Schnellschach in Diekirch

von Gerd Densing
18.07.2014 – Am letzten Wochenende wurden in Diekirch im Rahmen der „Challenge de la ville de Diekirch" gleich drei drei Turniere gespielt, ein Mannschaftsturnier und Jugendturnier, zwei Altersklassen und ein Schnellschach-Open, das als eines der Turniere zur Luxemburger Schnellschachmeisterschaft gehört. Sieger des Opens wurde Andrei Orlov. Gerd Densing berichtet. Mehr...

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Erste „Bewährungsprobe“ für eine neue FIDE-Regel

„Challenge de la ville de Diekirch „ 23. Pokal der Stadt Diekirch, Luxemburger Schnellschach-Einzelmeisterschaft und Luxemburger Schnellschach-Mannschaftsmeisterschaft

Am vergangenen Wochenende wurde im schönen luxemburgischen Diekirch in der „aal Seerei“ (ehemaliges Sägewerk) wieder viel Schach gespielt.

Aal Seerei von außen

Samstags wurde in zwei Altersklassen (U10 und U20) ein Jugendturnier (7 Runden Schnellschach nach Schweizer System) ausgetragen mit insgesamt 23 Kindern/Jugendlichen.

Start des Jugendturniers U10

Volle Konzentration bei den Kids

Zufriedener Uhrencheck

Fun bei den Kindern

Die mittleren Bretter

Zufriedener Uhrencheck

Geschwisterduell Louis und Clara Burdot

Spitzentisch U 10

Jugendturnier U20

Bei den Kindern (U10) gewann Nassim Bekkari mit voller Punktausbeute souverän das Turnier mit 2 Punkten Vorsprung vor 3 weiteren Spielern. In der Altersklasse U20 gewann der für den Luxemburger Verein Differdange spielende  Michael Yankelevich mit 6,5 aus 7 souverän das Turnier mit einem Punkt Vorsprung.
 

Sieger U20 Michael Yankelevich

Hier die Tabellen (pdf)...

Parallel dazu fand nach erstmaliger Ausrichtung im Vorjahr erneut ein kleines 4er-Schnellschach-Mannschaftsturnier statt, welches gleichzeitig die offizielle Luxemburger Schnellschachmeisterschaft war.

In der Mannschaftsmeisterschaft (6 Vierer-Teams, Round-Robin) ließen in den ersten beiden Runden die favorisierten Teams aus Differdange und Echternach (mit 2 FM’s im Team) keine Zweifel aufkommen und zeigten keine Schwächen.

Differdange1 gegen Schifflange

Die direkte Begegnung zwischen den beiden Teams verlief knapp, aber Differdange1 gewann verdient mit 2,5 zu 1,5 und hatte somit die beste Ausgangslage für die verbleibenden Runden.

Spitzenduell Differdange gegen Echternach (mit zwei FMs)

Differdange1 bekam Oberwasser wie man sieht!

In diesen strauchelte Echternach und spielte gegen die nominell schwächeren Teams aus Schifflange und des gastgebenden Vereins Nordstad „nur“ unentschieden. Das vereinsinterne Duell der beiden Differdange-Mannschaften endete friedlich remis, sodass sich an der Tabellensituation nichts mehr änderte.

Differdange2 gegen Differdange1

Differdange1 mit Ansgar Barthel an Brett 1wurde mit 9 zu 1 Mannschaftspunkten verdient luxemburgischer Schnellschachmeister  vor den Teams Echternach und Schifflange mit je 6 zu 4 Mannschaftspunkten.

Ansgar Barthel, links

Hier die Abschlusstabelle (Kreuztabelle)...

Sonntags fand dann an einem zunächst verregneten, nachmittags aber sonnigen Fußball-WM-Final-Sonntag in Diekirch im Ländchen mit 42 Teilnehmern die 23. Auflage der traditionellen „Challenge de la ville de Diekirch“ statt.

Wie bereits in den Vorjahren wurde das kleine, feine Schnellschachopen im Nord-Osten des „Ländchens“ als einer der jährlichen Luxemburger Schach-Höhepunkte als Luxemburgische Einzelmeisterschaft im Rapid-Chess mit zusätzlichen Sonderpreisen gewertet. Im Andenken an den im Jahr 2012 verstorbenen Vorsitzenden des Gastgebervereins „Nordstad“ war das Turnier ebenso „Memorial Jos Jacob“.

Mit etwas weniger Teilnehmern als in der Vergangenheit und weniger Titelträgern war das Turnier etwas schwächer besetzt.  Immerhin hatten in der Startrangliste aber die Hälfte der Teilnehmer eine Wertungszahl von mehr als 2000 ELO. Überraschenderweise spielten dieses Jahr weder Kinder/Jugendliche noch Damen beim Open mit, sodass diese Sonderpreise nicht vergeben wurden.

Als Turnierfavoriten galten der Vorjahressieger GM Andrey Orlov und der für Echternach in Luxemburg gemeldete GM Alexander Berelovitsch. Ebenso sollte der vielfache Diekirch-Teilnehmer IM Thorsten-Michael Haub gute Chancen auf den Turniersieg haben.

Der Turniermodus des Open blieb unverändert bei 25 Minuten Bedenkzeit pro Spieler und Partie bei 7 Runden nach Schweizer System. Vereinzelt wurden die Partien auf freiwilliger Basis – trotz der kurzen Bedenkzeit – mitgeschrieben.

Zu Beginn des Turniers erläuterte Schiedsrichter René Recking die per 01.07. in Kraft getretenen Regeländerungen der FIDE. Besonders hervorgehoben wurde die Möglichkeit, bei weniger als 2 Minuten auf der Uhr, die Uhr zu stoppen und eine Änderung der Bedenkzeitregelung beim Schiedsrichter zu beantragen (nach Wiederaufnahme der Partie 5 Sekunden Zuschlag pro Zug, Zeitzugabe für den Gegner 2 Minuten und gleichzeitige Wertung des Antrages auf Änderung der Bedenkzeitregelung als Remisangebot an den Gegner).

Anders als in 2013 gab es dieses Jahr keinerlei Streitfälle im Turnierverlauf. Von der o.a. Regeländerung wurde aber sehr rege Gebrauch gemacht, sodass der Schiedsrichter in jeder Runde mindestens einmal, manchmal aber auch mehrmals heraneilen musste und die elektronischen Uhren neu zu stellen hatte. Die Regel hat sich insoweit bewährt, dass in Einzelfällen – während des langen Stellens der Uhr und langem Blick auf die Stellung – das so „beantragte“ Remis angenommen wurde. In anderen Fällen war die Partie nach Wiederaufnahme des Spiels aber dann nach 2 oder 3 Zügen „trotzdem“ beendet zu Gunsten der Partei mit Materialvorteil.  Zudem erreichte René Recking in den letzten beiden Runden eine größere Routine beim Bedienen der elektronischen Uhren. Resultat könnte aber sein, dass man in Zukunft auf 20 Minuten Grundbedenkzeit geht und direkt mit Beginn der Partie mit 5 Sek. Zeitzuschlag pro Zug spielt – entsprechende Anzahl elektronischer Uhren vorausgesetzt.

Schiedsrichter immer zur Stelle

Blick von oben

Die ersten 16 Bretter

Wie immer, gab es in der langen Mittagspause wieder leckere italienische Küche mit mehreren Sorten Pasta und Lasagne.

Neben dem netten Turnierumfeld, den freundlichen Gastgebern und Teilnehmern sprechen insbesondere die hervorragenden Turnierbedingungen in der „Aal Seeerei“ (inzwischen ein ansehnliches Veranstaltungszentrum)  für das Turnier.

Die Turnierorganisation erfolgte – trotz Regeländerungen - routiniert und souverän durch den internationalen Schiedsrichter. Dessen letztjähriger Wunsch bei der Siegerehrung nach einem friedlicheren Turnierverlauf ist voll erfüllt worden.

Turnierverlauf

Mit Ausnahme des Remis des Berichterstatters an Brett 8 gegen Andreas Kessler brachte die erste Runde keine Überraschungen und ausschließlich „entschiedene“ Partien zu Gunsten der favorisierten Spieler.

Beginn der ersten Runde

In den folgenden beiden Runden zeigten die Tielträger keine Schwächen und gewannen ihre Partien. Erst in Runde 4 trafen mit IM Thorsten-Michael Haub und GM Alexander Berelovitsch zwei der Favoriten direkt aufeinander.

IM Haub gegen GM Berelovitsch …

… beginnt seine Partie mit 1. g3.

Während diese Partie Remis endete, setzte sich Vorjahressieger GM Andrei Orlov mit einem Sieg an die Spitze des Feldes.

Die Runde 5 brachte an Tisch 1 das Duell der beiden Großmeister, welches Remis ausging.

Vor der Partie der beiden GM‘s

Thorsten-Michael Haub gewann und konnte nach Punkten mit GM Andrei Orlov gleichziehen, allerdings mit schlechterer Zweitwertung (Fortschrittswertung/Punktsummenwertung).

Die Entscheidung über den Turniersieg fiel in Runde 6 im direkten Aufeinandertreffen von GM Orlov gegen IM Haub.

Beginn GM Orlov gegen IM Haub

Weiß konnte in ein Endspiel mit deutlich besserer Bauernstruktur abwickeln und mit einem Mehrbauern in ein Endspiel Turm und 2 Bauern am Königsflügel gegen Turm und 1 Bauer am Damenflügel abwickeln.  Es entstand ein Endspiel König und Dame gegen König und Turm.

Anders als viele Amateure verzichtete IM Thorsten-Michael Haub auf den Antrag nach Änderung der Bedenkzeit, konnte aber das Endspiel nicht halten, sodass GM Orlov mit einem Sieg die alleinige Tabellenführung übernahm.

Nach einem taktischen Kurz-Remis zwischen GM Andrei Orlov und dem Luxemburger Christian Jeitz sicherte sich GM Orlov den Turniersieg nach Feinwertung mit 6 aus 7 vor dem punktgleichen GM Alexander Berelovitsch, welcher in der Schlussrunde gewann. Nach einem Schlussrundensieg folgte mit einem halben Punkt Rückstand IM Thorsten-Michael Haub auf Platz 3.

Die drei Sieger

Hier die Abschlusstabelle als pdf...

und hier die Paarungen...

Fazit: Es war auch dieses Jahr wieder ein sehr schönes, spannendes Schach-Event über 2 Tage. Bleibt zu hoffen, dass nächstes Jahr beim Open Sonntags wieder Frauen, Kinder/Jugendliche und ein paar mehr Titelträger wieder in Diekirch mit dabei sind!

 



Gerd Densing ist ein begeisterter Vereins- und Turnierspieler. Seine Eindrücke hat er in vielen Berichten auf der ChessBase-Nachrichtenseite festgehalten.
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