Wer schlägt mich?

27.09.2002 – Er hatte die Idee, ein Schachprogramm für Kinder zu entwickeln: Fritz&Fertig. Seitdem hält er den Rekord im Schachfiguren schlagen. Björn Lengwenus, ein 30-jähriger Lehrer aus Hamburg, fordert nun alle heraus, seinen Highscore im Schlagspiel von Fritz&Fertig zu knacken. Im Interview äußert er sich zu der Entwicklungsphase des Programms, über das Erlernen des königlichen Spiels und neue Extremsportarten wie Kloschüsselzerdeppern. Fritz & Fertig im Shop kaufen...Mehr...

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Eine Idee wird geboren

Björn Lengwenus über die Entstehung von Fritz&Fertig

Das neue Fritz und Fertig fasziniert Kinder und Erwachsene gleichermaßen.

Beinahe zwei Jahre Entwicklungszeit stecken in diesem Projekt, das aus einer Kooperation des Terzio Verlages und ChessBase entstanden ist. Der Mann, der gemeinsam mit Jörg Hilbert das didaktische Konzept maßgeblich entwickelt hat, äußert sich nun in einem Interview: Björn Lengwenus, von Beruf Lehrer an einer Haupt- und Realschule in Hamburg-Barmbek, hat einfach Spaß daran, Kinder für die abenteuerliche Welt des Schachspiels zu begeistern. Außerdem schlägt er gerne: aber nur Schachfiguren! Deshalb fordert er jetzt alle heraus, seinen Highscore beim Schlagspiel von Fritz und Fertig zu überbieten.

ChessBase: Bitte erzähle kurz etwas über Dich selbst. Seit wann spielst Du Schach und wie hast Du es gelernt? Welche Rolle spielt Schach jetzt in Deinem Leben und inwieweit betätigst Du Dich darin?

Björn Lengwenus: Ich bin 30 Jahre alt und seit 1982 in der Hamburger Schachszene dabei. Ich habe Schach wie viele andere Kids in meiner Schule dem Gymnasium Uhlenhorst-Barmbek erlernt (also die Züge habe ich von meinem Vater beigebracht bekommen - aber so richtig eben erst in der Schule) und schon bald (1985) mit 13 Jahren meine erste eigene Trainingsgruppe geleitet. Seit August bin ich Lehrer an der Haupt- und Realschule Fraenkelstraße. Die Beziehung von Schach und meinem jetzigen Beruf ist eine Wechselwirkung. Ich wurde Lehrer, weil ich beim Training feststellte, dass Lehren klasse ist. Und beim Lehren stelle ich fest, wie wichtig Schach ist. Schach hat mir gezeigt, welche pädagogischen Möglichkeiten Sport bietet. Ich habe in meinem Leben so vielen verschiedenen Menschen Schach beigebracht. Kindergartenkindern, Grundschülern, Hobbyspielern, Jugend-Bundesligisten, Mädchenteams, Senioren, Blinden, Geistig Behinderten und neuerdings gebe ich Online-Anfängertraining - und immer war die Wirkung die gleiche: Das Spiel fasziniert, es wühlt auf und es ist ein unglaubliches Gefühl eine Aufgabe zu lösen oder eine Partie zu gewinnen. Ich bin erster Vorsitzender des SC Schachelschweine, den ich mit einigen Freunden 1990 gegründet habe, weil ich der Meinung war, dass Schach zu sehr als Leistungssport und zu wenig als pädagogische Möglichkeit gesehen wird. Unser Verein hat sich zu einem Vorbild der allgemeinen Jugendarbeit entwickelt und bietet den Jugendlichen eine Heimat. Ich selbst bin dort in den Räumen der Schachelschweine ebenfalls ein Stück zu Hause, hier entstehen Ideen Schach anders zu sehen und vielleicht liegt hier auch der Ursprung von Fritz und Fertig. Ach so und für Schachspieler ist ja noch wichtig: DWZ 1964.



CB: Vor welchen Problemen steht man, wenn man Kindern Schach beibringen möchte?

BL: Probleme? Ich sehe da keine. Schach fasziniert und die Kids wollen es lernen. Wenn wir durch die Schulklassen ziehen und fragen, wer bei uns Schachspielen will, dann melden sich eigentlich immer fast alle. Ich beginne die erste Trainingsstunde fast immer mit der Frage "Wer kann schon Schachspielen?" dann zeige ich das Brett und frage: "Und was ist das?" - Die Kinder freuen sich, wenn ich es auflöse mit "Und wer wusste, das das ein Schachbrett ist, der kann Schach schon zur Hälfte!" Ich glaube, dass die Probleme beim Schach wie bei allen anderen Sachen gleich sind: Eigentlich will der Mensch neue Dinge kennen lernen, aber Lernen ist anstrengend. Ich versuche immer schnell den Kern, den Spaß, den Reiz herauszukitzeln. Dann macht Lernen Spaß. Wenn man selbst Spaß am Lehren hat, dann ist die Methode fast egal. Ich finde anschauliche Beispiele und Wortwitze schön. Im Laufe der Zeit sind viele in den Trainingsstunden zusammengekommen und viele finden sich in Fritz und Fertig wieder.



CB: Wie bist Du auf die originellen Einführungsspiele, z.B. "Kloschlüsselzerdeppern", gekommen?

BL: Wir hatten ein Team, das bei seinen Treffen ungeheuer kreativ war. Das Turmeinführungsspiel, eine PacMan-Variante, war eine sehr alte Idee von mir, die ich schon beim aller ersten Treffen vorstellte. Dieses Spiel war eigentlich das Muster für alle anderen. Hier konnten sich die anderen Projektmitarbeiter vorstellen, was ich meinte mit "Lernen ohne Regel erklären!". So entwarf ich viele Spiele. Gemeinsam wurden sie dann verändert. Kloschüssel-Zerdeppern war ursprünglich ein "Schießen auf Luftballons". Wir haben immer viel gelacht und meistens hatten wir zu viele gute Ideen. Am schwierigsten war das Bauerneinführungsspiel, weil der Bauer mit seinen verschiedenen Gangarten sehr komplex ist. Erst wollten wir ein Rollband laufen lassen, auf dem ein Bauer vorwärts läuft und die Spur wechseln kann, wenn ihm etwas entgegen kommt. Aber das war einfach nicht durchführbar. Dann kam mir die Idee mit dem Bärental und durch die lustigen Dialekte wurde es zu einem echten Lieblingsspiel.



CB: Fritz und Fertig enthält einige völlig neue Spielideen wie z.B. den Schachautomaten. Könnte das ein wichtiger Grund sein, warum das Programm auch für Nicht-Schachneulinge so interessant ist?

BL: Ich glaube tatsächlich, dass auch viele gute Schachspieler in Fritz und Fertig interessante Beschäftigungen finden. Ich selbst bin immer noch völlig süchtig nach dem "Schlagspiel" und habe meinen Highscore mittlerweile auf 71 hoch getrieben. Insgesamt ist das Programm eben sehr kompakt und kann auf verschiedensten Ebenen noch "Spaß" und "Lernerfolg" bringen. Schließlich können nur wenige Menschen auf der Welt Fred Fertig auf höchstem Level überhaupt besiegen.



CB: Das Spiel in dieser Form ist ein Novum auf dem Markt. Wieso gab es Deiner Meinung nach nicht schon viel früher ein solches Programm?

BL: Weil es schwierig und risikoreich ist, so ein Programm zu entwickeln. Vielleicht war es nur in der gegenwärtigen Zusammenstellung überhaupt möglich. Hier sind meiner Meinung nach viele Komponenten zusammen gekommen, die dieses Produkt möglich machten. Ich hatte schon seit einigen Jahren die Idee ein "FRITZ for KIDS" zu entwerfen und lag damit Rainer Woisin von ChessBase immer wieder in den Ohren. So ein Projekt ist allerdings immer ein Risiko in jeder Richtung. Immerhin haben wir jetzt insgesamt fast 2 Jahre daran gearbeitet. Dass es so ein Erfolg - und das kann man zum jetzigen Zeitpunkt mit etwas Vorsicht vielleicht schon sagen - geworden ist, liegt an der außergewöhnliche Zusammenstellung des Teams rund um Fritz und Fertig. Mit Terzio ist eine der renommierten Lernsoftware-Marken Projektgestalter gewesen. Eine absolute professionelle Projektführung. Dazu mit Jörg Hilbert ein fantastischer Kinderbuch-Zeichner und Poet. Mit WP eine erfahrene Programmierungscrew, die schon viele Kindersoftwareprodukte (u.a. TKKG) programmiert haben, dazu mit ChessBase die Firma mit den stärksten Schachsoftware-Engines der Welt und einem ungeheurem Schach-Know-How. Und ich meinerseits habe seit vielen Jahren meine Ideen für das Programm zusammengestellt. Dazu kam, dass es für alle Mitarbeiter im Laufe der Zeit zu einer Herzensangelegenheit geworden ist, das Feuer war auch bei den Nichtschachspielern im Team entfacht.



CB: Welche Möglichkeiten für Fritz und Fertig siehst Du neben dem privaten Gebrauch? Sollten Kinder Schach generell eher von einem Programm lernen?

BL: Diese Frage erschreckt mich doch ein bisschen. Es wäre doch eine grausame "Erfindung", wenn das Resultat wäre, dass Kinder Schach nur noch über den Computer lernen sollten. Fritz und Fertig ist ein tolles Produkt und macht viel Spaß, aber immer wieder stellten wir während der Entwicklungsphase fest, wo die Grenzen, wo die Nachteile eines Computers gegenüber eines menschlichen Trainers stecken. Ein Trainer kann Situationen klären, kann noch interaktiver auf Probleme eingehen, so interaktiv und differenziert wie es nie ein Computer tun können wird. Natürlich deckt Fritz und Fertig vieles ab - aber einen Trainer kann und will es auf Dauer nicht ersetzen. Vielmehr soll es eine weitere Motivation für Kinder sein. Eine Motivation in Schachvereine zu gehen, den Papa nach dem Abendbrot herauszufordern, sich mit Freunden zu treffen, um miteinander zu spielen - vielleicht auch um miteinander gegen König Schwarz zu spielen. Schach lebt von der Kommunikation, bis heute spiele ich gegen menschliche Gegner lieber, als gegen Maschinen - obwohl ich natürlich auch gerne mal gegen FRITZ ein paar Partien blitze. Aber ehrlich: 
ein Mensch ärgert und freut sich einfach mehr. Die Ärgersprüche eines Rechners, selbst wenn es rund 200 sind wie bei Fritz und Fertig, sind einfach begrenzt.

Das Interview führte Timo Klaustermeyer

 


Björn Lengwenus war nach dem Interview Fritz und Fertig...


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