Stark besetzte Senioren-WM

06.11.2017 – Morgen beginnt in Acqui Terme die Senioren-Weltmeisterschaft, die in diesem Jahr ganz besonders stark besetzt ist. Julio Granda und Alexander Khalifman führen die Setzliste der Ü50-Gruppe an. In der Ü65-Gruppe spielen Anatoly Vaisser, Evgeny Sveshnikov, Eugenio Torre und US-Veteran James Tarjan. (Foto: Thorsten Cmiel)

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Die Senioren-Weltmeisterschaft 2017

Die FIDE widersetzt sich dem Trend an immer weniger Tagen immer mehr Partien spielen zu lassen. Bei der Senioren-Weltmeisterschaft 2017 gibt es einen Ruhetag und keine Doppelrunden. Mit elf Runden ist das Turnier ausreichend lang, um einen Sieger zu küren. Nicht zu unterschätzen ist allerdings das Thema Urlaubstage, denn der Weltschachverband definiert seit 2014 Senioren ab 50 Jahren und spielt das Turnier in zwei Altersklassen. Wer bei einer Offenen Weltmeisterschaft mitspielen möchte, der muss mit An- und Abreise immerhin zehn Urlaubstage investieren. Entsprechend ist die Zahl der Spieler in der „jüngeren“ Altersklasse (50+) geringer ausgefallen, obwohl es für den Sieger neben dem Weltmeistertitel für ein Jahr den vermutlich wertvolleren Großmeistertitel zu erringen gibt. In beiden offenen Kategorien sind 15 Geldpreise von 1200 bis 150 Euro vorgesehen.

Der noch leere Spielsaal (Foto: Thorsten Cmiel)

Spielort Acqui Terme (Italien)

Wie bereits 2015 finden auch in diesem Jahr die Senioren-Weltmeisterschaften in Acqui Terme im italienischen Piemont statt. Der Spielort ist mit knapp zwanzigtausend Einwohnern eine typische italienische Kleinstadt mit mehr als 1800 Jahren nachvollziehbarer Historie. Wie man schon dem Namen der Stadt entnehmen kann, findet sich als eine Besonderheit eine Thermalquelle in dem Ort. Wer geistige Getränke mag oder zur Kompensation seines Spiels benötigt, der kann einen bekannten lokalen Wein trinken. Zu dem Rahmenprogramm gehören eine Weinverkostung, ein Museumsbesuch am Ruhetag und zwei Blitzturniere. Das Piemont ist zudem für seine regionalen Spezialitäten und seine traditionell einfache und gute Küche bekannt.
 
Eine Warnung für zukünftige Teilnehmer bei einem von der FIDE ausgerichteten Turnier in Italien sei noch ausgesprochen: In Hotels in kleinen italienischen Städten ist es nach meiner Erfahrung üblich, dem Gast erst einmal zu erklären, dass angeblich am WLAN gearbeitet wird und daher Internet nur in der Lobby des Hotels immer empfangen werden kann. Ohne andere Schachspieler im Hotel funktioniert zumindest in meinem Hotel die Verbindung im ersten Anlauf dennoch ganz gut. Der ultimative Test wird dann wohl im Verlaufe des Turniers stattfinden, wenn die Zugriffszahlen vor allem morgens in der Vorbereitungsphase schwunghaft zunehmen. Nicht auszuschließen ist also eine Wettbewerbsverzerrung durch unterschiedliche Qualitäten des Netzzugangs in den Hotels. Immerhin hatte ich die schlechte Erfahrung mit dem Thema WLAN schon bei einem italienischen Turnier im Frühjahr gemacht und daher statt eines Windows Surfaces diesmal ein Laptop mit großer Datenbank, die mir sozusagen Offline-Datenzugang bietet, mitgebracht. Immerhin: Die Organisatoren haben zugesagt, sich im Fall des Ausfalls die Sache mit dem Hotel zu klären.

Die Teilnehmer

Das zahlenmäßig stärkste Kontingent stellen natürlich mit 55 Teilnehmern die Italiener. An zweiter Stelle kommen schon die Deutschen mit immerhin 39 Spielern. Aus dem deutschsprachigen Raum sind Österreich mit 18 und die Schweiz mit 5 Teilnehmern dabei. Erwartet werden etwa 300 Spieler aus mehr als 50 Nationen.
 
Die vier Schachturniere, Frauen und Männer spielen separat in den erwähnten zwei Altersklassen, sind prominent besetzt. In der Kategorie 50+ sind von 101 gemeldeten Teilnehmern immerhin 7 Großmeister, 17 Internationale Meister und 15 Fide-Meister. Die Top 3 sind Julio Granda Zuniga (Jahrgang 1967), ein bärenstarker Großmeister aus Peru mit einer Elozahl von 2650 und dem Ruf, ein Naturspieler zu sein. An Nummer 2 der Setzliste findet man mit Alexander Khalifman (Jahrgang 1966) einen ehemaligen FIDE-Weltmeister (1999). Der dritte der Setzliste ist der georgische Großmeister Zurab Sturua (Jahrgang 1959), der die Senioren-Weltmeisterschaft bereits 2014 in Katerini (Griechenland) für sich entscheiden konnte.

In der Altersgruppe 65+ sind immerhin 150 Teilnehmer gemeldet. Darunter 11 Großmeister, 17 Internationale-Meister und 25 Fide-Meister. Auch an diesem Turnier nehmen bekannte Spieler teil. Die Top 3 sind die Großmeister Anatoly Vaisser (Elo 2503), der für Frankreich startet und bereits viermal Senioren-Weltmeister war, der Russe Evgeny Sveshnikov (2480) und der Philippine und ehemalige WM-Kandidat Eugenio Torre (2465). Die beiden letztgenannten Spieler können sogar eigene Fußstapfen in der Eröffnungstheorie für sich reklamieren. Favorit könnte allerdings ein anderer sein: Der US-Amerikaner James Tarjan spielt zurzeit groß auf, gewann beim Turnier auf der Isle of Man gegen Vladimir Kramnik und erzielte starke 5,5 Punkte aus 9 Partien bei einem gegnerischen Elo-Durchschnitt von 2591 Punkten.

Die Piazza della Bollente (Foto: Thorsten Cmiel)

Etwas kleiner fallen die Teilnehmerzahlen bei den Frauen aus. Bei den 50+ Frauen spielen 22 Frauen um den Titel, von denen immerhin 15 Spielerinnen einen Titel vorweisen können (6 WGM, 6 WIM und 3 WFM). Bei den Frauen über 65 kann es eigentlich nur eine Siegerin geben: Nona Gaprindashvili, die von 1962 bis 1978 Frauenweltmeisterin war und die sich als erste Frau überhaupt den Großmeistertitel der Männer erspielen konnte. Die 76jährige legendäre Georgierin war bereits viermal Siegerin bei den Frauen-Senioren. Genau wie Anatoly Vaisser ist Nona Gaprindashvili in Italien, um ihren Titel aus dem Vorjahr zu verteidigen.
 
Die besten deutschen Chancen dürften Klaus Bischoff (50+) und Lothar Vogt (65+) als Nummer vier und Nummer neun der jeweiligen Setzliste repräsentieren.
 
Gespielt wird vom 7. bis 18. November im modernen Kongresssaal „Aquae statiellae“ jeweils um 14.30 Uhr. Ruhetag ist der 13. November. Die letzte Runde beginnt bereits um 14 Uhr. Live übertragen werden die ersten zwölf Bretter beider offener Altersklassen und die jeweils ersten drei Bretter der Frauen-Wettbewerbe.

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Rustam Rummsky Rustam Rummsky 09.11.2017 08:06
Öhm... Eugenio Torre kann "eigene Fußstapfen in der Eröffnungstheorie reklamieren"?

Vielleicht ja die Torre-Verteidigung, die kenne ich noch nicht. Der Torre-Angriff jedenfalls hat eher was mit "Mr. Zwickmühle" Carlos Torre zu tun.
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