McShane spart Reisekosten 

19.06.2002 – Das Internet gilt als ideale Plattform für das königliche Spiel. „Wie geschaffen sei es für das Schach“, konstatierte am 12. Juni die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Aber obwohl täglich hunderttausende von Partien im weltweiten Web ausgetragen werden, mangelt es bisher an einem Fall, dass ein Spieler zu einem realen Turnier nicht anreist und stattdessen nur „virtuell“ vor Ort spielt. Am Freitag ändert sich das: Beim Kuppenheimer Zwölf-Stunden-Blitzturnier kommt es zu dieser Weltpremiere. Dem Londoner Luke McShane war die Anreise zu weit. Der 18-jährige Großmeister spielt auf dem Fritz-Server und ist über das Internet mit seinem Gegner in Kuppenheim verbunden. Das bietet einen weiteren Vorteil: Schachfans können die etwa 55 Partien von McShane weltweit live auf schach.de verfolgen.  Mehr

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Die Fritz-Server-Übertragung ergänzt die Homepage www.RochadeKuppenheim.de, auf der aktuelle Zwischenstände des Sparkassen-Cups vermeldet werden. Sicher entwickeln sich dabei zahlreiche hochkarätige Duelle in der Wörtelhalle (Anmeldeschluss: 19.30 Uhr). Nach 23 oder 24 Partien – zu Beginn setzt sich jeder an einen Platz und versucht gegen die sich dadurch zufällig ergebenden Kontrahenten möglichst viele Punkte zu sammeln – werden die Meistergruppe und mehrere Trostrunden gebildet. In der A-Gruppe, für die sich McShane mit etwa 18,5 Punkten qualifizieren muss, trifft der Engländer dann auf Großmeister-Kollegen wie den sechsfachen Rekordsieger Klaus Bischoff oder den russischen Vorjahresvierten Andrej Schchekatschew. Vorangemeldet für den Kampf um die 1.000 Euro Preisgeld (beinhaltet ein ChessBase-Megapaket) für den Sieger ist außerdem Titelverteidiger Igor Solomunovic. Der „Killer mit dem Baby-Gesicht“, wie ihn seine Landsleute aus Bosnien-Herzegowina nennen, sammelte im Vorjahr 44,5:7,5 Punkte. Auch wenn Solomunovic als Blitzspezialist gilt, wird er es schwer haben, dieses Ergebnis zu wiederholen. Chancen auf den Titel besitzt auch durchaus Lokalmatador Andreas Schenk vom Bundesligisten SC Baden-Oos, der 2001 als Dritter knapp vor Schchekatschew lag. Erkundigungen hat der französische Großmeister Christian Bauer eingezogen. Gut möglich, dass er kurzfristig anreist und den Kampf um die vermutlich wieder über 4.000 Euro (inklusive Sachpreise von ChessBase, dem Schachverlag Dreier und Edition Olms) aufnimmt. Wladimir Epischin meldete sich am Dienstagnacht an, sofern gesichert sei, dass er in einem Kuppenheimer Hotel am Freitagmorgen den WM-Hit Brasilien – England ebenso sehen könne wie am Samstag (ebenfalls 8.30 Uhr) das Duell zwischen Spanien und Südkorea. Der Gastgeber der Fußball-WM hat es dem ehemaligen Weltranglistenzehnten aus Russland besonders angetan. Und natürlich der Senegal, dem er am Samstagmittag gegen die Türkei die Daumen zu drücken gedenkt. Epischins Problem sollte gelöst werden können: Dank der nahen Grenze zum Elsass sind in Kuppenheim über Kabel alle Spiele beim französischen Sender TF 1 zu beäugen.

Die TV-Probleme hat McShane dank seiner Online-Teilnahme von England aus nicht. Dafür muss er zwei gravierende andere Nachteile in Kauf nehmen: Seinen Preis, den der 18-Jährige sicher erringen wird, kann er erst nach ein paar Tagen in Händen halten. Viel gravierender ist aber: Während sich die Spieler in Kuppenheim nach vollbrachter Denkarbeit gegen 8.30 Uhr am kostenlosen Frühstücksbüffet laben dürfen, muss McShane in die eigene Küche schlurfen und sich seine „ham&eggs“ selbst machen. 

Hartmut Metz


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