Mit Schach nach Gibraltar

von Gerd Densing
13.02.2014 – In Gibraltar gibt es viele "typische" Eindrücke. Der Felsen ist weltbekannt. Aber auch dessen Bewohner, eine Population von Berberaffen, sind inzwischen zum Wahrzeichen Gibraltars geworden. Allerdings hat auch das Schachturnier mit vielen Spitzenspielern längst Weltgeltung erlangt. Gerd Densing hat die Halbinsel durchwandert und eine Vielzahl von Eindrücken eingefangen. Mehr...

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Gibraltar 2014 – Ein Schach-Urlaubsbericht

Gibraltar!

Nachdem ich vor einigen Jahren auf einem Open-Turnier in Goch ein Prospekt zum Schachturnier in Gibraltar gesehen habe, habe ich mehrere Jahre mit dem Gedanken gespielt, dort irgendwann bestimmt einmal teilnehmen zu wollen.
Im Rahmen einer Live-Übertragung mit Kommentierung durch GM Nigel Short wurde dieser im September 2013 einmal nach dem „besten/schönsten Open“ gefragt. Ohne zu zögern antwortete er „Gibraltar“. Dies war für mich die Initialzündung, ein Flugticket zu buchen und mit den Schach-Urlaubsvorbereitungen zu beginnen, nebst Studium von diversen Reiseführern und Internetrecherche.

Das "Wahrzeichen" von Gibraltar - die Affen

"Taxi!"

Gedenkstein für "Michael"

Die Karte von Gibraltar

Das Wappen von Gibraltar

Nachdem ich nunmehr heil aus dem Urlaub zurück bin – auf dem Felsen einiges an Sehenswürdigkeiten gesehen – und in den ersten 5 Tagen rund 40 KM zu Fuß zurückgelegt, ist es Zeit aus meiner Auswahl von knapp 2000 Schnappschüssen eine Auswahl zu treffen und ein Turnier- und Gibraltar-Urlaubs-Fazit zu ziehen.

Blick auf das Rollfeld des Flughafens und den Grenzübergang

Denkmal nahe der Grenze

Militärkaserne

Blick über die Dächer

Schlüssel zur iberischen Halbsinsel


Zu Gibraltar:

Gibraltar bietet einiges an Sehenswürdigkeiten. Vieles ist gut zu Fuß oder auch per Bus schnell erreichbar. Besonders empfehlenswert ist ein Besuch des Huldigungsturms der maurischen Burg, ein Besuch der Tunnelanlagen des 2. Weltkrieges sowie der etwas älteren Tunnelanlagen aus den Zeiten der großen Belagerung Gibraltars.

Maurische Burg

Turm der maurischen Burg

Tunnelanlagen aus dem 2. Weltkrieg

Tunnel aus der Zeit der großen Belagerung

Übersichtskarte der umfangreichen Tunnelanlagen

St. Michaels Cave

Ebenso empfiehlt sich ein Besuch der Bergstation der Seilbahn (dort als „Cable-Car“ bezeichnet) entweder mit der Seilbahn oder zu Fuß. Ein interessanter Fußweg hoch sind die bunt bemalten Union-Jack-Stufen und Erreichen des Affen-Kindergartens (Apes-Den) und danach folgend der steile Aufgang der Stufen des Charles V Wall.

Aufstieg über die Union Jack-Stufen

Die Mediterraean Steps gehen steil abwärts

Mediterraean Steps

Upper Rock mit Geschütz

Aufgang zum Charles V Wall

Es ist steil

Blick auf Gibraltar

"Apes Den"

Nach Besuch der Bergstation mit tollem Rundum-Blick darf ein Besuch der bekanntesten Touristen-Attraktion, St. Michaels Cave (Tropfstein-Höhle), nicht fehlen. Von dort ist man zu Fuß auch schnell an der südlichen Spitze des Felsens mit einer Kanonen-Anlage mit Ausblick auf die afrikanische Küste angelangt.

Blick über den Felsen von Gibraltar

Im Hintergrund: Afrika

Südspitze mit Moschee

Militärisches Sperrgebiet an der Nordspitze

Zum Abstieg bietet sich der sehr steile und anstrengende Abstieg über die Mittelmeer-Stufen an. Im Zentrum der Stadt Gibraltar ist der zentrale Marktplatz (Casemates Square), die Fußgänger-/Einkaufszone der Main-Street sowie ein Besuch im Gibraltar-Museum (Fotografieren dort leider verboten) empfehlenswert. Insbesondere das im Museum ausgestellte Modell von Gibraltar aus dem Jahre 1865 im Maßstab 600 zu 1 ist sehr interessant.

Das Gibraltar-Museum

 

Main Street

Marktplatz am Casemate Square

Casemate Square

Sparkasse von Gibraltar

Konvent - Sitz des Gouverneurs

Das Wachhaus gegenüber

Wachablösung

Wappen Gibraltars

It's british

Tore bei der South Bastion

Besonders hervorzuheben sind die günstigen Einkaufsmöglichkeiten von Schmuck, Uhren, Zigaretten und Parfum (Duty Free).

Das Amerikanische Kriegerdenkmal...

... mit gold glänzenden Plaketten

Zum Turnier im Caleta-Hotel und was das Event zu etwas Besonderem macht:

Das Turnier um Festival-Direktor GM Stuart Conquest wurde super organisiert und hat sich in den letzten Jahren offenbar und meines Ermessens nach auch verdientermaßen zu einem der schönsten und beliebtesten Schach-Open weltweit gemausert. Seitens der ACP (Association of Chess Professionals) wurde das Gibraltar Masters in den letzten beiden Jahren zum beliebtesten Open ausgezeichnet. Bemerkenswert und anders als bei anderen Open ist das tolle Rahmenprogramm mit mehreren Amateur- und Challenger-Turnieren Vormittags (mit hohen Preisgeldern) sowie die vielen Abendveranstaltungen.

Angefangen mit einem Simultanturnier zu Beginn über ein Mannschaftsblitzturnier bis zu einem „Paar-Blitz“-Turnier bestanden viele Möglichkeiten, Schach zu spielen. Besondere Highlights waren mehrer „Masterclasses“ mit anwesenden Elitespielern, welche in Form der Analyse von einer oder mehreren Partien sozusagen „Trainerstunden“ boten.

Weiter hervorgehoben wird die super Live-Übertragung und Kommentierung durch die GM Simon Williams und die sehr sympathische US-Großmeisterin Irina Krush. Das Caleta Hotel bot ideale Turnierbedingungen und gute Möglichkeit der Unterbringung für einige Schachspieler. Sowohl bei der Eröffnungszeremonie als auch zur Siegerehrung fanden je feierliche Abendessen bzw. Gala-Dinner statt. Zur Siegerehrung wurden alle Turnierteilnehmer zum Gala-Dinner eingeladen, auch die nicht im Caleta-Hotel untergebrachten Spieler. Weitere Besonderheiten sind die laufende Partierfassung, laufende aktuelle Berichterstattung auf der Internetseite des Veranstalters, der Live-Stream sowie besondere Turniermodalitäten wie z.B. Remisverbot vor dem 30 Zug sowie die spannenden Play-Off zur Ermittlung des alleinigen Turniersiegers.

Das Hotel liegt an der Catalan Bay an der östlichen Seite von Gibraltar in einer sehr ruhigen Bucht in einem kleinen Fischerdorf („little Genoa“). Zu Fuß ist das Stadtzentrum von Gibraltar in gut einer halben Stunde erreichbar, oder man nimmt einfach einen Bus, die dort mindestens jede Stunde das Hotel anfahren.

Das Caleta-Hotel von weit oben gesehen

Catalan Bay

Strand der Catalan Bay


Zum Abschneiden der Deutschen Teilnehmer:

Während ich als Berichterstatter in der ersten Runde gegen die hübsche französische IM Sophie Milliet eine klare Remisstellung noch vergeigte, sind bei einigen deutschen Teilnehmern einzelne Erfolge wie folgt erwähnenswert:

Mir gelang es bei meinen beiden „Nigeria-Tagen“ leider nicht, etwas Zählbares herauszuholen. IM Thomas Henrichs, in Gibraltar stärkster deutscher Teilnehmer, konnte an seinen beiden „China-Tagen“ zumindest gegen den starken jungen GM Wei Yi voll punkten und in der Schlussrunde in beiderseitiger Zeitnot (beide spielten ab dem 20 Züge jeweils nur noch auf die 30 Sek. Inkrement je Zug) gegen den brasilianischen GM Krikor Sevag Mekhitarian  einen tollen Schlusssieg einfahren. Belohnt wurde dies mit 7 Punkten aus 10 Partien und Rang 24 nebst Geldpreis.

Start des Mannschaftsbilitzturniers

Bei den deutschen Teilnehmerinnen gelang es Elisabeth Pähtz in der 2. Runde gegen GM Pavel Eljanov (Elo > 2700) ein Remis zu erreichen (siehe Master-Class-Kommentierung der Partie) hinzu kam ein weiteres Remis gegen GM G.N. Gopal. Judith Fuchs konnte in Runde 7 gegen IM Edward Porper aus Canada ein Remis erzielen und in der Schlussrunde mit einem Konter-Sieg gegen GM Ralf Akesson den vollen Punkt einfahren. Sarah Hoolt gelangen mit einem Sieg gegen die weibliche fanzösische Nr. 1, GM Marie Sebag in Runde 6 sowie einem Remis in Runde 8 gegen GM Antoaneta Stefanova Achtungserfolge.

Auch den deutschen Amateurspielern gelangen besondere Erfolge:

Dennis Kaczmarczyk: Remis gegen GM Anna Muzychuk, GM David Anton Guijarro, GM Marie Sebag

Thomas Stenzel: Remis gegen IM Jovanka Houska sowie Sieg gegen IM Kenny Solomon

Michael Tscharotschkin: Sieg gegen IM Aziz Nezad Husein

Stephan Buchal: Remis gegen GM Mikhail Al. Antipov und GM Marie Sebag

Andreas Basilius Gikas: Remis gegen IM Ismael Teran Alvarez sowie gegen das erst 13 jährige Nachwuchstalent aus Kasachstan WIM Zhansaya Abdumalik

Jens Weichelt: Remis gegen GM Trang Hoang Thanh

Die zahlenmäßig stärkste Nation war übrigens Norwegen. Der Ehemalige Carlsen-Trainer, GM Simen Adgestein brachte gleich eine Vielzahl starker Jugendspieler mit nach Gibraltar zum Masters.

Fazit: Es war ein sehr schönes und interessantes Event, welches bei mir einen bleibenden positiven Eindruck hinterlässt. Sehr wahrscheinlich werde ich nächstes Jahr oder später noch einmal dort beim Gibraltar Masters teilnehmen.
Weitere Informationen (Fotos, Live-Streams Masterclasses, Partien, Paarungen/Ergebnisse uvm.) sind auf der Internetseite www.gibraltarchesscongress.com  zu finden!

"Good bye!"

 



Gerd Densing ist ein begeisterter Vereins- und Turnierspieler. Seine Eindrücke hat er in vielen Berichten auf der ChessBase-Nachrichtenseite festgehalten.
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