Partnerschulen für die Schacholympiade: Ungarn gewinnt in Vaterstetten

23.04.2008 – Mit der Aktion "Partnerschulen der Schacholympiade" hat die Deutsche Schachjugend voll ins Schwarze getroffen. Unzählige Schulen bewarben sich als Partnerschule für eine der teilnehmenden Nationen der kommenden Schacholympiade. Die Auslosung nahm der damalige Weltmeister Vladimir Kramnik höchstpersönlich vor. Die teilnehmenden Schulen beschäftigen sich im Unterricht intensiv mit ihren Partnerländern. Zum Teil haben sich daraus schon schöne Kontakte zu diesen Ländern ergeben. In Vaterstetten fand nun das erste Partnerschulenschachturnier statt. Ehrengast war der Münchner Großmeister Stefan Kindermann, der eine schöne Botschaft für die Kinder bereit hielt: "Seid stolz, dass ihr Schachspieler seid!" Michael Klein berichtet.Auslosung der Partnerschulen...Alle Aktionen der Schachpartnerschulen...Partnerschulturnier in Vaterstetten...

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Ungarn, Peru und Jamaika qualifizieren sich für Dresden

Partnerschulturnier in Vaterstetten

Nur über die Feinwertung konnte die Schachnation Ungarn den Angriff der Peruaner auf den Turniersieg beim ersten der fünf Partnerschulturniere in Vaterstetten abwehren. Dicht hinter den beiden Siegermannschaften kam Jamaika auf Platz drei. Sieben Runden hatten die 21 Partnerschulen für ihre Länder zu absolvieren, bevor die 5 Länderauswahlmannschaften ermittelt waren, die sich für das Finalturnier in Dresden während der Schacholympiade qualifiziert haben.

Im Mittelpunkt dieses gelungenen Auftaktes der Partnerschurturniere stand jedoch die Grundidee, das Auseinandersetzen mit den Partnerländern, diese zu präsentieren, für sie einzutreten.


Strahlende Sieger: Ungarn gewinnt das erste Turnier der Partnerschulen in Vaterstetten.

So kamen  die meisten der Schulen und Mannschaften mit Landesfahnen, Länderpräsentationen, Trikots und zeigten mit Stolz, was sie alles schon über ihre Partnerländer herausgefunden und gelernt haben. Vieles gab es zu erzählen und zu bestaunen, wie Michael Klein, 2. Vorsitzende der Deutschen Schachjugend, zu berichten weiß.


Stellwand der Volksschule Unterleinleitner


Stellwand der Volksschule Oberndorf zum Partnerland Bahamas.

Am 26.04. steht in Dortmund das nächste Partnerschulturnier an. Ob da wieder die kleinen die großen Schachnationen schlagen?

Triumph einer großen Schachnation: Ungarn siegt in Vaterstetten

Die Aktion „Partnerschulen der Schacholympiade“ der Deutschen Schachjugend stößt auf viel Begeisterung

Dass die Ungarn ganz vorne mitspielen würden, das war zu erwarten. Das Heimatland der berühmten Polgar-Schwestern hat schließlich schon mehrfach die Schacholympiade für sich entscheiden können. Aber Peru direkt dahinter, nur durch die zweite Feinwertung vom Spitzenplatz verdrängt? Und Jamaika auf Rang drei? Ein ungewöhnlicher Ausgang für ein Schachturnier…

Den zwei Mädchen und fünf Jungs von der Michael-Poeschke-Grundschule in Erlangen ist das egal. Stolz halten sie die ungarische Nationalflagge zum Siegerfoto in die Höhe. Die Schule aus Bayern ist eine von 180 „Partnerschulen der Schacholympiade 2008“ in Deutschland. Der Schirmherr der Aktion und ehemalige Weltmeister Wladimir Kramnik hatte im vergangenen Jahr jeder dieser Schulen ein Partnerland zugelost. Und nun treten die Schulen in fünf Regionalturnieren für „ihr“ Land an. Die besten Teams jedes Turniers qualifizieren sich für das große Finale, das im November während der Schacholympiade in Dresden stattfindet.


England gegen die Bahamas

„Dabei sein ist alles“

Zum ersten Regionalturnier Mitte April kommen 21 Schulen nach Vaterstetten, einem Vorort von München. Ein wirklich internationales Treffen. Viele Kinder tragen Trikots mit der Nationalfahne auf der Brust, manche auch Mützen oder Halstücher in den Nationalfarben. Andere Teams haben sogar eine große Flagge dabei, die sie vor jeder Runde im Turniersaal schwenken. Ein rotes Kreuz, blau eingerahmt, vor weißem Hintergrund… Norwegen? England? Nein, es sind die  Färöer-Inseln. Auch wenn die Inselgruppe zu Europa gehört, zählt sie sicherlich zu den „Exoten“ bei diesem Turnier. So wie Jamaika, Surinam, Sierra Leone und viele andere.


Hätten Sie es gewusst? Das ist die Flagge von Surinam - und davor
das Team der Volksschule Zorneding.


Ein eingespieltes Team: Estland erreichte den fünften Platz und qualifizierte sich so direkt für das Finale in Dresden.

Bei der kleinen Eröffnungsfeier geht es schon ein wenig „olympisch“ zu. Alle Teilnehmer sprechen gemeinsam einen „Olympischen Eid der Partnerschulen“, in dem sie sich zu Fairness und Achtung vor dem Gegner verpflichten. Als Ehrengast eröffnet Großmeister Stefan Kindermann von der Münchner Schachakademie das Turnier - und gibt den Kindern dabei eine ganz wichtige Botschaft mit auf den Weg. „Ich möchte Euch dazu gratulieren, dass Ihr Schachspieler seid!“, ruft der Großmeister in die verblüfften Gesichter von Kindern und Erwachsenen.


GM Stefan Kindermann stimmte die Kinder auf das Turnier ein:
„Ihr könnt stolz darauf sein, dass Ihr Schachspieler seid!“

Es ist ein Satz, den Kindermann in seiner eigenen Schachkarriere immer vermisst hat, wie der mehrfache Olympia-Teilnehmer sagt. „Denn richtige Schachspieler sind klug. Sie sind stark und mutig, weil sie alleine Entscheidungen treffen und dafür Verantwortung übernehmen. Und sie sind fair. Ihr könnt stolz darauf sein, Schachspieler zu sein!“ Großer Applaus und leuchtende Kinderaugen zeigen: Die Botschaft des Großmeisters hat ihr Ziel erreicht.

Hoher Besuch aus Peru

Von dem Land, dessen Fahne Vincent auf seinem T-Shirt trägt, kann der Junge zwar nicht viel erzählen. Aber gefallen tut die Flagge ihm trotzdem, denn die Amerikanischen Jungferninseln haben einen Adler im Wappen.


Vincent, 4. Klasse, gefällt der Adler im Wappen der
Amerikanischen Jungferninseln besonders.

Und Adler, so sagt Vincent aus der vierten Klasse, die mag er. Das Turnier ist sein erstes, er spielt noch nicht so lange Schach: „Es ist mir egal, dass ich eben verloren habe. Es macht mir trotzdem großen Spaß.“ Auch für das Partnerschulturnier in Vaterstetten gilt eben der olympische Grundsatz „Dabei sein ist alles!“


Konzentration zu Rundenbeginn

Viele der Grundschulkinder kannten die Länder, für die sie antreten, bisher nicht - aber lernen sie durch die Partnerschulaktion nun kennen. Denn die teilnehmenden Schulen starten nicht nur bei den Regionalturnieren für ihr Land. Sie haben auch die Aufgabe, sich im Unterricht mit ihrem Partnerland zu beschäftigen. Die besten Aktionen werden mit Freiplätzen beim großen Finalturnier in Dresden belohnt.

„Zu unserem Aktionstag an der Schule kam sogar der peruanische Generalkonsul“, erzählt zum Beispiel Martina Berg-Weber von der Abt-Utto-Grundschule im bayerischen Metten. „Die ganze Schule hat mitgezogen. Die Eltern bereiteten ein Buffet mit peruanischen Spezialitäten vor, die Lehrer gestalteten Unterrichtsstunden zum Partnerland Peru und jede Klasse hat einen eigenen Beitrag zum Fest geleistet: eine ‚Inka-Reise‘, peruanische Märchen oder eine Ausstellung zur Tier- und Pflanzenwelt. Der Konsul war total erstaunt, dass unsere Schüler soviel über sein Heimatland wussten.“ Und vielleicht ergibt sich aus dem großen Fest sogar ein langfristiger Kontakt. Denn der Konsul war so begeistert, dass er gleich versprach, sich in Peru nach einer Partnerschule für die Abt-Utto-Schule umzusehen.

Auf den Austausch mit einer Partnerschule arbeitet auch Gerti Neuburger hin. Sie betreut den gemeinsamen Auftritt der LingoStar-Sprachschule mit der Schachgemeinschaft Sailauf zum Partnerland Estland.


Gerti Neuburger und Lukas vor der Stellwand zum Partnerland Estland.

„Der Schachgroßmeister Paul Keres ist in Estland ein echter Nationalheld. Der ist dort sogar auf einem Geldschein abgedruckt. Das ist natürlich ein toller Aufhänger für den Unterricht, um die Kinder für das Land zu interessieren“, berichtet sie. Für die Eröffnung des Partnerschulenturniers in Vaterstetten haben die acht Kinder und drei Betreuer sogar extra die estnische Nationalhymne eingeübt. Aber ein Stau in München verzögerte die Ankunft und so klappt’s diesmal doch nicht mit dem Vorsingen. Die Jungs grinsen verschmitzt. Sie finden das offensichtlich nicht so schlimm.

„Es geht nur noch um Guatemala oder Schach“

Die Friedrich-Weinbrenner-Schule im badischen Neulingen hat auch Großes vor, wie die drei Mütter begeistert berichten, die ihre Kinder nach Vaterstetten begleiten. Denn das Schulfest im Juni steht in diesem Jahr unter dem Motto „Partnerland Guatemala“.


Das Team der Friedrich-Weinbrenner-Schule aus Neulingen mit
Trikots und selbstgemachten Plakaten zum Partnerland Guatemala

Es wurde sogar ein eigenes Festkomitee gegründet, denn das Schulfest wird durch die Partnerschulaktion deutlich größer als sonst. „Wir haben viele Vereine eingeladen, sich unter diesem Motto zu beteiligen. Das Interesse ist sehr groß. Sogar die Botschaft hat zugesagt, dass der Botschafter oder ein Attaché zu uns nach Neulingen kommen wird“, erzählt eine Mutter. Und eine andere ergänzt: „ Bei unseren Kindern geht’s daheim nur noch um Guatemala oder um Schach. Die sind wirklich mit Feuereifer dabei.“

Dass das stimmt, merkt man beim elfjährigen Oliver gleich. Er kennt nicht nur das Wappentier, einen besonderen Vogel, sondern kann auch etwas über die Geschichte der Majas in Guatemala erzählen. Und dass „Tikal“ nicht nur ein bekanntes Brettspiel, sondern auch eine antike Maja-Stadt in dem lateinamerikanischen Land ist, weiß er ebenfalls. Schließlich haben die Schülerinnen und Schüler das Partnerland schon intensiv im Unterricht behandelt.


Die Ungarn mit Halstüchern in den Nationalfarben, die Engländer
mit Wimpeln an den Bretter.


Ein „typischer“ Turniersaal: Mexiko mit Mützen, Aserbaidschan mit
Nationalflagge auf den Pullovern und im Hintergrund die Fahne Palästinas.


Sichtschutz: Mexiko mit Kopfbedeckung.


Europäischer Wettkampf: Polen gegen die Färöer-Inseln.


Luxemburg am Zug.

Um halb fünf ging es für das Team aus der Nähe von Pforzheim am Samstagmorgen los, erst um kurz vor Mitternacht werden sie wieder zuhause sein. Sie sind nicht die einzigen, die einen weiten Weg nach Vaterstetten auf sich genommen haben. Dreieinhalb Stunden dauerte die Anfahrt für die acht Kinder und zwei Betreuer aus dem österreichischen Imst. Aber der Weg hat sich gelohnt, wie Karl Mantl bestätigt.


Erst sieben und schon Landesmeisterin: Die Tiroler U8-Meisterin Jutta präsentiert mit ihren Mannschaftskollegen Simon und Lukas sowie Betreuer Karl Mantl Bilder aus dem Kunst-Unterricht, die das Team aus dem österreichischen Imst nach Vaterstetten mitgebracht haben.

Übers Internet hat er von der Partnerschulen-Aktion erfahren: „Die Idee fand ich gleich sehr gut.“ Und seine Schützlinge sind mit großer Freude dabei. Stolz zeigen die erst siebenjährige Jutta und ihre Mannschaftskollegen Lukas und Simon die Bilder, die sie im Kunst-Unterricht zum Thema „Albanien“ gemalt haben.

Gelungener Auftakt für die Partnerturniere

Nach sieben Runden und einem spannenden Finish neigt sich ein begeisterndes Turnier dem Ende entgegen. Das Organisationsteam der Schachjugend Vaterstetten um Walter Rädler und die ehrenamtlichen Helfer der gastgebenden Volksschule Vaterstetten an der Gluckstraße ernten viel Lob. Carola Heinlein hat ihre Tochter und das Team der Volksschule Unterleinleitner zum ersten Mal zu einem Schachturnier begleitet und ist überzeugt: „Das Turnier war wirklich super!“


Die Volksschule Unterleinleitner ließ extra Pullis bedrucken: vorne drauf die Flagge
des Partnerlandes Aserbaidschan, hinten das Logo der Schacholympiade.

Martina Berg-Weber von der Abt-Utto-Schule sprang kurzfristig für ihren erkrankten Kollegen ein. Bei ihrem ersten Schachturnier erstaunte sie vor allem der Eifer der Kinder. „Die Kinder sind ganz anders als im Unterricht, wirklich hochkonzentriert. Und ich hätte nie gedacht, wie sehr der Körper beim Schach mitspielt: Die einen sind während des Spiels ganz aufgeregt, die anderen völlig ruhig. Es war wirklich eine besondere Atmosphäre.“

Als Flaggenträger zur Olympiade

Bis Ende Juni sind auch die vier anderen Regionalturniere der Partnerschulen in Dortmund, Arnstadt, Hamburg und Leipzig ausgespielt. Zum Finale nach Dresden fahren aber nicht nur die besten Teams aus den Regionen und die Schulen mit den kreativsten Aktionen zu ihren Partnerländern. Denn alle Partnerschulen können jeweils zwei „Diplomaten“ nach Dresden entsenden, die als Fahnenträger gemeinsam mit „ihrer“ Nationalmannschaft bei der großen Olympia-Eröffnungsfeier einmarschieren werden.  Dabei sein ist eben auch bei der Schacholympiade alles!

(Michael Klein – 2. Vorsitzender DSJ)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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