Schach in Irland

01.04.2010 – Irland ist einfach bezaubernd - dies hat gerade Dejan Bojkov fest gestellt, der sich als Gast nach Cork reiste, dort großmeisterliche Schach-Vorträge hielt und am "Annual Chess Congress" teilnahm - den er gewann. Zur weiteren Aufnahme von irischen Impressionen schickten die Einheimischen ihn auch nach Blarney. Neben der obligatorischen Burgruine aus unruhigen Zeiten gibt es dort auch einen "Glücksstein". Wer diesen küsst, soll in der Folge vom Glück geradezu verfolgt werden. Da Schach entgegen der landläufigen Meinung für viele durchaus ein Glücksspiel ist, nahm unser Autor gerne die Gelegenheit wahr, die Behauptung zu überprüfen. Hier ist sein Abschlussbericht. Mehr...

 

 

Blarney - Den Glücksstein küssen
Von Dejan Bojkov

Die erste Runde des Turniers in Cork begann am 26. März, 20 Uhr abends, also folgte ich dem Rat der Einheimischen und machte vorher noch einen Ausflug nach Blarney. Das ist eine kleine Stadt, die etwa zehn Kilometer von Cork liegt und deren größte Attraktion ein altes Schloss ist.





Die Jungs erzählten mir auch von einem Stein, den zu küssen Glück bringen würde. Eine solche Gelegenheit durfte ich kurz vor Turnierbeginn natürlich nicht verpassen; leicht war das allerdings nicht und unerwartete Gefahren lauerten auf mich…

Leider hatte man mir nicht gesagt, dass man, wenn man den Stein küsst, auch leicht viel redet ohne etwas zu sagen, mithin milde gesagt, Unsinn labert. Tatsächlich schlägt das Lexikon für das englische Wort „Blarney“ die schöne Übersetzung „Schmus“ vor.





Wie auch immer, der Ort war mit seinen alten Gebäuden, Druiden- und Hexensteinen, einem See, etlichen lustigen Tieren und jeder Menge Blumen sehr schön.














Doch nun zum Schach: Insgesamt wurden drei Turniere gespielt, wobei die Teilnehmerzahl allerdings etwas unter den Erwartungen blieb.

Das Turnier begann ohne große Überraschungen und bis zur vierten Runde hatten die vier Elo-Besten im A-Open alle noch eine weiße Weste. Ich muss allerdings zugeben, dass mir der Blarney-Stein dabei gute Dienste geleistet hat: in Runde Drei spielte ich gegen Philip Short – fünffacher Meister von Cork und eine Legende in den örtlichen Schachkreisen – und stand im Endspiel auf Verlust, als er die Partie in Zeitnot verpatzte.












Vor der letzten Runde hatte ich es geschafft, mich mit einem halben Punkt Vorsprung an die Spitze des Feldes zu setzen. In der letzten Runde spielte ich dann mit Weiß gegen Alex Baburin, ein starker Spieler, der aus Russland stammt, aber bereits seit 17 Jahren in Irland lebt und auch unter irischer Flagge spielt.

Allerdings war er nicht in Bestform und so trennten wir uns schließlich Remis. Das gab zwei weiteren Spielern die Chance auf den geteilten ersten Platz: Alex Lopez, ein junger Spanier, der in Cork lebt, und Bogdan Lalic. Der Spanier hatte die Angewohnheit, jede Runde mindestens 10 bis 15 Minuten zu spät zur Partie zu erscheinen, aber bei der Abschlussfeier konnte ich dann schließlich doch noch ein Foto von ihm machen.

Vor der Abschlussfeier gab es allerdings noch eine kleine Überraschung – die beiden bestplatzierten Spieler in jeder Gruppe mussten eine “Armageddon”-Blitzpartie spielen, um den Gesamtsieger zu ermitteln. In Gruppe “C” teilten sich vier Spieler Platz Eins, aber nur die beiden besten spielten Blitz gegeneinander. Wissen musste man dabei, dass es „Freundschaftspartien“ waren, das heißt, man konnte seine Figuren nach Belieben berühren ohne sie ziehen zu müssen, ja, man durfte sogar einen Zug zurück nehmen, wenn man die Uhr noch nicht gedrückt hatte. Bei einem Remis wäre eine zweite Partie gespielt worden. Im C-Turnier gewann der ruhigere, jüngere Spieler die Blitzpartie.

Im B-Turnier gab es einen klaren Sieger, also keine Blitzpartie. Doch unser freundlicher Organisator Michael Bradley, der aufgrund seiner organisatorischen Verpflichtungen in der ersten Runde ein Freilos erhalten hatte, holte anschließend 4 aus 5 und das reichte für den geteilten zweiten Platz. “Gute Verbindungen, was soll man machen”, erklärte er bei der Abschlussfeier, bei der er sich selbst den Preis überreichte. Er stammt übrigens aus Blarney, also wundern Sie sich nicht.

Von den drei Erstplatzierten im A-Turnier hatte Alex Lopez die schlechteste Wertung und war deshalb vom Blitzwettkampf ausgeschlossen. Ich entschied mich vor der Blitzpartie für Weiß (der Stein, wissen Sie?) und Fortuna lächelte mir zu und ich gewann die Partie. Ich konnte ein paar schöne Aufnahmen des Pokals machen und versprach, im nächsten Jahr wiederzukommen und meinen Titel zu verteidigen.





Ganz besonders stolz bin ich jedoch auf etwas anderes: zwei einheimische Spieler, die sich am Donnerstag vor dem Turnier meinen Vortrag über Taktik angehört hatten, erklärten mir, dass sie durch das, was sie dort gelernt hatten, jeder gleich eine Partie gewinnen konnten.

Nächster Aufenthalt – Australien.

GM Dejan Bojkov

www.dejanbojkov.blogspot.com



Nachricht an die Redaktion Bitte nutzen Sie dieses Feld für Kontakt mit der Redaktion



Diskutieren

Regeln für Leserkommentare

 
 

Noch kein Benutzer? Registrieren