Vorsicht Falle!

08.05.2008 – Wie viel Theorie muss man können, um in einer neuen Eröffnung die ersten Gehversuche ohne große Unfälle unternehmen zu können?. Andrew Soltis' Antwort lautet: "Das absolut mindeste ist: Sie müssen die Fallen kennen, die in Ihren Eröffnungen auftreten”! (GM Andrew Soltis in Grandmaster Secrets: Openings). Wenn man sich nicht ausgerechnet die Najdorfvariante oder eine ähnliche Modeeröffnung ausgesucht hat, sollte man bei Kenntnis typischer Fallen überleben können. Dies gilt besonders für Eröffnungen wie die Pirc-Verteidigung oder den Stonewall der Holländischen Verteidigung, die man, ausgestattet mit ein paar grundsätzlichen Positionskenntnissen, eigentlich intuitiv spielen kann. Doch auch hier lauern Fallstricke, vor denen selbst starke Spieler nicht gefeit sind, wie ein aktuelles Beispiel zeigt. So wurde Elisabeth Pähtz bei der vergangenen Europameisterschaft das Opfer einer Falle mit einer zudem interessanten Vorgeschichte.1000 Eröffnungsfallen...; Thomas Luther: Philidor... , CBM 123 mit Fallenrubrik...Falle vermeiden...

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Vorsicht Falle!
Von Rainer Knaak

Kann man eigentlich einfach mal so eine neue Eröffnung spielen? Im Prinzip schon, es sollte vielleicht nur nicht gerade das Najdorf-System sein oder ein ebenso theorielastiger Spielanfang.





Das ist die Hauptstellung der geschlossenen Version der Philidor-Verteidigung mit über 2600 Partien in der Mega Datenbank (Beiträge zu dieser Variante von GM Ftacnik in CBM 123 und gerade in Arbeit - CBM 124). Sie ist variabel spielbar (u.a. mit 8...a5 und 8...b6) und solide außerdem. Doch wie kommt man dahin?

Ein Baum (z.B das Powerbook 2008) zeigt überraschend, dass die große Mehrzahl der Partien gar nicht mit 1.e4 e5 beginnt, vielmehr spielt man 1...d6 2.d4 Sf6 3.Sc3 und erst jetzt 3...e5. Danach ist alles einfach: 4.Sf3 Sbd7 5.Lc4 Le7 6.0-0 0-0 7.Te1 c6 8.a4. Das einzige, was man wissen sollte, ist, dass 6.Lxf7+ völlig ungefährlich, ja sogar schlecht ist.

Doch was ist, wenn es über die originale Zugfolge der Philidor-Verteidigung geht? Also 1.e4 e5 2.Sf3 d6 und nach 3.d4 muss Schwarz bereits eine Entscheidung fällen: 3...Sf6 4.dxe5 Sxe4 5.Dd5 und Weiß hat mehr vom Spiel, deshalb besser 3...Sd7 und nach 4.Lc4 




ist eine kritische Stellung entstanden.

Schwarz muss mehrere neuralgische Punkte im Auge haben, nämlich f7, g5 und d5. Man kann es auch anders formulieren: Es gibt hier einige Eröffnungsfallen, die man einfach kennen muss, wenn man sich auf das Ganze einlässt. Kein Thema ist natürlich 4...Sgf6? 5.dxe5 dxe5 6.Sg5.

Auf der CD "1000 Eröffnungsfallen" wird der Zug 4...Le7? behandelt. Mit 4...h6? beschäftigt ich mich kürzlich in der Kolumne "Eröffnungsfalle" im ChessBase Magazin, Ausgabe 120.

Der einzig richtige Zug ist 4...c6. Aber nach 5.c3!? muss Schwarz noch einmal sehr aufmerksam sein. Der beste Zug 5...Sgf6 wird überraschenderweise fast nie gespielt. Stattdessen fallen die Leute reihenweise mit 5...Le7? 6.Db3 herein.

Der Zug  4...Le7 sieht sehr natürlich aus und Schwarz scheint damit nicht viel falsch machen zu können. Und so finden sich immer wieder sogar starke Spieler, die in die Falle gehen, nach Najdorf, Hübner, Movsesian und vielen anderen erwischte es nun Elisabeth Pähtz bei der Frauen-Europameisterschaft in Plovdiv.



Schade, denn das war die einzige Partie, die Elisabeth dort verlor. Hätte sie sich die Partien ihres Vaters GM Thomas Pähtz angeschaut, dann hätte sie diese Falle mit Sicherheit vermieden.

Stefanova,A - Paehtz,E 1-0
Kaeser,U - Paehtz,T 1-0
Kosteniuk,A - Skripchenko,A ½-½


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