Morelia: Anand in Führung

22.02.2007 – Mit seinem zweiten Sieg setzte sich Vishy Anand beim GM-Turnier in Morelia an die Tabellenspitze. Der Inder hatte Morozevich in einem Spanier so lange geknetet, bis dieser endlich eine Unaufmerksamkeit begann. Der Rest war Sache der Technik. Erstmals gab es zwei Gewinnpartien, denn auch Magnus Carlsen reihte sich unter die Sieger ein. Im Endspiel nutzte er die Fehler von Ivanchulk eiskalt aus. Leko versuchte gegen Aronian mit 1.d4 und später mit einem Qualitätsopfer auf Gewinn zu spielen. Doch der Armenier wies dies ab und hatte dann selbst die Chancen auf einen ganzen Punkt auf seiner Seite. Die Partie endete remis. Auch Veselin Topalov und Peter Svidler trennten sich remis. Wie schon im letzten Jahr rennt der Bulgare in Mexiko seiner Form aus anderen Turnieren hinterher.Turnierseite... Alle Berichte aus Morelia...Bericht, Fotos, Partien, etc...

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Morelia: Anand führt nach  Runde 4
Text: André Schulz
Fotos: Nadja Woisin, Frederic Friedel
Videos. Nadja Woisin


Fotografenansturm bei Rundenbeginn


Blick vom zweiten Balkon auf die Bühne

Ergebnisse:

Runde 4: Mittwoch, Februar 21
Peter Leko 
½-½
 Levon Aronian
Vishy Anand 
1-0
 Alex. Morozevich
Vassily Ivanchuk 
0-1
 Magnus Carlsen
Veselin Topalov 
½-½
 Peter Svidler

 

Stand nach vier Runden:

Die Partien der ersten vier Runden...

Neue Videos:

Vídeo: Runde 4 (19.2.2007)...

Videos der zurückliegenden Tage:

Vídeo Runde 3 (19.2.2007)...

Karneval in Morelia (18.2.2007)...

Video: Runde 2 (18.2.2007)...

Vídeo: Runde 1 (17.2.2007)...

Vídeo: Eröffnungsfeier (16.2.2007)...

 

Veselin Topalov, der sonst meist 1.d4 bevorzugt, wandelte in seiner Partie gegen Svidler auf Kramniks Pfaden und eröffnete mit 1.Sf3.

Durch Zugumstellung entstand eine Antigrünfeld-Variante, bei der Weiß gegenüber der vergleichbaren Variante der Grünfeldverteidigung zwar ein Tempo verlier (Dd1-a4-b3), Schwarz dabei aber zu dem hier eher nutzlosen Zug Lc8-d7 zwingt.

Svidler hatte diese Stellung schon mehrfach auf dem Brett, zuletzt beim Tal Memorial in Moskau im letzten Jahr gegen Gelfand. Mit 15.Td1 wich Topalov von diesem Vorgänger ab. Im weiteren Verlauf der Partie änderte sich wenig an der grundlegenden Struktur der Stellung.

Nach dem Tausch einiger Steine wurde die Partie auf Vorschlag von Topalov im 29.Zug mit remis beendet.

Die größte Überraschung des Tages war vielleicht Peter Lekos erster Zug :1.d4.


Aronian ahnt, was jetzt kommt

Etwas anderes als 1.e4 sieht man beim Ungarn selten, aber in den letzten Jahren hat er tatsächlich ab und an mit diesem Zug experimentiert, der ihm ja auch schon in seinem WM-Kampf gegen Kramnik geholfen hat. Im letzten Jahr hatte Leko gegen Aronian in Morelia mit seinem Anti-Marshall verloren. In Dortmund konnte er den Armenier mit der Spanischen Abtauschvariante überraschen. Nun sollte also 1.d4 den gleichen Effekt erzielen.

Es entstand ein Bogoindisch/Katalanisch-Hybrid. Mit 9.Sc3 wich Leko vom üblichen Weg mit 9.Dc2 ab.


 

Nachdem er mit einem Turm auf die 7.Reihe eingedrungen war, brachte er mit einem Qualitäts"opfer" Würze ins Spiel.



Im Gewinnsinne brachte dies jedoch nichts ein. Schwarz erhielt bald Gegenspiel mit seinen Schwerfiguren, so dass Leko sich ins Endspiel retten musste, das er mit Läufer und Mehrbauer remis hielt.


Vielleicht hätte er noch auf Gewinn spielen können: Levon Aronian


Aronians Sekundant Vadim Potkin spricht mit Lekos Trainer Arsahk Petrosian

Mit seinem Sieg über Alexander Morozevich fuhr Vishy Anand seinen zweiten vollen Punkt ein und hat sich damit an die Tabellenspitze gesetzt. Thema der Partie war die Breyer-Variante im Geschlossenen Spanier.



Mit 15. c7-c6 (statt g7-g6) beschritt Morozevich einen ungewöhnlichen Pfad in diesem Abspiel. Nur ein einziges Vorbild ist bekannt und das stammt aus dem Jahr 1956.

Anand machte auch sofort Gebrauch von dieser Abweichung und stellte seinen Springer dankend nach f5. Zwischenzeitlich hielt er diesen dort auch unter dem Angebot eines Opfers - das nicht angenommen werden musste - und nutzte ihn später zur Verstärkung eines Springervorpostens auf d5.

Doch sehr viel mehr als optische Dominanz sprang für den Inder dabei zunächst nicht heraus. Erst als Morozevich mit 41...Lf8 eine Unvorsichtigkeit begann, neigte sich die Waage zugunsten von Weiß.

Der "Tiger" sprang auch sofort seine Beute an (Sed5) und erhielt im Ergebnis zwei Freibauern am Damenflügel. Der Rest war nur noch eine Sache souveräner Technik.

Wer etwas über die Partie zwischen Vassliy Ivanchuk und Magnus Carlsen erfahren möchte, kann sich in seinem Schachblog aus erster Hand informieren. Ivanchuk hatte mit einem Finachetto-Damenbauerspiel eröffnet und Carlsen hatte mit b7-b5 die prinzipiellste Variante gespielt und ausgenutzt, dass Weiß den Zug c2-c4 zurück gestellt hatte.

In einem positionellen Grabenkrieg war eher Weiß etwas besser, konnte aber seinen Vorteil nicht festhalten. Nach dem Übergang in ein ausgeglichenes Endspiel war 49.Kf2 eine erste Ungenauigkeit.





Nachdem Ivanchuk mit 53.Tb5 seinen a-Bauern aufgegeben hatte, geriet er sehr schnell auf die Verliererstraße

 

Veselin Topalov präsentierte eine schicke neue Uhr.



Diese stellt die Zeit nicht mehr mit Zifferblatt oder in Zahlen dar, sondern der Träger rechnet sich die Zeit mit Hilfe von "Binär"stellen nach folgendem Schema selber aus.


 

Die Stunden

X _ _ _ = 1
_ X _ _ = 2
_ _ X _ = 4
_ _ _ X = 8

 

 

Die Minuten

X _ _ _ _ _ = 1
_ X _ _ _ _ = 2
_ _ X _ _ _ = 4
_ _ _ X _ _ = 8
_ _ _ _ X _ = 16
_ _ _ _ _ X = 32

 

Dass die FIDE ein ähnliches Model bald als Schachuhr einführen will, stimmt allerdings nicht.



 

Bilder des Tages:


Carlsen schaut sich um. Mal hier...


...mal dort.
 






Jetzt wird's spannend

 


Blick in den Presseraum


Damengespräche


Herrengespräche


Potkin und Motylev

 

 


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