Paris ist eine Reise wert

17.06.2003 – Wer nach Paris fährt, kann dort jede Menge Sehenswürdigkeiten bestaunen, wie z.B. den Eiffelturm, den Arc de Triomphe, die Kathedrale Notre Dame, die Avenue des Champs-Élysées, den Friedhof Père Lachaise, wo neben vielen anderen Persönlichkeiten auch der Schachweltmeister Alexander Aljechin begraben ist, den Louvre oder das Centre Pompidou. Für Schachspieler ist eine weitere Attraktion hinzugekommen: der NAO Chess Club, 83,  Avenue Foch. Vielleicht findet gerade ein Turnier statt und ein paar interessante Leute sind da? Reisebericht von Anna Dergachova...

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Reisebericht mit Schach
1/4 und 1/2-Finale des Französischen Mannschaftspokal am am 24./25.Mai.
Von Anna Dergachova-Daus.

Als ich vor elf Jahren nach Deutschland gekommen bin, und die Sprache erst zu lernen begann, las ich viele Krimis. Besonderes gefallen haben mir die von Agatha Christie. Egal wo auch immer Miss Marple auftauchte, sie stieß immer wieder auf einen Mord. So geht es mir mittlerweile auch. Nur dass es sich in meinem Fall um Schach handelt. Diese lustige Geschichte passierte an einem der Samstage, an denen ich bei der Zulassungsfirma „Leckebusch“ als freiberufliche Mitarbeiterin tätig bin. Die Leute kommen zum Automarkt, kaufen ihre Autos und wollen dann nach Hause fahren. Unsere Firma macht die Kennzeichen und Versicherungen für sie und wir betreuen die Kunden, indem wir den Papierkram erledigen, beim Kauf des Autos helfen und gleichzeitig natürlich übersetzen.

Also dieser Samstag war wie jeder andere auch, doch am Ende des Tages kamen zwei Franzosen, die sich mit dem Verkäufer nicht verständigen konnten, auf mich zu. Kurz gesagt, ihnen fehlte das Geld um das Fahrzeug zu kaufen (eines hatten sie bereits gekauft) und sie schlugen vor, dass der Verkäufer sie nach Hause begleitet, um die restliche Summe zu bekommen. So etwas passiert häufig, und die meisten sehen da keine Probleme, weil ja schließlich der eine das Auto kaufen und der andere es verkaufen möchte. Doch in diesem speziellen Fall handelte es sich um Ausländer, deren zuhause Paris war, und die dazu noch die schwarze Hautfarbe hatten. Der Verkäufer zweifelte, ich aber nicht. Im Gegensatz zu Short habe ich keine Vorurteile gegen Afroamerikaner (siehe Schach 6.), also zweifelte ich keine Minute um ihnen aus der Patsche zu helfen. Schließlich überzeugte ich auch den Verkäufer und schon bald saß ich im Auto Richtung Paris.

Da alles ziemlich spontan geschah, hatte ich keine Gelegenheit darüber nachzudenken, was ich am nächsten Tag in der Hauptstadt machen würde. Ich versuchte mich krampfhaft zu erinnern, wann der Louvre auf ist und ärgerte mich, dass ich meine Kamera zu Hause liegen hatte. Habe ich dort gute Freunde? Eigentlich nicht. Dann fiel mir ein, dass Almira Skripchenko dort seit 7 Jahren lebt und mich bei unserem letzten gemeinsamen Turnier in Capelle zu sich eingeladen hatte. Ich rief an und teilte ihrem Anrufbeantworter mit, dass ich noch heute Nacht nach Paris komme und falls seine Besitzerin diese Nachricht irgendwann hören würde, um Rückruf auf mein Handy bat.

Natürlich konnte ich vorher nicht wissen, ob Almira nicht zu irgendeinem Turnier unterwegs war oder ob sie überhaupt bereit war, mich so kurzfristig zu empfangen. Aber Fortuna lächelte mir und schon sehr bald rief sie mich zurück und meinte, ich wäre herzlich eingeladen und sie würde auf mich warten. Ich war davor noch nie mit dem Auto gefahren nach Paris und kannte daher den Weg nicht besonders gut. Es regnete in Strömen und unterwegs musste man noch aufpassen, dass uns das zweite Auto nicht verliert. Deshalb dauerte die Reise ziemlich lang.

Dafür wurde ich aber fürstlich entlohnt: bei Almira erwartete mich ein schönes Bett und Bad, und am nächsten Morgen hat sie mich, nachdem wir beim Japaner gegessen hatten, zum NAO-Schachclub geführt, wo an diesem Sonntag das Halbfinale des Pokals ausgetragen wurde.




Almira Skripchenko am Eingang zum Nao Chess Club in Paris

Sie hatte auch eine Kamera dabei, und so konnten wir dieses Tag in Bildern festhalten. Unterwegs erzählte sie mir einiges über ihren Club. Vor einem Jahr hat ihn Madam Ohje gegründet. Diese Frau ist eine sehr ehrgeizige Schachmäzenin und versucht Spitzenspieler aus ganz Europa mit guten Honoraren in den neu entstandenen Club zu locken. Dies ist ihr auch gelungen. Vladimir Kramnik, Peter Svidler, Alexander Grischuk, Michael Adams und Joel Lautier sind nicht nur gemeldet, sondern haben auch fast alle Kämpfe bestritten.

Almira selbst spielt als beste französische Frau natürlich auch mit. Und nicht zu vergessen, die jungen Talente aus Frankreich. Die bekanntesten sind: Fressinet und Nataf.


Laurent Fressinet (21) ist jung, hübsch, erfolgreich und noch zu haben! (eigene Angaben)


Igor Alexandre Nataf

Dieses Team sollte natürlich alles gewinnen und hat auch schon die französische Meisterschaft (sowohl die normale als auch die der Jugendlichen) gewonnen und ist auch auf dem besten Wege auch den Pokal zu holen. Nach dieser Runde (die sie auf den Bildern sehen) steht NAO im Finale. Das große Ziel ist aber der Europapokal der Vereinsmannschaften. Kurz zuvor haben Almira und ich im Internet die Ergebnisse der russischen Mannschaftsmeisterschaft verfolgt. Unter den Teilnehmer waren auch einige NAO-Spieler. „Was werden sie tun“, fragte ich meine Gastgeberin, „spielen sie dann für russische Clubs oder für euch?“ „Natürlich für uns. Das steht überhaupt nicht zur Debatte, dort sind sie nur, um ihren Teams zu helfen, sich zu qualifizieren, aber bei der Europäischen Meisterschaft spielen sie für NAO.“ Inzwischen waren wir angekommen. Ich wunderte mich etwas, da ich zum ersten Mal gesehen habe, dass sich eine riesige Wohnung in einem vornehmen Viertel zu einem Schachlokal verwandelt. Wir schellten an und wurden eingelassen. Die Bilder zeigen den Rest.


Nao Paris gegen Mulhouse


Andrej Sokolov


Partienbeaming auf die Wnad.

 


Laurent Fressinet und Anna Dergachova


Almira Skripchenko und Laurent Fressinet.

Weitere Fotos beim Nao-Chess Club...
Partien zum Nachspielen bei Nao...


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