Schach als Schulfach: Ein Erfahrungsbericht

von Detlef Lemke
30.10.2014 – Vor fünf Jahren wurde Schach als Regelfach in der Grund- und Gemeinschaftsschule Pinneberg eingeführt. Unter nicht immer optimalen Bedingungen hat sich Schach dort inzwischen fest etabliert. Detlef Lemkes Zwischenbilanz bietet einen informativen Einblick in deutsche Lernbedingungen und zeigt, welche Rolle der Schachunterricht darin spielen kann. Mehr...

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Eine Innovation etabliert sich – 5 Jahre Schach im Regelunterricht in Pinneberg

2009 ging es los. Noch vor den Sommerferien in jenem Jahr wurde in einer ersten Klasse der Grund- und Gemeinschaftsschule Pinneberg erstmals eine Stunde Schach in der Woche unterrichtet – probeweise. Das Pilotprojekt „Schach statt Mathe“, wie es in Anlehnung an das Jahre zuvor an der Genslerstraße in Hamburg durchgeführte Vorreiter-Projekt benannt wurde, traf schnell auf Interesse und breite Zustimmung bei Schülerinnen und Schülern, Eltern, Lehrkräften und Schulleitung. Zum Halbjahreswechsel folgte eine vierte Klasse im vierzehntägigen Wechsel zum Schwimmunterricht. Im Sommer 2010 beschloss die Schule schließlich, in allen zweiten, dritten und vierten Klassen eine Stunde Schach pro Woche zum verbindlichen Bestandteil des Regelunterrichts zu machen. Hierüber wurde 2011 ausführlich auf diesem Portal berichtet.

Das Pflänzchen „Schach als Fach“ war damit zwar gepflanzt, doch war es auch stark genug, um sich auf Dauer zu behaupten? So manche Schule, die sich im Rausch des Schulschach-Booms auf diesem Feld getummelt hatte, hat ihr diesbezügliches Engagement bald wieder eingestellt. Andere Baustellen, wechselnde Verantwortlichkeiten, fehlende Ressourcen, andere Prioritäten ... Der Gründe mag es viele geben, warum Schach dort als Fach oder auch nur als Nachmittagsangebot nicht zu realisieren war und ist. Auch an der GuGs waren die Rahmenbedingungen keineswegs nur günstig: Die Schule war als Produkt der Schulreform gerade erst am Entstehen. Zwei Schulen unterschiedlichen Typs – eine Grund- und Hauptschule sowie eine Realschule – mit jeweils eigenen Kulturen, Philosophien und Routinen mussten zu einer gemeinsamen neuen Einheit zusammenwachsen. Zudem war rasch den konzeptionellen und rechtlichen Anforderungen des neuen Schultyps Gemeinschaftsschule, für den in Schleswig-Holstein anfangs weder Erfahrungen noch voll ausgereifte Konzepte vorlagen, Rechnung zu tragen. Veränderungsprozesse in diesem Ausmaß wirken verunsichernd und belastend.


Die GuGs im Quellental – aus der Fusion zweier Schulen unterschiedlichen Typs hervorgegangen – umfasst elf Gebäude. Dadurch verzweigt sich das Schulgelände auf zwei Pausenhöfe sowie kleine und größere Nischen.


Einer der Schulhöfe mit Spielgeräten. Ein Gartenschach fehlt noch.


Neben den steindominierten größeren Schulhöfen stehen mehrere grüne Oasen zur Verfügung.

Hinzu kommt die bis heute schwierige bauliche Situation. Sie bürdet den Schülerinnen und Schülern teilweise nicht mehr zumutbare Lernbedingungen auf. Den Lehrkräften beschert sie schwierige und wenig motivierende Arbeits(platz)bedingungen und der Schulleitung einen enormen zusätzlichen Arbeitsaufwand. Die GuGs ist wie viele andere Pinneberger Schulen dringend sanierungsbedürftig. Nicht einmal der Brandschutz (!) ist vollumfänglich gewährleistet. Doch der Stadt als Schulträgerin fehlen die notwendigen finanziellen Ressourcen. Allein der unerlässliche Investitionsbedarf wird von ihr auf 35 Millionen Euro für alle Pinneberger Schulen geschätzt. Für eine 40.000-Einwohner-Stadt, die mit 100 Millionen Euro verschuldet ist und sich 2013 unter den finanzpolitischen Rettungsschirm des Landes mit seinen rigiden Sparauflagen begeben hat, stellt dies eine immense Herausforderung dar. Eine Lösung ist nicht in Sicht.

Neben dem Zustand der Gebäude ist auch die Zahl und die Größe der Räume unzulänglich. Mangels Alternativen werden auch große Klassen in kleine Räume gepresst. Trotz der stattlichen Anzahl von elf Gebäuden, die zum Schulkomplex zählen, können nicht alle Klassenverbände in diesen untergebracht werden. Daher müssen zusätzlich Container als Ersatz-Klassenzimmer aushelfen. Differenzierungs- und Gruppenräume, wie sie moderner Unterricht – nicht zuletzt vor dem Hintergrund von gewollter Inklusion und Binnendifferenzierung – benötigt, stehen in nicht ausreichender Anzahl zur Verfügung.

Container als Klassenzimmer – Trotz der hohen Anzahl an Gebäuden reicht der Raum nicht mehr aus. Im laufenden Schuljahr sind drei Klassen in den Metallgehäusen untergebracht.


Das Lehrerzimmer der GuGs im Quellental 

Das Lehrerzimmer ist eigentlich der Ort, zwischen den Stunden zur Ruhe zu kommen, vergangene Stunden zu verarbeiten und sich auf die kommenden gedanklich einzustellen. Und es ist eigentlich der Ort, an dem Arbeiten korrigiert, Unterrichtsmaterialen durchgesehen, ausgewählt und weiter verarbeitet werden. Einst für 23 Personen ausgelegt, müssen heute an die 60 Lehrkräfte hier unterkommen. Daher stehen jeder Lehrkraft für die genannten Arbeiten letztlich nicht mehr Fläche zur Verfügung als die von zwei, höchstens drei DIN-A3-Blättern.

Die Schule hat die Kirche im Dorf gelassen. Dies ist nur die Aula (rechter Komplex). Schön sieht sie nicht aus, aber drinnen findet seit 2012 was Schönes statt: Das GuGs-Schachturnier.

Warum soll man sich in solchen Zeiten und bei solchen Bedingungen noch zusätzlich mit Innovationen herumschlagen, die nicht sein müssen? Gründe, sich ihnen zu verweigern, hätten leicht gefunden werden können. Doch die „GuGs im Quellental – Grund- und Gemeinschaftsschule der Stadt Pinneberg“ (wie die Schule inzwischen offiziell heißt) bietet sehr engagiert bilingualen (Heimat- und Sach-)Unterricht, ziffernnotenfreie Zeugnisse und eben Schach im Regelunterricht. Die Unterstützung hierfür hält bis heute ungebremst an. Dies gilt auch für die Eltern. „Das Schach ist der Grund, warum wir unseren Sohn hier angemeldet haben“, wusste 2013 ein Vater zu berichten. Andere Eltern wünschen sich die Ausweitung des Schachunterrichts auf Sekundarbereich.

Planmäßig wurde der Schachunterricht ab 2010 nach und nach auf drei Jahrgänge ausgeweitet. Bis heute wurde über 200 Schülerinnen und Schülern das Spiel näher gebracht. Mit dem neuen Schuljahr sind kürzlich 52 weitere Kinder hinzugekommen. Die Schachstunden erfolgen grundsätzlich in Doppelbesetzung; dem Schachtrainer ist stets eine Grundschullehrkraft beiseite gestellt. Dies erhöht den pädagogischen Erfolg und unterstreicht die Bedeutung, die dem Schachunterricht beigemessen wird. Für die Stunde Schach entfällt in jeder Klasse eine Stunde Unterricht in einem anderen Fach. Schon lange nicht mehr trifft es nur die Mathematik. Unterrichtet werden komplette Klassenverbände. Die Klassengrößen liegen zwischen 18 und 26 Kindern. Dies bedeutet ein sehr breites Spektrum an Aufmerksamkeit, Leistungsvermögen und Leistungsbereitschaft bei den Schülerinnen und Schülern. Unter diesen sind zumindest in einer Klasse eines jeden Jahrgangs stets auch einige Kinder mit besonderem pädagogischen Förderbedarf zu finden. Inklusion ist auch beim Schach ein Thema.

Gelehrt wird hauptsächlich nach der Stappenmethode bzw. dem Stufenheft 1. Ob es dabei bleibt, bleibt abzuwarten. Einerseits erhalten die Schülerinnen und Schüler so eine solide und nachhaltige Grundausbildung. Andererseits nimmt dieses Vorgehen jedoch viel Zeit in Anspruch. Zudem wachsen die Zweifel, ob so den individuellen Potentialen und Möglichkeiten der Kinder optimal genügt werden kann. Was für das (individuelle) Schachtraining in einem Verein gilt, gilt nicht automatisch für den obligatorischen Schachunterricht in einem heterogenen Klassenverband.

Fünf Jahre Schachunterricht bieten fünf Jahre Erfahrungen. Diese gilt es auszuwerten, Konzeption, Methodik und Didaktik zu überprüfen. Das alles steht nun an. Hospitationen bei anderen Schach unterrichtenden Schulen sowie der kommende Schulschachkongress bieten Chancen für neue Einblicke, Anregungen und einen kritisch-konstruktiven Austausch. Gesucht sind Methoden und Konzepte, die der großen Bandbreite an Schachinteresse und Leistungsstärke sowie den unterschiedlichen Lerntypen noch besser gerecht werden und die sich in der kurzen Unterrichtszeit – an der GuGS dauert eine Schulstunde 40 Minuten – realisieren lassen.


Die GuGs ist „Zukunftsschule“. Ob sie in Zukunft auch noch „Deutsche Schachschule“ sein wird? Ein Platz für das Schild wird jedenfalls schon einmal freigehalten.


Bisweilen findet der Schachunterricht in der Sporthalle statt. Auch als dynamisches Bewegungsspiel begeistert es Kinder stets aufs Neue.


Die Lehrkräfte sind nicht minder begeistert und tragen den Schachunterricht mit.


Wenn es auch nicht danach aussieht: ein Wettkampf ist im Gange.


Es galt, die Stellung auf einem weit entfernt positionierten Schachbrett schnellstmöglich auf das eigene Teambrett zu transferieren und anschließend die Lösung der vierzügigen Mattaufgabe zu finden. Alle Kinder machten begeistert mit. Zwei von drei Teams fanden die Lösung: Hier wurde der erste Lösungszug bereits ausgeführt.


Marathon-Blitz kommt ebenfalls immer gut an und lässt sich in verschiedenen Varianten spielen.


... beispielsweise per Krebsgang

... oder im Entengang


... oder – wer kann – schwebend


Neben dem Schachunterricht steht die Beteiligung an Schachturnieren. Der GuGs ist es wichtig, dass die Kinder das Gelernte immer wieder unter Wettkampfbedingungen praktisch anwenden können. Die Beteiligung der Schule an dem legendären Wettkampf „Rechtes Alsterufer gegen Linkes Alsterufer“ in Hamburg – die GuGs nimmt seit 2010 regelmäßig mit vier kompletten Klassen daran teil – ist ebenso Standard wie die Teilnahme an der Schleswig-Holsteinischen Schulschachmeisterschaft in der WK V. Erstmals in diesem Jahr startete in beiden Turnieren ein GuGs-Team mit Schülerinnen und Schülern aus der Sekundarstufe. Aus diesen speiste sich auch die einzige Mannschaft der Schule, die an dem erstmals ausgerichteten Online-Schachturnier Yest2Chess teilnahm. Wie sich hier zeigte, ist es ist es nicht banal, in den kurzen zwischen den Runden zur Verfügung stehenden Zeitfenstern Termine zu finden, die sich mit den Stundenplänen der Kinder, den Belegungsplänen der Computerräume und den beruflichen Zwängen der betreuenden Erwachsenen in Einklang bringen lassen. Dennoch bildet auch dieses Turnier eine wichtige Bereicherung, an dem die GuGs auch in Zukunft teilnehmen wird.


Die positive Entwicklung des Schulschachs an der GuGs wurde sicher auch durch den sportlichen Erfolg der „Schach-Pionierklasse“ begünstigt. Beim Alsteruferturnier spielte die stärkere Mannschaft der Klasse, die mit dem Schachunterricht 2009 begann, dreimal mit – 2011 und 2012 sogar in der höchsten Spielstärkegruppe. In den insgesamt sechs Begegnungen blieb sie ungeschlagen (+5 =1 –0). Das Bild zeigt sie vor ihrem Doppel-Sieg gegen die Brecht-Schule Hamburg in 2012.

An der Hamburger Schulblitzmeisterschaft nimmt die GuGs seit 2011 teil.


Die Teilnahme an der Schleswig-Holsteinischen Schulschachmeisterschaft ist mittlerweile Standard. Dieses stets gut organisierte Turnier bietet aufgrund der Bandbreite der anzutreffenden Spielstärke – sie reicht vom Anfängerniveau bis zu dem international spielender Kinder – besondere Gelegenheit, Erfahrungen zu sammeln. Die GuGs nimmt seit 2011 in der WK V teil. In 2014 startete erstmals ein Team in der WK IV.

Bittere Lehrstunde für die Topspieler aus der Pionierklasse beim Springer-Pokal 2011. Pro Brett geschätzt 1000 DWZ-Punkte schwächer, hatten sie gegen die Mitglieder eines Hamburger Jugendvereins keine Chance. Sie wehrten sich tapfer (und lange) und trugen das 0:4 mit Fassung.

Das eigentliche Turnier-Highlight ist jedoch das GuGs-Schachturnier. Es fand in 2014 bereits zum fünften Mal statt und ist offen für Schülerinnen und Schüler bis 14 Jahre aus Pinneberg und direktem Umland. Es hat sich mittlerweile als das zentrale Kinder- und Jugendschachturnier am Ort etabliert. Nach 29, 47, 48 und 42 Teilnehmenden in den Vorjahren beteiligten sich in 2014 bereits 61 Kinder. Insgesamt haben an den fünf GuGS-Turnieren 135 Kinder teilgenommen (einige wiederholt). Sie besuchen insgesamt 15 verschiedene Schulen, von der Grundschule bis zu Gymnasien. Gespielt werden 7 Runden Schweizer System bei einer Bedenkzeit von 20 Minuten pro Partie und SpielerIn.

Das erste Gugs-Turnier fand 2010 in der neu geschaffenen Schul-Mensa statt, einem ehemaligen Verwaltungsgebäude. 29 Kinder nahmen daran teil.


Viele Preise

Motivationsspritze oder Bestechung? Traditionell erhält jedes Kind bei den GuGS-Turnieren einen attraktiven Sachpreis, der zur Teilnahme animieren und über mögliche Niederlagen hinweg trösten soll. Bei Kindern wie Eltern kommt dies gut an. Dank reichhaltiger Spenden von Unternehmen, voran die ChessBase GmbH, lässt sich das machen. Hier die Preistheke von 2011 vor versöhnlichem Hintergrund.

Eltern und Lehrkräfte gewährleisten die Verpflegung für teilnehmende Kinder, Angehörige und Besucher: 2010 und 2011 im Speiseraum der Betreuungskinder. Seit 2012 wird die Mensa dafür genutzt.

Für viele Kinder stellt das GuGS-Schachturnier die erste (öffentliche) Bewährungsprobe dar. Nicht allen Kindern fällt es leicht, daran teilzunehmen. Um sie einerseits zur Teilnahme zu ermutigen, andererseits über den Fall der sportlichen Unzufriedenheit hinweg zu helfen, wird seit dem ersten Turnier auf eine üppige Prämierung Wert gelegt. Alle Kinder erhalten eine Urkunde und einen Sachpreis. Die Top-Drei-Platzierten, die Sieger U10 und U8 sowie das beste Mädchen bekommen zusätzlich einen Pokal. Letzteres geschieht stets mit etwas Unbehangen – steht doch der Verdacht im Raum, mit einem separaten Mädchenpokal einer Stereotypenbildung Vorschub zu leisten, deren Überwindung das Ziel sein müsste. Dank der Unterstützung durch örtliche Unternehmen wie der Sparkasse Südholstein und der ChessBase GmbH ist es möglich, die Preistheke mit sehr attraktiven und hochwertigen Preisen zu bestücken: Bücher und Gesellschaftsspiele, Sportartikel, Draußen- und Bewegungsspiele, Schachspiele und Schachtrainingsmaterial. Fußbälle sind fast immer die Renner. Bei Kinder und Eltern kommt dies gut an.

Seit 2012 findet das Turnier in der Aula der Schule statt. Für bis zu 70 Teilnehmende reicht der Platz locker. In 2014 spielten 61 Kinder mit – weit mehr als jemals zuvor.


Begegnung am Spitzenbrett 2013.


Die Partie ist beendet – ob sich Weiß hätte mehr Zeit nehmen sollen?

Die Kinder spielen nach den üblichen Schnellschach-Regeln, doch diese werden auch beim GuGS-Turnier kindgerecht ausgelegt. Das Turnier bietet regelmäßig die Gelegenheit und vor allem die Notwendigkeit, die 50-Züge-Regel zu erklären.


Reges Treiben beim Turnier 2013. Es fand ausnahmsweise im September, statt im Frühjahr, statt. Dies machte sich in der Beteiligung bemerkbar. Mit 42 Teilnehmenden starteten weniger Kinder als in den beiden Vorjahren.

Der Anteil der Mädchen unter den Teilnehmenden schwankt bei den GuGS-Turnieren zwischen einem Drittel und einem Viertel. Seit 2011 wird auch ein Pokal für das beste Mädchen ausgespielt. Ob das Schülerinnen mehr motiviert, beim Turnier zu starten, ist ungeklärt.


Begegnung am Spitzenbrett 2013


Die Aula erweist sich auch akustisch der Mensa gegenüber überlegen. Obwohl sich hier mehr Menschen aufhalten, ist es wesentlich leiser.


Wie sehr das Schach an der GuGS und das GuGS-Schachturnier etabliert sind, lässt sich auch an der Unterstützung durch Eltern, Lehrkräfte und Schulleitung ablesen. Zuletzt beteiligten sich über ein Dutzend Lehrkräfte engagiert an der Vorbereitung und Durchführung des Turniers, das stets an einem Samstag ausgetragen wird. Die Schulleitung übernimmt regelmäßig die Begrüßung und die Siegerehrung. Der Schulleiter lässt es sich über dies nicht nehmen, die Ausschreibung und die Urkunden am PC selbst zu gestalten. Eltern liefern „Kuchenspenden“ und helfen vor Ort aus.

Unterstützung findet die Schule zudem bei Königsspringer Hamburg von 1984 e.V. Der in der Jugendarbeit engagierte und erfahrene Verein stellt seit 2013 Uhren und SchiedsrichterInnen bereit. Das erweist sich als sehr hilfreich. Denn jedes Turnier mit Schachanfängern im Kindesalter bedeutet die lehrreiche und herausforderungsvolle Konfrontation mit Regeln. Für das Turnier gelten grundsätzlich die üblichen Schnellschachregeln. Diese werden jedoch kindgerecht ausgelegt und angewendet. Durch die Unterstützung von Königsspringer Hamburg ist es möglich, sich hierfür genügend Zeit zu nehmen. Das ermöglicht nicht nur ein allgemein entspannteren Ablauf, sondern es bewirkt vor allem auch, dass die Kinder die Schiedsrichter und die Schiedsrichterin nicht nur als „Entscheider“, sondern als Lehrende wahrnehmen und den Entscheidungsgegenstand weniger als Streitfall, denn als bereichernden Kompetenzzuwachs erleben. Darum geht es letzten Endes: zu lernen, Erfahrungen zu sammeln, Selbstvertrauen aufzubauen und Anerkennung zu finden – und natürlich Spaß zu haben. All dies bietet die GuGs ihren Schülerinnen und Schülern und Kindern anderer Schulen jedes Jahr aufs Neue.

Schach als Fach und das GuGs-Schachturnier haben trotz ungünstiger Rahmenbedingungen Wurzeln geschlagen und bereichern das Schulleben ebenso wie das Jugendschachgeschehen am Ort.

Beim Turnier 2013 trug ein Teil der GuGSler/Innen die weißen Schach-T-Shirts der Schule. Für alle reichte es nicht.




Turnierleiter und Schulleiter (rechts) bei der Siegerehrung 2013.



Begegnungen 2014


Ein spannendes Duell zweier ehemaliger Schüler der „Pionierklasse“, die 2009 als erste Klasse mit dem Schachunterricht begann. Auch Jahre danach ist das Interesse der beiden an Schach ungebrochen.


Hohe Konzentration an den Spitzenbrettern 2014. Bei 61 Teilnehmenden war die Konkurrenz größer und das Niveau höher.


Die Preistheke von 2014 – In der Reihenfolge ihrer Platzierung wählen sich alle Kinder einen Preis aus.


Mädchenpower. Letzte Runde, letzte Partie 2014. Die Jungs (und die anderen Mädchen) waren schon eine ganze Weile mit ihren Partien fertig als diese beide Mädchen immer noch spielten. Für beide ging es eigentlich um nichts mehr. Die Stellung war grob ausgeglichen, die Zeit ebenfalls. Dennoch lehnte das eine Mädchen das Remis-Angebot der Kontrahentin ab – knetete und gewann.


Zur Siegerehrung füllte sich der Saal wieder.


Die Turniersieger 2014 mit Urkunden, Pokalen und Sachpreisen.


Die GuGs im Quellental sagt doch Yes2Chess. 

Zunächst herrschte in der Schule Einvernehmen darüber, bei diesem Turnier nicht mitzumachen. Nach dem GuGs-Turnier und anderen Wettkämpfen und dem nahenden Schuljahresende waren die Kapazitäten knapp geworden. Die Argumentation von ChessBase Geschäftsführer Rainer Woisin am Rande einer Veranstaltung mit Felix Magath zum Thema Schulschach führte zu einer Überprüfung der Entscheidung. Das war gut so.

Einmal dick auftragen! Aber der Zweckoptimismus nach der gewonnenen ersten KO-Runde währte nicht lange und die Reise nach London endete bereits in Dortmund, abrupt gestoppt von den stark aufspielenden Grundschülern der Landgrafenschule in Dortmund. Zum Teil überrannten sie die Pinneberger regelrecht.

Die Endstellung der einzigen von Pinneberg gewonnen Partie gegen die Dortmunder. Wie unschwer zu erkennen ist, scheint es am Online-Brett noch schwerer zu sein, Bedenkzeit als Ressource zu begreifen.


Homepage der GuGs im Quellental...

2011: Schach in der Schule...

 



Detlef Lemke ist Diplom-Politologe und setzt zur Zeit ein Projekt zur interkulturellen Öffnung sozialer Träger um. Seit 2012 ist er Mitglied bei Königsspringer Hamburg von 1984 e.V., und ergänzt in dieser Saison die 3. Mannschaft (Landesliga). An der GuGs war er in der Elternarbeit aktiv und hat aus dieser Rolle heraus 2009 der Schule das Thema Schach als Schulfach näher gebracht. 2010 absolvierte er die C-Trainerausbildung bei Björn Lengwenus.
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Falk Falk 05.11.2014 03:46
Aus wissenschaftlicher Sicht kann man immer kritisieren. Das ist nun mal Wissenschaft. These und Gegenthese. Natürlich wären größere Stichproben von Vorteil, nur wenn die sich nicht darstellen lassen (Geld, Zeit, Organisation), dann kann man nur untersuchen, was vorhanden ist.

Offensichtlich wurde Schach mit nicht Schach verglichen, was Sie kritisieren. Natürlich kann man auch schauen, was passiert, wenn in der ganzen Schule Judo gelehrt wird, ob das auch zu einem positiven Effekt führt. Und natürlich auch für Informatik. Und auch, was passiert, wenn in Schule A Judo, B Informatik, in Schule C Schach und in D nichts spezielles stark gefördert wird. Selbstverständlich. Das ist hier nicht passiert, ändert aber nichts an dem nachgewiesenen statistisch signifikanten positiven Effekt, wenn Schach gegen nichts gestellt wird. ;-)
DoktorM DoktorM 01.11.2014 05:20
Die typischen Studien, die für Schach sprechen, sind mit Vorsicht zu genießen. Aus wissenschaftlicher Sicht kann man da viel kritisieren, z.B. die geringen Probandenzahlen oder das Schach mit kein Schach verglichen wird, anstatt Schach mit anderen Betätigungen zu vergleichen. In der Praxis verlieren viele Kinder die anfängliche Lust am Schach, weil es doch nicht so spannend ist, wie manche behaupten.

Warum Sie Informatik mit Computerspielen gleich setzen, kann ich nicht nachvollziehen. Im Vergleich zu Schach gibt es in der Informatik wesentlich mehr Möglichkeiten, kreativ zu sein und altersgerecht Probleme zu lösen (Kinderprogrammiersprachen, Robotik, ...). Auch im Team, etwas, das beim Schachspielen fehlt.
Falk Falk 30.10.2014 11:53
Hmm, regelmäßig die Gehirnzellen anstrengen. Etwas, was mit der eigenen Entwicklung mitwächst und auf jedem Niveau fordert. Etwas, was dir jederzeit mit etwas Objektivität zeigt, wo du wirklich stehst. Etwas, was dafür sorgt, dass man voraus denken muss, was also auch hilft, dass man sich artikulieren kann. Ja, sogar etwas, was wegen der Objektivität auch dazu führt, Niederlagen zu akzeptieren, sich also auch mal unterzuordnen, Probleme analytisch zu lösen, sich mit dem Gegenüber zu arrangieren. Was also zu einem ingesamt freundlichen Klima mit viel weniger Gewalt führt.

Das soll Computerspielerei bewirken? Peng, du bist tot, Opfer! Mathematik vielleicht. Wobei du da bei weniger taltentierten Menschen ein arg dickes Brett bohren musst. Musik ginge auch noch. Aber mit regelmäßigem Schach funktioniert das offensichtlich auf längere Sicht hervorragend. Zumindest nach dem, was ich darüber weiß. Teilweise nicht nur theoretisch. Ok, bei mir waren nur Freiwillige in der Gruppe und am meisten könnte Schach bei den nicht so guten Schülern bewirken, wenn man den Studien trauen darf. Und sowas gabs bei eigentlich nicht in der Gruppe. ;-)
DoktorM DoktorM 30.10.2014 09:25
So sehr ich Schach mag, ist ein Schulfach Schach für mich kein Thema. Eine Schach-AG reicht für die interessierten Schüler völlig aus. Wenn man Kindern logisches Denken beibringen möchte, sind andere Themen als Schach genauso effektiv. Mindestens. Beispielsweise aus dem riesigen Bereich der Informatik und Mathematik. Wenn man den Kindern daraus altersgerechte Probleme stellt, haben sie ähnlich viel Spaß wie beim Schach und können weitaus mehr Methoden und Regeln anwenden als beim Schach.
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