Mainz bleibt Mainz

16.08.2003 – Für die Turniertage in Mainz hat Organisator Hans-Walter Schmitt (Foto) auch dieses Jahr ein dicht gedrängtes Programm an Schachveranstaltungen zusammen gestellt. Mainz bleibt eben Mainz, auch wenn es früher einmal Frankfurt war. Das stark besetzte Chess 960 Open mit 50 GMs wurde von Levon Aronian gewonnen. Beim Chess 960 wird die Grundstellung ausgelost und es gibt - richtig geraten - 960 verschiedene Möglichkeiten. Nach Beginn der Partie versuchen die Spieler dann, eine normale Schachstellung aufzubauen, was ihnen meist schnell gelingt - oder eben auch nicht. Anna Dergachova war dabei und erklärt, was es beim Chess 960 für die Figurenentwicklung bedeutet, wenn man gegen Großmeister immer Schwarz hat. Bericht aus Mainz...

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Chess Classic Mainz 2003
Von Anna Dergachova


Mainz bleibt Mainz


Rheinbrücke


Spielerhotel Hilton Mainz


Organisator Hans Walter Schmitt

178 Teilnehmer versammelten sich in diesem Jahr zum Fischerschach (Schach 960) in Mainz, darunter mehr als 50 Großmeister (die Hälfte von davon mit einer Elo-Zahl von über 2600) und 22 Internationalen Meister. Wenn man die Tabelle betrachtet, bekommt man das Gefühl, das alles in besten Ordnung sei, da es unter den ersten 50 Plätzen keinen einzigen „nicht Titelträger“ gibt. Das heißt, dass die Spieler, welche die normale Schachkunst beherrschen, auch hier ganz vorne sind.


Alexej Dreev mit Gattin


Nisipeanu (re.)


Rustam Kasimdszhanov


Rafael Vaganjan


Zoltan Almasi


Liviu-Dieter Nisipeanu (li.)


Alexander Rustemov


Vadim Milov


Arshak Petrosian

Wie schwer es ist, gegen Großmeister zu spielen, bekam ich dieses Jahr schmerzhaft an eigener Haupt zu spüren. Ein bisschen Pech mit der Auslosung, ich musste nämlich gegen alle Großmeister mit Schwarz spielen und wurde jedes Mal fürchterlich zerlegt und schaffte es so gut wie nie, alle meine Figuren zu entwickeln. Dabei konnte man von den großen Monitoren so schön abgucken, wo die ersten beiden Bretter mit den besten Spielern live gezeigt wurden! Ab und zu schaute ich nach oben und wunderte mich über die fast „normalen“ Stellungen, die dort zu sehen waren. Nach ungefähr 20 Zügen hätte man nicht mehr auf Chess960 tippen können. Die Bauernstrukturen sahen vernünftig aus, alle Figuren spielten mit. Ganz anderes erging es mir...

Doch es hat Spaß gemacht, und am Ende war ich mit 6 Punkten aus 11 Runden sogar die drittbeste Dame. Dank Inna Gaponenko, die mit 6,5 Punkten den 2. Platz in der Ratinggruppe unter 2400 belegte. Sie spielte ein großartiges Turnier, trotz (oder vielleicht Dank) ihrer vierjährigen Tochter, die sehr aufmerksam das Geschehen an den beiden Tagen verfolgte und für die tolle Unterstützung mit auf die Bühne durfte.


Inna Gaponenko mit Tochter

Deshalb wurde Elisabeth Pähtz zur besten Dame, Jovanka Houska belegte den zweiten Platz (beide mit 6 Punkten).


Jovanka Houska

Natürlich, war es ein sehr interessantes Turnier für alle Schachliebhaber. Und für die Großmeister gar nicht immer einfach. Alexander Grischuk, der mit seiner Zahl von 2732 Topfavorit war büßte schon in der ersten Runde gegen den Bürgermeister einen halben Punkt ein und kam am Ende mit nur 7 Punkten auf Platz 37 ein! Arthur Jussupow war diesmal mit seiner ganzen Familie da, Frau Nadja und die beiden Kinder Ekaterina und Alexander.


Nadja Jussupov (re.) und Ekaterina


Alexander Jussupov


Beide Kinder gewannen Ratingpreise in ihren Gruppen und Papa hat hier wahrscheinlich (nach seinen eigenen Worten) sein bestes Turnier gespielt. Als einziger Teilnehmer verlor er keine Partie(!), machte 6 Remis (was auch sonst keiner schaffte), gewann fünf und wurde mit 8 Punkten 6. Gewonnen hat mit 9,5 Punkten der 20–jährige Levon Aronian, der seit zwei Jahren in Deutschland lebt und für Wattenscheid in der ersten Liga spielt.

Er trägt eine lustige Brille, die nach Sonnenbrille aussieht aber keine ist. „Wie war das Turnier für Dich, magst Du Fischerschach besonders gern?“, - fragte ich ihn nach seinem Sieg im Pressezentrum. „Schwer zu sagen“, meinte er. „Im normalem Schach sind meine Theoriekenntnisse für dieses Niveau nicht so gut (ich weiß nicht, wie gut sie denn sein sollen, wenn ein Jugendwelt- und Europameister seine für unzureichend hält), deshalb sollte mir dieses Spiel besser liegen, doch ich verbrauchte wahnsinnig viel Zeit, bis ich richtig in die Stellung eingedrungen bin, und war deshalb ständig in Zeitnot.“ Den zweiten und dritten Platz belegten mit 9 Punkten Vadim Zvjaginsev und Konstantin Landa.

Seit zwei Tagen spielen Peter Leko und Peter Svidler um die Weltmeisterschaft im Chess960. Doch bis jetzt war es noch nicht so spannend, ziemlich viele unentschiedene Partien.

Keiner riskiert viel, die beide Kontrahenten belauern sich und warten auf den ersten Fehler. Nicht so im anderen Match, Judit Polgar gegen Vischi Anand. Das Brett brennt in jeder Partie, keine langen Manövern, schönes offenes Spiel, eine richtige Augenweide für die Zuschauer!


Anand gegen Polgar


Anand mit Gattin Aruna

Morgen geht es weiter mit Rapidschach.


Frau Geogiev mit Tochter


David Baramidze mit Vater


"A kiss is just a kiss..."

 

 


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