Schnell, schnell...

09.03.2010 – Der moderne Schachprofi hat es gegenüber seinem Kollegen von früher nicht leicht. Nicht nur, dass der Computer viele Informationen über Gegner und Eröffnungen bereit stellt, die man möglichst alle kennen sollte - nein: Das moderne Regelwerk baut weitere Hürden auf. So müssen jetzt Schachspieler beweisen, dass Sie ihre Schachfähigkeiten nicht durch Medizin verbessert haben. Immerhin ist der Gang zur Toilette nicht völlig gegen die Gewohnheiten der Spieler. Da trifft die "Nulltoleranz"-Regel schon eher das Mark. Was auf Turnieren mit übersichtlicher Teilnehmerzahl vor Zuschauern durchaus sinnvoll sein mag - die Spieler bei Partiebeginn am Brett sehen zu wollen und sie sonst mit dem Verlust der Partie zu bestrafen - wird bei Amateurturnier oder großen Open wie der Europameisterschaft zur bürokratischen Farce - besonders wenn die Unterkünfte weitab liegen. In Rijeka wurden in der zweiten Runde gleich fünf Spieler wegen Zuspätkommens mit dem Partieverlust bestraft. In der ersten Runde traf der Shuttle-Bus erst drei Minuten vor Rundenbeginn am Spielort ein. Die Spieler mussten rennen, um noch rechtzeitig am Brett zu erscheinen. Endlich wird Schach zum richtige Sport. Dejan Bojkov berichtet aus Rijeka. Bericht und Bilder...

Die Europameisterschaft
Von GM Dejan Bojkov


Zur Zeit findet in Rijeka, Kroatien, die stärkste Europameisterschaft aller Zeiten statt.





Mondänes Hangsemble für "Besserverdiener"

Statistiker haben berechnet, dass 27 der 30 besten europäischen Spielerinnen dabei sind. Nur Weltmeisterin Alexandra Kosteniuk und die jungen Mütter Katerina Lahno und Natalia Pogonina fehlen.


Antoaneta Stefanova


Elmira Berend


Elena Sedina



Melia Salome versus Iva Videnova


Natalia Zdebskaja


Der Trainer der polnischen Frauen, Alexander Sulypa

Auch bei den Männern ist die Mehrzahl der europäischen Spitzenspieler am Start, darunter neun Spieler mit einer Elo-Zahl von über 2700. Zieht man zusätzlich noch in Betracht, dass beinahe 100 Spieler eine Zahl von über 2600 haben, dann ist die Dichte und Stärke des Feldes wirklich beeindruckend.

Insgesamt nehmen in beiden Turnieren zusammen etwa 600 Spieler und Spielerinnen teil, darunter Evgeny Tomashevsky, der Titelverteidiger bei den Männern, und Tatiana Kosintseva, die Titelverteidigerin bei den Damen, beide aus Russland. Viele der Top-Gesetzten haben bereits Punkte eingebüßt, aber angesichts des starken Feldes ist das keine wirkliche Überraschung.


Zoltan Almasi ist Elofavorit


Artem Timofeev


Paco Vallejo


Jan Gustafsson huscht vorbei


Romain Eduard


Baadur Jobava


Gabriel Sargissian


Die Italiener Luca Shytaj und Pierluigi Piscopo


Evgeny Romanov


Clovis Vernay-Alexander Moiseenko


David Howell


Georg Meier und Daniel Fridman

Fast alle Teilnehmer sind im nahe gelegenen Opatija in Luxushotels untergebracht und müssen mit einem täglichen Anfahrtsweg von einer Stunde rechnen. Das führt immer wieder zu Problemen bei Anwendung der “Null-Toleranz” Regel. In der ersten Runde traf einer der Busse mit den Teilnehmern gerade einmal drei Minuten vor Rundenbeginn ein und viele Teilnehmer rannten praktisch, um noch rechtzeitig am Brett zu sein.

Und bei den Männern wurden allein in der zweiten Runde fünf Partien kampflos entschieden. Das ist zu viel und viele der Spieler sind mit der Regel sehr unzufrieden. Tatsächlich sind solche Maßnahmen bei Superturnieren mit sechs bis vierzehn Teilnehmern angemessen, wo das Publikum keine leeren Bretter zu Beginn der Runde sehen will. Aber in einem so großen Turnier mit so vielen Teilnehmern, bei dem auf dem Weg zur Runde immer etwas Unvorhergesehenes passieren kann, ist eine Toleranzzeit von 15 Minuten wahrscheinlich die beste Lösung.


Schnell, schnell

Abgesehen davon sorgen die Kroaten für exzellente Turnierbedingungen. Der Saal, in dem sowohl das Männer- als auch das Frauenturnier stattfinden, ist groß und geräumig.



Es gibt kostenlose Erfrischungen und kostenlosen Internetzugang im Vorraum.


David Arutunian analysiert seine Partie zusammen


Ferenc Berkes bei der Analyse


Tornike Sanikidze bereitet Marie Boyarchenko vor


Der nächste Großmeister?

Das Essen in den Hotels ist ausgezeichnet, der Service großartig. Zwar ist es immer noch relativ kalt, aber das adriatische Meer ist trotzdem wunderbar.


In Rijeka ist der Frühling schon da

Der angesehene kroatische GM und Seniorenweltmeister Miso Cebalo kommentiert die Partien auf der offiziellen Turnierseite.

Kurz gesagt: Das Turnier hat begonnen, wir haben bereits eine Menge interessanter Partien gesehen und hoffen in den kommenden Runden weiter auf faszinierendes Schach.


Hier werden Sie geholfen


www.dejanbojkov.blogspot.com



 

 

 

 

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