Leong zurückgetreten

von André Schulz
28.02.2014 – FIDE-Generalsekretär Ignatius Leong ist zurückgetreten. Leong war lange Parteigänger von Ilyumzhinov, gehört nun aber zum Kasparov-Ticket. Unterdessen wird der Schachverband Montenegros von einem Skandal erschüttert. Präsident Sarkotic, zugleich ECU-Exekutivdirektor, soll bei der Jugend-EM 200.000 Euro in die eigene Tasche geleitet haben. Mehr...

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FIDE-Präsidiums-Wahl: Ilyumzhinov vs. Kasparov

Im Wahlkampf zwischen Kirsan Ilyumzhinov und Garry Kasparov wurde kürzlich die zweite Runde gespielt.

Zur Eröffnung der ersten Runden gelangte bekanntlich ein Vertrag zwischen Garry Kasparov, genauer: der von Kasparov gegründeten Kasparov Chess Foundation, und Igantius Leong, genauer: der von Igantius Leong gegründeten Asean Chess Academy, an die Öffentlichkeit. Leong, der bisher zum Team des amtierenden Präsidenten Ilyumzhinov gehörte, soll im Falle einer Wahl Kasparovs zum FIDE-Präsidenten für diesen die Aufgabe eine Generalsekretärs übernehmen würde. Für die Wahl sollte er aus Asien neben seiner eigenen Stimme zehn, besser 15 Stimmen für Kasparov "besorgen". Im Gegenzug würde die Kasparov Chess Foundation 250.000 Dollar jährlich zur Unterstützung an die Asean Chess Academy zahlen. Leong würde zudem einen Zuschuss von 100.000 Dollar für Reisesspesen, etc. erhalten.

Kasparov, Leong (Foto: Mig Greengard)

Als Quelle der Veröffentlichung dieses Vertrages vermutete das Kasparov-Team die FIDE. Leongs Email- Account an den besagter Vertragsentwurf geschickt worden war, soll in der FIDE gehackt worden sein. Von Seiten der FIDE dementierte man jedoch umgehend und wies den Vorwurf zurück.

In der zweiten Runde wurde ein Vertrag zwischen Andrew Paulsen und seiner Vermarktungsfirma AGON und Kirsan Ilyumzhinov der Öffentlichkeit zugespielt. Demnach wäre Ilyumzhinov selbst an der Firma AGON beteiligt. Ob es legal ist, wenn der Präsident eines Sportverbandes beteiligter Partner eines Vertragspartners ist, wurde bisher nicht eindeutig geklärt, zumindest sei es "unethisch", meint Nigel Short. Die Sunday Times machte Ende Januar daraus eine Geschichte, aber Andrew Paulsen dementierte umgehend und erklärte, bei dem veröffentlichten Papier handele es sich um einen von vielen Vertragsentwürfen und Vorschlägen, der aber nie realisiert wurde. Das Papier sei von einem früheren frustrierten Mitarbeiter, gemeint ist Robert Fontaine, der zu Anfang für AGON als Videoreporter arbeitete, entwendet und dem Kasparov-Team zugespielt worden, die es für ein "Racheschach" verwendet hätten. Einzelheiten zu diesem Vorgang kann man in dem Blog von Kevin Spraggett nachlesen. Der kanadische Großmeister und frühere WM-Kandidat veröffentlicht hier Beiträge zu seinen zwei Hobbys, eins ist Schach.

In der dritte Runde des Wettkampfes um das Amt des FIDE-Präsidenten hat nun Ignatius Leong, zuvor lange Jahre Parteigänger von Ilyumzhinov und dem amtierenden FIDE-Präsidium, dem Druck nachgegeben und ist als Generalsekretär der FIDE zurückgetreten. Sein Amt als Chairman der  Qualification Commission hat er ebenfalls aufgegeben. Sein Nachfolger ist Werner Stubenvoll.

Eine Einschätzung des Wahlkampfes hat Professor Kurt Jungwirth auf der Verbandsseite chess.at gegeben. Der Präsident des Österreichischen Schachverbandes weist auch auf die Wahlen zum Präsidium der European Chess Union (ECU) hin, die ebanfalls im August während der Schacholympiade in Tromsö stattfindet. Hier läuft der Wahlkampf zwischen dem amtierenden Präsidenten Silvio Danailov und seinem Herausforderer Zurab Asmaiparashvili weitaus geräuschloser ab als der FIDE-Wahlkampf.

Allerdings ist der Präsident des montenegrinischen Schachverbandes, Vladimir Sarkotic, zugleich Exekutiv Direktor der ECU, gerade von seinem Amt als Präsident zurück getreten. Sarkotic sah sich Vorwürfen ausgesetzt, die Einnahmen aus der Organisation der Jugendeuropameisterschaft in Budva in Höhe von mehr als 200.000 Euro über verschiedene Firmen, unter anderem von seiner Jasna Sakotic geleitet, in seine private Taschen umgeleitet zu haben.  Auch bei der Frauen-Europameisterschaft im Sommer 2013 soll es Unregelmäßigkeiten gegeben haben. Die von Jasna Sarkotic geleitete Firma “Centar za razvoj šaha” berechnete für die Miete von 30 DGT-Brettern 11.000 Euro. Üblicherweise kostet dies nur 1500 Euro.

Ein Insider der ECU wunderte sich nicht, dass auf diese Weise größere Mengen Geld in private Taschen umgeleitet wurden, sondern wieso das publik geworden ist.

Unterdessen hat Kasparov auf seiner Wahlkampf-Tour Afrika bereits und dort Stimmenzusagen bekommen. Kirsan Ilyumznov befindet sich aus dem gleichen Grund in Nicaragua.

Kasparov in Tanzania (Foto: Kasparov 2014)

Ilyumzhinov in Nicaragua (Foto: FIDE)

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FIDE: The truth about the FIDE-AGON contract...

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Sunday Times: Clash of kings (26. Januar)...

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Video-Interview mit Nigel Short...

Stubenvoll neuer Chairman, chess.at...

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Themen ECU, FIDE, Kasparov

André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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Robu44 Robu44 01.03.2014 12:32
"30 DGT-Bretter 11.000 Euro. Üblicherweise kosten diese nur 1500 Euro." Wo gibt es 30 DGT-Bretter für 1500 Euro? Würde unser Verein sofort kaufen.
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