Schach lernen mit Alexander Aljechin

von Albert Silver
28.07.2014 – Er war Garry Kasparovs Vorbild, überraschend vielseitig und einer der größten Angriffsspieler aller Zeiten: Alexander Aljechin. Die gerade erschienene dritte DVD der ChessBase Master Class Serie untersucht, was Aljechins Schach auszeichnet und zeigt, was man von ihm lernen kann. Albert Silver hat sich die DVD angeschaut und war begeistert. Zur Rezension...

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Dorian Rogozenco, Dr. Karsten Müller, Mihail Marin, Oliver Reeh: Master Class Band 3: Alexander Aljechin

Die ersten beiden DVDs der neuen ChessBase Master Class Serie über Bobby Fischer und Mikhail Tal habe ich mit großem Vergnügen genossen. Natürlich war neugierig, wer danach porträtiert werden würde. Antwort: Alexander Aljechin. Das passt. Denn Aljechins Angriffskunst und sein Schachverständnis sind legendär und Garry Kasparov hat immer wieder betont, wie hoch er den vierten Weltmeister der Schachgeschichte schätzt. Der typischen Struktur der Master Class Serie folgt auch diese DVD: Eine Reihe von Experten untersucht verschiedene Aspekte von Aljechins Spielstil: seine Eröffnungen, seine strategische Behandlung des Mittelspiels, seine Art, taktische Stellungen zu spielen und schließlich sein Können im Endspiel.

Wie auf den DVDs über Bobby Fischer und Mikhail Tal übernimmt Bundestrainer Dorian Rogozenco wieder den Eröffnungsteil. Auf einem etwa einstündigen Video untersucht er die Eröffnungen des vierten Weltmeisters. Im Vergleich zu Spielern wie zum Beispiel Bobby Fischer, der ein klar umrissenes Eröffnungsrepertoire hatte und mit Weiß fast immer 1.e4 zog während er mit Schwarz Königsindisch oder Sizilianisch-Najdorf spielte, war Aljechin ein Spieler, der die Eröffnungspfade mit ausgeprägter Wanderlust erforschte. Er wollte sich nicht festlegen, sondern alles sehen und ausprobieren. Diese Neugier führte zu zahlreichen Neuerungen, sei es nun die nach ihm benannte Eröffnung oder ganz neue Systeme, mit denen er die ausgetretenen Pfade verlassen hat (und so dazu beigetragen hat, das Gerede vom "Remistod des Schachs" verstummen zu lassen. Manchmal ging er mit der Lust am Wagnis sogar so weit, dass er Varianten spielte, von denen er wusste, dass sie verdächtig waren und nur in einer Partie angewandt werden konnten, um den Gegner zu überraschen.

In diesem Beispiel überraschte Aljechin Max Euwe im Revanchematch um die WM 1937 mit einem Figurenopfer.

Rogozenco zeigt überzeugend, wie viele Eröffnungsideen Aljechin hatte und über welche Kreativität und Arbeitsdisziplin Aljechin verfügte. Immer wieder bewies Aljechin, was alles noch zu entdecken war. Zugleich nutzt Rogozenco die Gelegenheit zu zeigen, wie wichtig das Studium der Klassiker ist.

So zeigt Rogozenco wie Aljechin im WM-Revanchematch 1937 gegen Max Euwe eine Partie mit Hilfe einer scharfen und gefährlichen Eröffnungsneuerung gewinnen konnte, um anschließend darauf hinzuweisen, dass vor kurzem zwei Großmeister mit einer Elo-Zahl um die 2600 dieser Partie bis zum fast Zug für Zug gefolgt sind - allerdings ohne irgendeine nennenswerte Verbesserung von Seiten des Spielers, der auf den Spuren von Max Euwe wandelte und sich am Ende wie schon der holländische Weltmeister in einer Verluststellung wiederfand. Wie Rogozenco abschließend mit gewisser Ironie feststellt, zeigt dieses Beispiel, dass das Studium der Klassiker eine Reihe von Vorteilen hat, unter anderem den, solche Eröffnungskatastrophen zu vermeiden.

Mihail Marin präsentiert fünf Videos, die sich der Analyse der "Strategie" von Aljechin widmen und meiner Ansicht nach ist dies der Höhepunkt der DVD. Denn beim Namen "Aljechin" denkt man vor allem an Kreativität und zeitlos schöne Kombinationen. Wie Marin feststellt, zog Aljechin, wenn er die Wahl zwischen einem technischen und einem taktischen Gewinn hatte, unweigerlich den taktischen Gewinn vor. Nun ist das nichts Neues und Aljechin selber hat sich schon selbst so charakterisiert. Man könnte diese Eigenart also leicht als nicht mehr als eine stilistische Vorliebe abtun. Doch wie Marin erläutert, würde man damit einem Spieler, der über ein so großes Arsenal schachlicher Waffen verfügte, nicht gerecht werden. Aljechin war durch und durch Profi, wie er selbst im Laufe seiner Karriere immer wieder betont hat. Er veröffentlichte und kommentierte zahlreiche seiner Partien, doch damit er das tun konnte, mussten seine Partien erst einmal etwas bieten, was man veröffentlichen konnte. Der Gedanke liegt nahe, dass Aljechins Spiel für die Galerie nicht nur eine Frage des Stils war, sondern Teil eines größeren Karriereplans. Der vierte Weltmeister war bekannt für seine langfristigen Pläne - so hat er Capablancas Eroberung des Weltmeisterthrons vorausgesehen und das Spiel des Kubaners schon vorher gründlich studiert, um seinerseits einen Anlauf auf den Weltmeisterthron zu unternehmen.

Marin hat die von ihm gezeigten Partien genauso sorgfältig ausgewählt, wie die Geschichten, die er über Aljechin erzählt.

Oliver Reeh ist einmal für die Auswahl von Kombinationen zuständig, mit denen der Zuschauer mit Hilfe sein taktisches Können mit Hilfe des interaktiven Videoformats mit dem taktischen Können von Aljechin messen kann. Der Zuschauer bekommt eine ausgewählte Stellung gezeigt und das Programm kommentiert Fehler oder verlockende Nebenvarianten, die dann noch nicht gewinnen. 24 dieser Kombinationen hat Reeh ausgewählt, die mit Hilfe von 102 Trainingsaufgaben erläutert werden. Und auch wenn man nicht stark genug ist, um alle diese Aufgaben zu bewältigen, so macht es doch immer wieder Vergnügen, Aljechins Kombinationskunst zu verfolgen.

Karsten Müller kümmert sich schließlich um das Endspiel und zeigt ausgewählte Beispiele, die entweder besonders lehrreich sind oder die in Aljechins Karriere eine wichtige Rolle gespielt haben.

GM Karsten Müller beginnt den Endspielabschnitt mit diesem Video. Wenn Sie die Lösung selber finden wollen, dann sollten sie das Video anhalten. Wann genau erzählt ihnen Herr Müller.

Zu all dem kommt noch eine Sammlung der Partien Aljechins, viele von ihnen kommentiert. Genau hier verbirgt sich auch noch ein kleines Juwel: kurze illustrierte Zusammenfassungen der Turniere, die Aljechin gespielt hat, inklusive Übersichten seiner Ergebnisse, Tabellen und alter Fotos. Man sollte sich unbedingt die Zeit nehmen, diese vielen Fotos zu genießen.

Die Partienliste enthält viele dieser Zusammenfassungen mit Fotos und Anekdoten. Unbedingt empfehlenswert!

Wenn Ihnen die ersten beiden DVDs der Master Class Serie gefallen haben oder wenn Sie Aljechin-Fan sind oder eine Abwechslung von mehr oder weniger zufällig ausgewählten Partien suchen, dann kommen Sie hier voll und ganz auf Ihre Kosten. Das in den DVDs über Fischer und Tal etablierte Niveau wird nicht nur gehalten, sondern teilweise noch übertroffen. Dafür sorgen das gründlich bearbeitete Material, die daraus gewonnenen Erkenntnisse und nicht zuletzt ein paar überraschende Extras wie die illustrierten Turnierzusammenfassungen. Ein schöner Beitrag zur Master Class Serie.

Dorian Rogozenco, Dr. Karsten Müller, Mihail Marin, Oliver Reeh: Master Class Band 3: Alexander Aljechin
Videospielzeit: 4 Std. 33 min (Deutsch)
Interaktiver Taktiktest mit Videofeedback
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Albert Silver ist Redakteur und Autor. Er lebt in Rio de Janeiro in Brasilien.
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