Zwei Siegerinnen gab es in der vierten Runde des Frauen-Kandidatenturniers: Dank dieser Ergebnisse liegen vor dem Ruhetag Anna Muzychuk und Bibisara Assaubayeva an der Spitze. Muzychuk besiegte Kateryna Lagno, während Assaubayeva gegen Tan Zhongyi ein Remis erzielte. Zhu Jiner konnte nach verpassten Chancen in den vorherigen Runden mit einem Sieg gegen Divya Deshmukh erstmals einen vollen Punkt einfahren. Schließlich konnte Vaishali Rameshbabu eine schwierige Stellung gegen Aleksandra Goryachkina retten.

Angstgegnerin? Goryachkina konnte trotz des besseren Ratings
noch keine klassische Partie gegen Vaishaili gewinnen und
auch die Gesamtbilanz spricht für die Inderin.
Die Partie zwischen Vaishali und Goryachkina war von Beginn an von einem deutlichen Ungleichgewicht geprägt. Vaishali stieß mit ihrem a-Bauern nach a6 vor, aber das wirkte verfrüht und ermöglichte es Goryachkina, die Initiative zu ergreifen. Mit 17…d4 erreichte die russische Großmeisterin eine klar vorteilhafte Stellung und schien auf dem besten Weg zu einem erheblichen Vorteil.
Eine folgende Fehlentscheidung der Schwarzspielerin kostete jedoch den Vorteil und Vaishali konnte die Komplikationen durch präzises taktisches Spiel lösen.

Vaishali Rameshbabu und Aleksandra Goryachkina spielten bislang alle vier Partien remis – sie waren jedoch zumeist hart umkämpft. | Foto: FIDE / Michal Walusza

Hätte Assaubayeva gewonnen, hätte sie die Bilanz komplett ausgeglichen.
In der Partie zwischen Assaubayeva und Tan hatte die kasachische Spielerin von Beginn an vielversprechende Aussichten. Mit einer Tarrasch-Struktur erreichte sie eine Stellung, die realistische Gewinnchancen bot, insbesondere im Mittelspiel.
Assaubayeva wählte jedoch in einem kritischen Moment nicht die beste Fortsetzung, wodurch Tan sich neu formieren konnte. Die ehemalige Weltmeisterin bewies präzises Kalkül, neutralisierte den Druck und die Partie endete schließlich remis, wodurch Assaubayeva die alleinige Tabellenführung verwehrt blieb.

Bibisara Assaubayeva stoppt die Uhr und stimmt einem Remis zu. | Foto: FIDE / Yoav Nis

Ein Duell über viele Jahre: Die Bilanz spricht für die Ukrainerin.
Muzychuks Sieg über Lagno verlief vergleichsweise weniger chaotisch als einige der früheren Partien des Turniers. Lagnos Stellung war größtenteils solide gewesen, doch ein Fehler im 28. Zug führte zu einer Verschlechterung, die sie nicht mehr aufhalten konnte.
Zuvor hatte Muzychuk sich für eine offensive Herangehensweise entschieden, unter anderem durch ein positionelles Figurenopfer im 20. Zug.
Darüber hinaus verzichtete die ukrainische Großmeisterin später auf die Möglichkeit, die Stellung durch Wiederholung zu vereinfachen. Muzychuks Beharrlichkeit wurde schließlich belohnt, da sie ihren Vorteil nutzte, den vollen Punkt sicherte und sich die Führung teilte.
Wie schon bei früheren Aufeinandertreffen der beiden gab es auch diesmal keinen Handschlag zwischen den Kontrahentinnen – weder vor dem Spiel noch nach der Aufgabe. Lagno wurde im ukrainischen Lemberg geboren als die Stadt noch Teil der Sowjetunion war. 2014 zog sie nach Russland.

Kateryna Lagno war zu diesem Zeitpunkt bereits verloren. | Foto: FIDE / Yoav Nis

Die Inderin hat einen schweren Stand gegen die starke Chinesin.
Zhus Sieg gegen Deshmukh basierte auf einer strategisch erfolgreichen Eröffnung. Die topgesetzte Chinesin lenkte das Spiel von Beginn an weg von den üblichen Varianten. Deshmukh spielte die Stellung zunächst korrekt, wählte dann aber einen ungünstigen Aufbau am Königsflügel, der sie in eine schwierige Lage brachte.
Gelegenheiten, die Partie durch ein Opfer zu verkomplizieren, verpasst die Inderin, und die Position wurde allmählich unhaltbar.
Zhu nutzte diese Ungenauigkeiten geschickt aus und konnte ihren Vorteil mühelos in einen Vorteil verwandeln.

Divya Deshmukh gegen Zhu Jiner. | Foto: FIDE / Yoav Nis
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