UTD Einladungsturnier

24.03.2011 – Mannschaftswettkämpfe im Schach werden in den USA vor allem von den Universitäten getragen und organisiert. Bei den Pan-American Intercollegiate Mannschaftsmeisterschaften im vergangenen Dezember konnte das Team der University of Texas, Dallas alle drei Konkurrenten besiegen und qualifizierte sich damit für das Halbfinale, das Anfang April ausgetragen wird. Zur Vorbereitung wurden sechs Großmeister eingeladen, die gegen die Spieler des UTD-Teams, darunter mit Ray Robsen und Alejando Ramirez zwei bekannte Turnierspieler, im Scheveninger System spielten. Dejan Bojkov nahm daran teil und berichtet über ein schweres Stück Arbeit, das vor allem am Ruhetag zu erledigen war. Bericht, Bilder, Partien...

UTD-Einladungsturnier
Text: Dejan Bojkov Fotos: James Stallings & UTD

Die Abkürzung UTD steht für The University of Texas, Dallas.

Das Halbfinale der Universitätsmeisterschaften rückt näher und die Mannschaft der University of Texas rüstete sich für diese Wettkämpfe. Das Halbfinale wird am ersten April-Wochenende, am 2. und 3. April, im Hauptgebäude der Beratungsfirma Booz Allen Hamilton gespielt. Und alle Mannschaften kennen nur ein Ziel: Die drei anderen Mannschaften schlagen und den Präsidentenpokal gewinnen.

Bei den Pan-American Intercollegiate Mannschaftsmeisterschaften im Dezember konnte das Team der University of Texas alle ihre drei Konkurrenten (die alle mit 3 GMs und 1 IM antraten) besiegen. Dabei boten die gegnerischen Mannschaften Großmeister wie Gareev, Kuljashevic, Erenburg, Bachman und andere starke Spieler auf. „Im Dezember war es nicht leicht und wir rechnen auch nicht damit, dass es dieses Mal leicht wird”, erklärt James Stallings, Leiter der Schachprogramms und treibende Kraft hinter dem Schachprogramm der Universität. Er bildet zusammen mit Luis Salinas und Trainer Rade Milovanovic eine erfolgreiche Einheit, die das Schachprojekt gemeinsam vorantreibt.



Als Vorbereitung auf das Halbfinale spielte die Mannschaft der Texaner ein Turnier, zu dem sechs Großmeister eingeladen wurden, die gegen die Mannschaft aus Dallas 6 Doppelrunden nach Scheveninger System spielten. Die ersten sieben Runden waren hart umkämpft – es stand 21-21 – und James begann zu überlegen, ob bei Gleichstand am Ende des Turniers zusätzliche Schnellpartien über den Sieg entscheiden sollten.

Dann kam der freie Tag. Auf dem Programm standen ein offizielles Essen mit den Sponsoren, Schaupartien vor der Universität, Fernsehinterviews und ein Besuch im Museum für Zeitgenössische Kunst.

Die zwei Partien, die wir mit großen Figuren vor dem Campus gespielt haben, waren äußerst unterhaltsam. Die Figuren waren sehr schwer (sie bestanden aus indonesischem Teakholz) und keiner der Spieler wollte rochieren (der König allein wog mindestens 20 Kilo). Wir (das GM-Team) kamen in der ersten Partie mit Weiß ziemlich leicht zu einer Gewinnstellung, aber stellten dann eine Figur ein. Irgendwann tauchte eine kleine Eidechse auf und wollte dem UTD-Team helfen, aber als Coach Milovanovic sah, dass die Eidechse kein Stipendium hatte, verscheuchte er sie vom Brett.

























In der zweiten Partie, in der wir Schwarz hatten, gelang uns die Revanche, und da diese Partie vom Fernsehen aufgezeichnet wurde, waren wir der moralische Sieger des Mini-Wettkampfs. Übrigens nicht das einzige Mal, dass sich die Medien für uns interessierten. Zur letzten Runde kamen Journalisten der Dallas Morning News, um Interviews zu machen und jede Menge Fotos zu schießen.








Nach dem Ruhetag brach das Studententeam zusammen. In der achten Runde gewannen wir mit zwei Punkten Vorsprung, und in der nächsten Runde verprügelten wir die Studenten mit 5,5-0,5, dem höchsten Wettkampfsieg in diesem Turnier. Magesh Panchanathan, der mit vier Niederlagen in Folge katastrophal gestartet war, spielte anschließend deutlich besser und konnte seine Niederlagen in der zweiten Hälfte des Turniers wieder gut machen. Interessant ist übrigens, dass Magesh der erste GM ist, der als „Eigengewächs“ aus dem UTD Schachprogramm hervorging. Auch Ray Robson, der in der ersten Hälfte des Turniers krank war, erholte sich zusehends, genau wie Julio Becerra, der mit einem Ergebnis von +3 am Ende sogar auf dem geteilten zweiten Platz landete. Dafür verlor der Top-Scorer des UTD-Teams, Ioan Chirilla, einige Partien und kam am Ende lediglich auf 6,5/12. Alejandro Ramirez, der nach der siebten Runde zeitweilig die Hürde von 2600 genommen hatte, verlor dann zwei der letzten fünf Runden – eine bittere Pille. Da er am Ende des Semesters seinen Abschluss macht, könnte er im nächsten Jahr übrigens zur Mannschaft der externen „Prüfer“ gehören.








Allerdings hatten die Studenten auch etwas zu feiern, denn Julio Sadorra holte nicht nur seine dritte und letzte GM-Norm, sondern konnte seine Elo-Zahl zugleich auf die für den Titel notwendigen 2500 Punkte verbessern. Glückwunsch an den frisch gebackenen GM! Damit wurde dieses Turniers für die UTD trotz Gesamtniederlage ein Erfolg.

Fast alle Spieler des Großmeisterteams wiesen am Ende eine positive Bilanz auf, wobei Valentin Iotov die meisten Punkte auf dem Konto hatte. Er holte vier Siege und blieb als einziger Spieler im Turnier ungeschlagen. Ich landete mit 7,5 aus 12 zusammen mit Julio Becerra auf dem geteilten zweiten bis dritten Platz. Das unterhaltsamste und schärfste Schach wurde allerdings vom ältesten Teilnehmer gespielt. Alex Shabalov spielte nur zwei Remis – die mit Abstand niedrigste Quote aller Teilnehmer.



GM Dejan Bojkov
www.dejanbojkov.blogspot.com

Turnierseite: http://www.utdallas.edu/chess/springgm/

Tabellen: http://www.utdallas.edu/chess/springgm/springgm-2011-results.html


 


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