Olga Alexandrova ukrainische Frauenmeisterin

18.05.2004 – Vom 3. bis 12. Mai fand im Krim-Badeort Alušta die Ukrainische Frauenmeisterschaft statt. Über 50 Spielerinnen, darunter über 20 Titelträgerinnen nahmen daran teil und lieferten sich einen packenden Kampf um den Titel. Am Ende hatte WGM Olga Alexandrova (Foto, vorne) mit 7 Punkten knapp die Nase vorn, obwohl sie mit einer Auftakt-Niederlage ins Rennen ging. Zweite wurde Tatiana Kostiuk vor der punktgleichen Evgenija Doluhanova (beide 6,5). Trotz aller Spannung blieb während des Turniers genug Zeit für Ausflüge in die Stadt und an den frühlingshaften Schwarzmeerstrand. Die Siegerin schickt uns Fotos und einen Bericht vom Turnier. Thomas Lemanczyk hat ihn mit vielen interessanten historischen Informationen ergänzt. Bericht, Fotos, Partien...

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Ukrainische Frauenmeisterschaft 2004
Alušta, Hotel „Čajka“ (Möwe), 3.-12.Mai 04

Von Olga Alexandrova und Thomas Lemanczyk

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Eröffnung des Turniers

Spielort der diesjährigen Damenmeisterschaft der Ukraine war die Krim, einer der schönsten Landesteile der Ukraine. Der Gastgeber, die Stadt Alušta am Schwarzen Meer, gilt zu recht als das Zentrum des Ukrainischen Schachlebens.

Hier werden Turniere von unterschiedlichstem Rang ausgetragen: von offiziellen, wie Landesmeisterschaften und Qualifikationsturnieren zu Welt- und Europameisterschaften, bis zu internationalen Open und geschlossenen Rundenturnieren. Ein besonderes Schach-Pensionat trägt den Namen der Schachgöttin „Caissa“! Hervorragende klimatische Bedingungen ermöglichen günstige Spielbedingungen.

An der Frauenmeisterschaft, die im Hotel „Čajka“ ausgespielt wurde, beteiligten sich 53 Teilnehmerinnen, darunter 1 WGM (IM), 5 WGM, 13 WIM und 2 WFM.


Hotel Čajka




Der Turniersaal

Um den Titel entbrannte ein sehr spannender Kampf: WIM Natalia Zdebskaja ging in den ersten Runden in Führung (mit 4 aus 4), sie verlor aber in der 6. Runde gegen WIM Evgenija Doluhanovoj, die daraufhin alleinige Spitzenreiterin (5½ aus 6) wurde. Es schien, als würde niemand mehr in der Lage sein, sie einzuholen. Aber in der 8. Runde gelang es WGM Olga Alexandrova sie in einer hart umkämpften Partie zu bezwingen.

Olga Alexandrova begann das Turnier übrigens mit einer Niederlage, nach der sie sich aber wieder fangen konnte und belegte mit 7 aus 9 den alleinigen ersten Platz, der gleichbedeutend mit dem Titel der Landesmeisterin war.

Auf die nachfolgenden Plätze gelangten mit 6½ Punkten vier Spielerinnen. Die Buchholzwertung musste entscheiden: Zweite wurde WIM Tatiana Kostiuk, Dritte WIM Evgenija Doluhanova.


Die Siegerehrung


Die drei Siegerinnen

Die Atmosphäre während des ausgezeichnet organisierten Turniers, auf dem sechs Geldpreise ausgesetzt wurden, war sehr angenehm.


Zeit für eine Partie Billard: Katerina Dolhzikova...


...und Anastasia Karlovich

Auch das Wetter spielte aufs erfreulichste mit! Viele Mädchen nutzten die freie Zeit während des Turniers zu Ausflügen in Stadt und Umgebung oder zum Sonnenbaden am Strand.


Olga Alexandrova füttert ein Eichhörnchen


Disney auch auf der Krim


Devotonalien-Bude an der Prominade: Kateryna Gorbatenko


Zanna Morshakova


Tatiana Grisha und Alla Babiy


Peking-Restaurant neben der Strandpromenade


Besuch beim Chinesen: Vorher

 


Kateryna Gorbatenko und Anna Ushenina


 

Die Krim

Die Halbinsel Krim (2,5 Mio. Einwohner, 25.500 qkm Fläche) ist eine autonome Republik innerhalb der Ukraine. Die Verbindung zum Festland liegt im Norden (Landenge von Perekop), im Westen und Süden ist sie vom Schwarzen, im Osten vom Asowschen Meer umspült. Im Süden und Südosten liegt das Krimgebirge, das an seiner höchsten Erhebung bis zu 1545 m zählt. Der nördliche Steppenbereich bietet ein trockenes, winterkaltes Klima und heiße Sommer, im Süden herrscht ein Mediterranes Klima mit entsprechender Vegetation.

Der Name Krim ist mongolischen Ursprungs (mong. qrym = Felsen) und entstand im 14. Jh., als Mongolen die Halbinsel eroberten und zu einem Teil der Goldenen Horde machten. Bekannt war die Krim freilich schon dem Altertum, dem die Kimmerier und die Taurier als Urbevölkerung galten. Griechen gründeten ab dem 6. Jh. vor Chr. Kolonien an der Ost- und Westküste. Skythen, ursprünglich verschiedene nomadisierende Stämme, gründeten im 5. Jh. v. Chr. einen mächtigen antiken Staat auf der Krim, der ein Jahrhundert später von Sarmatischen Stämmen erobert wurde, aber als Spätskythischer Staat noch etwa ein Jahrhundert fortbestand. Im 1. Jh. v. Chr. wurde die Krim Römische Provinz, wurde im Zuge des Untergangs des Römischen Imperiums und der Völkerwanderungen im 3. Jh. n. Chr. von den Goten erobert (die als Krim-Goten noch bis ins 16. Jh. nachweisbar sind); es folgten ab dem 5. Jh. die Hunnen, Chasaren und Kumanen als Eroberer. Der starke Einfluß des mächtigen Byzanz machte sich ab dem 6. Jh. v. a. an den Küstengebieten bemerkbar, jedoch bleibt die Krim bis zum 9. Jh. vom Chasaren-Khanat kontrolliert. Zum Ende des 10. Jh. ist das Christentum vorherrschende Religion auf der Krim. Ab dem 13. Jh. lösen die Genueser die Byzantiner ab und gründen eigene Kolonien.

Im 14. Jh. dann der Einfall der Mongolen (Tataren), die ein Krim-Khanat gründen, das sich ein Jahrhundert später unabhängig von der Goldenen Horde macht. Im Jahre 1475 erobern die Osmanen das Khanat und gliedern es ihrem Reich ein.

Einer kurzen Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich (seit 1774) folgt im Jahre 1783 die Eroberung durch Russland, das von Zarin Katharina II. beherrscht wird, und die Eingliederung in das Russische Reich. Nach einem zweiten Russisch-Osmanischen Krieg wurde 1792 die Zugehörigkeit der Krim zu Russland durch die Türkei vertraglich festgeschrieben. Von 1853 bis 1856 tobte der so genannte Krim-Krieg, ein neuerlicher Konflikt zwischen Russland und dem Osmanischen Reich, in den England und Frankreich auf Seiten der Türken einschritten. Die Niederlage der Russen geht einher mit schweren Verwüstungen auf der Krim und hat als Folge den Verlust ihrer Schwarzmeerflotte (Friedensvertrag von Paris 1856).

Der junge Graf Lev Tolstoj nahm 1854-55 an den Kämpfen um Sevastopol teil und veröffentlichte seine Kriegserlebnisse in der Sevastopoler Trilogie 1855 und 1856. Die herausragenden Kampfschilderungen seines Krieg und Frieden (1869) schöpfen von den Erlebnissen aus dieser Zeit.

Beginnend mit dem Jahre 1875 wird die Krim mit einem Eisenbahnnetz erschlossen und entwickelt sich nun zu einem beliebten Kurort. Während des ersten Weltkriegs greift die Revolution auch auf die Krim über, Januar 1918 wird die „Taurische Sozialistische Sowjetrepublik“ gegründet, die allerdings bis November 1920 noch zwei Mal gegründet werden musste, da sie erst von Deutschen Truppen zerstört, dann unabhängig und im Bürgerkrieg von der Weißen Armee kontrolliert wurde ehe die Rote Armee endgültig Fuß fasste. 1921 wird die Krim Autonome Republik der RSFSR.

1941, endgültig 1942, erobert das faschistische Deutschland, unterstützt von rumänischen Hilfstruppen, die Krim. Bis zur Wiedereroberung durch die Sowjetarmee am 9. Mai 1943 werden mindestens 23.000 Zivilisten Opfer des faschistischen Rassenwahns. Über 200.000 Zivilisten (Krimtataren, Krimgriechen, Krimbulgaren und Krimarmenier) werden wenig später von Stalin der Kollaboration verdächtigt und nach Usbekistan deportiert, Zahllose fanden während der Transporte den Tod.

Vom 4. bis zum 11. Februar 1945 findet die Konferenz von Jalta auf der Krim statt, bei der über die Verhältnisse des Nachfaschistischen Deutschlands beraten wurde. Im Februar 1954 legte das Präsidium des Obersten Sowjets fest, dass die Krim zur Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik gehört. Ende der 80er Jahre dürfen die Krimtataren zurückkehren. Im Januar 1991 wird die Krim eine Autonome Republik innerhalb der Sowjetunion. Nach dem Zerfall der Sowjetunion verbleibt die Krim als Autonome Republik innerhalb der Ukraine und erhält einen wirtschaftlichen und kulturellen Sonderstatus.

Alušta

Die an der Südküste gelegene Stadt zählt ca. 35.000 Einwohner und liegt an der Straße Jalta-Sevastopol. Durchschnittliche Sommertemperatur ist 22° C, Wassertemperatur 20° C.


Kirche in Alusta


Alter Wehrturm aus dem 6.Jh


Universität


Die Strandpromenade am Tag...


... und in der Nacht.

Im 6. Jh. bauten Byzantiner hier die Festung Aluston, von der die Stadt ihren Namen trägt. Im 15. Jh. bauten Genueser den Hafen aus, eine von ihnen erbaute Festung zeugt als Ruine noch von ihrer ehemaligen Herrschaft, die im 15. Jh. durch die Eroberung der Osmanen beendet wurde.

Unter der Osmanenherrschaft verfielen weite Teile der Stadt und erst mit der Erschließung durch den Eisenbahnbau, dem nachfolgenden Tourismus und dem Weinanbau (Aus den Rebsorten Cabernet Sauvignon, Malbec, Saperavi und Mourvèdre wird der Rotwein Aluschta gekeltert;  bis 13% vol.) zum Ende des 19. Jh. begann einen neue wirtschaftliche Blüte.

 

Informationen zu der Stadt: www.sko.ru/alushta.htm (in Russisch) und für Schachspieler, die an den bekannten Alušta-Turnieren teilnehmen möchten:
http://www.kaissa.com.ua/  (in Russisch und Englisch)


Olga Alexandrova mit Siegerpokal und Medaille

 

 

 


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