Suite 470, Reykjavik

von Gerd Densing
20.03.2015 – Das heutige "Icelandair Hotel Reykjavik Natura" war 1972 das offizielle Spielerhotel während des WM Matches. Fischer bewohnte dort die Suite 470. Im Foyer des Hotels befindet sich eine Ausstellung mit Erinnerungsstücken und dem schon vermissten original Schachtisch. Doch dies bei weitem ist nicht das einzige, was Gerd Densing bei seiner Wanderung durch Reykjavik entdeckte. Mehr...

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Auf Fischers Spuren

Wanderung durch Reykjavik

Eine weitere ausgedehnte Wanderung in Reykjavik begann für mich am Vormittag der 8. Runde bei beginnendem Sonnenschein am „skelettierten Wikinger-Schiff“.

An der Küste entlang gewandert sah ich nach einigen hundert Metern „Islands berühmtestes Gästehaus“ mit Namen „Höfdi House“. In dem Haus fanden im Jahr 1986 wichtige Abrüstungsverhandlungen zwischen Ronald Reagan und Michael Gorbatschow statt. Das Haus wird auch heute noch bei Staatsbesuchen genutzt und kann von Touristen „nur“ von außen besichtigt werden.

Gästehaus Höfdi

Weiter führte mein Weg entlang der „Wall Street von Reykjavik“, denn dort befinden sich zahlreiche Bankgebäude sowie Büros weltweit tätiger Unternehmensberatungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften.
Nach ungefähr einem Kilometer erreichte ich eine kleine Landzunge mit schönem Blick auf die Skyline von Reykjavik und die Harpa weit im Hintergrund.

Harpa vom See aus

Die City Hall

Skyline

 

Kunst

Auf der Landzunge „Laugarnes“ ist lt. Reiseführern das Skulpturenmuseum „Sigurjon Olafsson Museum“ eine Empfehlung und einen Besuch wert.

Grenzstein Reykjaviks

Die Insel Videy im Hintergrund

Als ich dort war, war es geschlossen, immerhin konnte man außen ein paar bearbeitete Steine sehen. Wesentlich interessanter scheint mir aber – ein nicht in den Reiseführern und Stadtplänen enthaltener – unmittelbar angrenzender Bereich zu sein, welcher eher wie ein Schrottplatz aussieht, in Wirklichkeit aber sehr viele interessante Kunstmotive aus Metall und seltsame Figuren beherbergt. In einer der Figuren ist wohl ein Vogelnest enthalten und es ist dauerhaft ein Vogelzwitschern zu vernehmen, was bei dieser Kulisse fast schon ein wenig geheimnisvoll wirkte.

Hier wohnt der Künstler

Nach einer kurzen Kunst-Exkursion ging es an der Küste weiter in Richtung „neuem Hafen“. Dort legen üblicherweise Kreuzfahrtschiffe an – allerdings kaum bei dieser Jahreszeit an einem winterlichen März-Tag. Von dort hat man einen schönen Blick auf die nahe gelegene Insel Videy, welche in den Sommermonaten mehrmals täglich mit einer Fähre angesteuert wird und als beliebtes Ausflugsziel zählt.

Berühmt wurde die kleine Insel vor Reykjavik durch den „Imagepeace-Tower“ von John Lennons Frau Yoko Ono aus dem Jahr 2007. Dabei handelt es sich um eine weithin sichtbare Lichtprojektion eines Turms (Projektion an ausgewählten Zeiträumen).

Auf Fischers Spuren

Auf der Suche nach dem Schachtisch aus 1972 ging es dann für mich in die Sport- und Ausstellungshalle „Laugardalshöllin“, in welcher das legendäre Match zwischen Fischer und Spassky stattfand.

Die alte Halle

Der neue Anbau

Bereits im Empfangsbereich hingen ein paar Bilder bzw. Karikaturen des Matches von 1972. Ein Sportlehrer/Trainer (nicht Schach) führte mich ein wenig herum zur Bühne, wo das Match stattfand und auch in den Raum, in welchem die 3. WM-Partie ausgetragen wurde. Besondere Erwähnung fand ein Fenster oberhalb der Bühne, welches extra für eine weitere Fernsehkamera eingerichtet worden war.

Doch der Schachtisch von 1972 war in der Sporthalle nirgends zu finden. Als einzige „Reliquie“ zeigte man mir aber ganz stolz das Gästebuch des WM-Matches 1972 mit den Unterschriften der beiden Spieler!

Am letzten Tag meiner Island-Reise nutzte ich dann noch die Gelegenheit, das seinerzeitige Spielerhotel zu besuchen. Das heutige „Icelandair Hotel Reykjavik Natura“ liegt direkt am Tower des Stadt-Flughafens. Fischer bezog bereits 1972 für die Dauer des WM-Matches die Suite 470 und wohnte nach seiner Rückkehr im Jahr 2005 für einige Monate in der gleichen Suite.

Ihm zu Ehren und als dauerhafte Erinnerung an einen besonderen Gast hat das Hotel im Jahr 2013 eine schön und auch liebevoll eingerichtete Ecke reserviert, in welcher einige Ausstellungsstücke zu sehen sind, unter anderem dann den bereits als verschollen geltenden Schachtisch. Dieser ist zwar inzwischen mit einer großen Plexiglasplatte überzogen, aber dennoch gut zu besichtigen. Und wie bereits bei dem Schach-Museum in Selfoss war im März 2014 bereits Garry Kasparov auch an dieser Stelle und hat sich im ausliegenden Gästebuch verewigt.

Der Figurensatz von 1972

Na also, der Schachtisch

... mit den Signaturen der beiden Spieler

 

Kasparov was here

Kasparovs Eintrag im Gästebuch

Bokinn

Henrik Danielsen schlug David Navara

Auf Empfehlung des netten isländischen Großmeisters Henrik Danielsen habe ich mich dann im Innenstadtbereich noch auf die Suche nach einem Thai-Restaurant gemacht, welches Fischer oft aufgesucht habe. Das Restaurant habe ich leider nicht gefunden, aber zum Abschluss meines Stadtrundgangs noch das Buchgeschäft gefunden, in welchem Fischer an seinem Lebensabend wohl sehr sehr viele Stunden verbrachte und wohl auch das ein oder andere Mal eingeschlafen sei, wie der Buchhändler mir erzählte.

In der betreffenden Ecke findet man noch einen Tisch mit Schachbrett (der Stuhl ist ja jetzt in Selfoss ausgestellt), und auch ein paar Schachbücher finden sich dort – die habe Fischer allerdings nicht gelesen, sondern Lieblingslektüre sei gewesen, die Zeitschrift „National Geographic“. Einige ältere – ausgelesene – Ausgaben lagen auch heute noch dort herum.

Fischers Lieblingsecke, von außen gesehen

... und von innen


Reykjavik Open 2015

Fazit meiner Island-Reise und zum Turnier:

Es war ein sehr gut organisiertes interessantes Turnier mit vielen netten Gästen (u.a. Magnus Carlsen), Spielerinnen und Spielern in einer einzigartigen Umgebung („Harpa“) mit einem verdienten Sieger Erwin L’Ami, welcher glänzendes Schach zeigte. Im Vergleich zum Vorjahr wurden im Turnier deutlich mehr Normen erzielt und zwar eine GM-Norm und sieben IM-Normen, darunter auch eine IM-Norm für den deutschen FM Jonas Rosner. Herzlichen Glückwunsch dazu! Während in der ersten Woche das Wetter sehr schlecht war und etwas auf die Stimmung drückte, zeigte sich in der 2. Woche des Öfteren die Sonne und auch Polarlichter waren zu sehen, sodass auch Gelegenheit für viele Schnappschüsse bestand. Reykjavik ist eine überschaubare und gemütliche Stadt, in welcher sich die diversen Sehenswürdigkeiten hervorragend zu Fuß erkunden lassen. Das Turnier und ein Reykjavik-Besuch ist auf jeden Fall eine Empfehlung wert!

Die Spitzenpartien der letzten Runde

Islands erste Großmeister: Fridrik Olafsson

Pavel Eljanov kommentier seinen Sieg in der letzten Runde

Die Schlussfeier mit Preisverleihung

Die Sieger

Die Spieler ab Platz vier

Die drei besten Damen des Turniers

Die Kommentatoren Fiona und Ingvar


 

 



Gerd Densing ist ein begeisterter Vereins- und Turnierspieler. Seine Eindrücke hat er in vielen Berichten auf der ChessBase-Nachrichtenseite festgehalten.
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