Schachfestival im Jüdischen Museum in Berlin

18.06.2007 – Das Schachfestival im Jüdischen Museum hat sich inzwischen zu einem der Höhepunkte im Berliner Schachkalender gemausert. Am vergangenen Wochenende fanden in diesem Rahmen mehrere Turniere, darunter auch ein stark besetztes internationales Schnellschachturnier statt. Die Organisation der Veranstaltung wird gemeinschaftliche vom Jüdischen Museum, dem Berliner Schachverband und der Emanuel Lasker-Gesellschaft geleistet. Letztere ist vor allem für die Schachkultur zuständig und lud zu diesem Zweck diesmal den Schauspieler Bernd Ludwig und die Bildhauerin Sybille Waldhausen ein. Das Schnellschachturnier gewann Leonid Kritz (Foto: Leonid Kritz und Gesa Struwe). Dagobert Kohlmeyer berichtet aus Berlin und Dr. René Gralla führt für das Neue Deutschland ein Interview mit Co-Organisator Paul Werner Wagner. Interview im ND...Mehr...

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Rekordturnier mit einem Spiegel-Covergirl
Von Dagobert Kohlmeyer

Das jüdische Museum in Berlin erlebte schon zum wiederholten Male ein Schachwochenende der Extraklasse, das zu einer echten Werbung für das königliche Spiel wurde. Eingebettet in den Kultursommer der Einrichtung (3. Juni bis 25. August 2007), ist das Schachfest aus dem Terminkalender des Berliner Verbandes und des renommierten Museums nicht mehr wegzudenken. Ein spezieller Dank gilt deshalb dem Museum, das durch Gesa Struve vertreten wurde, sowie der Lasker Gesellschaft und dem Berliner Schachverband, die alle mit großem Engagement für die Organisation verantwortlich zeichneten.


Gesa Struve, Dr. Matthias Kribben


Carsten Schmidt, Gesa Struve

Diesmal strömten noch mehr Teilnehmer und Zuschauer als in den Vorjahren zu den Veranstaltungen. Aufgrund der unsicheren Wetterlage (in der Nacht zum Samstag gab es wolkenbruchartige Regenfälle in der Hauptstadt) war die gesamte Veranstaltung vom schönen Garten des Hauses in den Konzertsaal verlegt worden, was der Spielleidenschaft aller Akteure keinen Abbruch tat.

Am ersten Tag kam der neue DSB-Präsident, Professor Robert von Weizsäcker, vorbei. Berlins Verbandspräsident Dr. Matthias Kribben hatte seinen Fernschachfreund überredet, diese Veranstaltung als erste in seiner neuen Funktion zu besuchen, ehe von Weizsäcker am kommenden Wochenende in Dortmund die Stars der 35. internationalen Schachtage begrüßen wird.

Schon der Samstag war sehr abwechslungsreich, weil an ihm verschiedene Turniersieger gefeiert werden konnten. Bester im Wettbewerb der Vereinsvorsitzenden wurde nach dreimaliger Teilnahme erstmals Thorsten Groß vom SC Weiße Dame. Gregor Spieß gewann das Jugendblitzturnier. Die Feierabendliga sah Berolina Mitte 2 als Sieger. Frauen-Blitzmeisterin wurde Alina Rath vom SK König Tegel. Die Seniorenmannschaft des neu fusionierten Vereins SG Wedding konnte erstmals und sehr überzeugend den Schnellschachtitel erringen. Große Spannung herrschte auch beim Top 12-Finale des Berliner Schnellschach-Grand-Prix, wo Robert Rabiega nach Stichkampf vor den punktgleichen Drazen Muse und Steve Berger siegte. Die Teilnahme an allen Turnieren war kostenlos. Das Museum stiftete einen Preisfonds von insgesamt 2 000 Euro für beide Turniertage.

Am Sonntag gab es eine Lesung (Szenische Begegnung) des Schauspielers Bernd Ludwig über den Schachweltmeister, Philosophen und Menschen Emanuel Lasker.


Bernd Ludwig und Susanna Poldauf (Lasker-Gesellschaft)

Daran schloss sich eine Diskussion über Lasker an, an der auch Professor Hans Holländer, seine Frau Barbara sowie das Mitglied der Lasker-Gesellschaft Andreas Saremba teilnahmen.


Andreas Saremba


Ehepaar Holländer

Berliner Pokalsieger wurde die Mannschaft des SC Friesen-Lichtenberg (rechts im Bild). Im Finale besiegten sie die Schachfreunde Nordost mit 2,5:1,5.

Absolutes Highlight des ganzen Wochenendes war das internationale Schnellturnier mit 225 gestarteten Teilnehmern, das es nach den Worten von Matthias Kribben in dieser Größe und Güte in Berlin noch nicht gegeben hat. Allein fünf Großmeister und 7 IM rückten die Figuren. Als Favoriten galten Leonid Kritz und Robert Rabiega, aber auch die Neu-Berlinerin Elisabeth Pähtz wollte den Jungs das Leben so schwer wie möglich machen.


Begrüßungsgeschenk für die Neuberlinerin


Elisabeth Pähtz und Dr. Matthias Kribben

 

Als Verstärkung hatte Elli, die wenige Tage zuvor als Alpha-Mädchen noch das Cover des Spiegel geschmückt hatte, ihre Freundin Anna Burtasova  mitgebracht. Die Russin konnte sich dann im Endklassement noch vor der Juniorenweltmeisterin platzieren.


Elisabeth Pähtz und Anna Burtasova

In Runde 8 kam es zur Begegnung Pähtz – Rabiega, die der Berliner Großmeister vom SK Tegel nach einem Versehen Elisabeths im Endspiel gewinnen konnte.


Elisabeth Pähtz

Damit hielt Rabiega sich alle Chancen für den Turniersieg offen. Eine Klasse für sich aber war Nationalspieler Leonid Kritz. Als einziger Teilnehmer verlor er keine Partie und ging mit 8 Punkten aus neuen Partien dank besserer Buchholz-Wertung vor Rabiega und Jewgeni Postny durchs Ziel.


Hoppe gegen Burtasova


Postny und Kritz

Wie Leonid uns erzählte, hatte er gerade in Berlin einen Englisch-Kursus absolviert und nahm das Turnier vor der Abreise als willkommene Gelegenheit sehr gern mit.


v.l.n.r.: Rabiega, Postny, Kritz, Gesa Struve

Große Zufriedenheit gab es bei den Organisatoren des Museums und des Berliner Schachverbandes. Das Schiedsrichterteam um Veranstaltungsleiter Carsten Schmidt, Turnierleiterin Bettina Bensch und Bernhard Riess, der die Auslosung der Runden am PC vornahm, leistete eine perfekte Arbeit.


Bernhard Ries und Carsten Schmidt

Es gab bei den mehr als 1000 Partien des Schnellturniers nicht einen einzigen Streitfall! Das Schachfest hat wieder einmal neue Richtwerte gesetzt. Können sich die Berliner bei der nächsten Auflage im Olympiajahr 2008 noch weiter steigern?


Leonid Kritz und Gesa Struve
 

Endstand Schnellturnier (Berliner Schachverband)...

 

 

 

 

 

 


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