Mit ChessBase durch die Hamburger Altstadt

von André Schulz
08.06.2015 – Hamburg sieht sich gerne als "Tor zur Welt" und das gilt in gewissem Sinne ja auch für die Schachwelt. Einmal im Jahr treffen sich die Mitarbeiter von ChessBase, die nicht alle in der Hamburger Zentrale arbeiten, zu einem Ausflug. In diesem Jahr stand ein "alternativer" Stadtrundgang auf dem Programm. Galão und Salpeter in Hamburg - eine alternative Stadtführung...

Galão und Salpeter in Hamburg - eine alternative Stadtführung

1. Teil: Exkursion durch die Hamburger Altstadt und Neustadt

Die Hamburger Altstadt und Neustadt

In der Nacht zum 5. Mai 1842 brach in der Hamburger Altstadt ein Brand aus, der wegen großer Trockenheit und starken Windes nicht unter Kontrolle gebrachte werden konnte und sich rasch ausbreitete. Am Morgen des 5. Mai wurde wegen des Himmelfahrttages in der Nikolaikirche noch eine Messe gefeiert, am Nachmittag hatte der Brand auch den Turm der Kírche erfasst, der bald darauf einstürzte. Am Abend ergriff das Feuer das Alte Rathaus. Man beschloss, es zu sprengen, um durch die Schneise den Brand zu stoppen, was aber nicht gelang. Das Feuer breitete sich nun vor allem Richtung Norden aus und bedrohte die 1841 bezogene neue Börse, die knapp gerettet werden konnte. Am 7. Mai brannten jedoch die Petrikirche und die Gertrudenkapelle nieder. Eine weitere Ausbreitung des Feuers Richtung Norden wurde schließlich durch die Binnenalster verhindert. Das letzte Haus brannte am 8. Mai aus. Die entsprechende Straße heißt heute Brandsende.

Durch den Brand wurde ein Viertel des damaligen Hamburger Stadtgebietes zerstört, etwa 1700 Häuser in 41 Straßen, dazu 102 Speicher und drei Kirchen, das Rathaus, das Archiv und das Commercium mit der alten Börse. 51 Menschen kamen ums Leben, 20.000 waren obdachlos. Die zerstörten Häuser und darauf errichtete Behelfswohnungen prägten viele Jahre das Stadtbild. Die Zerstörung bot aber in der Folge auch Gelegenheit, das Stadtbild zu erneuern und zu modernisieren. Einige Fleete wurden zugeschüttet, die Stauhöhe der Alster wurde gesenkt, wodurch neues Land für die Bebauung frei wurde und die Kanalisation wurde modernisiert. Außerdem wurde der Bauplatz für das neue Rathaus vorbereitet. Dies wurde dann aber erst 1897 erbaut. Zwei der drei zerstörten Kirchen wurden wieder aufgebaut.

Das heutige Kontorviertel war von dem Hamburger Brand verschont worden. Nach der Choleraepidemie von 1892 mit über 8000 Toten entschloss man sich aber dieses Gebiet, das so genannte Gängeviertel, zu sanieren und viele der Gebäude auf den zahlreichen Parzellen abzureißen. Die Stadt kaufte 1913 die entsprechenden Grundstücke auf. Henry Sloman ersteigerte im Oktober 1921 das Baugebiet. Sloman besaß schon ein Kontorhaus am Baumwall, das "Slomanhaus" und gab dem neuen Haus im Hinblick auf seine Chilegeschäfte deshalb den Namen "Chilehaus". Sloman ließ sich von mehreren Architekten Entwürfe vorschlagen und entschied sich schließlich für den Höger-Entwurf.

 

 

1. Abschnitt: Vom Chilehaus zur Trostbrücke

Das Chilehaus

 

Das Chilehaus wurde in nur zwei Jahren, 1922-1924, nach den Plänen des 1877 in Elmshorn geborenen Architekten Fritz Höger im Stil des Backsteinexpressionismus und in der Form eines Schiffsrumpfes erbaut. Höger hat seinerzeit eine Vielzahl von Gebäuden entworfen, vor allem in Hamburg, aber auch in Berlin (Zigarettenfabrik Garbáty), Hannover ("Anzeiger-Hochhaus", Hochhaus "Günther") oder Leipzig (Konsumzentrale). Das Wohnhaus des isländischen Dichters Gunnar Gunnarssons in Ostisland wurde ebenfalls von Fritz Höger erbaut. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Chilehaus steht der 1927-28 ebenfalls größtenteils von Höger entworfene erbaute "Sprinkenhof", ein Büro- und Geschäftshaus für die Sprinkenhof AG.

Der Sprinkenhof

Durch seine besondere Form wurde das Chilehaus zum bekanntesten Bauwerk Högers. Auftraggeber war der Hamburger Reeder und Salpeter-Importeur Henry B. Sloman. Es gehört nun zum Hamburger Kontorhaus-Viertel und befindet sich mit diesem und zusammen mit der angrenzenden Speicherstadt auf der deutschen Vorschlagsliste als Weltkulturerbe. Das Gebäude steht im Areal der Hamburger Altstadt am Zollkanal auf einem Gelände, auf dem zuvor 69 Gebäude standen.

 

Die obersten Stockwerke sind zurückversetzt, damit die dort untergebrachte Buchhaltung genug Licht hat.

 

Wie ein Schiff in voller Fahrt

 

Johannes Fischer und Thomas Luther staunen

 

Dr. Steffen Giehring, Thomas Stark, Oliver Reeh und Johannes Fischer

 

Unser Stadtführer Manuel Assner ist eigentlich Migrationsforscher und wies in seinen Erläuterungen auf die ambivalente Beziehung zwischen Hamburg und den Kolonien hin.

 

Die ChessBase-Belegschaft

 

Thomas Stark testet die Ruhezone

 

Liste der ansässigen Firmen aus einer Zeit, als die Firmen noch nach ihren Besitzern benannt waren und nicht alle Jahre umbenannt, zerlegt und verkauft wurden.

 

Ein "Dampfer" mitten in der Stadt

 

Chocoversum im Meßberghof

 

 

Anklang an das Chilehaus

Das "Chocoversum by Hachez" befindet sich gleich gegenüber vom Chilehaus, im so genannten Meßberghof, früher Ballinhaus. Das Haus wurde 1938 unter der nationalsozialistischen Regierung in Meßberghof umbenannt, da man nicht an den jüdischen Reeder Albert Ballin, der das Haus 1924 als Kontorhaus hat erbauen lassen, erinnern wollte. Seit 1928 war die Firma Tesch & Stabenow eine der Mieterinnen im Ballinhaus. Tesch & Stabenow lieferte später das Gift Zyklon B in die Konzentrationslager. Der Inhaber Bruno Tesch wurde deshalb 1946 hingerichtet. An der Fassade befinden sich acht Figuren, die von Lothar Fischer von 1996 bis 1997 erstellt wurden.

Der Bremer Schokoladenhersteller Hachez hat im Meßberghof ein Schokoladenmuseum eingerichtet, in dem alle Aspekte der Schokoladenherstellung beleuchtet werden.

 

 

Expressionistische Eingangskunst an der Seite

 

Die Figuren sind neueren Datums

 

Das neue Spiegel-Haus

 

Seit 2012 hat die Spiegel-Gruppe ihren Hauptsitz in einen Neubau an der Ericusspitze verlegt. Etwa 1100 Mitarbeiter arbeiten in dem 13 Stockwerke hohen Gebäude, das im Inneren die Form eines großen Atriums hat.

Das alte Spiegelhaus an der Brandstwiete wurde kürzlich von Hochtief an eine Tochter der Berenberg-Privatbank verkauft. Die von Panton gestaltete Kantine befindet sich heute im Museum für Kunst und Gewerbe. 


Die Trostbrücke

 

Trostbrücke und Globushof

Die Trostbrücke überquert den Nikolaifleet und wurde um 1200 erbaut. Der Ursprung des Namens ist nicht ganz geklärt. Die alte Trostbrücke wurde 1599 durch eine Steinbrücke ersetzt, die erste steinerne Brücke in Hamburg. 1731 stürzte die Brücke ein und wurde 1765 erneuert. Beim Brand von 1842 wurde die Brücke stark zerstört und 1881/82 in der heutigen Form neu aufgebaut. Auf der Brücke stehen zwei von Engelbert Pfeiffer errichtete Statuen, die den Hl. Ansgar (801-865), erster Erzbischof von Hamburg (und Bremen), und Graf Adolf III. zu Schauenburg, Stormarn und Holstein, (1160-1225) Erbauer der Hamburger Neustadt zeigen.

Am nördlichen Ende steht das das Gebäude der Patriotischen Gesellschaft auf dem Gelände, auf dem sich seit dem 13. Jahrhundert das alte Hamburger Rathaus befand. Dieses wurde beim Brand von 1842 gesprengt. Auf seinen Grundmauern entwarf Theodor Bülau das heutige Gebäude in Backsteingotik. Die Patriotische Gesellschaft diente der Förderung des Gemeinwesens in Hamburg und begründete unter anderem die Hamburger Sparkasse und die Hamburger Bücherhallen. im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude weitgehend zerstört. Unter anderem ging die Bibliothek verloren.

Angrenzend an die Trostbrücke in unmittelbarer Nähe zum Alten Rathaus, stehen die Kontorhäuser Laeiszhof und der Globushof.

Der Laesizhof wurde 1897/98 als Kontorhaus der die Firma F. Laeisz erbaut. Der Globushof wurde 1907/08 für die Globus-Versicherungs AG gebaut. Diese wurde später von der Münchner Allianz übernommen, die das Gebäude immer noch für seine Hamburger Zweigstelle nutzt. Der Laeiszhof und der Globushof sind die einzigen Kontorhäuser in diesem Bezirk, die im Zweiten Weltkrieg nicht zerstört wurden.

 

Steinerner Schmuck auf dem Globushof

 

Der hl. Ansgar

 

Blick auf das Gebäude der Commerzbank, davor das Denkmal für Graf Adolf III. zu Schauenburg, Stormarn und Holstein

 

Das Gebäude der Patriotischen Gesellschaft

 

Stefan Knappe, Benjamin Bartels und Matthias Wüllenweber lauschen den Ausführungen des Stadtführers.

 

Gäste aus Indien: Amruta Mokal und Sagar Sah

 

Frederic Friedel

 

Hamburger Reeder

Ferdinand Laeisz

Ferdinand Laeisz, Sohn eines Kaufmanns, absolvierte eine Lehre als Buchbinder und stellte auf seiner Wanderzeit als Geselle Seidenhüte her. Nach der Rückkehr nach Hamburg gründete er 1824 ein Handelsunternehmen. Aus diesem ging später die Reederei F. Laeisz hervor. Nach dem Erwerb der Hamburger Bürgerrechte durch Heirat der Tochter eines Ältermannes der örtlichen Hutmacherzunft begann Laeisz Hüte aus Seide herzustellen und exportierte diese mit großem Erfolg nach Südamerika. Er errichtete dort in den großen Städten Filialen und  importierte über diese Kolonialwaren, Baumwolle, Kakao, Kaffee, Kautschuk, Tabak und Zucker nach Hamburg. 1840 baute er sein erstes eigenes Schiff und 1847 war er an der Gründung der Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Actien-Gesellschaft, kurz Hapag, beteiligt. Bis zu seinem Tod 1887 war Ferdinand Laeisz Mitglied der Hamburger Bürgerschaft und engagierte sich mit zahlreichen sozialen Projekten, darunter die Errichtung von Volksküchen, Gründung einer Seemannskasse, Unterstützung des Hamburger Rettungsvereins, später Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger.

Das Laeiszhaus

Sein Sohn Carl Laeisz setzte seine Arbeit und sein Engagement fort. Bei seinem Tode vermachten er und seine Frau der Stadt Hamburg 2 Mio. Mark zum Bau einer Musikhalle. Das heute "Laeiszhalle" genannte Gebäude am Johannes-Brahms-Platz wurde zwischen 1904 und 1908 fertiggestellt und war seinerzeit die modernste Musikhalle Deutschlands.

Die F. Laeisz-Reederei war bekannt für ihre "Flying-P"-Liner, große Windjammer, die sich durch hohe Geschwindigkeit und große Sicherheit auszeichneten. Die meisten der Schiffsnamen begannen mit einem P: Preußen, Pommern, Padua, Passat, Pamir, etc. Die Flying-P-Liner wurden auch noch eingesetzt als es schon Dampfschiffe gab, weil sie voll beladen schneller waren als Dampfschiffe. Die Pamir, nach dem Krieg als Schulschiff eingesetzt, sank 1957 in einem Sturm.

Henry Brarens Sloman

Die Familie Sloman stammte eigentlich aus England. 1791 war William Sloman mit seiner Familie, Frau und acht Kindern, von Great Yarmouth nach Hamburg gezogen. 1793 gründete er die Reederei Sloman, die als älteste Reederei Deutschlands immer noch existiert. Der Vater von Henry Brarens Sloman hatte sein Vermögen im Zuge des Krimkrieges verloren und schickte seinen Sohn deshalb zu seinen wohlhabenden Verwandten nach Hamburg. Henry Sloman machte eine Schlosserlehre und wanderte 1869 nach Chile aus. Dort gründete er 1892 eine Salpeter-Fabrik und importierte in großem Maße Salpeter nach Europa. 1898 kehrte er als reicher Mann nach Hamburg zurück. 1912 wird er mit einem Vermögen von 60 Mio. Mark und 3 Mio. Mark Jahreseinkommen als mit Abstand reichster Hamburger Bürger geführt. 1924 gründete Henry Brarens die Finanzbank AG, aus der später die Sloman Bank KG wurde.

Albert Ballin

Der Reeder Albert Ballin machte als Generaldirektor die Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Actien-Gesellschaft (HAPAG) zur größten Schifffahrtslinie der Welt, insbesondere durch das Auswanderergeschäft - die Beförderung von Auswanderern auf Passagierdampfern in die Neue Welt. Auf der Elbinsel Veddel ließ Ballin 30 Hallen bauen, in denen die Auswanderer die Zeit bis zu ihrer Passage verbringen konnten. Ballin war eine der führenden Persönlichkeiten der Kaiserzeit und beging am Ende des Ersten Weltkrieges, als er vom Thronverzicht Wilhelm II. hörte, Selbstmord.

 

2. Abschnitt: Von der Trostbrücke zur Deichstraße

 

 

Blick auf die Ausläufer der Speicherstadt

 

Christoph Kolumbus und Vasco da Gama bewachen den Zugang zur Speicherstadt. Kolumbus suchte den Seeweg nach Indien und fand 1492 Amerika. Vasco da Gama umrundete Afrika und erreichte 1498 als erster Europäer Indien auf dem Seeweg.

 

Christoph Kolumbus

 

Vasco da Gama

 

Blick auf die Willy-Brandt-Straße, früher Ost-West-Straße

 

Nikolaikirche

Die Nikolaikirche am Hamburger Hopfenmarkt wurde 1195 gegründet und als Kapelle für 300 Personen in der Nähe der nicht erhaltenen Neuen Burg erbaut. Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Kirche in mehreren Bauabschnitten nach und nach erweitert. 1516 wurde der Turm auf 135 Meter erhöht. 1589 schlug dort aber der Blitz ein und der Turm wurde zerstört. Ein 1591 neu errichteter Turm stürzte 1644 nach einem Unwetter ein. 1657 wurde der dritte Turm erbaut, der ca. 200 Jahre das Hamburg Stadtbild prägte.

1842 fiel die Nikolaikirche dem großen Brand zum Opfer. Zwischen 1846 und 1863 wurde die Kirche im neugotischen Stil neu gebaut. Der 147 Meter hohe Turm war bis 1877 das höchste Bauwerk der Welt und ist immer noch der fünfhöchste Kirchenbau der Welt. Im Zweiten Weltkrieg benutzten die US-Luftwaffe und die britische Luftwaffe den Kirchenturm als Zielmarkierung. Im Zuge der Operation Gomorrha mit dem Ziel die Stadt Hamburg vollständig zu zerstören, wurde die Nikolaikirche am 28. Juli 1943 von Bomben getroffen und stürzte ein. Die Ruinen wurden stehen gelassen und dienen nun als Mahnmal St. Nikolai zum Gedenken an die "Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft zwischen 1933 und 1945".

 

Der Turm, derzeit eingerüstet

 

Ein Stück der Fassade, mit einem Denkmal davor

 

Der Vierländerbrunnen am Hopfenmarkt

Der Brunnen mit der Vierländer Marktfrau wurde 1876 vom Bildhauer Engelbert Pfeiffer gestaltet und stand am Hamburger Meßberg. 1953 wurde er restauriert und 1976 an seine heutige Stelle versetzt. Er ist derzeit erneut stark restaurierungsbedürftig. Meßberg verweist übrigens nicht auf einen Berg, sondern meint "Misthaufen".

 

Der Vierländerbrunnen

 

Edeka

 

Die Einzelhandelskette Edeka geht ursprünglich aus der "Einkaufsgenossenschaft der Kolonialwarenhändler im Halleschen Torbezirk zu Berlin" hervor – kurz E. d. K, seit 1911 "Edeka", 1989 gegründet. Die Edeka-Zentrale befindet sich heute in der Hamburger City Nord.

 

St. Katharinen

 

St. Katharinen ist eine der fünf Hamburger Hauptkirchen. Der Turmschaft stammt aus dem 13. Jahrhundert und ist damit nach dem Leuchtturm der Insel Neuwerk, die ebenfalls zu Hamburg gehört, das älteste Bauwerk der Stadt. St. Katharinen war vor allem die Kirche der Seeleute. Beim Bombenangriff am 30. Juli 1943 wurde die Kirche bis auf den Turmschaft und die Außenmauern zerstört. 1957 wurde die Kirche, wegen Geldmangels allerdings nur unzureichend, rekonstruiert und wieder aufgebaut. Zur Zeit wird die Kirche saniert. Im Zuge dessen soll auch die 1943 zerstörte Orgel wiedererrichtet werden.

 

Das Portugiesenviertel

Schon Ende des 15. Jahrhunderts flüchteten sephardische Juden und andere Spanier und Portugiesen vor der Inquisition, siedelten sich in Hamburg an und trugen zum Wohlstand der Stadt bei. Begraben mussten die sephardischen Juden ihre Toten allerdings im religiös liberaleren dänischen Altona. Heute ist Altona ein Stadtteil von Hamburg. Ab 1933 flüchteten die portugiesischen Juden jedoch vor der Verfolgung durch die Nazis aus der Stadt.

In den 1970er Jahren siedelten sich dann Gastarbeiter aus Portugal und auch aus Spanien in der Nähe des Hafens an und vermittelten im portugiesischen Viertel nun südeuropäisches Lebensgefühl mit zahlreichen Restaurants und Cafés. Hier wird die portugiesische Version des Milchkaffees serviert, der Galão.

 

Die Ditmar-Koel-Straße ist das Zentrum des portugiesischen Viertels. Ein Fan des deutschen Nationalspielers Gerald Asamoah, unter anderem für St. Pauli aktiv, war auch schon hier.

 

Die Straße "Herrlichkeit". In Hamburg gibt es eine Vielzahl von Straßen mit sehr prägnanten Namen.

 

Die Deichstraße

Die Häuser in der Deichstraße sind das letzte erhaltene Ensemble von althamburgischen Bürgerhäusern. Sie stehen tatsächlich auf einem Deich am Nikolaifleet. Die Häuser wurden zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert erbaut und haben den Großen Brand 1842, den Zweiten Weltkrieg und - und das ist vermutlich die größte Leistung - die "Altstadtsanierung" deutscher Städte zwischen 1950 und 1980 überdauert. Die meisten Hamburger Bürgerhäuser der Altstadt wurde auf diese Weise entsorgt. Auch die Häuser der Deichstraße sollten im Zuge einer Straßenerweiterung abgerissen werden. Eine Bürgerinitiative verhinderte dies jedoch im Jahr 1972 mit Erfolg und so können die Häuser heute noch besucht werden.

 

 

 

 

 

 

 

Ein bretonisches Restaurant

 

Dies Café erinnert an die alten Kolonialwarenläden. Die Langnesefahne deutet auf den Verkauf von Eiscreme hin.

 

Stadtführer Manuel schart die Zuhörer um sich

 

Oliver Reeh ist skeptisch

 

Blick vom Nikolai-Fleet

 

 

 

 

Pascal Simon

 

Johannes Fischer, Rainer Woisin, Ben Bartels

 

3. Abschnitt: Von der Deichstraße zum "Michel"

 

 

St. Michaelis

 

Das Hamburger Wahrzeichen St. Michaelis

 

Die evangelische Hauptkirche St. Michaelis ist heute eines der Wahrzeichen Hamburgs. Die erste Kirche wurde 1647 erbaut. Am 10. März 1750 wurde der Kirchturm von einem Blitz getroffen. Die Kirche geriet in Brand und wurde völlig zerstört. Zwischen 1751 und 1762 wurde eine neue Kirche errichtet. Der hölzerne und mit Kupfer verkleidete Turm wurde erst 1782 fertiggestellt. Bei Lötarbeiten am 3. Juli 1906 fing der Turm Feuer und brannte zusammen mit der Kirche völlig nieder. St. Michaelis wurde dann neu aufgebaut, im gleichen Stil, aber mit Stahl und Beton statt Holz. 1912 wurde die Kirche wieder eröffnet. Im Zweiten Weltkrieg blieb die Kirche lange unbeschädigt und wurde erst gegen Ende des Krieges durch Bomben beschädigt. Die Schäden wurden bis 1952 beseitigt.

Die Uhr im Kirchturm ist die größte ihrer Art in Deutschland und wurde von der Straßburger Uhrmacherfirma Ungerer hergestellt. Die vier Zifferblätter sind im Durchmesser jeweils acht Meter groß. Der große Zeiger ist über 4 Meter lang.

Am Michel kreuzte ein anderer Betriebsausflug unseren Weg

 

4. Abschnitt: Vom "Michel" zu den Landungsbrücken

 

 

Die Elbphilharmonie

 

Der Bau der Hamburger Elbphilharmonie, in der Amtszeit des Bürgermeisters Ole von Beust als Prestigeobjekt und weiteres Wahrzeichen Hamburgs geplant, wurde 2007 begonnen und dauert noch an. Das Konzerthaus mit einem großen Saal für 2100 Zuschauer und zwei weiteren kleineren Sälen wurde auf einem alten Speicher in der Hamburger Hafen City, einem Neubaugebiet hinter der Speicherstadt, errichtet und ist 110 Meter hoch. Ursprünglich sollte das Gebäude 2010 fertiggestellt sein, doch im Laufe des Baus traten immer neue Schwierigkeiten auf. Eröffnung soll nun im Januar 2017 sein. Ursprünglich waren 77 Mio. Euro Kosten für die Stadt Hamburg veranschlagt. Am Ende muss der Steuerzahler mehr als das Zehnfache bezahlen. Elbphilharmonie und der neue Berliner Flughafen BER werden von Kritikern gerne als Belege dafür benannt, dass in Deutschland die Fähigkeit verloren gegangen ist, Großbauprojekte unter vernünftigen Umständen zu realisieren. Im Unterschied zur Elbphilharmonie wird der Berliner Flughafen aber tatsächlich gebraucht.

 

Der hohe Wiedererkennungswert der Elbphilharmonie ergibt sich vermutlich vor allem aus den umstehenden Kränen. Wer weiß, ob das Gebäude noch entdeckt wird, wenn diese mal weg sind.

 

Landungsbrücken

 

Die St. Pauli Landungsbrücken, 1839 hier errichtet, sind eine Anlegestelle für Fahrgastschiffe. Im Zweiten Weltkrieg wurden sie völlig zerstört und in den 1950er Jahren in der heutigen Form neu gebaut. Von hier kann man unter anderem mit dem Katamaran täglich nach Helgoland fahren.

Die Hamburger U-Bahn, eigentlich Hochbahn, wurde 1906 gebaut. An den Landungsbrücken befindet sich am Hang des Stintfangs eine Station. Auch die Hamburger S-Bahn ist hier mit einer Bahnstation vertreten. Die Hamburger Straßenbahn, die hier einst ebenfalls entlang fuhr und an die sich die alten Hamburger noch mit Wehmut erinnern, wurde 1973 abgeschafft und durch Busse ersetzt.

An den Landungsbrücken befindet sich auch der "Alte Elbtunnel", der mit zwei Röhren unter der Elbe hindurch in das Hafengelände führt.

Die Elbphilharmonie von der U-Bahn-Station Landungsbrücken aus gesehen,

 

Thomas Luther

 

2. Teil: Von den Landungsbrücken in die "Schanze"

 

 

1. Abschnitt: Mit der U3 zur Sternschanze

Die Hamburger Hochbahn bildet zusammen mit der S-Bahn, betrieben von der Deutschen Bahn und anderen Verkehrbetrieben, einen Verkehrsverbund, der die Hamburger mit einem sehr dichten und effektiven Transportsystem für den Personennahverkehr versorgt. Die Schienen der Hochbahn sind zum Teil auf eisernen Brücken über den Straßen verlegt, zum Teil in einem Tunnelsystem. In der Hauptverkehrszeit fahren die Züge im 5-Minutentakt. Internationale Besucher von ChessBase sind stets beeindruckt, mit welcher Präzision das System funktioniert. Leider werden jedes Jahr die Preise für die Fahrscheine erhöht und so ist es für zwei Personen fast schon billiger einen der Car2Go-Leihwagen zu leihen, als sich in Bus oder U-Bahn zu setzen.

 

2. Abschnitt: Durch die Schanze

Schanzenviertel

Das Schanzenviertel ist ein Hamburger Altbaugebiet in der Nähe der alten Schanzenanlage, das in den 1970er bis 1990er Jahre durch hohen Einwandereranteil und eine bunte "alternative" Szene geprägt war. Dafür sorgte unter anderem auch die "Alte Flora", ein besetztes und dann "selbst verwaltetes" altes Theater. Nach 2000 setzte hier eine "Gentrifizierung" ein, ausgelöst durch Sanierungsmaßnahmen und die Ansiedlung verschiedener Firmen der "New Economy". Der einst leer stehende Wassserturm im Schanzenpark wurde inzwischen in ein Hotel umgewandelt. Viele Restaurants, Cafés und Bars prägen das Straßenbild. Die bekannteste Straße ist das "Schulterblatt", benannt nach einem Knochen eines Walfisches, der einst das Wahrzeichen eines Restaurants war.

 

Typische Schanzenbewohner, multikulturell und absolut alternativ

"Exit2Life"

 

Die Firma Exit2Life bietet seinen Besuchern ein Adventure-Spiel, bei dem dem man durch Kombinationskunst versuchen soll, einen Schlüssel zu finden, mit dem man den Raum verlassen kann, in den man von dem Exit2Life-Mitarbeiter eingesperrt wurde. Die Rätsel sind in eine Geschichte eingebunden.

 

In gespannter Erwartung: Martin Fischer, Lutz Nebe, André Schulz, Matthias Wüllenweber, Thomas Luther, Pascal Simon

 

Nadja Wittmann, Redakteurin der Spanischen Chess-Webseite

Die ChessBase-Belegschaft wurde in vier Gruppen eingeteilt und in vier verschiedene Räume eingeschlossen. Zwei Teams hatten sich innerhalb der vorgesehenen Stunde befreit, zwei Teams schafften es nicht, durften aber trotzdem zum abschließenden Mittagessen mitkommen.

 

Die ChessBase-Belegschaft nach dem Spiel, wie immer höchst diszipliniert: Alle schauen im richtigen Moment in die Kamera. 

 

 

3. Abschnitt: "Zum Alten Mädchen"

Der aus dem Fernsehen bekannte Koch Tim Mälzer betreibt an der S-Bahn-Station Sternschanze zusammen mit Partnern ein Restaurant. Gleich daneben befindet sich ein Ableger, das urige Braugasthaus "Zum Alten Mädchen". Am Abend ist der Laden brechend voll. Neben der Vielzahl der angebotenen Biere, viele selbst gebraut, ist auch die Speisekarte sehr zu empfehlen.

 

 

Sagar Sah grüßt aus dem Alten Mädchen. Der Rest denkt ans Essen.

 

Fotos: Amruta Mokal, Nadja Wittmann, André Schulz

Links:

Chilehaus...

Chilehaus (Wikipedia)...

Deichstraße bei Wikipedia...


Die Welt: Portugiesen in Hamburg heimisch wurden...

Historisches Hamburg mit interaktiver Karte...

Afrika-Hamburg: Global Players...

 

Hamburger Straßennamen...

 

Alternative Stadtführung...

Galão und Salpeter in Hamburg (taz)...

Exit2Life...

Braugasthaus Altes Mädchen...

 


André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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flachspieler flachspieler 08.06.2015 01:50
Superbericht, vielen Dank dafür.
Die Sache mit E.D.K. war neu für mich.

Frage am Rande: Wird es irgendwann mal in Hamburg eine
ChessBase-Allee geben?
Colnago Colnago 08.06.2015 03:50
Ein großartiger Bericht mit tollen Fotos, der doch Lust auf Hamburg macht! Auch für mich, der ich aus Hamburg komme, war das eine oder andere so nicht bekannt. Die Entwicklung der Firma Chessbase verfolge ich seit Jahren mit viel Interesse und freue mich, dass inzwischen so viele Mitarbeiter hier tätig sind. Die zahlreichen Produkte sind auch unschlagbar gut und haben weltweit das Schach-Spiel geprägt.
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