Mukachevo, wieso Mukachevo?

31.10.2007 – Am letzten Wochenende war die Stadt Mukachevo Austragungort eines hochkarätigen Schnellschachwettkampfes zwischen Vassiliy Ivanchuk und Peter Leko. Der Name der Stadt Mukachovo (Munkatsch) ist eher selten in den Schlagzeilen von Schachnachrichten, eigentlich von Nachrichten überhaupt. Seit dem 9. Jahrhundert gehörte die Stadt und das umliegende Gebiet Transkarpatiens zu Ungarn bzw. dessen politischen Vorgängern. Nach dem ersten Weltkrieg wurde es der neu gegründeten Tschechoslowakei zugeschlagen. Die Ungarn erhielten es zu Beginn des Zweiten Weltkriegs zurück, mussten es zum Ende wieder abgeben und schließlich verleibte sich die UdSSR das Gebiet ein. Heute ist es ukrainisch. Die ungarisch-ukrainische Vergangenheit könnte in guter Grund sein, hier zwischen den Spitzenspielern dieser Länder einen Schachwettkampf zu spielen. Doch der eigentliche Grund ist ein ganz anderer. Olaf Heinzel lädt zu einer Tour nach Mukachevo ein und klärt auf. Mehr...

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Besuch in Mukachevo
Von Olaf Heinzel

Im Juni feierte Josef Resch, Besitzer von Univeral Event Promotion (UEP), sein 50. Wiegenfest. Dieses nahm UEP zum Anlass,  nach 2006 mit Kramnik – Deep Fritz und vor 2008 mit dem WM – Match Anand – Kramnik, ein weiteres TOP-Match zu organisieren. Als Austragungsort wurde Mukatschevo gewählt, wo Josef Resch seine Kindheit verbrachte und heute auch einen Wohnsitz hat.


Josef Resch bei der Eröffnungfeier

Darüber hinaus hat die Stadt in den westukrainischen Transkarpatien eine abwechslungsreiche Historie. Bis 1944 gehörte es bis auf eine wenige Jahre immer zum Königreich Ungarn. Gegen Ende des 2. Weltkrieges gehörte es dann zum tschechoslowakischen Gebiet. 1945 ging es dann an die Sowjetunion bis zur Selbstständigkeit der Ukraine im Jahre 1991. Touristischer Highlight ist die Burg Palanok, welche im 13. Jahrhundert erbaut wurde. Die berühmte Familie Rakoczi war bis zum Aufstand gegen die Habsburger Anfang des 18. Jahrhunderts der Besitzer. Danach diente die Burg mehr als Gefängnis und Kaserne für die jeweiligen Siegermächte bis Chruschtschow sie als Seminarort umfunktionierte.


Ein paar junge Soldaten schauen von der Mauer herunter


Alte und neuerer Gebäude


Die Burg Palanok im Modell


Aussicht von der Burg über Mukaschewo


Peter und Sofia Leko, gut bemützt


Verwinkelte Gassen


Blick in die Folterkammer, mit anschaulichen Details für die Besucher liebevoll hergerichtet


Ehrentafel für die Familie Rakoczi

 

Sofia Leko übersetzt die Ausführungen des Burgführer (Mitte) ins Deutsche. Peters Frau spricht neben Ihrer Muttersprache Armenisch, noch Russisch, Ungarisch, Englisch und Deutsch. Spanisch ist die nächste Sprache, welche Sie in Angriff nehmen wird!

Durch die Enge geschichtliche und lokale Nähe, knapp 40 Kilometer bis zur Grenze, bot sich ein Match der beiden Landes-Nr. 1 von der Ukraine und Ungarn ein. Dem entsprechend waren auch die Sympathien unter den zahlreichen Zuschauern verteilt.

Die Zuschauer vor dem Spielerhotel Star, welches Gegenüber des Spielortes, dem Filmtheater Peremoha liegt. Während Peter Leko mit Frau Sofia in den Pausen sich im Hotel zurückzog, blieb Vassily Ivanchuk im Ruheraum des Kinos.


Das Filmtheater Peremoha

Für beide Seiten war die Anreise von 5-6 Stunden gleich, wobei Viel-Spieler Ivanchuk nach seinen Meisterschaftspielen in Spanien und der Bundesliga nur auf der Durchreise nach Kreta zum Wäschewechsel in seiner Heimat zurückgekehrt war. Leko dagegen unterbrach seine Vorbereitung für seine Titelverteidigung beim kommenden Tal-Memorial, das Mitte November in Moskau  stattfinden wird.



Leko-Manager Carsten Hensel, Sofia und Peter Leko, Vassily und Oxana Ivanchuk.
Im Hintergrund rechts, Vaszilij Sikula und Zahar Efimenko bei der Eröffnungsfeier


Josef Resch mit Lebensgefährtin Marianna

Da die Dramaturgie des Matches bekannt und bereits Vergangenheit ist, möchte ich auf die weniger bekannten Rahmenbedingungen zu sprechen kommen. Die allgemeinen Austragungsstandards für ein solches Match mit dem ausgezeichneten Spielort Kino Peremoha, der Live-Übertragung ins Netz und der eigenen Homepage wurden auf hohem Niveau und wie selbstverständlich erfüllt.

Ebenso gab es für die Zuschauer vor Ort den Service der Partiekommentierung durch GM Efimenko (2624) und IM Sikula (2550). Zusätzlich wurde ein Live-Videostream angeboten, der von der Homepage abgerufen werden konnte. Mit Hilfe dessen hatten auch Schachfreunde, die nicht vor Ort waren, die Möglichkeit, z.B. an der farbenprächtigen und musikalische Eröffnungsfeier teilzuhaben. Das Medienecho, nicht nur in der Ukraine, war natürlich erwartet groß, da mit Ivanchuk der beste Spieler des Landes in einem hochkarätigen Wettkampf im eigenen Land antrat.

 
Überall in der Stadt: Werbeplakate für den Wettkampf

Da es eigentlich keinen Sieger im Schnellschach-Match selbst gab - Ivanchuk entschied erst den Tiebreak für sich- , hat die Stadt und Sponsoren nach Rücksprache mit dem Veranstalter die beiden Spieler für nächstes Jahr wieder eingeladen. Als Zeitpunkt wurde Dezember 2008 ins Auge gefasst. Zum Abschluss noch ein paar Impressionen aus Transkarpatien.


Für ganz Mutige: der örtliche Bus


Blick in die Markthallen: Hier gibt's alles


Die Streuner warten auf Reste


Eingang zum...


... Schachklub.


Innen sieht es gar nicht so schlecht aus.

 

 

 

 

 

 


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