WCC 2016 in New York: Als Karjakin gewann

22.11.2016 – Partie sieben zwischen Carlsen und Karjakin hatte der New Yorker Maxim Dlugy live im Fulton Market verfolgt, bei Partie acht wollte er wieder dabei sein. Zumindest zu Beginn, denn am Nachmittag musste er Schachunterricht geben. Zeit zum Blitzen gegen Nepomniachtchi und Caruana fand er trotzdem. Und Carlsen und Karjakin spielten ja auch noch. Ein Blick hinter die WM-Kulissen...

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World Chess Championship New York 2016
Von Maxim Dlugy

 Line with tickets before game No. 8

Die New Yorker wollen Carlsen und Karjakin sehen

Als ich eine halbe Stunde vor Partiebeginn zum Fulton Market kam, wusste noch niemand, dass die achte Partie die bislang aufregendste des Wettkampfs sein würde.

Die Beschleunigungsfigur

Ich traf Alex Khalifman und Gennady Nesis, der es allerdings mittlerweile geschafft hatte, Zutritt zum VIP-Bereich zu bekommen. Gennady kam schnell auf ein Spiel zu sprechen, das er in den USA bekannter machen will: Tensor-Schach.

Lev Alburt and Gennady Nesis

Lev Alburt und Gennady Nesis

Beim Tensor-Schach dient eine bestimmte Figur - der Tensor - als Zugbeschleuniger. Figuren können über das Feld, auf dem der Tensor steht, ziehen, und dürfen danach noch einmal ziehen. Das sorgt für spannende Partien und unterhaltsame Komplikationen. Am Dienstag wird diese Schachvariante dem New Yorker Publikum vorgestellt - allerdings nicht am Ort der WM - und vielleicht schaffe ich es ja, bei dieser Veranstaltung vorbeizuschauen.

Ian Nepomniachtchi betritt den Saal

Ich holte mir gerade einen Kaffee, als ich sah, wie Ian Nepomniachtchi hereinkam als sei er ein waschechter New Yorker. Ich freute mich ihn zu sehen, denn es macht immer Spaß mit ihm zu analysieren und zu blitzen. Weitere VIP-Gäste trafen ein, darunter auch der dreifache U.S.-Meister Lev Alburt. 

Ich unterhielt mich kurz mit Espen Agdestein, dem Manager von Magnus Carlsen. Er stellte fest, dass die ersten sieben Partien zwar Remis wurden, aber die Spannung trotzdem immer weiter steigt. Ich meinte, wenn der Wettkampf tatsächlich erst im Armageddon entschieden werden sollte, dann würden diese neun Minuten der Armageddon-Partie die meist gesehenen neun Minuten aller Zeiten werden und den großen Boxwettkämpfen bei den Zuschauerzahlen Konkurrenz machen.

Ian Nepomniachtchi, Gennady Nesis und Fabiano Caruana

Sieg durch Erstickung, trotz zweier Minusbauern

Nachdem ich meinen Kaffee getrunken hatte, konnte ich endlich ein paar 5-Minuten-Blitzpartien gegen Ian spielen, der den Mund ziemlich vollnahm. Fabiano kam gerade rechtzeitig, um unser Blitzmatch zu verfolgen. Ian spielte Holländisch im Anzuge und bald stand ich etwas besser, aber vergab meinen Vorteil wieder, und landete schließlich in einem komplizierten Endspiel mit Minusqualität. Aber da rechnete ich ein paar wichtige Varianten ein bisschen besser, überraschte ihn und konnte als Erster punkten.

Die nächste Partie mündete nach spannendem Mittelspiel in ein Endspiel, das theoretisch remis war. In der letzten Partie zeigte Ian dann, warum er im Blitz- und im Schnellschach die Nummer vier der Welt ist: er fand in einem komplizierten Endspiel mit zwei Minusbauern einen verblüffenden Gewinn, bei dem er mir die Luft abdrückte. Ilya Merenzon von AGON schaute bei unseren Blitzpartien zu und meinte, er könnte unsere Partie doch auch gegen Geld im Internet übertragen. Tatsächlich filmte er unsere letzte Partie ganz oder teilweise. Da kann man etwas lernen - wenn man sie kostenlos sehen kann.

Dreev kennt sich mit e3 aus

Dann machten Carlsen und Karjakin ihre ersten Züge und ich wollte kein Blitz mehr spielen, sondern die Partie verfolgen. Das System mit e3, das sicherlich einen hübschen Namen hat, wurde bereits von etlichen ernstzunehmenden Schachgrößen ausprobiert. Ich war immer der Meinung, dass es für Schwarz nicht leicht ist, dieses System zu bekämpfen, denn in etlichen Schnellpartien, in denen Alexey Dreev so gegen mich gespielt hat, hatte ich mehr als einmal Probleme.

Doch die Schnelligkeit, mit der Sergey spielte, zeigte, dass er mit einer solchen Entwicklung gerechnet hatte, und als Schwarz mit dxc4 die Spannung im Zentrum auflöste, diskutierten Vladimir Potkin, Ian und ich etliche Möglichkeiten, die für Schwarz okay zu sein schienen. Aus dieser Diskussion zog ich den Schluss, dass Karjakin so allmählich auf unbekanntes Terrain geriet und zwar nicht schlechter stand, aber sich doch am Brett zwischen einer ganzen Reihe von vernünftigen Möglichkeiten entscheiden musste.

Dann musste ich auch schon los, um an meiner Schachakademie zu unterrichten, und hatte keine Zeit mehr, den, wie sich dann zeigte, doch unerwarteten Kurs dieser Partie zu verfolgen, in der Magnus zu sehr auf Gewinn spielte, um so die letzten vier Partien für alle Schachliebhaber zu einer äußerst spannenden Angelegenheit mit offenem Ausgang zu machen.

Ich bin gespannt, wie es weitergeht!


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Wege Wege 22.11.2016 05:10
Der Weltmeister steht unter einem
enormen Gewinndruck.Bin gespannt
ob er zurückschlagen kann.

HW

Wege
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