Lauter Favoritensiege

27.11.2003 – Die vier großen WM-Favoriten haben nun alle gegeneinander gespielt und treffen nun nur noch auf vermeintlich schwächere Programme. Heute zeigten die "Big Four" in der achten Runde der Computer-WM, das was in Ihnen steckt und kamen allesamt zu mehr oder minder klaren Siegen. Im Tabellenbild hat sich daher nichts geändert: Shredder und Fritz (6,5) führen vor Junior (6) und Brutus (5,5). Doch das muss nicht in jeder der noch kommenden drei Runden sein, denn das Computerschach hat seine eigenen Gesetze. Auch ein starkes Programm kann einmal auf dem falschen Bit erwischt werden oder ein Ply zu kurz gerechnet haben. Die WM bleibt wohl bis zur letzten Runde spannend.Alles wichtige von Peter Schreiner (Foto) aus Graz. Terminplan bei chess003.... Offizielle Turnierseite der Computerschach-WM... Graz 2003...Partien, Fotos, Bericht...

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Graz, 22. bis 30.November 2003

Die Partien der ersten Runde zum Nachspielen...

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Graz 8. Runde
Peter Schreiner


Peter Schreiner in Graz


Die Organisation hier in Graz ist einfach nur exzellent. Wer noch nie solch ein Turnier organisiert hat, macht sich im Allgemeinen keine Vorstellung davon, welcher Arbeitsaufwand von dem Organisationsteam geleistet wird. Der "Macher" des Turniers ist Walter Kastner.
 


Walter Kastner


Frage: Walter. Wie kam es zu der Idee, die Computerschach-WM in Graz auszurichten?

Antwort: Die Idee stammt von unserem Medienkünstler Prof. Richard Kriesche, der einerseits eine Medienplattform installieren wollte und andererseits die Schachliebe die Prof. Jungwirth fördern wollte. Auf diesem Wege ist durch die aktive Förderung des Schachliebhabers Prof. Kriesche das Turnier ermöglicht worden.

Frage: Computerschachturniere haben ja eine ganz eigene Atmosphäre, z.B. darf man während der laufenden Partien sprechen und in die laufenden Partien hineinreden.

Antwort: Gerade weil man während der laufenden Partien kommentieren, analysieren und diskutieren kann, passt dieses besondere Turnier hervorragend in unser Konzept. Ich bin sehr überrascht, dass die zahlreichen Laien erstaunt die hier vorherrschende Atmosphäre wahrnehmen und als bleibenden Eindruck mitnehmen. Die "Schachexperten" wiederum merkt man das Erstaunen an, dass man das trocken anmutende Computerschach so lebendig präsentieren kann.

Frage: Du selbst bist aktiver Turnierspieler. Wie ist Dein Eindruck vom Computerschach allgemein und den hier teilnehmenden Programmen ?

Antwort: Mich faszinieren vor allem die Menschen, die hinter den Programmen stehen. Ich hätte nicht gedacht, dass alle Programmierer im Grunde genommen so lebenslustige und aufgeschlossene Menschen sind. Bei den Programmen ist das Leistungsniveau absolut hervorragend. Beigeistert hat mich die Tatsache, dass viele Teilnehmer via Internet auf leistungsstarke Maschinen zugreifen, die in New York, Paderborn oder Amsterdam stehen.

Frage: Im allgemeinen ist es sehr schwer, Sponsoren für solche Events zu gewinnen. Ich war selbst bei einigen Veranstaltungen dabei. Solch ein gediegenes und professionell durchgezogenes Event habe ich noch nie erlebt ? Wer unterstützt Dich konkret bei der Durchführung der Veranstaltung ?

In erster Linie der Präsident des Österreichischen Schachverbandes Prof. Kurt Jungwirth. Er hat als ehemaliger Landeshauptmann für uns die notwendigen Kontakte vermittelt, wie z.B. Fujitsu Siemens, Pro Holz, Otto Versand, Casino Graz und nicht zuletzt ein ganz wichtiger Kontakt: ChessBase, die uns erst die multimediale Aufbereitung des Turniers ermöglicht haben.

Frage: Auf schach.de wurde das Turnier weltweit verfolgt. Wie beurteilst Du die Entwicklung des Schachs durch das Internet ?

Antwort: Das Internet ist für das Schach eine große Chance. Meiner Meinung nach ist es das perfekte Medium für das Schach. Wir erreichen über das Internet die Gemeinschaft der Schachcomunity praktisch vollzählig mit aktuellen Ergebnissen, Partien und in Zulkunft auch mit Internetradio und Internet - TV. Ich freue mich besonders darüber, dass unser Turnier als Pilotprojekt erstmals live auf dem Server von ChessBase mit Kommentaren und bewegten Bildern übertragen wurde. Besonders hervorheben möchte ich noch die Landesberufsschule Fürstenfeld, die für uns speziell die wunderschönen Turnierbretter angefertigt haben.

Frage: Auch wenn man aufgrund der exzellenten Turnierorganisation den Eindruck gewinnen könnte, dass Du professionell Turniere ausrichtest. Was machst Du beruflich ?

Antwort: Dieses Lob lässt mich erröten, weil dies mein erstes Turnier als Organisator war. Beruflich mache ich mit meiner Firma Imagewerk gemeinsam mit meinem Partner Elmar Ranegger TV- Videoproduktionen und Webdesign.

Danke an Walter Kastner für das Interview.

Die große Rolle der Eröffnungsbücher:

Für die Erfolgsaussichten der Programme ist die Eröffnungswahl ein ganz wichtiger Faktor. Hier in Graz treten nicht nur die Programmierer gegeneinander an. Hinter den Kulissen läuft ein ebenso ehrgeizig betriebener Wettkampf zwischen den Buchautoren der einzelnen Programme ab. Die überzeugendste Eröffnungsbehandlung legte bisher Shredder an den Tag, dessen Buch von dem italienischen Buchexperten Sando Necci aus Mailand erstellt wird. Bis auf die Partie gegen Fritz kam Shredder jedes Mal mit einer soliden, ausgeglichenen Stellung aus dem Buch. Während Sandro Necci im stillen Kämmerlein von Mailand aus arbeitet und die Ergänzungen via Internet schickt, ist der Buchautor von Fritz und Brutus, Alexander Kure, vor Ort.


Ulf Lorenz (Uni Paderborn), Buchautor Alex Kure, Chrilly Donninger

Warum sind Eröffnungsbücher so wichtig für die Erfolgsaussichten ? Grundsätzlich besteht das Ziel der Eröffnung darin, eine möglichst vorteilhafte Stellung herbeizuführen. Die Auswahl der Eröffnungen, die ein Schachspieler aktiv spielt, ist ein wesentliches Merkmal zur Charakterisierung seiner Spielweise. Denn mit unterschiedlichen Eröffnungen werden in der Regel verschiedene Stellungstypen herbeigeführt, welche die individuellen Fähigkeiten eines Schachspielers auf verschiedene Weise fordern. Die große Kunst bei der Eröffnungsvorbereitung besteht hauptsächlich darin, ein System auszuwählen, das die eigenen Stärken betont und optimal zum eigenen Spielstil passt! Wenn ein Mensch Eröffnungen spielt, reproduziert er - wie bereits ausgeführt - in der Regel Züge. Dabei spielt es für unsere Überlegung überhaupt keine Rolle, ob dieser Zug aus einem Buch, von einem anderen Schachspieler oder einer Datenbank stammt. Auch wenn ein bestimmter Eröffnungszug vom Spieler in häuslicher Analyse selbst gefunden wurde (= Neuerung), handelt es sich bei der praktischen Anwendung in einer Schachpartie um eine Reproduktion.

Schachprogramme verhalten sich in dieser Hinsicht nicht anders. Jedes Programm verfügt über eingespeicherte Eröffnungszüge, die es nur aus der entsprechenden Datei abzurufen braucht. Die Datei mit den gespeicherten Zügen bezeichnet man als Eröffnungsbuch oder Eröffnungsbibliothek. In gedruckten Eröffnungsbüchern befinden sich genau wie in den Eröffnungsbüchern von Schachprogrammen Zugfolgen und Bewertungen (z.B. "guter Zug" oder "schlechter Zug").

Ein Schachprogramm hat - wie ein menschlicher Schachspieler - bestimmte individuelle Stärken und Schwächen. Wir wollen an dieser Stelle nicht auf die prinzipiellen Unterschiede der Herangehensweise von Mensch und Computer an das Problem Schach eingehen.

Schachprogramme unterscheiden sich in ihrer Spielweise genau so voneinander, wie sich menschliche Schachspieler voneinander unterscheiden (wäre dem nicht so, müssten die Schachprogramme identisch sein und könnten deshalb keine schöpferische Leistung der Autoren darstellen). Daraus folgt, dass Schachprogramme ebenso wie Menschen unterschiedliche Eröffnungen spielen müssen, um ihre spezifischen Fähigkeiten bestmöglich zur Geltung bringen zu können.

Die Analogie zum menschlichen Schachspieler lässt sich in diesem Punkt fortführen. Ein Mensch wird sich aus der Summe der Eröffnungstheorie die Spielweisen aussuchen, lernen und anwenden, die seinen individuellen Fähigkeiten entsprechen; zumindest sollte es im Idealfall so sein. Ein Schachprogramm benötigt hierzu jedoch die Hilfe eines Entwicklers, der einerseits ein starker Schachspieler sein muss, um die individuellen Fähigkeiten eines Schachprogramms zu erkennen,
die in Veröffentlichungen (Eröffnungsbüchern, Datenbanken, usw.) abgegebenen Beurteilungen (Bewertungen) zu überprüfen, die Qualität des Spiels des Schachprogramms nach der Eröffnung zu beurteilen.

Andererseits ist auch eine gewisse Kenntnis der spezifischen Programmierung des Schachprogramms notwendig, um programm-technisch bedingte Grenzen der Fähigkeiten des Schachprogramms erkennen zu können! Ein typisches Beispiel wäre z.B. die Unfähigkeit eines Programms, bestimmte Wendungen, deren Auftreten maßgeblich für die Bewertung einer Eröffnungsvariante sind, zu erkennen. Beim Entwickeln eines Eröffnungsbuchs für ein Schachprogramm ist es keinesfalls ausreichend, bereits veröffentlichtes Material ungeprüft zu übernehmen.

Das Eröffnungsbuch muss also unbedingt speziell auf das Schachprogramm abgestimmt sein. Dies ist um so schwieriger, da ein menschlicher Schachspieler seine eigenen Präferenzen kennt und demnach schnell beurteilen kann, ob eine bestimmte Eröffnung ihm entgegenkommt oder nicht. Bei einem Schachprogramm müssen die spezifischen Stärken und Schwächen erst erarbeitet werden. So finden sich in Eröffnungsbüchern häufig Bewertungen wie "Weiß hat entscheidenden Angriff".

Wenn nun das Schachprogramm nicht in der Lage ist, den Angriff fortzuführen, dann ist diese Bewertung aus der subjektiven Betrachtungsweise des Schachprogramms unzutreffend. Es wäre sinnlos, wenn das Schachprogramm diese Stellung herbeiführen würde und nicht in der Lage wäre, sie zu verwerten.

Die Bewertung "Weiß hat Angriff für den geopferten Bauern" ist ein zweites typisches Beispiel. Dies stellt eine subjektive Bewertung des jeweiligen Autoren dar. Ein menschlicher Schachspieler wird in einem solchen Fall die weiße Stellung bevorzugen, da Menschen in Verteidigungsstellungen psychologisch bedingt öfter Fehler begehen (also schwächer spielen), als in Angriffsstellungen.

Dies ist auf Schachprogramme nicht übertragbar, da die psychologische Komponente für das Elektronenhirn vollkommen entfällt. In diesem Beispiel müsste exakt überprüft werden: wie die Stellung objektiv zu beurteilen ist (wiegen die Angriffsmöglichkeiten schwerer oder der geopferte Bauer?) und das Schachprogramm sich in dieser Stellung verhält (wird es als Angreifer oder Verteidiger stärker spielen?).

Erst nach diesen Überprüfungen kann festgelegt werden, ob es vorteilhaft ist, das Schachprogramm diese Stellung mittels der Eröffnungsvariante herbeiführen zu lassen. Ein anderer wesentlicher Punkt ergibt sich aus der Tatsache, dass die Bewertung einer Stellung in vielen Fällen nicht klar ersichtlich ist, sondern auf den individuellen Fähigkeiten eines Spielers beruht. So ist es durchaus möglich, dass zwei Spieler gleicher Spielstärke, aber mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen, ein und dieselbe Stellung völlig unterschiedlich bewerten.

Deshalb ist es unerlässlich, die festgelegten Bewertungskriterien des Schachprogramms mit denen in Eröffnungspublikationen abzustimmen und die Parameter entsprechend zu setzen. Wenn z.B. nach einer Zugfolge eine Seite deshalb besser steht, weil sie den Vorteil zweier Läufer gegen Läufer und Springer besitzt, kann dies für ein Schachprogramm nur dann relevant sein, wenn es diese Konstellation ebenfalls als vorteilhaft einschätzt. Andernfalls besteht die Wahrscheinlichkeit, dass es den Vorteil aus Unkenntnis preisgibt. Diese Arbeit hat auf die Erfolgsaussichten eines Programms wesentlichen Einfluss.

Zum Turnierverlauf...


Zaungast Johan de Koning: Autor des Programms The King

Nachdem die Topfavoriten gegeneinander gespielt haben, wird es entscheidend sein, wer am sichersten die Punkte gegen die vermeintlich schwächeren Programme einfährt. Shredder spielte gegen das Programm Chinito. Unmittelbar nach der Eröffnung hatte Shredder leichten positionellen Vorteil. Selten gab es eine aggressivere Version von Shredder. Das Programm startete wieder einmal einen scharfen Königsangriff, der die Partie umgehend entschied. Damit hatte der vielfache Weltmeister sein Pensum erfüllt.


Shredder spielte gegen Chinito Schottisch, ohne mit Taktik zu geizen.

Fritz sollte man eigentlich umtaufen. Im laufenden Turnier würgt das Programm seine Gegner in einem positionellen Stil ab, der an die Partien von Exweltmeister Karpov erinnert. Ich habe den Fritz-Autoren den Namen "Boa Constrictor" vorgeschlagen. Das Programm überspielt seine Gegner in einem beeindruckenden positionellen Stil und läßt einfach keine Gegenchancen zu.

Momentan lebt das Turnier von der Spannung,. ob die beiden Spitzenreiter Fritz und Shredder souverän ihre vermeintlich schwächeren Gegner besiegen können.

Titelverteidiger Junior spielte gegen das deutsche Amateurprogramm Quark. Quark-Programmierer Thomas Mayer bereitete sich im Zockercafe "Brot + Spiele" Tipps für die Vorbereitung vor und hoffte auf eine Überraschung. Junior ließ aber nichts anbrennen und setzte sich erfolgreich gegen den Amateur durch.


Quark (re.) gegen Junior (li.)

Brutus besiegte Diep und hält damit Anschluß an das Spitzenfeld.


Brutus gegen Diep


 


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