Straßen mit sehr ungewöhnlich Namen, die auf Ereignisse der Hamburger Geschichte verweisen oder . Während "Brandstwiete" oder Brandsende" auch vom Nicht-Hamburger zu deuten sind, ist die Bedeutung von Namen wie "Kehrwiederspitze", "Vorsetzen" oder "Schulterblatt" wohl nur dem Ortsansässigen mit historischem Grundwissen zugänglich.

Auch "Reeperbahn" und "Große Freiheit" sind zwei Straßennamen mit Erklärungsbedarf: Die Reeper waren die Seilmacher, die an der Reeperbahn ihre Taue zum Teeren auslegten. Ihre Kundschaft waren Seeleute, die dort ihre Schiffstaue zum Ausbessern abgaben. In der Wartezeit konnte man entweder am Spielbudenplatz seine Heuer in Vergnügen umsetzen oder aber gleich an der Reeperbahn Dienstleistungsangebote von zufällig anwesenden Damen in Anspruch nehmen, für die St. Pauli und die Reeperbahn noch heute bekannt sind.

Die "Große Freiheit" ist eine seit 1610 bestehende Seitenstraße der Reeperbahn. Das im Straßenahmen verzeichnete Recht genossen zunftfreie Handwerker, die hier ohne organisierten Handwerkszwang ihrer Tätigkeit nachgehen konnten. Weltweit bekannt wurde die Große Freiheit durch den 1943 von Helmut Käutner gedrehten Film "Große Freiheit Nr. 7" mit Hans Sönker, Ilse Werner, Gustav Knuth und Hans Albers.



Hannes Kröger ("der blonde Hans" alias Hans Albers) arbeitet an der Großen Freiheit Nr. 7 im "Hippodrom", das von seiner Geliebten Anita (Hilde Hildebrand) geführt wird, als Sänger und Anreißer. Seinem Bruder verspricht er am Sterbebett sich um dessen Geliebte Gisa (Ilse Werner) zu kümmern. Hannes Kröger verliebt sich in Gisa - von ihm "Paloma" genannt -, will sein unstetes Leben aufgeben und mit ihr eine Familie gründen.

La Paloma:

Ein Wind weht von Süd Und zieht mich hinaus auf See, Mein Kind, sei nicht traurig Tut auch der Abschied weh. Mein Herz geht an Bord, Und fort muß die Reise gehn. Dein Schmerz wird vergehn, Und schön wird das Wiedersehn. Mich trägt die Sehnsucht fort In die blaue Ferne Unter mir Meer, Und über mir Nacht und Sterne. Vor mir die Welt, So treibt mich der Wind des Lebens Wein nicht, mein Kind, Die Tränen, die sind vergebens.

Auf Matrosen ohé! Einmal muß es vorbei sein Nur Erinnerung an Stunden der Liebe Bleibt noch an Land zurück. Seemanns Braut ist die See. Und nur ihr kann er treu sein Wenn der Sturmwind sein Lied singt, Schon winkt mir Der großen Freiheit Glück. Wie blau ist das Meer Wie groß kann der Himmel sein. Ich schau hoch vom Mastkorb Weit in die Welt hinein. Nach vorn geht mein Blick, Zurück darf kein Seemann schauen, Kap Horn liegt auf Lee Jetzt heißt es auf Gott vertrau'n.

Seemann gib Acht denn strahlt auch als Gruß des Friedens Hell durch die Nacht Das leuchtende Kreuz des Südens Schroff ist ein Riff Und schnell geht ein Schiff zugrunde Früh oder spät schlägt Jedem von uns die Stunde

Auf Matrosen ohé Einmal muß es vorbei sein Einmal holt uns die See. Und das Meer gibt keinen Von uns zurück. Seemannsbraut ist die See Und nur ihr kann er treu sein Wenn der Sturmwind sein Lied singt Dann winkt mir Der großen Freiheit Glück


La Paloma ade Auf Matrosen, ohe! Ohe! Ade.

 

 


Doch Gisa hat sich in den Werftarbeiter Willem (Hans Sönker) verguckt. Am Ende zieht Hannes den Kürzeren und begibt sich mit seinen Freunden  Fiete und Jens (Gustav Knuth und Günther Lüders) auf die Padua, um nach Australien zu segeln.

Wegen der Bombenangriffe auf Hamburg musste der Film in Prag zu Ende gedreht werden, wo er auch uraufgeführt wurde. Eigentlich hatte er "Große Freiheit" heißen sollen, aber Goebbels vermutete bei Käutner bei diesem Titel Hintergedanken und erzwang die Umbenennung in "Große Freiheit Nr. 7", eine erfundene Adresse, die zwar existierte, aber nichts mit dem Film zu tun hatte. Nach Veröffentlich wurde der Film in Deutschland verboten, u.a. wegen "Verächtlichmachung des deutschen Seemannes". Auch die recht unverblümte Darstellung der Vergnügungsmeile passte nicht ins gewünschte Bild.

Auf der Reeperbahn nachts um halb eins

Silbern klingt und springt die Heuer, heut speel ick dat feine Oos. Heute ist mir nichts zu teuer, morgen geht die Reise los. Langsam bummel ich ganz alleine die Reeperbahn nach der Freiheit rauf. Treff ich eine recht blonde, recht feine, die gabel ich mir auf.

Komm doch, liebe Kleine, sei die Meine, sag nicht nein!
Du sollst bis morgen früh um neune meine kleine Liebste sein. Ist dir's recht, na dann bleib ich dir treu sogar bis um zehn. Hak' mich unter, wir woll'n jetzt zusammen mal bummeln gehn.

Auf der Reeperbahn nachts um halb eins, ob du'n Mädel hast oder hast keins,  amüsierst du dich, denn das findet sich auf der Reeperbahn nachts um halb eins.

Wer noch niemals in lustiger Nacht solchen Reeperbahnbummel gemacht, ist ein armer Wicht, denn er kennt dich nicht, mein Sankt Pauli, Sankt Pauli bei Nacht.
Kehr ich heim im nächsten Jahre, braun gebrannt wie'n Hottentott, hast du deine blonden Haare schwarz gefärbt, vielleicht auch rot.

Grüßt dich dann mal ein fremder Jung', und du gehst vorüber und kennst ihn nicht, kommt dir vielleicht die Erinnerung wieder, wenn leis' er zu dir spricht:

Komm doch, liebe Kleine, sei die meine, sag nicht nein!
Du sollst bis morgen früh um neune meine kleine Liebste sein. Ist dir's recht, na dann bleib ich dir treu sogar bis um zehn. Hak' mich unter, wir woll'n jetzt zusammen mal bummeln gehn.

Auf der Reeperbahn nachts um halb eins...

 


Erst 1950 wurde der Film wieder frei gegeben und feierte dann riesige Erfolge. Die beiden Lieder "La Paloma" und "Auf der Reeperbahn nachts um halb Eins" gehören seitdem zu den bekanntesten deutschen Schlagern überhaupt.

Die Große Freiheit Nr. 7 gibt es als Adresse heute noch, doch das Gebäude von damals steht nicht mehr, stattdessen wurde hier nach dem Krieg ein Neubau errichtet.


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Unweit dieser Adresse feierte ein anderer großer "Seemann" seine ersten großen Erfolge. 1950 trat Freddie Quinn hier in der "Washington Bar" auf und erfreute das Publikum mit melancholischen Liedern voller Wehmut. Er nahm später auch den in der großen Freiheit Nr. 7 gesponnenen Faden auf, spielte im gleichnamigen Musical mit und sang das berühmte La Paloma.

Während Hans Albers ein echter Hamburger ist, geboren in der Langen Reihe Nr. 71 in St. Georg (das Geburtshaus steht noch), musste sich der in Niederösterreich geborene einstige Weltenbummler Franz Eugen Helmut Manfred Niedl-Petz  erst noch in Freddie Quinn und einen Hamburger Seemann verwandeln.

Die Karriere manch anderen Musikers begann ebenfalls in der Großen Freiheit, und dessen "Star Club", der in den Sechziger Jahren in der Nr. 39 sein Domizil hatte. Hier verdienten sich eine Reihe von Beatgruppen ihre ersten musikalischen Sporen.

Die "Beatles" waren eine von ihnen. Hier nahm ihr späterer Weltruhm seinen Anfang.



Mit dem von Manfred Weissleder 1962 eröffneten Star Club erhielt das Musikleben auf dem Kiez einen neuen Schub. Entsprechend stolz wurde die Eröffnung plakatiert.

Später hat der Name große Freiheit eine ganz andere Bedeutung erhalten, nach dem mit der Sexwelle in den Siebziger Jahren Clubs wie das Salambo oder das Safari ( Anklicken nur für Erwachsene) einzogen und den Vergnügungssuchenden mit freizügigen Aufführungen zu fesseln versuchten.

Heute wird die musikalische Tradition der großen Freiheit mit den beiden Konzerthallen "Große Freiheit 36"...

und dem "Grünspan" fortgesetzt.

"Die Große Freiheit 36" sei der beste Live-Schuppen der Welt, fand einst die New Wave-Ikone Chrissie Hynde von den Pretenders. Ebenfalls an der großen Freiheit 36 liegt neben dem Kaiserkeller die "Galerie 36", die sich mehr den Latino-Rhythmen verschreiben hat.

Wer sich die oben abgebildete Gedenktafel näher anschaut, vor dem die Beatles stehen, findet dort auch den Namen von Ray Charles.



Über Ray Charles kommen wir ohne Umschweife zum Schach. In den vergangenen Jahren hatte Andreas Albers vom Hamburger Schachklub schon zweimal ein "Kiezblitz" in der China Lounge veranstaltet.

Kiezblitz 2005... , Kiezblitz 2006...

Nun hat er mit der "Galerie 36" einen neuen Austragungsort gefunden, der sich auch für häufigere Schachturniere in seinen Räumen aufgeschlossen zeigte. Vor zwei Wochen gab es die erste Auflage. Von nun soll der Kiezblitz an jedem letzten Donnerstag im Monat stattfinden:

Ab August findet an jedem letzten Donnerstag im Monat ein Blitzturnier auf dem Kiez statt! Spielort ist die Bar "Galerie 36", direkt über der Diskothek "Große Freiheit 36". Jeder ist herzlich eingeladen und kann natürlich auch gerne Freunde und Bekannte mitbringen. Die Musik ist gut, Getränke und Essenspreise sind mehr als fair, nämlich 50% des üblichen Preises, so gibt es beispielsweise 0,5Liter Cola für 1,80€.

Wir spielen 9 Runden Schweizer System. Da kein Startgeld erhoben wird, gibt es als Preise Ruhm und Ehre und jede Menge Spaß. Damit wir ungefähr wissen, wieviel Spielmaterial wir mitnehmen müssen, bitte ich um Anmeldungen bis zum Mittwoch vor dem Spieltag, also im August bis zum 29. August. Es wäre doch toll, wenn wir dort ein richtige schöne Turniertradition entstehen lassen könnten.

Anmeldung bei andialbers@web.de

Großes Schach auf der Großen Freiheit!
Von Andreas Albers

Der Hamburger Kiez ist weltberühmt und für jede Menge schräger Typen und Veranstaltungen berüchtigt. Schachturniere passen nicht so ganz perfekt in diese Partymeile, denkt man! Aber Hamburger Schachspieler pfeifen auf solche Vorurteile und suchen immer wieder nach neuen Locations wo man mal beherzt die Figuren über das Brett scheuchen kann.


Die Schachspieler rocken in der "Galerie 36"

Im Sommer 2007 wurde die "Galerie 36" als neuer Spielort organisiert. Die Bar in der Großen Freiheit 36, gleich in der Nähe vom Platz des legendären Starclubs, wo die Beatles schon spielten, als noch niemand sie kannte, erklärte sich bereit zur Ausrichtung. Donnerstags steht dort eh der Themen-Spiele-Abend auf dem Programm unter dem Motto: "Jetzt bist Du dran!"


Die Leuchtreklame im Hintergrund ist legendär

In Windeseile fanden sich 20 Spieler, die sich über 9 Runden Schweizer System duellierten und dabei auch noch das günstige Speise und Getränkeangebot der "Galerie" zu Gemüte führten.


Phil Wiese genießt die besten Sandwiches der Stadt

Topfavorit war der Seriensieger IM Merijn van Delft, der die Kiezblitzserie zu seiner Spezialität erkoren hat. In 3 Auflagen hat er noch keine Partie verloren und das obwohl in früheren Turnieren schon Hamburger Größen wie GM Jan Gustafsson oder auch der Katernberger IM Sebastian Siebrecht am Start waren.

Auch in dieser Nacht führte an van Delft kein Weg vorbei und selbst gegen seine zukünftige Frau Evi Zickelbein ließ er keine Gnade walten.


Ehestreit wird es bei solchen Duellen niemals geben, Evi Zickelbein und Seriensieger Merijn van Delft


Die Fans unterstützten den Holländer nach Kräften
 

Am Ende standen beeindruckende 9/9 und damit natürlich ein erneuter Turniersieg zu Buche. Aber auch die stärksten Hamburger Jugendlichen konnten überzeugen. Mit Stefan Schnock, Robin Stellwagen, Frank Bracker, Phil Wiese(alle HSK) und Sebastian Kielhorn (SK Finkenwerder) waren immerhin 5 Hamburger Jugendmeister der letzten 3 Jahre am Start und verkauften sich stark. Besonders Frank Bracker freute sich, konnte er doch endlich einmal eine "wichtige" Partie gegen seinen Zwillingsbruder Arne ausspielen. Seit Jahren kämpfen die beiden Brüder zwar gegen jeden ihre Partien voll aus, aber nicht gegeneinander.


Das Siegerlächeln schon vor Partiebeginn, Arne kann es nicht mit ansehen.


Bei so vielen reizenden Damen hat Stefan Schnock schon ein verschmitztes Lächeln.

Auf dem Kiez herrschen bekanntlich andere Gesetze und im Bild kann man bereits erahnen, dass Frank das bessere Ende für sich hatte.
Veranstaltungen locken natürlich die Zocker hinter dem Ofen hervor. Auf dem Fritz-Server berühmt und berüchtigt ist Michael Faika. Der Kölsche Jung schlägt eine besonders scharfe Klinge und hat seit er in Hamburg lebt schon viele Favoriten geschlagen. Der Kiezblitz schien wie geschaffen für ihn zu sein, doch in der vorletzten Runde gingen ihm ein wenig die Gäule durch. Turnierorganisator hatte mit dem "Anti-Faika-Zug" 1.Sf3 (der wirklich einzige Zug, der den Schwarzen an 1. ....e5 hindert) provoziert und nach nur 7 Zügen winkte ein Matt.


Faika hat das Matt gefunden, bevor sein Gegner es ausführte.


Gemütliche Runde in der Großen Freiheit. Nils Altenburg und Evi Zickelbein.


Robin Stellwagen braucht gegen Michael Faika den ganz weiten Blick


Katja Stephan und Andreas Albers fechten die 150ste Französisch-Partie aus


Der Kiezblitz in der "Galerie 36" soll Tradition werden. Jeden letzten Donnerstag im Monat wird das Turnier ausgerichtet. Mit machen kann jeder, der bis 21.30 Uhr vor Ort ist. Speisen und Getränke sind für den halben Preis zu haben und neben Schach kann hier auch so manchen anderen Spielen gefrönt werden. Besonders heiß begehrt sind die Plätze an der Nintendo-Spielkonsole:


Einer der Medaillenträger forderte nach dem Turnier zum "Super-Mario-Kart-Duell"
 

 

 

 

 

 

 


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