Norway Chess, Runde 1: Vier Remis und ein Sieg von Nakamura

von Johannes Fischer
06.06.2017 – Das Altibox Norway Chess Turnier begann vielversprechend. Zwar endeten vier der fünf Partien Unentschieden, aber langweilig war keine davon. Für den einzigen Sieg der Runde sorgte Hikaru Nakamura, der gegen Anish Giri zeigte, warum Läufer manchmal besser sind als Springer.

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Magnus Carlsen - Wesley So
Gleich in der ersten Runde des Altibox Norway Chess Turniers kam es zur Begegnung des Weltranglistenersten Magnus Carlsen gegen den Weltranglistenzweiten Wesley So. Carlsen hatte zwar fast die ganze Partie über einen leichten Vorteil, aber nie ernsthafte Gewinnchancen. Im Nachhinein bezeichnete Carlsen seine Partieanlage dann auch als "ein wenig zu zahm". Selbst als So nach einer kleinen Ungenauigkeit in ein Springerendspiel mit Minusbauern abwickeln musste, konnte Carlsen zwar Gewinnversuche unternehmen, aber ernsthafte Gewinnchancen hatte er trotz seines Mehrbauern nie. Im 63. Zug endete die Spitzenpartie des Tages schließlich mit Remis.

Hikaru Nakamura - Anish Giri
Hikaru Nakamura gelang die einzige Gewinnpartie der Runde. In einer ungewöhnlichen Variante der Grünfeld-Verteidigung kam er mit einem leichten Vorteil aus der Eröffnung heraus und pochte in einem Endspiel, in dem beide Seiten die beiden Türme und eine Leichtfigur hatten, auf die Überlegenheit seines Läufers. Tatsächlich bereitete dieser Läufer Schwarz im weiteren Verlauf der Partie große Sorgen, doch richtig bedrohlich wurde die Lage für Giri, als Nakamura den Läufer gegen den Springer tauschte, um ein klar besseres Turmendspiel herbeizuführen. In diesem Endspiel fand Giri keine Verteidigung und Nakamura gewann.

Levon Aronian - Fabiano Caruana
Eine interessante Partie lieferten sich auch Levon Aronian und Fabiano Caruana. Aronian sicherte sich mit Weiß in einer Variante des Angenommenen Damengambits deutlichen Vorteil, den er mit einem Angriff am Königsflügel ausbauen wollte. Nach der Partie war Aronian mit diesem Konzept nicht zufrieden: "Anstatt Schach zu spielen, habe ich nach billigen Tricks gesucht." Caruana fiel auf keinen dieser Tricks hinein und umschiffte die zahlreichen Gefahren, die seiner Stellung drohten und sicherte sich so am Ende das Remis.

Vladimir Kramnik - Sergey Karjakin
Sergey Karjakin gilt als einer der besten Verteidiger der Welt und warum das so ist, zeigte er in seiner Partie gegen Vladimir Kramnik. In einem Italiener provozierte Kramnik Schwarz immer wieder, taktische Komplikationen anzustreben. Karjakin weigerte sich, aber landete so in einer schlechteren Stellung, in der er sich um eine Reihe von Bauernschwächen und einen exponierten König kümmern musste. Doch in dieser gefährdeten Lage fand Karjakin eine Reihe guter Verteidigungszüge, die ihm schließlich Ausgleich sicherten. Im 44. Zug gab Kramnik seine Gewinnversuche auf und auch diese Partie endete mit einem Remis.

Maxime Vachier-Lagrave - Vishy Anand
Ein umkämpftes Remis spielten auch Maxime Vachier-Lagrave und Vishy Anand. In der Vorstoßvariante der Caro-Kann-Verteidigung verschwanden bald alle Leichtfiguren vom Brett und es kam zu einem Schwerfigurenendspiel, in dem Weiß gegen den schwachen schwarzen Bauern auf e6 und Schwarz gegen den schwachen weißen Bauern auf c3 spielte. Im 27. Zug leitete Vachier-Lagrave mit 27.c4!? eine kleine taktische Sequenz ein, die in ein Bauernendspiel mündete, das Remis war.

Ergebnisse der 1. Runde

Br. Name Land Erg. Name Land
1 Maxime Vachier Lagrave
 
½ - ½ Viswanathan Anand
 
2 Vladimir Kramnik
 
½ - ½ Sergey Karjakin
 
3 Magnus Carlsen
 
½ - ½ Wesley So
 
4 Levon Aronian
 
½ - ½ Fabiano Caruana
 
5 Hikaru Nakamura
 
1 - 0 Anish Giri
 

Partien der ersten Runde

 

Stand nach der ersten Runde

Rg. Name Land 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Pkt. Wtg.
1 Hikaru Nakamura
 
                  1 1.0 / 1  
2 Magnus Carlsen
 
    ½               0.5 / 1 0.25
3 Wesley So
 
  ½                 0.5 / 1 0.25
4 Vladimir Kramnik
 
                ½   0.5 / 1 0.25
5 Fabiano Caruana
 
            ½       0.5 / 1 0.25
6 Maxime Vachier Lagrave
 
              ½     0.5 / 1 0.25
7 Levon Aronian
 
        ½           0.5 / 1 0.25
8 Viswanathan Anand
 
          ½         0.5 / 1 0.25
9 Sergey Karjakin
 
      ½             0.5 / 1 0.25
10 Anish Giri
 
0                   0.0 / 1  

Turnierseite Norway Chess...



Johannes Fischer, Jahrgang 1963, ist FIDE-Meister und hat in Frankfurt am Main Literaturwissenschaft studiert. Er lebt und arbeitet in Nürnberg als Übersetzer, Redakteur und Autor. Er schreibt regelmäßig für KARL und veröffentlicht auf seinem eigenen Blog Schöner Schein "Notizen über Film, Literatur und Schach".
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