Nun amtlich: Schacholympiade in Dresden 2008

16.11.2007 – Heute wurde am Rande der FIDE-Mitgliederversammlung in Antalya der Ausrichtervertrag für die Schacholympiade 2008 zwischen der Stadt Dresden und der Fide unterzeichnet. Am Donnerstag hatte der Dresdner Stadtrat mit 61:0 Stimmen (bei drei Enthaltungen) dafür gestimmt, dass die Stadt eine Garantie für die noch vorhandene Finanzierungslücke in Höhe von 1,9 Mio. Euro ausspricht. Dies war die Voraussetzung, um gegenüber der FIDE den den veranschlagten Gesamtetat in Höhe von 3,88 Mio. Euro für gesichert zu erklären. Die Schacholympiade wird die größte Schachveranstaltung in Deutschland seit 1970 sein. Der Deutsche Schachbund verspricht sich von der Durchführung in Deutschland eine Anschubwirkung für die Popularität seines Sports. Dagobert Kohlmeyer sprach mit Dresdens Bürgermeister Winfried Lehmann.Deutscher Schachbund...; FIDE...Bericht und Interview...

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Grünes Licht für Dresden auf dem Weg zur Schacholympiade
OK-Präsident Lehmann unterzeichnet Ausrichtervertrag mit FIDE
Von Dagobert Kohlmeyer

Heute war ein wichtiger Tag für Dresden. Beim FIDE-Kongress in Antalya haben die Organisatoren der Schacholympiade 2008 am Freitag ihren Bericht abgegeben und die Vorbereitungen für das kommende Jahr präsentiert. FIDE-Vizepräsident Georgios Makropoulos dankte den Organisatoren für die offizielle Einladung und der Landeshauptstadt Dresden für das gestrige einstimmige Votum zur finanziellen Absicherung der Schacholympiade. Der Stadtrat hatte mit 61:0 (bei drei Enthaltungen der FDP) nach heißer Debatte klar dafür gestimmt, die Finanzlücke von 1,9 Millionen Euro für den Olympiade-Etat zu stopfen. Makropoulos zeigte sich überzeugt, dass Dresden eine "gute Olympiade" vorbereiten werde. Auch DSB-Sportdirektor Horst Metzing sprach im Namen des Deutschen Schachbundes seinen Dank an die Stadt Dresden aus.

Horst Metzing erklärte in Antalya am Rande der FIDE-Mitgliederversammlung, dass der Deutsche Schachbund, entgegen einem anders lautenden Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom Mittwoch, den zwischen der Landeshauptstadt Dresden und dem Weltschachverband FIDE ausgehandelten Ausrichtervertrag „wie vereinbart“ mit unterzeichnen werde. Dresden und der DSB hatten sich 2004 gemeinsam bei der FIDE um die Ausrichtung des weltgrößten Schachereignisses beworben, intern aber eine Arbeitsteilung vereinbart.

Später unterzeichnete der Präsident des Organisationskomitees der Schacholympiade 2008, Bürgermeister Winfried Lehmann, am heutigen Freitag in Kemer (Türkei) den Ausrichtervertrag. Für die FIDE unterschrieben der Stellvertretende Präsident Georgius Makropoulos (Griechenland) und Schatzmeister Nigel Freeman (Bermudas), der Sportdirektor des Deutschen Schachbundes Horst Metzing leistete die Unterschrift für den DSB.



„Ich bin sehr glücklich über die Unterstützung des Dresdner Stadtrats, aufgrund der ich heute die Unterschrift hier leisten konnte“, so Lehmann in Kemer. „Dieses erneut starke Signal der Stadt für die Schachfreunde in Dresden und aller Welt ist ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zu einer erfolgreichen Organisation und Durchführung der Schacholympiade“.

„Die Entscheidung des Stadtrats und die Unterzeichnung des Ausrichtervertrages gibt uns die dringend benötigte Sicherheit für Gespräche mit weiteren Partnern für die Schacholympiade“, sagte der Geschäftsführer der Schacholympiade 2008 – Chess Foundation GmbH Jörn Verleger. „Das beschlossene Budget ermöglicht die Durchführung der Schacholympiade auf einem absolut angemessenen Niveau. Ich hoffe, wir werden uns jetzt wieder mit allen Kräften der Sacharbeit zuwenden können“, so Verleger, der die abschließenden Besprechungen zum Vertrag mit der FIDE in Kemer leitete, an der auch Chairman Dr. Dirk Jordan und der Sportdirektor des Deutschen Schachbundes Horst Metzing teilnahmen.

Zur Delegation des DSB gehörten außerdem Marketing-Direktor Volker Bernardi und Bundesrechtsberater Ernst Bedau.

„Nach der erfolgten Vertrags-Unterzeichnung wird die Intensität der Vorbereitungen auf dieses Mega-Event stark zunehmen“, kommentierte Vizepräsident Matthias Kribben die Situation. Über den aktuellen Stand der Dinge informierten wir uns im folgenden Interview mit dem Präsidenten des Dresdner Organisationskomitees der Schacholympiade Winfried Lehmann.


Oberbürgermeister Lutz Vogel


„Ich ziehe den Karren für eine erfolgreiche Olympiade“
Interview mit Dresdens Sport-Bürgermeister Winfried Lehmann
Von Dagobert Kohlmeyer

In genau einem Jahr ist Dresden Gastgeber der Schacholympiade. OK-Chef Winfried Lehmann signiert am Wochenende in Antalya/Türkei mit dem Weltschachbund FIDE den Ausrichtervertrag über das Großereignis. Mitunterzeichner ist der Deutsche Schachbund DSB, mit dem die Stadt eine Arbeitsteilung vereinbarte. Dagobert Kohlmeyer sprach mit Winfried Lehmann vor dessen Abreise über Finanzen und Sponsorensuche, über gelöste und noch zu meisternde Probleme auf dem Weg zu dem Mega-Event und über die Malediven.



Herr Lehmann, wie viel kostet die Schacholympiade insgesamt?

Das Turnier der Nationen kostet Dresden im nächsten Jahr 3,88 Millionen Euro. Davon haben wir die Hälfte zusammen. Die noch fehlenden 1,9 Millionen mussten abgesichert werden. Das ist jetzt durch den Stadtrat mit einem klaren Votum (61:0 bei drei Enthaltungen) geschehen. Gewinnen wir noch weitere Geldgeber, verringert sich die städtische Summe entsprechend.

Hauptsponsor ist die Ostsächsische Sparkasse, die laut eigener Auskunft einen sechsstelligen Betrag gibt. Wie viel genau?

Ohne konkrete Zahlen zu nennen, sage ich Ihnen, dass wir die Sparkasse sicher im Boot haben sowie auch die Fördermittel vom Bund.

Viele Banken werben mit Symbolen von Schachfiguren und ziehen dadurch Kunden an. Sie könnten dem Spiel in der Tat etwas zurückgeben.

Die Sparkasse in Dresden tut es, weit über die Olympiade hinaus. Seit Jahren organisiert und unterstützt sie viele Turniere im Kinderbereich. Da ist die Bank permanent an unserer Seite.

Die Sponsorensuche für Schach bleibt dennoch ein mühsames Geschäft.

Wir sind dafür Tag und Nacht im Einsatz. Gerade war ich in Berlin zu Gesprächen mit einer bedeutenden Firma. Aber man kann nicht mit jedem Detail an die Öffentlichkeit gehen, wenn Verhandlungen laufen. Wir wollen Unternehmen nicht verprellen, ehe der Marketingchef nicht seinen letzten Haken auf dem Papier gemacht hat.


Winfried Lehmann, Lutz Vogel, Matthias Kribben

Sportminister Wolfgang Schäuble hat Unterstützung für die Schacholympiade versprochen. Wie hoch sind die Zuwendungen des Bundes?

Herr Schäuble zeigt großes Wohlwollen, die Regierung hat 100 000 Euro fest zugesagt. Mehr ist mit den Förderungsbedingungen nicht vereinbar, weil wir keine olympische Sportart sind. Wir suchen weiter das Gespräch, ich halte es aber für höchst unwahrscheinlich, dass wir vom Bund eine höhere Summe erhalten.

Sie stehen seit dem Sommer an der Spitze des Organisationskomitees. Was war Ihre erste Amtshandlung als OK-Chef?

Ich habe das Komitee und alle Ehrenamtlichen an meinen Tisch geholt und sie auf das große Ziel eingeschworen. Wir haben die Aufgabenfelder sortiert und einiges neu strukturiert. Es gab ja mehrere Phasen auf dem Weg zur Schacholympiade: die Bewerbung, das Votum des FIDE-Kongresses in Calvia, und jetzt sind wir in der heißen Phase der unmittelbaren Vorbereitung. Es war ein klares Zeichen aus der Dresdner Politik, dass der für Sport Verantwortliche an die Spitze der Bewegung gehört.


Winfried Lehmann, Jürgen Flückschuh (
Ostsächsische Sparkasse Dresden)

Die Stadt hat ja auch prominente Persönlichkeiten gewonnen, um für die Schacholympiade zu werben.

Es freut uns sehr, dass Bundespräsident Horst Köhler die Schirmherrschaft über das Turnier der Nationen übernommen hat. Olympiabotschafter sind die Weltklasse-Spielerin Susan Polgar (USA), die voriges Jahr hier den Women Chess Cup gewann, die Schauspielerin und Sängerin Vaile und - neu dazugekommen - Sebastian Krummbiegel. Der Sänger der Prinzen aus Leipzig ist ein großer Schachfan.

Bei der Euro 2007 in Dresden gab es Probleme mit der Internetübertragung und den Digitalbrettern. Das muss besser werden. Was wird sich 2008 ändern?

Unsere IT-Spezialisten arbeiten mit Hochdruck an einem eigenen Übertragungssystem. Was die Bretter angeht, so gibt es eins, das die FIDE favorisiert und die Option, dass wir selbst ein Brett präsentieren. Der Weltverband muss es aber genehmigen. Ich gehe davon aus, dass noch in diesem Jahr die Entscheidung fällt. Zur Team-EM der Senioren im Februar soll es einen Testlauf mit der Internetübertragung geben. Wir wollen die beste Lösung.



Ist die Unterbringung der Olympiateilnehmer gesichert?

Wir sind der FIDE gegenüber in der Pflicht, den Standard der Hotels deutlich über den der letzten Schacholympiaden in Mallorca und Turin anzuheben. Die Aktiven wohnten in Turin im spartanischen olympischen Dorf der Wintersportler (was Kosten ersparte), das war ein starker Kritikpunkt des Weltschachbundes.

Die drei IBIS-Hotels in der Prager Straße von Dresden reichen bei der Olympiade nicht. Wo werden die Teilnehmer und Gäste wohnen?

Wir haben Gespräche mit den Hotels Maritim, Bellevue, Steigenberger und Elbflorenz geführt. Die Doppelzimmer von IBIS werden als Einzelzimmer vergeben. Es gab klare Ansagen von uns bei der Olympiabewerbung, dass wir die Bedingungen der FIDE erfüllen. Eine Kommission des Weltverbandes war in Dresden und konnte sich alles ansehen.

Bei der Euro im April klagten die Aktiven auch über das Essen.

Diese Kritik wurde ausgewertet. Das Ernährungskonzept wird verbessert, vor der Olympiade vorgelegt und durch die Verantwortlichen begutachtet.

Wie kommen die Zuschauer im Spielsaal auf ihre Kosten? Der Abstand zwischen Empore und den Brettern der Aktiven ist sehr groß.

Bei den vorigen Olympiaden in Calvia oder Turin waren die Bedingungen für das Publikum noch ungünstiger. Mit dem Kongresszentrum an der Elbe haben wir einen sehr schönen Austragungsort. Er muss nur optimal genutzt werden. Zur Euro passten die Aktiven alle in einen Saal. Zuschauer konnten nicht in den Innenraum, das versteht sich. Die Sportler würden bei ihrer Denkarbeit gestört.

Was wird bei der Olympiade verbessert/geändert?

Weil dreimal so viel Teilnehmer kommen, wird die gesamte Fläche des ICC genutzt. Alle Trennwände werden herausgenommen, so dass auf der vollkommen geöffneten Ebene auch mehr Platz für die Zuschauer sein wird.

Es gab in der Vergangenheit viel Kritik an einzelnen Machern der Dresdner Olympiade bzw. am Stand der Vorbereitungen. Wie reagieren Sie darauf?

Offensiv. Ich bin ein Kämpfer und stelle mich der Herausforderung. Bei jeder Großveranstaltung des Sports gibt es Für und Wider, Licht und Schatten. Davon darf man sich nicht beirren lassen. Ich ziehe den Karren. Wir haben uns im Stadtrat klar positioniert und viele gute Leute im Boot. Diese gehen mit Euphorie und hoher Begeisterung an die Aufgabe. Und ich stehe an der Spitze.

Die FIDE hat den Leitspruch „Gens una sumus“ (Wir sind eine Familie). Wie lautet Dresdens Slogan?

Unser Leitmotiv für die Schacholympiade lautet „ Wir spielen eine Sprache“. Mit anderen Worten, es werden Vertreter vieler Nationen zu uns kommen und sich verstehen. Nicht nur durch das Ziehen der Figuren.



Mit wie vielen Teams rechnen Sie?

Wir hoffen auf eine hohe Zahl. Bei den Herrenteams erwarten wir bis zu 150 Mannschaften, bei den Damen 120. Die Malediven haben einen Aufnahmeantrag an die FIDE gestellt. Als neues Mitgliedsland werden sie bei uns in Dresden ihre Olympiapremiere feiern.

Danke für das Gespräch!



 

 



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