Naiditsch wird Aseri

von André Schulz
25.07.2015 – Arkadi Naiditschs Wechsel in die aserische Nationalmannschaft ist nun offenbar spruchreif, nachdem darüber schon lange spekuliert wurde. Gegenüber dem Deutschlandfunk gab Naiditsch bessere Rahmenbedingungen und Verdienstmöglichkeiten in Aserbaidschan als Grund für seinen Wechsel an Mehr...

Ein Verbandswechsel von Arkadij Naiditsch stand schon längere Zeit im Raum, nun wird er offenbar vollzogen. Naiditsch, dessen Familie aus Lettland stammt, wurde in Deutschland zum Weltklassespieler und war einziger deutsche Spieler mit einer Elozahl von über 2700. Mit dem Deutschen Schachbund und deren Funktionsträgern befand sich Naiditsch allerdings seit längerem im Konflikt. Naidtsch beklagte sich über die Schwerfälligkeit des Schachbundes und hatte mit einigen Funktionsträgern im Schachbund persönliche Probleme. Über den früheren Bundestrainer und jetzigen Sportdirektor Uwe Bönsch hat er sich in Interviews mehrfach abfällig geäußert, aber auch andere Funktionäre intern und auch öffentlich kritisiert. Der Schachbund hat sich im Gegenzug über unprofessionelles Verhalten von Naiditsch beklagt.

Der Weltschachbund erlaubt auch dann einen Verbandswechsel, wenn ein Spieler schon für die A-Nationalmannschaft gespielt hat. So setzt sich die US-Mannschaft fast nur noch aus zugewanderten Spielern zusammen, die nun in den USA leben.

Die FIDE erhebt bei einem Verbandswechsel eine Gebühr von 5000 Dollar, außerdem folgt eine Sperrfrist von zwei Jahren. Die beiden Verbände können sich über den Verzicht auf eine Sperrfrist verständigen. In diesem Fall zahlt der neue Verband eine "Ablösesumme", die bei Spielern über 2700 üblicherweise 50.000 Dollar beträgt, bei Spielern unter 2700 30.000 Dollar. Naidisch lag zuletzt immer bei über 2700, fiel aber nach seinem schlechten Abschneiden bei den französischen Mannschaftsmeisterschaften auf 2685 zurück.


Artikel bei Deutschlandfunk...

 

 


André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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ebit ebit 25.07.2015 03:30
Naiditsch bleibt Deutscher mit allen Vorteilen innerhalb der EU, spielt aber für Azerbaidschan und zahlt dort auch seine Steuern und wenn er in spätestens zehn, fünfzehn Jahren endgültig Abschied nimmt von der erweiterten Weltspitze, dann fällt ihm bestimmt wieder ein, dass es ein deutsches Sozialsystem gibt?! Ebenfalls stört mich, dass er jahrelang über 2700 elo lag und plötzlich, wie auf Bestellung, unter dieser Marke war, um die "Gebühren" zu reduzieren.
DoktorM DoktorM 25.07.2015 09:13
Ich glaube nicht, dass ein Spieler wegen lächerlicher 20000 Dollar Ersparnis für seinen neuen Verband seine Elozahl unter 2700 drückt. Auch dürfte ein nicht zur Weltklasse (Top 20) gehörender Schachprofi wie Naiditsch nicht wirklich viel an "Lohnsteuer" bezahlen. Und die indirekten Steuern (Mehrwertsteuer, ...) zahlt er weiterhin in dem Land, in dem er einkaufen geht und lebt. Das deutsche Sozialsystem zahlt nur dann nennenswerte Gelder, wenn man vorher jahrzehntelang einbezahlt hat. Der "Fall" Naiditsch ist keiner. Das Wechseln der Nationalität ist beim Schach nicht ungewöhnlich. Bei vielen Sportarten auch nicht.
renard01 renard01 25.07.2015 11:55
Der Verlust, der durch Naiditschs Weggang entsteht, ist ein rein sportlicher.
Bundestrojaner Bundestrojaner 26.07.2015 01:06
Dem Spieler und dem Menschen Naiditsch weine ich keine Träne nach.
Schach war heute mal wieder im TV...auf der ZDFText Seite 235.
claudius rex claudius rex 26.07.2015 09:29
Naiditsch macht nichts anderes als die meisten von uns jeden Tag tun. Er schaut wo er bleibt.
Ich kann es ihm nicht verdenken. Sportlern und auch Schachspielern läuft oft die Zeit davon. Solange er über 2700 ELO hat geht es ihm gut, aber keiner weiß wie lange noch.
Deshalb kann ich ihm keinen Vorwurf machen.
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