Zvjaginsev, der Romantiker

07.11.2016 – Vadim Zvjaginsev ist einer der wenigen noch verbliebenen Romantiker unter den Schachspielern. Er meidet gern Eröffnungen und Varianten, die bereits tiefgehend und ausgiebig analysiert worden sind und zieht es vor, dass es von Beginn an Höhen und Tiefen in seinen Partien gibt. Zvjaginsev ist außerdem Schüler Mark Dvoretskys gewesen. Im Open "Ciutat de Barcelona" blieb er seinen Spielstil treu und belegte den dritten Platz hinter Antón und Duda. Zum Interview...

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Interview mit Vadim Zvjaginsev

Hallo Vadim, willkommen in Barcelona! Könntest du uns beschreiben, wie du dich auf das Turnier in Barcelona vorbereitet hast? Arbeitest du mit irgendeinem Programm für die Partieanalysen?

Vielen Dank! Ich habe mich sehr wohl gefühlt hier in Barcelona. Zu deiner Frage nach der Turniervorbereitung: Ich habe mich praktisch ohne Computerhilfe vorbereitet. Und genau aus diesem Grund habe ich auch vor allem nicht so wenige bekannte Varianten gespielt.

Jan-Krysztof Duda, David Antón und Vadim Zvjaginsev bei der Preisverleihung des Turniers "Ciutat de Barcelona" 2016

Was kannst du uns zu deinen Partien sagen? Warst du zufrieden mit der Qualität deines Spiels?

Ja, es ging gut. Meine Partien waren konzeptionell angelegt und ich habe keine schlimmen Fehler gemacht, aber ich habe auch verhältnismäßig gut gespielt.

Welche war die beste und welche die schlechteste Partie, die du in diesem Turnier gespielt hast?

Die interessanteste Partie war vielleicht das Remis gegen Arkadij Naiditsch, weil ich sie "Moment für Moment" gespielt habe - in einigen Situationen sah ich dabei besser aus, in anderen weniger gut (lacht).

Warst du vorher schon einmal in Barcelona? Hattest du Zeit, dir während des Turniers die Stadt anzusehen?

Ja, ich war schon einmal hier, aber damals war es nur für einen Tag. Es war im Sommer 1996 zusammen mit Mark Dvoretsky. Damals hat uns netterweise Miguel Sánchez die Stadt gezeigt, vor allem die Architektur von Gaudí.

Vadim Zvjaginsev in Denkerpose

Wie hat bei dir das Dasein als Schachspieler begonnen? Wer war dein erster Schachtrainer? Und, was ich mir natürlich auch nicht verkneifen kann: Wie war Dvoretsky als Trainer und als Mensch? Gibt es irgendeine Eigenschaft von ihm, die dir besonders in Erinnerung bleiben wird?

Mein erster Trainer war eine Trainerin. Sie hieß Elena Alexandrovna Basmanova. Sie trainierte mich damals im Palast der Pioniere in Moskau.
Und was Mark Israilyevich angeht, gibt es über ihn so unendlich viel zu erzählen! Er hat die Dinge immer beim Namen genannt. Und er hat diese Haltung niemals und gegenüber niemandem aufgegeben. Er war ein Mann der Prinzipien.

Hast du jetzt auch einen Trainer an deiner Seite?

Nein, momentan nicht.

Wir Schachspieler reisen viel und manchmal sind es echte Langstreckenreisen. Welches sind deine Geheimrezepte gegen den Jet-Lag?

Viele Schachspieler, mich inbegriffen, sind von Natur aus echte Nachteulen. Vielleicht hilft diese Art Lebensstil dabei, den Jet-Lag leichter zu überwinden - auch wenn es natürlich nicht die gesündeste und empfehlenswertste Methode ist.

Was sollte getan werden, um den Schachsport noch populärer zu machen und mehr Sponsoren anzuziehen?

Ganz allgemein gesagt und auf Weltebene betrachtet, wächst das Interesse für das Schachspiel gerade ziemlich. Trotzdem gibt es eine gewisse Krise im Bereich des Männer-Profi-Schachs, die dadurch hervorgerufen worden ist, dass die Spieler sich zu sehr mit dem Computer vorbereiten und dadurch nimmt der Spektakel- und Spaßfaktor aus meiner Sicht ab. Aber das betrifft wirklich mehr das Eliteschach und nicht so sehr die normalen Schachturniere. Dafür müssten sich Sponsoren eigentlich durchaus interessieren.

Mehr vom Geist des 20. Jahrhunderts

Was ist deine Meinung zum Thema Kurzremisen? Hast du eine Idee, wie sie besser vermieden werden könnten?

Heutzutage und bei den meisten wichtigen Turnieren, sind Kurzremisen ja sowieso schon verboten. Es gibt immer noch den Ausweg der Zugwiederholung, um das zu umgehen könnten man Weiß 1/4 Punkt und Schwarz 3/4 Punkte geben, das würde dann dem Geiste einiger Turniere aus dem 20. Jahrhundert entsprechen. Ich glaube, dann gäbe es auch viel weniger Zugwiederholungen um ein Remis zu erlangen, weil der Spieler, der mit weiß Spielt es viel mehr darauf anlegen würde, weiter zu spielen.

Ist das Thema Betrug in Schachpartien ein zunehmend großes Problem?

Auf kurze Sicht gesehen, sind Betrügereien das größte Problem im Schachsport. Aber ich könnte mir auch vorstellen, dass sich das bald erledigt weil es in Kürze Technologien geben wird, die es ermöglichen, derartige Betrugsversuche effizient aufzudecken und so die Gefahr zu bannen.

Welche Meinung hast du zum Format von Weltmeisterschaften? Würdest du Turnieren oder Duellen den Vorzug geben?

Ich glaube, ein K.o.-System ist die beste Formel. Man könnte beispielswiese ein Turnier mit 16 Spielern durchführen mit Duellen á vier Partien mit klassischer Bedenkzeit, um somit den Einfluss auf das Resultat der Schnellschach- und Blitzpartien zu relativieren.

Zu guter Letzt: Was würdest du jungen Spielern raten, die gerade anfangen zu spielen und gern einmal sehr gute Schachspieler werden wollen?

Die Klassiker studieren und unbedingt auch das Endspielhandbuch von Mark Dvoretsky gut durcharbeiten.

Vadim am Brett Barcelona

Was sind deine Pläne für die nähere Zukunft?

Als nächstes werde ich erstmal beim Europa Cup für Clubs in Novi Sad mitspielen.

Die Partien des Turniers "Ciutat de Barcelona" zum Nachspielen und Herunterladen

Schlusstabelle

Fotos: cortesía de la Federación Catalana de Ajedrez

Interview: Ana Matnadze

Übersetzung: Nadja Wittmann (ChessBase)

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