Wenn das Appeals Committee zweimal klopft

13.12.2007 – Für die beteiligten Kinder und Jugendlichen war die vergangenen Jugend-Weltmeisterschaft eine ziemlich anstrengenden Angelegenheit. Elf Runden waren in Turniersälen zu spielen, die an sich zwar groß waren, aber bei dem noch größeren Ansturm der jungen Schachspieler aus aller Welt auch an ihr Fassungsvermögen stießen. Herum wieselnde Betreuer, die ihre Schützlinge unterstützen wollten, sorgten für weitere Unruhe und erschwerten es den Teilnehmern, sich auf die Partien zu konzentrieren. Für den belgischen Jugendlichen Nils Nijs hielt das Turnier eine zusätzliche Überraschung bereit. Nach der zehnten Runde lag der 14-Jährige schon im Bett, als es um 23 Uhr an seiner Zimmertür klopfte. Draußen stand das Appeals Committee und teilte ihm mit, er müsse nun seine remis geglaubte Partie vom Nachmittag fortsetzten. Mehr...

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Fair Play, nein danke!

Ein ungewöhnlicher Fall von mangelndem Verständnis für Fair Play, gefolgt von Inkompetenz und fehlendem Fingerspitzegefühl bei FIDE-Schiedsrichtern und dem FIDE-Appelationskomitee wird von der zurückliegenden Jugend-WM berichtet.

In der Partie zwischen dem belgischen Spieler Nils Nijs und dem Kanadier Mai Lloyd (10. Runde U14) reklamierte der Belgier - zurecht - dreifache Stellungswiederholung beim Schiedsrichter, machte aber - entgegen den Regeln - noch den Zug, der zur dreifachen Stellungswiederholung führte, bevor er reklamierte. Technisch korrekt wäre es gewesen, zunächst den Schiedsrichter herbei zu rufen, zu erklären, dass er mit seinem nächsten Zug nun eine dreifache Stellungswiederholung herbeiführen werde und dann erst den Zug auszuführen. Der herbei gerufene Schiedsrichter akzeptierte die Reklamation dennoch.

Der Kanadier verweigerte jedoch seine Unterschrift unter das Notationsformular, da er die dreifache Stellungswiederholung wegen einiger dazwischen liegender Züge nicht erkannte und holte einen Betreuer zur Klärung. Als dieser eintraf, waren Schiedsrichter samt Notation bereits verschwunden. Als die Kanadier den Fall untersuchten, stellten sie fest, dass bei der Reklamation der beschriebene technische Fehler geschehen war und legten Protest gegen die Wertung der Partie ein.

Das später tagende Schiedsgericht, bestehende aus so hohen Würdenträgern wie Georgios Makropoulos, Zurab Asmaiparashvili und Florencio Campomanes kam nach längerere Verhandlung schließlich zu einem Beschluss. Es erklärten die Remis-Reklamation für ungültig. Um 23 Uhr ließen sie den 14-Jähriger Belgier aus dem Bett holen und ihm mitteilen, er müsse die Partie nun fortsetzen. Der Kanadier, der Gelegenheit hatte, die Partie inzwischen zu analysieren, gewann.

Was hätte man sich stattdessen gewünscht?

- die Regeln sind so gefasst, dass auch Kinder damit klar kommen
- der Schiedsrichter ist in der Lage, den Fall korrekt zu entscheiden
- beim Streitfall wartet der Schiedsrichter auf die Anhörung eines Protests und regelt den Fall angemessen
- Die Kanadier verzichten auf einen Protest wegen eines Formfehlers eines unerfahrenen Jugendlichen, da die dreifache Stellungswiederholung offensichtlich ist.
- Das Appeals Committee tagt schnell und kommt rasch zu einem Beschluss. (Wie viele Fälle waren denn täglich zu bearbeiten?)
- Das letzte Idee, die ein pädagogisch geschultes Appeals Commitee hat, ist, den betroffenen Jugendlichen am späten Abend aus seinem Bett zu holen.
- Der belgische Betreuer zeigt den an der Tür stehenden Mitgliedern des Appeals Commitee einen Vogel.

Augenzeugen berichten u.a. auf der Webseite Chessvibes , aber nicht nur dort, zudem von häufigen Betrugsvorfällen bei der Jugend-WM. So sollen Spieler selbst oder Helfer laufende Partien mit Hilfe von Computern untersucht haben. Die Schiedsrichter waren bei der Überwachung offenbar überfordert, was einen angesichts der riesigen Teilnehmerfelder nicht besonders wundert.

André Schulz

Link:

Diskussion bei Chessvibes...
 


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