Thilo Gublers 5-Tagebuch

02.07.2003 – Der erfolgreiche Start des Bundesligaportals im letzten Jahr war vor allem ein Verdienst von Thilo Gubler, der den größten Teil der redaktionellen Arbeit erledigt hat. Der Internetspezialist, Organisator und "Schacharbeiter" ist außerdem für den Webauftritt des Bundesligisten Baden-Oos verantwortlich. Am letzten Wochenende veranstaltete SAP in Walldorf seine SAP Chess Weekend. Cheforganisator: Thilo Gubler. Mit Almira Skripchenko und Antoaneta Stefanova waren zwei Weltstars des Frauenschachs am Start. Thilo Gubler ließ es sich natürlich nicht nehmen, die beiden jungen Damen selbst zu betreuen. Das Leben macht Spaß. Hier sein Bericht: Thilo Gublers 5-Tagebuch...

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Das 5-Tagebuch mit zwei Weltstars des Frauenschachs!

Mittwoch kurz nach 16 Uhr. Mit etwa 10-minütiger Verspätung erreicht der Zug aus Paris die Fächerstadt Karlsruhe. Der Inhalt: die Weltranglistendritte Almira Skripchenko, deutsche Mannschaftsmeisterin mit dem SC Baden-Oos und Europameisterin des Jahres 2001. Die Begrüßung: "Ich habe Hunger". Die Ursache: im Zug gab es nichts zu futtern. Die Abhilfe: das Marché am Ludwigsplatz im Zentrum der badischen Metropole.

Obwohl Karlsruhe knapp 50 km von der Walldorfer SAP Zentrale - dem Veranstaltungsort des SAP Chess-Weekend 2003 - entfernt liegt, bietet sich die Stadt als Unterkunft für die beiden sympathischen Mädels an. Im City-Hotel direkt am Europaplatz mitten in der Fußgängerzone gab es Kneipen, Boutiquen und - vor allen Dingen - ein Internet-Café ganz in der Nähe. Und bedingt durch die wohnliche Nähe einer der beiden Organisatoren - ich - war der Transfer zwischen dem Hotel und der SAP-Zentrale nur ein kleines organisatorisches Problem.

Während sich Almira nach ihrem undefinierten aber feinem Marché Hühnerauflauf von ihrer 5-stündigen Reisestrapaze in ihrem Hotelzimmer erholte, kündigte sich bereits Antoaneta Stefanova per SMS auf 19 Uhr im Karlsruher Hauptbahnhof an. Die ersten Kontakte zur 24-jährigen attraktiven Bulgarin wurden bereits im Oktober 2002 in Antalya-Side in der Türkei anlässlich der europäischen Mannschaftsmeisterschaften geknüpft obwohl zu diesem Zeitpunkt das SAP Chess-Weekend 2003 noch völlig in den Sternen lag. Kurz nach 19 Uhr traf der vom Frankfurter Flughafen kommende ICE in Karlsruhe ein. Und dann stand sie plötzlich da: GM Antoaneta Stefanova, Weltranglistenzweite und Europameisterin des Jahres 2002! Sie erkannte mich sofort wieder..

Der Abend am Mittwoch

Im Hotel angekommen verabredeten wir uns auf halb neun zum Abendessen im El Taquito, einem beliebten Mexikaner ganz in der Nähe. Nach dem leckeren Abendmahl mit Apfelsaft, Cola, einem 6 EUR Mojito für Antoaneta und einem 6,50 EUR Banana Colada für mich wurde es höchste Zeit für die ersten Photos. Anschließend ging es wieder zurück ins City-Hotel, Entspannung der täglichen Reisestrapazen waren angesagt..

Warten auf das Abendessen im El Taquito, dem Mexikaner in der Karlsruher City

Diese Grübchen...

...und dieses Lachen...

Das SAP Simultan am Donnerstag

Den Donnerstag verbrachten die beiden Mädels mit den Zimmernummern 406 und 407 erst einmal ohne professionelle Betreuung. Nach einem langen und erholsamen Schlaf mit Shopping und Sightseeing kam der Abholdienst gegen 16:30 Uhr vorbei und brachte beide ins Ristorante Riviera, einem feinen Italiener mitten im malerischen Städtchen Walldorf. Nur wenige Minuten später trafen dann auch Ketino Kachiani-Gersinska - deutsche Nummer 1 und dritte Simultanspielerin - mit Ehemann Jürgen zur gemeinsamen Simultan-Henkersmahlzeit ein.

Das abendliche SAP Simultan ist schnell erzählt: Ketino, die im September den zweiten Neuzugang erwartet, gewann fast alle ihre Partien, lediglich ein Spiel endete Remis. Antoaneta verlor eine Partie bei vier Unentschieden und Almira schaffte zur Freude ihrer teils starken Gegnerschaft aus der 2. Herren-Bundesliga vier Niederlagen bei drei Remis. Die ganze vor dem Simultan aufgebaute Anspannung hatte sich danach wie in Luft aufgelöst, die Mädels wurden lockerer. Zurück in Karlsruhe wurde der Abend nach einem Besuch im Cafe Dom bei zwei "White Russian" zu je 6 EUR friedlich beendet.

Almira am Zug gegen Dr. Wolfgang Koch

Almira hochkonzentriert

Ketino

Antoaneta mit geschärftem Blick

Antoaneta

Nach dem Job ein paar auflockernde Gespräche mit den Simultangegnern.

Den Vorschlag "ein Bild mit den beiden Mädels" nahm er dankbar an: der vierfache Internet-Weltmeister im 1-Minuten Blitzschach GM Roland Schmaltz vom Schachclub Baden-Oos. Die Röte in seinem Gesicht rührt von Kamera-Farbfehlern

Almira von ihrer linken Schokoladenseite...

... und von ihrer vorderen Schokoladenseite!

Auch das muss sein: Die Abrechnung mit Peter Schell vom Schachverein Walldorf, Mitorganisator des SAP Chess-Weekend.

Der SAP School-Cup am Freitag

Während sich das normale Schachvolk auf das Wochenende vorbereitete, freuten sich die Organisatoren und Helfer auf über 140 Schüler aus drei unterschiedlichen Altersklassen. Und alle Schüler konnten mit einem Geld- oder Sachpreis, Pokale und Urkunden die Heimreise antreten.

Der SAP-School-Cup am Freitag Nachmittag

Der Freitag Abend

Der Freitag wurde bereits im Vorfeld zum "Free-Day" erklärt, der Betreuerstab (ich) hatte sich beim SAP School-Cup gemeinsam mit Peter Schell und den vielen Helfern der veranstaltenden Vereine Baiertal-Schatthausen und Walldorf um die Kids zu kümmern. Doch eine abendliche Pflichtveranstaltung gab es dennoch: der Diskothekengang mit Photo-Session im Diskopark CO2 in Karlsruhe-Hagsfeld. Doch zuvor wurde noch das Kaffee Museum in der Karlsruher City unsicher gemacht. Dabei erfuhr der Verpflegungsgeber vom Mittagsmahl der beiden Spielerinnen beim Japaner mit einem satten 60 EUR Schadensbeleg. Meine tadelnden Blicke haben gewirkt, die zukünftigen Rechnungen fielen deutlich günstiger aus...

Im Kaffee Museum sorgt die deutsche Getränkekarte für etwas Verwirrung.

Der Diskopark CO2 besteht aus insgesamt drei Tanzschuppen: das "Joy" mit satter Trance / Black Music, dem "Mambo" für die etwas älteren tanzbegeisterten Schlagerfans und dem "Erlebnisgasthof Apfelbaum" in dem bei deutscher und internationaler Musik "sprichwörtlich der Bär steppt". Im Joy eingetroffen fühlten sich die beiden Europameisterinnen gar nicht wohl, die Musik war diesmal aber auch wirklich viel zu technolastig weil ausgerechnet der Stamm DJ Alex Urlaub hatte. Um den beiden Mädels eine Abwechslung zu bieten wurden sie ins berüchtigte Apfelbaum geführt und da ging dann die Party los. Nach 6 Tequilla zu je 2 EUR fünfzig, Peter Schillings "völlig losgelöst" sowie ein paar Gläser Cola davor und danach war es schon wieder Zeit fürs Hotel, immerhin galt es am nächsten Tag einigermaßen fit in das SAP Rapid-Open zu gehen.

Im Joy...

Antoaneta

Die Musik behagt Almira überhaupt nicht, aber kurz darauf gehts in den Apfelbaum und die Stimmung steigt dramatisch an...

Im "Apfelbaum" kurz vor der Heimfahrt noch einen kleinen Umtrunk: Mineralwasser mit Zitrone...

Das SAP Rapid-Open am Samstag

Am Samstag Morgen ging es dann pünktlich mit 15-minütiger Verspätung Abfahrt vom City-Hotel Richtung Walldorf. Der Frauenbonus wurde auf der Autobahn wieder wettgemacht, denn immerhin warteten über 180 Teilnehmer auf die frisch ausgedruckten Teilnehmerlisten im mitgeführten Organisationskoffer. Und es fing gar nicht so berauschend an für die zwei. Insbesondere Antoaneta zeigte Schwächen von den nächtlichen Strapazen. Doch mit einem kräftigen Schlussspurt mit 4 Siegen machte sie ihren 50%-Fehlstart aus 7 Partien wieder wett und gewann den zweiten Damen-Preis hinter der punktgleichen Almira. Der Abend wurde wegen Arbeitsüberlastung des Betreuers kurzerhand zum "Free-Evening" für die beiden Mädels erklärt.

Anna kann mit ihrer 7-Punkte-Ausbeute sehr zufrieden sein. Seht nur wie elegant sie den Zeigefinger zur Uhr bewegt...

Einträchtig nebeneinander...

Platz 3 und 4 in der Damenwertung: Anna Dergachova-Daus und Ketino Kachiani-Gersinska. Anna unterlag hier allerdings gegen den für Kirchheim in der 2. Bundesliga am Spitzenbrett spielende IM Dr. Oswald Gschnitzer. Keti spielte lange Zeit vorne mit, hatte nach 9 Runden hervorragende 6,5 Punkte aufzuweisen. Doch mit den beiden Niederlagen ind Runde 10 und 11 rutschte sie ins vordere Mittelfeld ab.

Ein Photo mit Seltenheitswert: Almira und Antoaneta nebeneinander in Runde 4. Almira gewann gegen Faruk Osmanovic, der sich mit 7 Punkten trotzdem noch den 1. Platz (100 EUR-Schein) in seiner Rating-Gruppe sichern konnte. Antoaneta siegte gegen Dr. Frank Krahe, man kann seinen Schatten nur erahnen.

Rainer Buhmann vergab in der letzten Runde bei 8,5 Punkten und alleiniger Tabellenführung den Sieg des SAP Rapid-Open. Mit den schwarzen Steinen verlor er gegen Mikhail Zaitsev. Im Hintergrund gewann Henrik Teske mit Schwarz gegen Klaus Bischoff. Der grausame Unterschied zwischen den beiden Großmeistern: 525 EUR Preisgeld, allerdings hatte Henrik Teske vor der Begegnung schon einen halben Zähler mehr auf seinem Konto.

Andreas Schenk, deutscher Blitz-Mannschaftsmeister mit dem SC Baden-Oos

Der Sieger des SAP Rapid-Open: Fabian Döttling vom Bundesligisten SC Baden-Oos. Gerade mal zwei Wochen ist es her, dass er gemeinsam mit Andreas Schenk, Roland Schmaltz und Philipp Schlosser die deutschen Blitz-Mannschaftsmeisterschaften gewonnen hat.

Sein Lächeln ist unwiderstehlich. Der "Joker" stach aber heute nicht. Nach 9 Runden knapp hinter der Spitze verlor er gegen Klaus Bischoff und Hannes Rau und landete im oberen Mittelfeld: IM Rolf Schlindwein, vor nicht einmal drei Jahren noch mit Baiertal-Schatthausen am 1. Brett in der 1. Bundesliga, jetzt beim SC Untergrombach...

Almira in der 11. und letzten Runde mit Remis gegen Oliver Brendel (rechts, nicht mehr im Bild). Mit 7,5 Punkten hat sie sich ein 10 EUR Herren-Preisgeld erspielt, als beste Dame dagegen den 25-fachen Betrag! Neben Almira denkt IM Anatoli Donchenko.

Die Abreise am Sonntag

Das Flugzeug sollte bereits um 10 Uhr morgens den Frankfurter Flughafen verlassen und mit einer nur halbstündigen Verspätung ging es dann auch pünktlich um acht von Karlsruhe los. Nach einer kleinen Polizeikontrolle mit TÜV-Ermahnung ging alles sehr sehr schnell: um neun Verabschiedung am Frankfurter Flughafen von Antoaneta, dann zurück nach Karlsruhe, Frühstück im Marché (Rühreier mit Joghurt und Milchkaffee) und anschließend Transfer von Almira zum Bahnhof.

Und das Letzte...

Es war eine sehr positive Erfahrung einmal ein frauenlastiges Event zu organisieren. Wer einmal eine solche Veranstaltung durchführen möchte sollte auch die Möglichkeit z.B. eines Frauensimultans in Betracht ziehen, die Simultangegner werdens danken. Gerne leite ich Anfragen an die drei Spielerinnen Keti, Almira und Antoaneta weiter. Provisionsfrei versteht sich!

Thilo Gubler


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