Schweizer Einzelmeisterschaften im Wellness-Wallfahrtsort

20.07.2011 – Der Schweizer Kurort Leukerbad war schon den Römern wegen seiner warmen Heilquellen bekannt. Auch heute noch ist der 1600-Seelen große Ort ein beliebtes Zeil für Wellness freunde. In regelmäßigen Abständen pilgern aber auch die Freunde des Schachs in die Schweizer Alpen. Nach 1992, 2002 und 2007 fanden in Leukerbad gerade zum vierten Mal die Schweizer Einzelmeisterschaften statt, die abwechselnd als Rundenturnier oder als Offenes Nationalturnier durchgeführt werden - in diesem Jahr als Nationalturnier. Titelverteidiger Yannick Pelletier war zwar nicht am Start, aber mit Viktor Kortschnoj, Alexandra Kosteniuk und Miso Cebalo gingen gleich drei ehemalige Welt- und Vizeweltmeister an den Start. Zum Kreis der Favoriten zählten außerdem Joseph Gallagher sowie die nicht titelberechtigten ausländischen Großmeister Christian Bauer, Sergey Ovseyevych und Andrei Sokolov. Christian Bauer gewann das Offene Turnier und mit Viktor Kortschnoj wurde ein 80-Jähriger Schweizer Meister. Am Rande der Meisterschaften organisierten Thomas Pähtz und Markus Klauser ein deutsch-schweizer Jugendlager für die jugendlichen Teilnehmer. Thomas Pähtz berichtet. Bericht und Bilder...

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Viktor Kortschnojs Schrecksekunden auf dem Weg zum Titel
Ein Bericht von Thomas Pähtz und Hannes Wendling
Fotos: Thomas Pähtz


Ein herzliches Willkommen den Teilnehmer/innen der 111. SEM 2011


Panorama

Gerade einmal 1600 Einwohner zählt das märchenhafte, in den Walliser Bergen gelegene Leukerbad. Bereits die alten Römer wussten die heißen Quellen des heute größten Thermalbade- und Wellnessferienortes der Alpen zu schätzen.


Panorama


Die Dala


Zentrum Leukerbads

Wandern und Bergsteigen im Sommer, Apres Ski im Winter, die 10 m herausragende Aussichtsplattform am Gemmi und vieles mehr machen Leukerbad zu einem der beliebtesten Ferienorte der Schweiz.


Rathaus


Warme Quelle


Parkanlage


Alphörner

In den vergangenen Tagen war Leukerbad zum vierten Mal nach 1992, 2002 und 2007 Austragungsort der Schweizer Einzelmeisterschaften.


Spiellokal im Schul - und Sportzentrum von Leukerbad
 

Der Schweizer Meister wird alternierend im 10-köpfigen Meisterturnier oder im ab 1820 ELO offenen Nationalturnier ausgespielt. Der Sieger des Meisterturniers von Lenzerheide 2010, Yannick Pelletier, ging im diesjährigen Nationalturnier nicht an den Start. Selbiges gilt für die Titelverteidigerin bei den Damen, Tatjana Lematschko, die im Vorjahr bereits ihren 10. Meistertitel erringen konnte. Dennoch war das Teilnehmerfeld mit einigen Hochkarätern versehen.


Blick in den Turniersaal von oben


Artur Jussupow bei seiner Ankunft im Spielsaal

Mit Viktor Kortschnoj, Alexandra Kosteniuk und Miso Cebalo gingen gleich drei ehemalige Welt- und Vizeweltmeister an den Start. Zum Kreis der Favoriten zählten außerdem Joseph Gallagher sowie die nicht titelberechtigten ausländischen Großmeister Christian Bauer, Sergey Ovseyevych und Andrei Sokolov.


GM Bauer 1. Platz im HT1



GM A. Sokolov 2. Platz HT1


GM Sebastian Siebrecht spielt neben Viktor Kortschnoj


A. Kostenjuk mit Tochter


GM A. Cherniaev


L. Stoeri 2. Platz Damen

Bereits wenige Minuten nach Beginn der ersten Runde gab es den ersten kleinen Aufreger. Handyklingeln in Tischreihe 1! Erinnerungen an 2007 wurden wach, als hier in Leukerbad auf gleiche Art und Weise die Entscheidung im Titelrennen fiel. Die damalige Spitzenpaarung der letzten Runde zwischen Joseph Gallagher und Hansjürg Känel (beide 6 ½) endete nach gerade einmal 10 Minuten mit 1-0 und dem Titelgewinn für Gallagher. Diesmal kamen die Spieler hingegen mit einem blauen Auge davon. Der aufmerksame Beobachter konnte lediglich eine, wie immer sehr modisch gekleidete, Frau Kortschnoj in den Gang flüchten sehen.


Handyklingeln bei Frau Kortschnoj

Nach einem Turnierverlauf ohne große Überraschungen setzte sich ELO-Favorit Bauer souverän mit 7 ½/9 durch.


Spitzenpaarung v.l. Bauer-Gallagher

Spannend wurde es hingegen im Kampf um die Schweizer Meisterschaft. Anders als bei uns entscheidet bei Punktgleichheit nicht die Wertung, sondern ein Stichkampf zwischen den beiden Wertungsbesten. Durch die bessere Zweitwertung reichte Kortschnoj bereits der erste Weißsieg gegen Gallagher zum 5. Meistertitel. Allerdings hätte er das Tie-Break beinahe nicht erreicht. Schlussrunden-Gegner Alexandre Domont verpasste unmittelbar nach der Zeitkontrolle den Gewinnzug und verlor die Partie. Der Altmeister selbst wies später auf den Fehler hin.


L.Urban mit Schachlegende V.Kortschnoj

Bronze ging an den ebenfalls punktgleichen Beat Züger. Den Titel der neuen Schweizer Meisterin sicherte sich erstmals die schweizerisch-russische Doppelbürgerin Alexandra Kosteniuk. In Anbetracht eines enttäuschenden 24. Platzes konnte dies allerdings nicht mehr als ein Trostpflaster darstellen. Mit Nico Georgiadis sicherte sich das derzeit größte Schweizer Schachtalent gleich zwei Titel. Neben Platz 1 bei den Schülern errang Georgiadis nach einem Stichkampf gegen Nicolas Grandadam auch die Meisterkrone bei den Junioren.


Sieger HT3


Sieger HT2


Sieger Hauptturnier Senioren


Sieger HT1: Sokolov, Bauer, Züger


Prominente Zuschauer


Sieger Junioren


Sieger Seniorenturnier: Vucenovic, Karl, Bend


Sieger Damen: L. Stoeri, Kostenjuk, C. de Seroux


Sieger Schweizer Meisterschaft: 2.J. Gallagher , 1.V. Kortschnoj , 3. B. Züger


Schweizer Meister: v.l. Georgiadis, Kostenjuk, Kortschnoj, Vucenovic

Besondere Erwähnung verdient das SEM-Jugendlager, das nunmehr in dritter Auflage stattfand.


Campingplatz neben der Spielstätte



Gruppenfoto SEM-Lager


Unsere Unterkunft



Im Jahre 2008 entstand zwischen GM Thomas Pähtz und dem im Schweizer Jugendschach engagierten IM Markus Klauser die Idee eines meisterschaftsbegleitenden Jugendlagers.


Camille de Seroux (3. Platz Damen) und ihr deutscher Trainer


Unser Jugendleiter IM Markus Klauser

Bereits im darauffolgenden Jahr wurde die Idee erstmals umgesetzt und erntete prompt großen Zuspruch. Gleich 49 Teilnehmer ergriffen in den letzten Tagen die Chance, die Meisterschaft mit zusätzlichem Großmeistertraining zu kombinieren. Zum Trainingsprogramm, welches von GM Thomas Pähtz und Hannes Wendling durchgeführt wurde, gehörten unter anderem eine nach Spielstärke gestaffelte Trainingseinheit am Vormittag, die Analyse der Partie eines jeden Spielers am Nachmittag und die allabendliche Kommentierung der interessantesten Partien.


Die Verstärkung unseres Trainerteams Martina Nobis bei der Partieanalyse


Die Trainer H. Wendling (hinten links) und Th. Pähtz (vorne links) bei der täglichen Arbeit


Abendliche Partieanalyse im Clubraum


Deutsche Delegation: v.l. oben: Pähtz, F.Wendling, Urban, Lampert und H.Wendling
v.l. mitte: Zahn, Schäfer, C. Graf und Nobis
v.l. unten: Mätzkow, L. Graf und J. Graf.


Tischtennis als Ausgleichssport

Natürlich war auch genug Zeit für eine abwechslungsreiche Freizeitgestaltung eingeplant. Neben Blitz- und Tandemturnieren standen Fußball, Tischtennis, Wandern und Baden auf dem Programm. Dabei trafen Jugendliche aus der Schweiz, Spanien, Australien und Deutschland aufeinander.

Bemerkenswert war auch das Engagement von Artur Jussupow, der in Leukerbad eine öffentliche Trainingseinheit gab und während seines Aufenthaltes bei der SEM mit seinen schweizer Trainingskindern Partien analysierte. Offenbar zieht es immer mehr deutsche Trainer ins Ausland. Ein Warnsignal für DSB und DSJ! 

Die deutsche Delegation war mit 13 Teilnehmern wieder gut aufgestellt. Mit Clara Viktoria Graf (amtierende Deutsche Meisterin AK U12w), Jonas Lampert,  Alina Zahn und Supertalent Maximilian Mätzkow gingen gleich vier Vertreter der Deutschen Nachwuchsspitze in Leukerbad an den Start. Besonders hervorzuheben ist die gute Leistung von Alina Zahn, welche lange Zeit im Hauptturnier 2 an der Spitze mitmischte und erst durch die Niederlage in der Schlussrunde auf den 4. Platz zurückfiel.


Dustin Hoffmann


Lars Urban


Alina Zahn


Selina Moses


Annabelle Schäfer


Maximilan Mätzkow


Florian Wendling


Anna Nobis


Oliver Graf


Clara Graf


Justus Graf


Lennard Graf


Mädchenpower aus Deutschland

Zusammenfassend kann man von einer hervorragenden Veranstaltung sprechen, die in Deutschland ihresgleichen sucht.


Turnierorganisatoren

Im nächsten Jahr werden die 112. Schweizer Einzelmeisterschaften vom 12.-20.07.2012 in Flims (Graubünden) stattfinden. In diesem Rahmen wird es zur vierten Auflage des turnierbegleitenden Jugendlagers kommen. Interessierte Kinder und Jugendliche können sich gerne an GM Thomas Pähtz (thomaspaehtz@yahoo.de) wenden.


 

 

 





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