Mark Taimanov zum 80sten Geburtstag

07.02.2006 – Heute vor 80 Jahren, am 7.Februar 1926 kam Mark Taimanov in Kharkov, in der heutigen Ukraine, zur Welt. Er wuchs in Leningrad auf und lernte dort im Palast der Pioniere Schach spielen. Im Laufe seiner Karriere nahm er an 23 Meisterschaften der UdSSR teil und wurde einmal zusammen mit Botvinnik, dem er dann im Stichkampf unterlag, geteilter. 1952 erhielt Tajmanov den Großmeistertitel. Neben dem Schach besaß er eine zweite große Begabung als Pianist. Zusammen mit seiner ersten Ehefrau Lyubov Bruk bildete er ein Duo, das kurz vor dem Durchbruch zu einer Weltkarriere stand. Dann traf er 1971 als Kandidat auf Robert James Fischer. Der enorme Druck in der Vorbereitung zerstörte seine private und künstlerische Beziehung zu Lyubov Bruk und seine 0:6-Niederlage gegen Fischer beim Wettkampf in Vancouver ließ ihn beim sowjetischen Verband in Ungnade fallen. Dennoch zählt Mark Taimanov den Wettkampf zu den Höhepunkten seiner Schachkarriere. Mehr...

Mark Taimanov zum 80sten Geburtstag

Seit frühester Kindheit bereits lernte Mark Taimanov Klavier spielen und bekam 1937 als 11-Jähriger das Angebot, eine Rolle in dem Musikfilm "Das Beethoven-Konzert" zu übernehmen. Der junge Mark sollte eine der Hauptrollen spielen, die eines jungen Violinisten. Um die Rolle überzeugend darstellen zu können, musste er innerhalb eines Jahres im Violinespiel Meisterstatus erreichen. Der Film wurde auf dem Filmfestival in Paris 1937 ein großer Erfolg und Mark Taimanov ein gefeierter Schauspieler. Im gleichen Jahr ging er in den Pionier Palast und begann mit dem Schachspiel. Bald war er ein Schüler Mikhail Botvinniks. Neben seiner musikalischen Ausbildung wurde Mark Taimanov so auch zu einem der besten Schachspieler des Landes.

Das Schach genoss in der Sowjetunion schon seit den Dreißiger Jahren ein hohes Ansehen. In den Fünfziger Jahren waren die sowjetischen Spieler weltweit führend und Schach wurde aus propagandistischen Zwecken von der Sowjetführung sehr gefördert und war sogar Chefsache. So wurde die Erlaubnis für Mark Taimanovs Reise zu den Studentenweltmeisterschaften 1952 in Liverpool von Josef Stalin persönlich unterzeichnet. Taimanov war im folgenden Jahre einer der Teilnehmer beim berühmten Kandidatenturnier in Zürich 1953. Von den 16 Teilnehmern stammten neun aus der Sowjetunion. Smyslov gewann mit zwei Punkten Vorsprung vor Bronstein, Reshevsky und Keres. Die Erfolge im Schach waren für die Sowjetführung so wichtig, dass es hinter den Kulissen zwischen unterschiedlichen Fraktionen ein ständiges Gerangel darum gab, welcher der Großmeister ganz vorne stehen sollte. Die übrigen Großmeister hatten zurück zu stehen, durften in den Partien der auserkorenen Anwärter aus dem eigenen Lager nicht zu ehrgeizig sein und hatten ansonsten gegen die auswärtigen Spieler ihr ganzes Können aufzubieten. Mit Robert Fischer erschien dann Anfang der Sechziger Jahre ein ernsthafter Konkurrent um den prestigeträchtigen Weltmeistertitel. Während man den Amerikaner im Kandidatenturnier von 1962 noch mit Hilfe von Absprachen der sowjetsichen Spieler Petrosian, Geller und Keres niederhalten konnte, wurde Taimanov im zweiten Anlauf Fischers auf den Titel zu seinem ersten großen Opfer. Fischers 6:0-Sieg ließ Taimanov bei der sowjetischen Führung in Ungnade fallen und er verlor das Recht auf Auslandsreisen. Durch die intensive Vorbereitung auf den Wettkampf, zu dem er sich übrigens erst durch einen Stichkampf gegen Lutikov qualifiziert hatte, zerbrach seine Partnerschaft mit Lyubov Bruk, privat und beruflich. "Mindestens habe ich meine Musik", sagte er sich damals, als er in der Folge das Privileg verlor, außerhalb der UdSSR spielen zu dürfen.

Es gibt einige Beispiele für ein Doppeltalent im Schach und in der Musik. Mark Taimanov ist das bekannteste. Als Schachspieler war er WM-Kandidat und als Musiker bildete er mit seiner ersten Ehefrau Lyubov Bruk eines der besten Duos seiner Zeit am Piano und wird heute zu den größten Pianisten des 20. Jahrhunderts gezählt. Ein Rezensent schrieb: "Beim Duo Bruk-Taimanov hört man die Interpretation so, als würde sie von einem einzigen Musiker, aber mit zwei Köpfen gespielt."

Auf die Entwicklung der Schachtheorie hatte Mark Tajmanov ebenfalls einigen Einfluss. Heute trägt die Variante der Sizilianischen Verteidigung 1.e4 c5 2.Sf3 e6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sc6 seinen Namen.

Vor einiger Zeit brachte Philips die Musikserie "Große Pianisten des 20.Jahrhunderts"  auf den Markt. Der Band 15 (456 736-2), ein Doppelalbum, ist dem Schaffen des Piano Duetts Bruk (sie starb 1996) und Taimanov gewidmet und enthält Aufnahmen vom Höhepunkt ihrer Karriere aus den Jahren 1959 bis 1968 mit Werken von Rachmaninov, Mozart, Chopin, Arensky, Poelenc und Milhaud. Leider zerbrach die Partnerschaft zwischen den beiden, beruflich und privat, Anfang der Siebziger, kurz vor ihrem bevorstehenden Debut im Westen.


Interview mit Mark Taimanov von Joel Lautier (Chessbase, 2002)...

Interview mit Mark Taimanov von Sergey Bistrov...

Interview mit Mark Taimanov in Chessville...

André Schulz

 

 


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