Viel Klasse in Diekirch

von Gerd Densing
20.07.2016 – Eines der Luxemburger Traditionsturniere ist das Schnellschachturnier in Diekirch. Mitte Juli trafen sich hier Schachfreunde aus Luxemburg und den Nachbarländern. Neben einem Einzel-Pokal wurde die offizielle Luxemburger Rapid-Schnellschachmeisterschaft ausgetragen. Sebastien Feller und Andrey Orlov teilten sich den ersten Preis im Einzel. Die "Smashing Pawns" wurden Mannschaftsmeister. Mehr...

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Mehr Klasse als Masse in Diekirch - "Challenge de la ville de Diekirch"

25. Pokal der Stadt Diekirch und Luxemburger Schnellschach-Mannschaftsmeisterschaft

Letztes Wochenende (09.-10.07.2016) fand im sonnigen Luxemburgischen Diekirch ein großes Volksfest statt. Parallel dazu wurde wieder im ehemaligen Sägewerk („aal Seerei“) ein Schach-Turnierwochenende ausgerichtet.

Die „aal Seerei“

Im Vergleich zum letzten Jahr wurde erneut der Zeitmodus verändert. Während im Vorjahr bei einer Grundbedenkzeit von 15 Minuten pro Schnellschachpartie mit einem relativ langen Inkrement von 10 Sekunden je Zug gespielt wurde, wählte der Turnierausrichter das inzwischen eher übliche Schnellschach-Format 15 Minuten + 5 Sekunden Inkrement je Zug. Beim Open Sonntags wurde dann aber von bislang 7 Runden auf 9 Runden erhöht, was zum einen den Vorteil hatte, dass die sonst recht lang ausgefallene Mittagspause deutlich kürzer war und die Entscheidung über den Turniersieg weniger Auslosungs-/Zufallsbedingt war, sondern bei 9 Runden die Wahrscheinlichkeit höher war, dass die Spitzenleute alle im Turnierverlauf gegeneinander antreten mussten.

Nachdem im Vorjahr mangels Teilnehmerzahl kein Jugendturnier ausgerichtet wurde, fand dieses Jahr wieder ein Kinder- und Jugendturnier mit 20 Teilnehmern statt. Hier wurden in einer Gruppe 7 Runden nach Schweizer System gespielt. Das Jugendturnier gewann souverän mit 7 aus 7 der hoch favorisierte und sehr talentierte Michael Yankelevich, welcher schachlich eine ähnlich schnelle und steile Entwicklung wie sein älterer Bruder Lev zeigt.

Volle Konzentration

Hier die Tabellen des Jugendturniers.

Parallel dazu wurde Samstags nachmittags das Mannschaftsturnier ausgetragen. Nach Einführung des Mannschaftsturniers im Jahr 2013 und Wiederholung in 2014 und 2015 wurde es auch dieses Jahr als luxemburgische Schnellschach-Mannschaftsmeisterschaft (4er Teams) gewertet. Leider starteten nur 5 Teams, sodass die 4 Runden (round-robin) schnell gespielt waren. Mitgespielt haben Teams aus Belveaux (Smashing Pawns Bieles), Echternach, Differdange, Bettenbourg und vom Gastgebendenverein Nordstad.

Favorisiert war das stark angetretene junge Team der Smashing Pawns Bieles mit IM Tom Weber, Gilles Daubenfels, WIM Fiona Steil-Antoni und Rafael Schneider.

Fiona Steil-Antoni

Nächstes Team der Startrangliste war Echternach mit FM Serge Brittner, Ivan Lopez-Popov, Paul Oberweis und Berichterstatter Gerd Densing.

Echternach gegen Bieles

Differdange gegen Nordstad

Echternach gegen Differdange

Das Turnier war schnell entschieden, nachdem in der 1. Runde bereits Bieles gegen Echternach mit 3 zu 1 gewann und im gesamten Turnierverlauf keine Schwäche zeigte. Bieles gewann das Turnier souverän mit 8 zu 0 Mannschaftspunkten und 14 Brettpunkten, wobei besonders hervorzuheben ist, dass keine einzige Partie verloren ging sondern „nur“ 4 Remis abgegeben wurden. Echternach leistete sich gegen das Gastgeberteam einen Ausrutscher (Mannschaftsremis), wurde aber trotzdem mit 5 zu 3 Mannschaftspunkten zweiter in der Rangliste vor Differdange mit 3 zu 3 Mannschaftspunkten.

Die Smashing Pawns

 

Hier die Tabellen des Mannschaftsturniers:


Sonntags fand dann an einem durchgängig sonnigen Tag in Diekirch mit leider nur 33 Teilnehmern (Vorjahr 46) die 25. Auflage der traditionellen „Challenge de la ville de Diekirch“ statt.

Im Andenken an den im Jahr 2012 verstorbenen Vorsitzenden des Gastgebervereins „Nordstad“ war das Turnier erneut ebenso „Memorial Jos Jacob“.

Bemerkenswert war, dass das Turnier an der Spitze sehr stark besetzt war und gleich 5 Großmeister antraten. Daneben spielten noch 2 Internationale Meister sowie eine Frauengroßmeisterin mit, sodass das Turnier an der Spitze mit 8 Titelträgern so stark besetzt war wie seit vielen Jahren nicht mehr. Bemerkenswert ist, dass fast die Hälfte der Teilnehmer eine Elozahl von um 2000 oder mehr aufwies.

Als Turnierfavoriten galten neben Vorjahressieger GM Sebastien Feller als Setzlistenersten der Sieger von 2013 und 2014 GM Andrey Orlov sowie GM Thorsten-Michael Haub, welcher seit vielen Jahren in Diekirch am Open teilnimmt. Mitfavoriten sollten auch die weiteren GM Michael Feygin und Michael Hoffmann sein.

GM Michael Feygin

Der Turniermodus wurde geändert auf 15 Minuten pro Partie zzgl. 5 Sek. Inkrement und 9 Runden nach Schweizer System. Wie bereits in den Vorjahren war die erste Feinwertung die Fortschrittswertung bzw. Punktsummenwertung, sodass ein frühes Remis oder eine frühe Niederlage bereits ein großer Nachteil im Rennen um den Turniersieg sein können.

Wie immer, gab es in der diesmal deutlich kürzeren Mittagspause wieder leckere italienische Küche mit mehreren Sorten Pasta und Lasagne nebst Möglichkeit zum „Nachfassen“, wenn man noch mehr Hunger hatte.
Neben dem netten Turnierumfeld, den freundlichen Gastgebern und Teilnehmern sprechen insbesondere die hervorragenden Turnierbedingungen in der „Aal Seeerei“ für das Turnier, sodass einige der Teilnehmer – u.a. der Berichterstatter – jedes Jahr gerne wiederkommen.

Die Turnierorganisation erfolgte gewohnt routiniert und souverän durch den internationalen Schiedsrichter René Recking.

Turnierverlauf

Die erste Runde brachte bereits eine große Überraschung an Brett 5 als der Berichterstatter mit etwas Glück gegen den Echternacher Vereinskollegen IM Michael Wiedenkeller gewann. Ansonsten setzten sich jeweils die Favoriten durch.

In der zweiten Runde gab es keinerlei Überraschungen. In der dritten Runde trafen an Brett eins und Brett drei jeweils GM’s aufeinander. Sebastien Feller gewann gegen Michael Feygin und Andrey Orlov gewann gegen Thorsten-Michael Haub.

Orlov gegen Haub

Norbert Stull gegen Elvira Berend

GM Michael Hoffmann gewann gegen den Luxemburger Philippe Linster und blieb mit 3 aus 3 auch an der Spitze. Aus Sicht des Berichterstatters konnte das Turnier nicht besser beginnen. Nach einem Remis in Runde 2 und einem schönen Weiss-Sieg in Runde 3 gegen den Luxemburg-Veteran Norbert Stull war folgende Tabellensituation entstanden:

Amateur auf Platz 5 im Pulk von GM’s …

In der 4. Runde revanchierte Sebastien Feller sich bei seinem Jugendtrainer IM Fred Berend. Während er beim Echternacher Open vor wenigen Wochen nicht über ein Remis hinauskam, gewann er dieses Mal seine Partie und behielt die Tabellenführung. Die GM’s Orlov und Hoffmann einigten sich Sekunden nach Partiebeginn auf ein Remis und fielen somit im Titelrennen zurück.

Feller gegen Berend

In Runde 5 gewann an Brett 1 Sebastien Feller gegen Michael Hoffmann und behauptete seine Tabellenführung, dicht gefolgt von GM Orlov, welcher gegen IM Fred Berend gewann. Michael Feygin und Thorsten Michael Haub spielten Remis nach einer gefühlt 200 Züge langen Partie. Am Schluss waren je noch 2 Bauern auf dem Brett und Springer gegen Läufer. Es wurde „nur“ hin und her gezogen und es baute sich ein Zeitpolster auf. Erst als der Schiedsrichter anfing „mitzustricheln“ dachte man, dass es bald aufgrund der 50-Züge-Regel vorbei sein müsste. Als dann Michael Feygin einen Bauern zog, sorgte das für eine kleine Erheiterung unter den Zuschauern, aber nach wenigen Zügen wurde dann doch – ohne Schiedsrichtereingriff – professionell ein Remis zwischen den GMs vereinbart.

Mit einer Zeitverzögerung begann dann Runde 6. An Brett eins einigten sich Feller und Orlov wenige Sekunden nach Partiebeginn auf Remis, sodass der Titelverteidiger weiter unangefochten an der Spitze blieb.

Schnelles Remis an Brett 1

Das Amateurduell an Tisch zwei zwischen Ansgar Barthel und Alexander Dany endete nach ausgespielter Partie auch remis und auch die Begegnung zwischen Michael Hoffmann gegen Thorsten Michael Haub an Tisch drei endete remis. GM Michael Feygin gewann an Tisch 4 gegen WGM Elvira Berend und konnte ein wenig Boden auf die Tabellenspitze gutmachen.

Ansgar Barthel, hier gegen Tom Weber

Tom Weber

In der 7. Runde gab Sebastien Feller gegen Alexander Dany sein zweites Remis ab, konnte dank bester Zweitwertung jedoch die Tabellenführung behaupten. Andrey Orlov gewann gegen Michael Feygin und konnte so zu Sebastien Feller aufschließen. Michael Hoffmann gewann gegen Andreas Kessler und behielt Tuchfühlung zur Tabellenspitze bei noch zwei zu spielenden Runden.
In der 8. Runde gewann Sebastien Feller gegen Thorsten Michael Haub und hatte so die beste Ausgangslage für die 9. Runde und die mögliche Titelverteidigung, denn GM Andrey Orlov kam gegen IM Michael Wiedenkeller nicht über ein Remis hinaus und hatte somit einen halben Punkt Rückstand auf den Tabellenführer.

Beginn der Schlussrunde

In der Schlussrunde reichte Sebastien Feller ein Remis gegen IM Michael Wiedenkeller, um nach Feinwertung vor GM Orlov wie im Vorjahr das Turnier zu gewinnen. Orlov gewann gegen WGM Elvira Berend und kam auch auf 7,5 Punkte aus 9 Runden.

Dame gegen zwei Türme bei Elvira Behrend und Andrey Orlov

Rang drei erreichte Michael Hoffmann mit 6,5 Punkten vor Michael Feygin und Thorsten-Michael Haub mit je 6 Punkten. Die Schlussrangliste gleicht an der Spitze – nach teilweise spannendem Turnierverlauf – sehr der Startrangliste.

Den Frauenpreis gewann konkurrenzlos WGM Elvira Berend mit 5,5 Punkten auf Platz 9.

Damenpreis für Elvira Berend

Der Berichterstatter ist nach einem sehr guten Turnier mit 5 Punkten auf Platz 14 nur Haarscharf am Ratingpreis in der Kategorie unter 2000 ELO vorbeigeschrammt.

Hier die Abschlusstabelle und Fortschrittstabelle:

Fazit: Es war auch 2016 wieder ein sehr schönes, spannendes Schach-Event über 2 Tage. Bleibt zu hoffen, dass nächstes Jahr an allen Turnieren (Jugend- und Mannschaftsturnier/Open) wieder deutlich mehr Teilnehmer in Diekirch spielen.

Hier noch der Link auf die Turnierhomepage...

 

 

 



Gerd Densing ist ein begeisterter Vereins- und Turnierspieler. Seine Eindrücke hat er in vielen Berichten auf der ChessBase-Nachrichtenseite festgehalten.
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