Reise nach Indien

08.07.2011 – Indien gilt als Geburtsland des Schachs, doch lange Zeit hatte das Land keinen einzigen Großmeister. Das änderte sich, als Vishy Anand 1988 den Titel holte. 23 Jahre später ist Anand Weltmeister, Indien hat 24 GMs und liegt auf der Länderweltrangliste der FIDE auf Platz 7, fünf Plätze vor Deutschland. Auch an Nachwuchs scheint es nicht zu mangeln. Drei Spieler der indischen Top Ten sind 1988 noch gar nicht auf der Welt gewesen, in Deutschland ist der jüngste Top Ten Spieler 1987 geboren. Kein Zweifel, Indien ist Schachland. Aber ein Schachturnier in Indien zu spielen, ist immer noch ein Abenteuer. Sergey Kasparov hat es gewagt.Schachverband Orissa..., Ergebnisse bei Chess-Results..., Indien bei der FIDE...Zum Bericht...

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Abenteuer in Indien
Text und Fotos: Sergey Kasparov

Vom 27.05. bis 06.06. fand im indischen Bhubanesvar das 3. Orissa International GM Turnier (KiiT Cup - 2011) statt.

Eine Turnier in Indien bedeutet immer Abenteuer! In diesem Jahr saß ich für knapp 2,5 Stunden in einer vollbesetzten Maschine der Fluggesellschaft "King Fisher" auf dem Flughafen in Neu Delhi. Danach wurden wir dann in eine andere Maschine verfrachtet. Selbstverständlich gab es keine Entschuldigung oder gar Entschädigung!



In den letzten Jahren war das Luxus Hotel "Swosti" der Austragungsort. Dieses Mal leider das Campus (Universitätsgelände) KiiT. Hier fehlt dann natürlich der Pool um sich abzukühlen, was bei einer Hitze von über 40 Grad dringend notwendig gewesen wäre. Bei diesen Temperaturen war es uns auch kaum möglich längere Ausflüge zu unternehmen. Wir waren mehr oder weniger 24h an unsere klimatisierten Räume gefesselt. Dieses bedeutete auch, dass ich kein Ausgleichssport betreiben konnte, und neben etwas ELO viel mehr Gewicht zugelegt habe!




Die symbolische Eröffnung des Turniers wurde vom Bürgermeister mit der einzigen weiblichen europäischen Spielerin, Tatjana Kasparova, durchgeführt.


Die Bedingungen in der Unterkunft waren mehr oder weniger noch OK (WC, Dusche, TV, WiFi, Klimaanlage, Telefon etc.) und auch gut erreichbar. Aber um das nicht so gute Essen einzunehmen, musste man 500-700 m mit dem Auto fahren.


Dafür war der Campus ein schönes Fleckchen Erde! Moderne Gebäude, Stadium und einen sehr schöner Park.




Wahrscheinlich eine Abbildung einer Kobra?!


Sind Sie jemals durch einen Dschungel spaziert?


Viele Kinder nahmen an dem Turnier teil. Stellt Euch nur vor die werden größer und kommen zu Turnieren nach Europa. Nicht in 40iger Gruppen wie zu Zeit, sondern mit bis zu 200 Personen. Da Indien mehr als eine Milliarde Einwohner hat, keine Utopie!

Das Turnier war in diesem Jahr schwächer besetzt als in der Vergangenheit, da es weniger Sponsoren gab. Egal, vergesst die ELO, denn sie bedeutet hier wenig! Ein Beispiel gefällig? In der 1. Runde spielte ich gegen einen 11-jährigen mit ELO ~ 1900 und erreichte eine hoffnungslose Stellung!


Arjun Bharat, das "Wunderkind"

Die ganze Partie über spielte er ungefähr auf einen guten 2400er Niveau. Ich war mir sicher, dass er mit den zwei verbunden Freibauern einfach gewinnt, zumal ich nur noch von dem 30-Sekunden- Bonus lebte.


Aber ich konnte noch ein glückliches Remis erhaschen

In der 2. Runde agierte er noch unglücklicher. Sein Gegner (IM 2425) hatte neben einer Verluststellung noch 5-7 Minuten gegen 75 min. Und dieses Mal verlor der Kleine. Unglaublich!


In Indien geht es meist entspannt und freundlich zu.


IM Sahu vom Organisationsteam, der für die ausländischen Teilnehmer der Ansprechpartner war.

Lange Zeit führten indische Spieler das Feld an. Aber mit patriotischer Freude kann ich Ihnen mitteilen, dass mein weißrussischer Landsmann GM Aleksandrov das Turnier alleine gewann.




Die Sieger

Interessant ist auch noch, dass Weißrussland nicht nur den Sieger stellte, sondern auch die größte nicht indische Deligation und nicht etwa ein asiatischer Nachbar!

Die meisten wollen wohl das Risiko Indien nicht eingehen? Nicht ganz so überraschend, da es positive und negative Aspekte gibt. Die Organisatoren versuchen einen immer zu helfen und zwar auch außerhalb des schachlichen Bereichs. Die Leute in Indien sind sehr entspannt.

Aber durch den großen Unterschied zwischen Arm und Reich ist die Kriminalität natürlich auch sehr hoch. Beim Turnier in Kalkutta ist zum Beispiel dem Belgisch/Ukrainischen Großmeister-Paar Malakhatko und Zozulia die Handtasche mit allen Papieren gestohlen worden. Während der 1. Runde als Anna nur einmal für wenige Sekunden nicht am Brett war.

Also, seid auf der Hut, wenn Ihr das Abenteuer Indien wagt. Aber Ihr bekommt auch viel Exotik geboten!


Auf nach Indien! Findet auch Tatjana Kasparova.

Als Kontrast zum Abschluss noch ein paar Bilder aus Moskau, wo wir auf dem Heimweg einen Zwischenstopp eingelegt haben.


Vor dem Kreml


Die Basilius-Kathedrale

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