Zwei Super-Ostereier!

von André Schulz
16.04.2014 – Dr. Helmut Pfleger und Vlastimil Hort gehörten zu den Topspielern der Zunft und sind zudem großartige Schachentertainer. Über 15 Jahre haben sie im Fernsehen Schachpartien kommentiert und sich mit unzähligen Bonmots auf ewig ins Herz der Schachfreunde eingebrannt. Auf den neuen DVDs "Moderne Klassiker" kann man Pfleger und Hort noch einmal genießen. Mehr...

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Wer sich diese beiden DVDs anschaut, wird viel Spaß haben. Unterhaltsamer kann man Schach kaum präsentieren. Helmut Pfleger und Vlastimil Hort waren das Kommentatorenpaar in der von Dr. Claus Spahn moderierten und unvergessenen TV-Sendung "Schach der Großmeister" des WDR.

Dort wurde eine Partie zwischen zwei Top-Spielern live gespielt. Die Spieler saßen dabei hinter einer schalldichten Glaswand, bekamen also nicht mit, was "draußen" passierte, und im Studio wurde live kommentiert und Interviews geführt.

Im Laufe der 15 Jahre, in denen das Format ausgestrahlt wurde, gaben sich die Stars der Szene die Klinke in die Hand: Weltmeister wie Karpov, Kasparov, Kramnik oder Anand. Deutsche Topspieler wie Robert Hübner, Matthias Wahls, Eric Lobron oder die später beste Frau der Welt, Judit Polgar.

Es war der vielfache DDR-Meister Rainer Knaak, der nach der Wende das "Vergnügen" hatte, gegen die damals noch recht junge Ungarin zu spielen. "Das Mädchen sah nett aus und lächelte freundlich. Als wir dann am Brett saßen und sie die ersten Züge machte, sah ich in ihre Augen und wusste: Sie ist ein Killer", erinnerte sich Knaak später. Nach langer Gegenwehr musste er die Segel streichen.

Die Partien wurden mit Turnierbedenkzeit gespielt, dauerten also mitunter recht lange. Trotzdem blieben die Zuschauer auch über vier Stunden lang - welche andere TV-Sendung könnte sonst das Publikum so lange fesseln - dabei. Das lag in großem Maße an den beiden Live-Kommentatoren, Helmut Pfleger und Vlastimil Hort.

Helmut Pfleger, eigentlich Arzt, war einst als Moderator für Schulfunkprogramme ins Fernsehen gerutscht, hatte später beim NDR eine Schachsendung mitkommentiert und war schließlich zum WDR gekommen, wo er auf Vlastimil Hort traf. Pfleger gehörte in seiner aktiven Zeit sicher auch zur erweiterten Weltspitze, bevor er recht früh die Schachfiguren an den Nagel hängte und sich um sein berufliches Fortkommen kümmerte. Vlastimil Hort war auf der Eloleiter aber noch weiter nach oben geklettert und hatte auf dem Höhepunkt seiner Karriere als Kandidat um die Weltmeisterschaft mitgespielt. Noch als Tscheche wurde er von seinem Staat an den deutschen Bundesligaverein SG Porz "ausgeliehen". Später entschied sich Hort, ganz nach Köln zu ziehen und die deutsche Staatsbürgerschaft anzunehmen.

Beide verstehen also eine Menge vom Schach. Beide haben auch eine Vielzahl der ganz großen Spieler kennengelernt und selber eine Menge erlebt. Helmut Pflegers Vorbild bei der leichtfüßigen Kommentierung von Schachpartien ist der Romancier und Erzähler Martin Beheim-Schwarzbach, den manche vielleicht als Autor des "Knaurs Schachbuch" kennen. Auf literarisch anspruchsvolle Weise hatte Beheim-Schwarzbach dort große Meister und ihre Schachpartien vorgestellt.  Vom Autor, der in Hamburg-Bergedorf lebte, gibt es eine Reihe anderer literarischer Werke, aber das Schachbuch war sein größter Erfolg. In seinen Kolumnen in der Zeit oder der Welt hat Pfleger seinem Vorbild stets nachgeeifert und darauf geachtet, dass Schach unterhaltsam bleibt und für den Leser nie mühselig wird. Und so hat der Bamberger auch stets live Partien kommentiert.

Vlastimil Hort hingegen hat kein Vorbild, das ihm gerecht wird. Er ist selbst das Original, auch wenn er stets mit besonderer Hochachtung von Karel Opocensky spricht. Pfleger und Hort kommentierten die TV-Partien also live, analysierten und sorgten mit viel Witz für spannende Unterhaltung. Während Pfleger die Partien mit Anekdoten aus dem reichhaltigen Schachleben unterfütterte und mit keinesfalls zu komplizierten Varianten versuchte, sie für die Zuschauer zu enträtseln, garnierte Hort die Kommentierung mit seinem Schwejk-artigen Witz, warf zwischendurch Ideen vor die Kamera, die sonst niemandem aufgefallen waren und beherrschte dabei zudem meisterhaft eine Kunst, die gerade für das Medium Fernsehen besonders nützlich ist, insbesondere, wenn man Schachpartien überträgt - die Kunst der Langsamkeit.

Von den vielen Bonmots aus diesen Sendungen ist folgender - mit breitem tschechischen Akzent und sehr langsam vorzutragen - vielleicht der bekannteste. Nachdem Pfleger einen Zug vorgeschlagen hatte:

"Nein, Chällmut, diessärr Zug ist nicht möglich."

"Ach so; Vlastimil? Ja, warum denn nicht?"

"Wähgähn Rähgähl. Andährähh Seitähh ist aahm Zug!"

Ende letzten Jahres entstand die Idee, diese einzigartige Kommentatorpaar noch einmal gemeinsam vor die Kamera zu bringen und in unverwechselbarem Stil große Partien präsentieren zu lassen. Pfleger und Hort schlossen sich also ins ChessBase-Studio ein und waren unglaublich fleißig. Am Ende waren zwei DVDs nötig, um die Fülle an kommentierten Glanzpartien aufzunehmen. In den hier gezeigten Partien lernt man nicht nur eine Menge über Schach, sondern erfährt auch noch aus erste Hand viel über die großen Spieler, die daran beteiligt waren.

Im Anschluss an die Aufnahmen waren die beiden "Oldhands" noch Teilnehmer an der ChessBase Weihnachtsfeier. Pfleger und Hort sollten dort eine Partie live kommentieren. Mit Melanie Ohme stand schon eine Spielerin fest. Auf der Suche nach einem Gegner/einer Gegnerin für die junge Nationalspielerin hatte Vlastmil Hort sofort die zündende Idee: "Ich wäährdääh spielen! Und kommentirään wärdä ich auch!" Gesagt, getan.

 

Wir wünschen beste Unterhaltung!

 

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Links:

Beste Schachunterhaltung...

Vlastimil Hort zum 70sten...

Interview mit Vlastimil Hort...

 

 

 

 



André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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Fuller Fuller 17.04.2014 06:14
Der Artikel ist ganz nett, aber wird dadurch entwertet, wenn ganz einfach zu recherchierende Fakten nicht stimmen. Die Sendung lief 22 Jahre und dauerte meist knapp über 2 Stunden.
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