"Zurich Chess Challenge": Anand glänzt mit Kurzpartie

von Klaus Besenthal
13.02.2016 – Sieg gegen Levon Aronian in 19 Zügen - nach seinem missglückten Auftritt in Gibraltar schien Vishy Anand noch eine Portion Wut im Bauch gehabt zu haben! Und auch in der 2. Runde der "Zurich Chess Challenge" ließ der Inder nicht locker: Einen ernsten Fehler Anish Giris bestrafte er mit präziser Angriffsführung. In der Gesamtwertung bedeutet dies nach dem ersten Tag die alleinige Führung. Mehr...

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Hier die Partien live mitverfolgen, Runde für Runde auf Playchess.com...

 

 

 

Im Videoraum waren alle Plätze belegt:

Foto: Nisha Mohota

Zwei Legenden, die in der Vergangenheit große Kämpfe miteinander ausgefochten haben, schauten auch in Zürich vorbei:

Anatoli Karpow (64) (Foto: David Llada)

Viktor Kortschnoi, der am 23. März 85 Jahre alt wird (Foto: David Llada)

Runde 1:

Shirov-Kramnik 1:1

Shirov konnte zwar die bereits in der Eröffnung entstandene Bauernmehrheit am Königsflügel ins Endspiel "retten", doch angesichts der ungleichfarbigen Läufer nutzte ihm dies nichts. Letztlich war es ein ziemlich unspektakuläres Unentschieden.

Nakamura-Giri 1:1

Es gab durchaus positionelle Ungleichgewichte in dieser Partie, aus denen vielleicht etwas hätte entstehen können, doch nach einer Tauschserie hatte am Ende jeder nur noch seinen h-Bauern übrig behalten. Daraus konnte man dann wirklich nichts mehr machen, und das Remis war unvermeidbar.

Anand-Aronian 2:0

Das Highlight des Tages: Vishy Anand schlägt Levon Aronian in 19 Zügen! Das Spanische Vierspringerspiel gilt eigentlich als harmlos, doch dass dem schwarzen König Gefahren drohen könnten, deutete sich schon an, als Anand begann, konsequent seinen genau auf dieses Ziel ausgerichteten Plan zu verfolgen. Da reichten dann schon ein paar Ungenauigkeiten Aronians, um das totale Fiasko Realität werden zu lassen.

 

Partien der 1. Runde:

 

Schaukampf

Neues System der Zeitmessung

Das zweirundige "Exhibition Match" zwischen Alexander Morozevich und Boris Gelfand sollte laut der Website des Veranstalters dazu dienen, das von Hauptsponsor Oleg Skvortsov ersonnene neue System der Zeitmessung weiter voranzubringen. "[...] the game needs to become faster", heißt es dort - das Spiel soll schneller werden. Und es wurde auch ziemlich gekämpft in der ersten Runde des Schaukampfes, doch einen Sieger gab es nicht. Das änderte sich in der zweiten Runde. Morozevitch kamen nach und nach zwei Bauern abhanden und davon hätte er sich eigentlich nicht mehr erholen dürfen, tat es nach ungenauem Spiel seines Gegners aber doch. Es folgte jedoch der schwere Missgriff im 44. Zug (s.u. die Partie), der Gelfand die entscheidende Aktivierung seines Läufers erlaubte. Sieger des kleinen Schaukampfes ist damit also Boris Gelfand.

Alexander Morozevich und Boris Gelfand vorm Rechner... (Foto: Nisha Mohota)

... und am Brett (Foto Nisha Mohota)

Die erste Partie des Schaukampfes:

 

Die zweite Partie des Schaukampfes

 

Runde 2:

Kramnik-Aronian 1:1

Foto: Nisha Mohota

Kramnik opferte in der Eröffnung eine Qualität, für die er einen weit vorgedrungenen Freibauern erhielt. Dieser war Kompensation für das Minus an Material - mehr nicht. Das Spiel wogte noch ziemlich hin und her und am Ende hatte Kramnik einen Mehrbauern, doch genützt hat er ihm wegen der ungleichen Läufer nicht. Die Partie endete remis.

Giri-Anand 0:2

Foto: Nisha Mohota

Anand hätte seinen schwachen a-Bauern nicht nur verlieren können, sondern eigentlich verlieren müssen. Doch Giri ließ diese Möglichkeit aus, um etwas später praktisch die gesamte Stellung einzustellen. Das ließ sich Anand nicht mehr nehmen und fuhr seinen zweiten Sieg am heutigen Tag ein. Gemäß der etwas ausgeklügelten Wertung des Turniers liegt er damit klar in Führung.

 

Shirov-Nakamura 0:2

Foto: Nisha Mohota

Auch wenn er eigentlich nicht schlechter stand, so war Alexei Shirovs Französische Vorstoßvariante doch etwas misslungen. Das äußerte sich wohl letztlich in einem Bedenkzeitproblem: Ein eigenartiges "Qualitätsopfer" Shirovs brachte Nakamura klar auf die Siegesstraße.

Partien der 2. Runde:

 

Tabelle:

Rk Name 1 2 3 4 5 6 Pt SB
1 Viswanathan Anand **     2 2   4.0 2.00
2 Hikaru Nakamura   **   1   2 3.0 1.50
3 Vladimir Kramnik     **   1 1 2.0 1.00
4 Anish Giri 0 1   **     1.0 1.50
5 Levon Aronian 0   1   **   1.0 1.00
6 Alexei Shirov   0 1     ** 1.0 1.00

Turnierseite...

www.zurich-cc.com.



Klaus Besenthal ist ausgebildeter Informatiker und ein begeisterter Hamburger Schachspieler. Die Schachszene verfolgt er schon seit 1972 und nimmt fast ebenso lange regelmäßig selber an Schachturnieren teil.
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KBesenthal KBesenthal 15.02.2016 10:07
4... Ld6 ist ein korrekter Zug, der Schwarz einige Vorteile bietet: Der Nachziehende schützt den potentiell durch Lxc6 nebst Sxe5 bedrohten Be5, er kann sofort rochieren und er vermeidet den eigentlich nicht wünschenswerten Tausch seines Läufers gegen den weißen Sc3, der sich nach 4... Lb4 oder 4... Lc5 häufig nicht vermeiden lässt. Die Blockade des Bd6 wird (nach der Rochade) durch Te8 (schützt den Be5) nebst Lf8 (erhält den Läufer) wieder aufgehoben. Der Zeitverlust spielt aufgrund des geschlossenen Charakters der Stellung kaum eine Rolle. Nachteil des Manövers ist allerdings die Schwächung von f7 (siehe Anands Züge 7.a3 und 8.Lc4, die dies auszunutzen trachten).
flachspieler flachspieler 14.02.2016 10:50
Naive Frage eines Amateurs: Warum bekommt in der
Partie Anand-Aronian der ZUg 4... Ld6 keine Fragezeichen?
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