Reykjavik isländischer Mannschaftsmeister

04.03.2008 – Die Preisträger der isländischen Mannschaftsmeisterschaften genießen den Vorzug besonderer Zuwendung. Sie erhalten nämlich vom Präsidenten des isländischen Schachverbandes nicht nur Pokale und Medaillen, sondern auch noch einen Kuss. Was anderswo vielleicht auf wenig Gegenliebe stoßen würde, wird von den meisten Spielern der isländischen Mannschaftsmeisterschaften wohlwollend goutiert. Schließlich wird der Verband von Lila Grettarsdottir mit dem gleichen Charme geleitet, mit dem sie die Preisträger belohnt, besonders den neuen Meister aus Reykjavik. Weniger Sonnenschein war dem Besucher im Freien vergönnt. Die Insel macht derzeit ihrem Namen alle Ehre. Dejan Bojkov berichtet aus Island.Turnierseite... , Ergebnisse bei chess-results...Bericht und Bilder...

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"The Winner takes it all" in Island
SK Reykjavik gewinnt Mannschaftsmeisterschaft


Fischer lebt?

Mein zweiter Ausflug nach Island begann mit einer netten Überraschung am Frankfurter Flughafen. Meiner Erfahrung nach ist so, dass zwei Schachspieler, sollten sie einmal zufällig im selben Fahrzeug sein, ebenso zufällig wie zwangsläufig nebeneinander gesetzt werden. Ich traf also GM Galego aus Portugal, ebenfalls auf dem Weg nach Island, der allerdings sehr müde war...


Gallego im Flugzeug


Gallego im Auto, immer noch nicht richtig wach

Am Flughafen holte uns sein Teamchef Ottar Hauksson ab. Ottar ist Vorsitzender des Reykjavik Chess Club und Vizepräsident des isländischen Schachverbandes, außerdem Musical Produzent und noch vieles mehr. Sein ganzes Potenzial ließ sich auf der Schlussfeier erahnen. "Ich kenne die russische Schachnotation", berichtete er stolz. " ich habe sie von meinem Vater gelernt als Petrosian zum ersten mal UdSSR-Meister wurde, 1961."

Wir sprachen über Fischers Tod, sein Begräbnis und stellten Vermutungen über sein Erbe an. "Er hat etwas 1,8 bis 2 Mio. Dollar hinterlassen, meinte Ottar und fügte an: "Macht euch bereit. Die Schlussfeier ist in unserem Club und ich will den Pokal in Händen halten."

Doch das war gar nicht so einfach. So hatte sich der Club Hellir mit starken Kräften aus Ägypten verstärkt, Juniorenweltmeister Ahmed Adly mit seinem besten Freund und Sekundanten Bessem Amin.


Adly und Amin (links) bei der Siegerehrung

Außerdem kam der frühere Spitzenspieler Johann Hjartarsson zum Einsatz. Hellir gewann seine Kämpfe in Runde fünf und sechs überzeugend und ging mit nur zwei Punkten Rückstand auf Reykjavik in die letzte Runde.

Für den entscheidenden Wettkampf boten beide Mannschaften ihre besten Spieler auf. Zunächst lief es sehr gut für den Verfolger, als die Ägypter an den Brettern Eins und Drei mit Schwarz ihre Partien gegen Steffansson und Galego gewannen.


Steffansson gegen Adly


Die entscheidende Runde


Nataf (li.), Adly (re.)


Malisauskas (li.) und Danielsen


Ottar Hauksson


Regina Pokorna


Steffansson gegen Kveinys


Thomas Oral (links)


Jugendspieler


Zuschauer

Zudem hatte Hjartarsson einen Bauern mehr gegen Nataf und sein Sieg schien nur eine Frage der Zeit. Die Goldmedaille glitt den Jungs aus Reykjavik aus den Händen, doch dann änderte Kaissa ihre Meinung. Hjartarson vergab den größten Teil seines Vorteil und patzte dann noch in der Zeitnot seines Gegners einen ganzen Turm ein.

Hjartarson,J - Nataf,I
Iceland Team Competition Reykjavik (7.2), 01.03.2008

1.Td8+? (Richtig war 1.De8+ Lg8 2.Dxe5 ±). Stattdessen begeht Weiß Harakiri: 1...Lg8 2.Dxe5?? Qh4+ 0–1
 

Am Ende verlor Hellir sogar noch den Wettkampf mit 3,5:4,5. Meine Mannschaft Fjolnis teilte sich die Plätze drei und vier mit dem Team von Haukar. Die bessere Sonderwertung brachte Haukar die Bronzemedaille.

Die Schlussfeier wurde vom Reykjavik Chess Club ausgerichtet, wo nun ein Open stattfindet. Die charmante Präsidentin des isländischen Schachverbandes, Lila Grettarsdottir, belohnte die Sieger mit Pokalen, Medaillen und einem Kuss, während der Rest der Spieler sich an Essen und einem Krug Bier erfreute.


Lila Grettarsdottir


Bronze für Malisauskas und Kveynis


Küsschen für Galego


Küsschen für Nataf


Der Vizemeister


Der Meister


Der Aufsteiger aus der Zweiten Liga mit Normund Miezis (3.v.l.)


Ehrung für die unteren Divisionen

Zu Ehren der Sieger wurde das Abba-Stücvk "The winner takes it all" gespielt. Die Stimmung wurde immer besser dank der musikalischen Einlagen von Ottars Chess Band, die bis in die Nacht hinein Rock'n Roll_Stücke spielte.




"Route 66...2

"Daran erkennt man eine wahre Schachnation", meinte mein Mannschaftskollege Tomas Likavski, der aus der Slowakei kommt. Wir setzten den Abend in einer der Bars fort.

Unsere positiven Eindrücke wurden am Sonntag vertieft, als Omar Salama, ein Trainer aus Ägypten, der seit zwei Jahren in Island lebt und für den Verband arbeitet, mit uns zu einem Geysir fahren wollte.


Der Autor mit Bessem Amin

Dummerweise war das Wetter so schlecht, dass wir diesen nicht erreichten. Stattdessen besuchten wir "Perlan", das isländische Wasserreservoire.


"Perlan" Wasserreservoire

Dort gab es einen großen Buchladen,


Buchladen

... einen künstlichen Geysir ...


Künstlicher Geysir

... und das teuerste Restaurant Islands, aus dem man einen Superausblick hat und das sich im Kreis dreht, so dass man diese in einem 360°-Panorama genießen kann. Außerdem ist an dieser Stelle das Kunstwertk "Die vier Verzweifelten" zu besichtigen.


Vier Verzweifelte


Fünf Verzweifelte


Verzweifelte mit Thomas Likawski


Omar Salama (li.)

"Rate mal, was diese zum Ausdruck bringen wollen", fragte Omar. "Ich glaube, sie wollen zeigen, wie es wäre, wenn es zuwenig Wasser gäbe, beantwortete er seine Frage selber. Ein See in der Nähe war bis auf eine Stelle zugefroren. Dort tummelten sich Schwäne und Enten.

Danach besuchten wir das Reykjaviker Schachmuseum, doch dazu mehr erst in meinem nächsten Bericht.


Fjord im Nebel


Blick auf die Stadt


Hafen ohne Schiffe

"Warum ist die Schachbegeisterung in Island so groß?", frage ich Omar. "1972!", antwortete Omar.  "Aber man hat mir erzählt, dass Schach schon vorher sehr populär war", wandte ich ein. "Mag sein, aber erst mit dem WM-Kampf gab es eine richtige Explosion. Bis zu dieser Zeit gab es nicht ein Schachbuch in isländischer Sprache. Es war mitten im kalten Krieg und Spasski-Fischer machte das Land auf einen Schlag bekannt. Das vergessen die Isländer nicht. Damals war Island ein armes Land, nicht so reich wie heute. Zum Schachspielen brauchte man nur ein Brett und vielleicht ein paar Bücher. Heute gibt es 320.000 Bücher in isländisch.

Die Leute sind absolut schachbegeistert. Ich erzähle dir eine Geschichte. Als ich neu in Island war, gewann ich eine Meisterschaft. Später ging ich in eine Bar und schaute ein Fußballspiel. Die Bar war voll und sich saß an einem Tisch mit einem anderen Mann. Nachdem er bemerkte, dass ich fremd war, sagte er zu mir: 'Sie müssen Omar Salama sein.' ' Woher wissen Sie das?', frage ich erstaunt. 'Die Zeitungen haben von ihrem Erfolg berichtet', antwortete er. So ist das in Island. Als Ahmed Adly aber kürzlich der erste afrikanische (Jugend-) Weltmeister wurde, hat niemand in meiner Heimat davon Notiz genommen.


 


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