Mitgliedschaft des Irans in der FIDE ausgesetzt

von André Schulz
12.05.2017 – Nur mit Mühe konnte die FIDE einen Ausrichter für die letzte K.o.-Weltmeisterschaft der Frauen finden, die eigentlich schon 2016 hätte stattfinden sollen. Der Iranische Schachverband sprang ein und richtete das Turnier in Teheran aus. Der Verband kam allerdings seiner Verpflichtung zur Zahlung der Preisgelder nicht nach. Nun hat die FIDE reagiert.

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Für die meisten Schlagzeilen nach der Sitzung des FIDE-Präsidiums am 25/26. März in Athen sorgte der vermeintliche Rücktritt des FIDE-Präsidenten Kirsan Ilyumzhinov von seinem Amt. Dies wurde von der FIDE gemeldet, dann aber sofort vom FIDE-Präsidenten selbst dementiert. In einer außerordentlichen zweiten Sitzung wurde festgestellt, dass es sich um ein Missverständnis gehandelt hatte. Illyumzhinov steht auf der Schwarzen Liste des US-Schatzamtes wegen Geschäften mit Syrien und kann deshalb seine Aufgaben nicht in vollem Maße erfüllen. Sein Amt ruht bis zu vollständigen Klärung der Angelegenheit, Vizepräsident Georgios Makropoulos  führt die Geschäfte kommissarisch.

Die FIDE hat aber noch einige weitere Probleme auf anderem Gebiet, vor allem finanzieller Natur. Nachem die FIDE für ihr ehrgeiziges Programm einer jährlichen Frauen-Weltmeisterschaft 2016 keinen Ausrichter fand, musste sie die Weltmeisterschaft in das JAhr 2017 verschieben. Auch hier war die Durchführung nur deshalb möglich, weil bei dem FIDE-Kongress 2016 in Baku der Iranische Schachverband als Ausrichter einsprang nachdem sich sonst ernuet kein Verband dafür bewerb.

Die FIDE war dankbar und schluckte deshalb bereitwillig die Kröte in Form schlechter Presse, weil Frauen im Iran angehalten sind, nach den religiös geprägten Sitten des Landes in der Öffentlichkeit ein Kopftuch zu tragen. Einige qualifizierte Spielerinnen verzichteten daraufhin auf die Teilnahme.

Während er K.o.-Weltmeisterschaft hatten die Spielerin ihre Kosten für Reise, Unterkunft und Verpflegung selber zu tragen, kompensiert durch die ausgelobeten Preisgelder, die auch für die Spielerinnen, die in der 1. Runde ausschieden hoch genug waren, um ohne Verlust das Turnier zu beenden.

Weltmeisterin wurde bekanntlich Tan Zonquin, die im Finale gegen die favorisierte Anna Muzychuk gewann.

Nach Abschluss des Turniers hätten die Spielerinnen ihre Preisgelder erhalten sollen, doch dies geschah nicht. Der Iranische Schachverband kam der von ihm eingegangenen Verpflichtung nicht nach. Eine angebliche Bürgschaft der iranischen regierung entpuppte sich als Luftschloss.

Auf ihrer Sitzung in Athen stellte die FIDE ein Ultimatum von zwei Wochen Frist zur Zahlung der Verbindlichkeiten. Der Iranische Schachverband ließ die Frist vertreichen. Nun wurde der Verband von der FIDE suspendiert, die Mitgliedschaft in der FIDE ausgesetzt. Die FIDE versprach die Preisgelder für die Spielerinnen selber zu zahlen.

Beschlüsse des FIDE-Boards vom 15./16. März...

President of Iran Hassan Rouhani thanked FIDE President for WWCC... 



André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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