Er war einer der ganz wenigen Schachspieler aus der Weltelite, der zuvor noch nie am Bieler Schachfestival gespielt hat und nun hat er auf Anhieb gewonnen: Levon Aronian. Die ehemalige Nummer 2 der Welt gewinnt den Masters Triathlon von 2026, insbesondere dank hervorragenden Leistungen in den schnellen Disziplinen Rapid und Blitz. Zweiter wird Aydin Süleymanli, vor Yagiz Kaan Erdogmus und Le Quang Liem. Matthias Blübaum wurde Fünfter und verpasste damit die letzten drei Finalrunden.
Die Ausgangslage war bereits vor der heutigen letzten Runde gut für Levon Aronian: Mit einem Rückstand von vier Punkten musste sein Verfolger und heutiger Gegner Aydin Süleymanli, mit den schwarzen Figuren spielend, auf Sieg spielen. Damit hätte er Aronian noch überholen können. Doch der Amerikaner spielte auch heute quasi fehlerlos, sodass Süleymanli keine Chancen fand und die Partie unentschieden mittels Zugwiederholung endete.
Aronian zeigte sich grundsolide im klassischen Schach und remisierte somit alle seine acht klassischen Partien. Zusammen mit seinen hervorragenden Leistungen im Rapid (9/10 Punkten) und Blitz (8,5/10 Punkten) kommt er somit auf eine Gesamtpunktzahl von 29,5 und gewinnt damit den Bieler Masters Triathlon von 2026.

Mit seinem Sieg in Biel fügt der seit 2021 für die USA spielende 43-jährige gebürtige Armenier seiner eindrucksvollen Sammlung einen weiteren Titel hinzu. Einst die Nummer zwei der Welt, erreichte er 2014 mit 2830 Elo die vierthöchste Elo-Zahl aller Zeiten. Seit über 20 Jahren spielt er nun auf absolutem Weltklasseniveau – mit Aronian hat das das Bieler Schachfestival einen mehr als würdigen Sieger 2026.
Platz zwei erspielte sich Aydin Süleymanli. Mit einem Sieg in der heutigen Partie hätte sich der Aserbaidschaner gar noch den Turniersieg sichern können. Er wäre punktgleich mit Aronian rangiert gewesen und hätte dank der besseren Wertung im ACCENTUS Chess960-Turnier Aronian geschlagen. Doch auch der zweite Platz ist für den an 5 gesetzten Süleymanli ein großer Erfolgc. Zumal Süleymanli erst kurzfristig als Ersatz für den verhinderten Yakubboev Einsprang und sich somit kaum auf das Turnier vorbereiten konnte.
Eine Chance auf den zweiten Platz hatten auch noch die beiden anderen verbliebenen Spieler, Le Quang Liem und Yagiz Kaan Erdogmus: Mit einem Sieg hätten sie beide noch die Chance gehabt, an Süleymanli vorbeizuziehen. Dies hätte Le durchaus gelingen können: Sein b-Bauer konnte bis zur gegnerischen Grundreihe durchmarschieren und mit perfektem Spiel hätte er diesen Vorteil zum Sieg wandeln können. Doch das gelang Le nicht, denn Erdogmus konnte mittels forcierter Zugwiederholung ein Remis erzwingen. Nach diesem Resultat rangieren beide punktgleich auf den Plätzen 3 und 4, wobei Erdogmus dank besserer Chess960-Wertung den Platz auf dem Podest einnehmen durfte.

Aydin Suleymanli in seiner Partie der letzten Runde gegen Levon Aronian | Foto: Bieler Schachfestival
Einen Start-Ziel-Sieg feierte Vaclav Finek in der Generations Challenge. Bereits am ersten Tag in der Disziplin Rapid setzte er sich an die Spitze. Von dieser Position ließ er sich nicht mehr verdrängen. Auf den Fersen war ihm allerdings noch Xiao Tong, gegen den er heute noch seine Führung verteidigen musste. Wie auch im Masters hätte der erste Verfolger heute einen Sieg benötigt, um den Führenden noch abzufangen. Doch auch Xiao gelang der nötige Siege nicht.

Vaclav Finek gegen Xiao Tong. | Foto: Biel Chess Festival

Marco Materia | Foto: Biel Chess Festival
Damit sicherte sich Vaclav Finek, der mit sechzehn Jahren jüngste unter den Jungen in der Generations Challenge, den Sieg. Der Tscheche spielte in allen drei Disziplinen des Triathlons stark, war der Beste im klassischen Schach und Rapid und auch im Blitz nur einen halben Zähler hinter Xiao, der diese Disziplin für sich entschied. Mit Finek hat die Challenge einen Sieger, der noch keinen Großmeistertitel hat und noch als Internationaler Meister spielt – allerdings wird er sich sicher sehr bald GM nennen können.
Hinter Finek klassiert sich Xiao Tong auf Rang zwei. Der junge Chinese spielte bereits vor zwei Jahren als 15-Jähriger in Biel im offenen Meisterturnier. Bei seiner Rückkehr, dieses Jahr auf der Bühne, zeigte auch er ein starkes Turnier und konnte sich in seiner Rolle als nominell stärkster Spieler des Feldes beweisen. Marco Materia komplettiert das Podium. Auch er hatte in den letzten Jahren bereits dreimal im Bieler Meisterturnier mitgemischt und konnte sich nun ebenfalls überzeugend auf der Bühne beweisen.

Christian Gloeckler sicherte sich seinen souveränen Turniersieg bei den Masters Open bereits eine Runde vor Schluss. Der 14-Jährige, der an 9 gesetzt war, verlor zwar seine Partie in der letzten Runde mit Schwarz gegen Adam Kozak und beendete das Turnier aber mit einer Turnierperformance-Wertung von 2597. Damit gewann das deutsche Nachwuchstalent bereits das zweite renommierte Turnier in diesem Jahr nach dem Qualifier des Tata Steel in Wijk aan Zee. Neben 6000 Schweizer Franken kann sich Glöckler über seine erste GM-Norm und einen Elo-Zuwachs von 13,4 Punkten auf jetzt 2519 freuen.
Interview mit dem Turniersieger Christian Glöckler:
Kozak belegte dank seines Sieges punktgleich mit dem 2008 geborenen chinesischen IM Cao Qingfeng den dritten Platz. Cao, besiegte in der letzten Runde Peter Acs mit Schwarz und ist als 15. der Setzliste eine der Überraschungen des Turniers.
Eine Verfolgergruppe mit sechs Spielern landete mit 7/10 Punkten einen halben Punkt hinter Kozak und Cao. Zu dieser Gruppe gehörte auch die 19-jährige indische Nachwuchsspielerin Savitha Shri. Sie wurde damit beste Frau im MTO.

Adam Kozak | Foto: Biel Chess Festival

Cao Qingfeng | Foto: Biel Chess Festival

Savitha Shri | Foto: Biel Chess Festival
| Rk. | Name | RtgI | Pts. | TB1 | ||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | IM | Gloeckler, Christian | 2506 | 8 | 0 | |
| 2 | IM | Cao, Qingfeng | 2365 | 7,5 | 0 | |
| 3 | GM | Kozak, Adam | 2531 | 7,5 | 0 | |
| 4 | IM | Aronyak, Ghosh | 2549 | 7 | 0 | |
| 5 | GM | Alexakis, Dimitris | 2525 | 7 | 0 | |
| 6 | GM | Gopal, G.N. | 2529 | 7 | 0 | |
| 7 | IM | Savitha, Shri B | 2368 | 7 | 0 | |
| 8 | GM | Ghosh, Diptayan | 2554 | 7 | 0 | |
| 9 | IM | Elmi, Saad Abobaker | 2399 | 7 | 0 | |
| 10 | GM | Acs, Peter | 2561 | 6,5 | 0 | |
| 11 | WGM | Shukhman, Anna | 2443 | 6,5 | 0 | |
| 12 | GM | Cherniaev, Alexander | 2275 | 6,5 | 0 | |
| 13 | FM | Ashwath, Kaushik | 2278 | 6,5 | 0 | |
| 14 | IM | Lu, Miaoyi | 2392 | 6,5 | 0 | |
| 15 | Dong, Hongfu | 2353 | 6 | 0 | ||
| 16 | Liu, Bei | 2175 | 6 | 0 | ||
| 17 | IM | Baenziger, Fabian | 2435 | 6 | 0 | |
| 18 | WGM | Balabayeva, Xeniya | 2302 | 6 | 0 | |
| 19 | GM | Ganguly, Surya Shekhar | 2578 | 6 | 0 | |
| 20 | WGM | Georgescu, Lena | 2253 | 6 | 0 | |
| 21 | CM | Pleschke, Julius Jonas | 2280 | 6 | 0 | |
| 22 | WGM | Nguyen, Thi Mai Hung | 2260 | 6 | 0 | |
| 23 | IM | Haimovich, Tal | 2310 | 6 | 0 | |
| 24 | GM | Sasikiran, Krishnan | 2546 | 6 | 0 | |
| 25 | FM | Hasenohr, Benedict | 2247 | 6 | 0 |