Unterhaltsam und informativ: New in Chess

von Johannes Fischer
09.07.2014 – 106 Seiten DIN A4 hat "New in Chess", daraus könnte man ein kleines Buch machen. Die holländische Zeitschrift, die auf Englisch veröffentlicht wird, erscheint acht Mal im Jahr und die aktuelle Ausgabe bietet wieder viel Interessantes. Unter anderem ein Interview mit Magnus Carlsen und ein Porträt von Schachenthusiast Stanley Kubrick. Mehr...

ChessBase 14 Download ChessBase 14 Download

ChessBase 14 ist die persönliche Schach-Datenbank, die weltweit zum Standard geworden ist. Und zwar für alle, die Spaß am Schach haben und auch in Zukunft erfolgreich mitspielen wollen. Das gilt für den Weltmeister ebenso wie für den Vereinsspieler oder den Schachfreund von nebenan.

Mehr...

"Man sitzt am Brett und plötzlich macht das Herz einen Sprung. Die Hand zittert und will nach einer Figur greifen und ziehen. Aber Schach lehrt einen, dass man ruhig bleiben und nachdenken muss, ob das wirklich eine gute Idee ist, und ob es andere, bessere Ideen gibt."

Dieses Zitat stammt von Regisseurlegende Stanley Kubrick (1928-1999), der mit Filmen wie Dr. Seltsam oder wie ich lernte, die Bombe zu lieben, 2001: Odyssee im Weltraum, Clockwork Orange oder Full Metal Jacket Filmgeschichte schrieb. Kubrick war leidenschaftlicher Schachspieler und in der neuesten Ausgabe des New in Chess Magazins analysiert Adam Feinstein ausführlich, wie das Schach Kubricks Filme und sein Denken beeinflusst hat.

Stanley Kubrick beim Dreh von "Barry Lyndon" (Foto: Wikipedia)

Artikel wie dieser sind typisch für die Mischung aus anspruchsvollen Analysen, umfangreichen Turnierberichten, Interviews und Geschichten aus der Schachgeschichte, die das New in Chess Magazin so reizvoll machen. Das Cover der aktuellen Ausgabe ziert Magnus Carlsen.

Cover der aktuellen Ausgabe

Nachdem Vishy Anand in Ausgabe Nummer 3/2014 seinen überraschenden Sieg beim Kandidatenturnier in Khanty-Mansiysk kommentiert hat, kommt jetzt der norwegische Weltmeister in einem Interview mit Dirk Jan ten Geuzendam zu Wort.

Cover der Ausgabe 3/2014

Aber Carlsen spricht nicht über die zwei Weltmeistertitel, die er bei der Blitz- und Schnellschachweltmeisterschaft Mitte Juni in Dubai gewonnen hat, sondern über seinen Sieg im Vugar Gashimov Memorial Ende April. Woraus man sehen kann, dass New in Chess, das acht Mal im Jahr erscheint, ausführliche Hintergrundberichte höher schätzt als Aktualität.

Weitere Turnierberichte stammen von "King" Loek Van Wely, der verrät, warum er nicht mehr in die USA reisen darf, und stattdessen Abenteuer in Australien erlebte und Anish Giri, der ganz auf die Risiken langer Fernreisen verzichtet hat und es unter dem Motto "Travels on my Laptop" vorzog, das Turniergeschehen in aller Welt am Computer zu verfolgen. Jan Timman plaudert über das 23. Sigeman-Turnier in Malmö und Vladimir Barsky forscht nach den Gründen für die jüngsten Erfolge von Alexander Grischuk, mittlerweile die Nummer drei der Welt.

Freunde der Polemik sind bei Nigel Short gut aufgehoben. In der aktuellen Ausgabe seiner Kolumne "Short Stories" philosophiert er gewohnt selbstbewusst und souverän maliziös über Schach, Religion und den Zusammenhang zwischen Langlebigkeit und Misanthropie.

Nigel Short bei Materialsuche für seine "Short Stories"?

Hans Ree nutzt die neu erschienene Botvinnik-Biographie von Andrew Soltis zu Betrachtungen über das Schach in der Sowjetunion und zu Erinnerungen an Botvinnik, Euwe, Jan Hein Donner und an alte Zeiten; Matthew Sadler rezensiert Bücher, die sich mit frühem f3 beschäftigen, und Dmitri Reinderman bekennt in der Rubrik "Just Checking", wovor er am meisten Angst hat, was er von Jean-Paul Sartre und was er vom Dalai Lama gelernt hat.

Zwischendrin erfährt man im Heft nette Nebensächlichkeiten, zum Beispiel, dass Justin Bieber als Schüler Mitglied seiner Schulmannschaft war, oder warum Hikaru Nakamura in letzter Zeit so pointiert viel Red Bull trinkt.

Also erneut 106 Seiten vorzügliche Schachunterhaltung. Die es seit kurzem auch digital fürs Tablet gibt - mit integrierter Nachspielfunktion für alle Partien und Analysen.

New in Chess, 4/2014, 106 Seiten DIN A4, 11,99€
www.newinchess.com


Themen New in Chess

Johannes Fischer, Jahrgang 1963, ist FIDE-Meister und hat in Frankfurt am Main Literaturwissenschaft studiert. Er lebt und arbeitet in Nürnberg als Übersetzer, Redakteur und Autor. Er schreibt regelmäßig für KARL und veröffentlicht auf seinem eigenen Blog Schöner Schein "Notizen über Film, Literatur und Schach".
Discussion and Feedback Join the public discussion or submit your feedback to the editors


Diskutieren

Regeln für Leserkommentare

 
 

Noch kein Benutzer? Registrieren