Nicht immer schlecht: der Randspringer

von Johannes Fischer
29.03.2017 – "Springer am Rand, bringt Kummer und Schand!" Das wusste schon Dr. Tarrasch, das predigt man jedem Anfänger. Tatsächlich stehen Springer am Rand oft erbärmlich. Aber keine Regel ohne Ausnahme. Das bewies Ex-U20 Weltmeister Ahmed Adly beim Sharjah Masters in einer sehenswerten Partie.

Solid and safe against the wild Indians: Play the Fianchetto Solid and safe against the wild Indians: Play the Fianchetto

Königsindisch und Grünfeld sind bekanntermaßen trickreiche und theorielastige Eröffnungen. Die Fianchetto-Variante vermeidet die Hauptabspiele, in welchen die Nachziehenden sich wohlfühlen, und strebt ein kleines, aber sicheres Plus an.

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In Runde drei des Sharjah Masters gelang Adly ein schöner Sieg gegen den indischen Meister Stany. Adly opferte früh eine Figur und spielte danach im Zentrum, am Damenflügel und vor allem am Königsflügel und verband positionelle und taktische Motive zu einer kleinen Glanzpartie.

 

Auch Daniel King war von der Partie angetan und lud Adly ein, diesen Sieg in einem von Kings Videos aus Sharjah zu kommentieren. Besonders angetan - oder auch verblüfft - war King von Adlys Springerausfall im 10. Zug. Der englische Großmeister zitierte Tarrasch und meinte, er wäre wohl kaum darauf verfallen, den Springer an den Rand zu stellen. Doch im weiteren Verlauf der Partie machte der weiße Springer auf h4 eine bemerkenswerte Karriere - ganz im Gegensatz zu seinen schwarzen Kollegen auf a5 und b6.

Verblüfft - und erfreut - war auch ChessBase Autor Nicholas Pert, als er das Video mit Ahmed Adly und Daniel King sah.

ChessBase Autor Nicholas Pert

Denn Pert, ehemaliger U18-Weltmeister und Cheftrainer des Englischen Schachverbands, wusste, wie gefährlich 10.Sh4 für Schwarz ist und er hatte den Springerzug bereits vor Adlys Partie empfohlen - auf seiner ChessBase DVD "Solid and safe against the wild Indians: Play the fianchetto"

Die Partie Adly - Stany zeigt, dass Randspringer nicht immer schlecht sein müssen. Sie zeigt auch, dass es sich auszahlt, gut vorbereitet zu sein. Und sie zeigt, dass Nicholas Pert dabei helfen kann, sich gut vorzubereiten.

 



Johannes Fischer, Jahrgang 1963, ist FIDE-Meister und hat in Frankfurt am Main Literaturwissenschaft studiert. Er lebt und arbeitet in Nürnberg als Übersetzer, Redakteur und Autor. Er schreibt regelmäßig für KARL und veröffentlicht auf seinem eigenen Blog Schöner Schein "Notizen über Film, Literatur und Schach".
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