World Cup Halbfinale: Konnte Ding Liren gegen Wesley So gewinnen?

von Sagar Shah
21.09.2017 – Der Wettkampf zwischen Wesley So und Ding Liren im Halbfinale des World Cups verläuft wechselhaft. In der ersten Partie hatte So Weiß und setzte Ding Liren lange unter Druck, aber verpasste am Ende den Gewinn. In der zweiten Partie revanchierte sich der chinesische Großmeister und setzte So die ganze Partie über unter Druck. Aber hat auch er einen Gewinn verpasst? Sagar Shah hat genauer hingeschaut. | Foto: Amruta Mokal

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Ding Liren verpasst eine gute Chance

In der ersten Halbfinalpartie spielte Ding Liren mit Schwarz und musste sich die gesamte Partie hindurch verteidigen. Am Ende hatte er Glück, dass Wesley So eine Gewinnmöglichkeit verpasste und die Partie zum Remis verdarb. Nach dieser glücklichen Rettung lag die psychologische Initiative im Wettkampf bei Ding Liren. 

Ding Lirens Trainer Xu Jun gibt die Marschrichtung vor. | Foto: Amruta Mokal

Und mit Weiß ist Ding Liren sehr gefährlich, wie er auch im World Cup mit zwei souveränen Weißsiegen gegen Wang Hao und Richard Rapport bewiesen hat. Wesley So entschied sich deshalb für einen soliden Aufbau und es kam zur katalanischen Eröffnung. Im 6. Zug sorgte Ding Liren dann für eine kleine Überraschung:

 

Richtig glücklich wirkt Wesley So nach dem selten gespielten 6.b3 nicht | Foto: Amruta Mokal

Wenig später folgte die nächste Überraschung:

 

Mit Se1 erhöht Weiß den Druck auf d5 und will seinen Springer auf bessere Felder bringen, idealerweise nach e3 oder d4. Im folgenden Video erläutere ich die Vorzüge von 10.Se1.

Ich bin nicht sicher, ob 10.Se1 wirklich so stark ist, aber immerhin brachte der Zug Wesley So aus dem Konzept

Anmerkung: Im Video schlage ich nach 10...Tc8 11. cxd5 Sxd5 12.Sxd5 Lxd5 13.Lxd5 exd5 den Zug 14.Sg2 vor. Aber das ist leider keine gute Idee, denn dann kann Schwarz 14...c4! spielen und steht ausgezeichnet. Besser ist deshalb 14.dxc5 nebst Sg2.

Nach Abschluss der Eröffnungsphase war Wesley So in einer sehr gefährlichen Stellung gelandet.

 

In symmetrischen Stellungen ist die Aktivität der Figuren entscheidend. In dieser Stellung steht Weiß extrem aktiv und Schwarz hat große Probleme, die weiße Initiative zu neutralisieren. Im weiteren Verlauf der Partie hielt Ding Liren den Druck aufrecht, aber kurz vor der Zeitkontrolle verpasste er eine gute Gelegenheit.

 

Wie Pressesprecherin Anastasiya Karlovich nach der Partie meinte, hätte Weiß hier den sehr starken Zug 37.Th8! spielen können. Schwarz muss dann 37....Tc7 und nach 38.Tdd8 Txc5 verfügt Weiß über die sehr starke Möglichkeit 39.e5!, was dem schwarzen König die Fluchtwege abschneidet. Schwarz hat große Mühe, nicht Matt gesetzt zu werden. Wenn er eine Reihe einfallsreicher Verteidigungszüge findet (siehe Analyse), landet er schließlich in folgender Stellung:

 

Das Video zeigt noch einmal, wie gut die Chance war, die Ding Liren verpasst hat.

Eine zweite Chance bekam Ding Liren nicht mehr: So spielte einen guten Zug nach dem anderen und rettete am Ende den halben Punkt.

Ding Liren | Foto: Amruta Mokal

Wesley Sos Nachbetrachtung der Partie

Übertragung aus dem Englischen: Johannes Fischer

 

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Sagar Shah ist ein junger Internationaler Meister aus Indien. Er ist zugleich ausgebildeter Wirtschaftsprüfer und würde gerne der erste indische Wirtschaftsprüfer sein, der Großmeister wird. Sagar berichtet leidenschaftlich gerne über Schachturniere, denn so begreift er das Spiel, das er so liebt, besser. Aus Leidenschaft für das Schach betreibt er auch einen eigenen Schachblog.
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