02.03.2026 – Wird tiefes Rechnen auf Toplevel von einer Stärke zu einer Schwäche? In diesem Meinungsbeitrag untersucht Ravi Abhyankar das heikle Gleichgewicht zwischen Kalkulation und Instinkt im modernen Schach. Können es sich die heutigen Spitzenspieler leisten, sich allein auf tiefgründige Berechnungen zu verlassen und die Geschwindigkeit zu vernachlässigen? Warum ist Blitzschach für einen Weltmeister im klassischen Schach heutzutage so wichtig? Durch die Verknüpfung von Daten, Geschichte und modernem Turniergeschehen erklärt der Artikel, was Dominanz im modernen Schach bedeutet. | Foto: Grand Chess Tour / Lennart Ootes
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In diesem Videokurs veranschaulicht Sasikran anhand verschiedener Beispiele aus seiner Karriere, welche Opfer für Initiative, einen Angriff, eine bessere Bauernstruktur und vieles mehr erforderlich sind.
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Parkinsonsches Gesetz
Hinweis: Dieser Artikel ist ein Meinungsbeitrag und spiegelt die persönlichen Ansichten des Autors wider.
Zu Beginn seines Klassikers beschreibt C. Northcote Parkinson eine ältere Dame, die einen ganzen Tag damit verbringt, eine Postkarte an ihre Nichte zu schreiben und abzuschicken. Eine Stunde sucht sie nach der Postkarte, eine weitere nach ihrer Brille, eine halbe Stunde nach der Adresse, mehr als eine Stunde arbeitet sie am Text und zwanzig Minuten braucht sie, um sich zu entscheiden, ob sie einen Regenschirm mit zum Postamt nehmen soll. Ein vielbeschäftigter Mensch würde die ganze Aufgabe in drei Minuten erledigen.
Anhand dieses Beispiels formuliert Parkinson sein erstes Gesetz: „Arbeit dehnt sich so aus, dass sie die zur Verfügung stehende Zeit vollständig ausfüllt.“
Dieses Gesetz trifft oft auch auf Schach zu. Gibt man zwei Großmeistern fünf Stunden, fünfzig Minuten oder zehn Minuten Zeit für eine Partie, werden sie in der Regel die gesamte zur Verfügung stehende Zeit in Anspruch nehmen.
Berechnung versus Instinkt
Auf der einen Seite steht die Berechnung: die Analyse konkreter Varianten, von Kognitionswissenschaftlern als „Suche“ bezeichnet – ein langsamer Prozess. Auf der anderen Seite steht der Instinkt oder die Intuition: Mustererkennung, die Kategorisierung von Zügen – der schnelle Prozess.
Studien legen nahe, dass Spitzengroßmeister nicht breiter, sondern tiefer analysieren. Im Vergleich zu schwächeren Spielern ziehen sie nicht unbedingt mehr mögliche Züge in Betracht. Sie berechnen kritische Varianten jedoch wesentlich detaillierter und bewerten Stellungen genauer.
Moderne Weltklassespieler der jungen Generation wie Gukesh Dommaraju und Praggnanandhaa Rameshbabu werden mitunter als Rechenmaschinen bezeichnet. Viele ihrer Züge entsprechen der ersten Wahl der Engines. Ihre Präzision ist außergewöhnlich.
Wird nicht jede Schachpartie durch Fehler entschieden? Absolut. Aber die meisten Spieler begreifen nie wirklich, dass sie immer wieder die gleichen Fehler machen.
Die klassische Wertungszahl spiegelt traditionell Schachverständnis, strategische Tiefe und Rechenfähigkeit wider – den eher langsamen Prozess. Die Blitzwertung hingegen berücksichtigt zusätzlich Instinkt, schnelle Entscheidungsfindung und die Fähigkeit, unter starkem Zeitdruck zu agieren. Im modernen Schach sind diese Fähigkeiten nicht mehr voneinander zu trennen.
Spieler in drei Formaten
In der Elo-Liste von Februar 2026 befinden sich nur fünf Spieler in den Top Ten aller drei Formate – klassisch, Schnellschach und Blitzschach: Magnus Carlsen, Hikaru Nakamura, Fabiano Caruana, Arjun Erigaisi und Alireza Firouzja. Carlsen bleibt eine Ausnahmeerscheinung und hält sich unangefochten an der Spitze. Nakamura und Caruana sind in Schlagdistanz und ernstzunehmende Herausforderer. Erigaisi und Firouzja gehören zur aufstrebenden Generation, die schon bald um die Weltmeisterschaft mitspielen könnte. Spieler, die in allen drei Formaten stark sind, erhalten zudem häufiger Einladungen zu hochkarätigen Turnieren im modernen Schachzirkus. Weltmeister Gukesh fehlt bemerkenswerterweise in dieser Gruppe.
In this Fritztrainer: "Attack like a Super GM" with Gukesh we touch upon all aspects of his play, with special emphasis on how you can become a better attacking player.
Gukesh, Neunter der klassischen Elo-Liste (2/2026), belegt im Blitzschach Platz 51. Carlsen, Nakamura und Firouzja haben jeweils die 2900er-Marke im Blitzschach überschritten. Caruana, Anand und Nepomniachtchi haben alle über 2800 Elo-Punkte. Erigaisi steht derzeit bei 2776 und ist im Aufwind. Gukeshs höchste Blitz-Elo-Zahl lag bei 2659 (August 2023). Der Unterschied wird noch deutlicher, wenn man die Ergebnisse betrachtet. Gukesh hat fast 40 Prozent seiner Blitzpartien verloren. (Zum Vergleich: Carlsen 14 Prozent, Nakamura 14 Prozent, Erigaisi 20 Prozent, Firouzja 22 Prozent, Caruana 30 Prozent). Firouzja gewinnt hingegen phänomenale 60 Prozent seiner Blitzpartien, verglichen mit Gukeshs 45 Prozent.
Gukeshs klassische Statistik auf einen Blick. | Quelle: Gukeshs FIDE-Profil
Gukeshs Blitzschachstatistiken verdeutlichen einen deutlichen Kontrast zu seinen Stärken im klassischen Schach. | Quelle: Gukeshs FIDE-Profil
Gukesh ist immens talentiert, außerordentlich fleißig und konzentriert sich ganz klar auf klassisches Schach. Es ist ungewöhnlich, dass ein amtierender Weltmeister eine so bescheidene Blitzschach-Weltranglistenposition und -Statistik aufweist. Ist es Gleichgültigkeit? Vernachlässigung? Oder eine strategische Unterschätzung des Blitzschachs?
Gukesh verliert in 14 Zügen gegen Duda beim SuperUnited Blitz 2025. | Video: ChessBase India
Warum Blitzschach für einen klassischen Schachweltmeister wichtig ist
Im 20. Jahrhundert konnten sich Spitzenspieler fast ausschließlich auf das klassische Schach spezialisieren. Diese Ära ist vorbei.
Zeitkontrollen werden seltener Da Inkrement oft erst nach dem 40. Zug hinzukommt, ist das Zeitmanagement entscheidend geworden.
Bei Eliteturnieren wird zunehmend auf Tiebreaks gesetzt Schnellschach, Blitzschach und sogar Armageddon entscheiden heute über den Sieg.
Auch Weltmeisterschaften werden im Tiebreak entschieden Kramnik–Topalov (2006), Anand–Gelfand (2012), Carlsen–Karjakin (2016), Carlsen–Caruana (2018) und Nepomniachtchi–Ding (2023) – alle wurden in kürzeren Formaten entschieden
Eröffnungsvorbereitung Im Zeitalter der Computerprogramme können Neuerungen bis weit ins Mittelspiel hinein auftreten. Die Stellungen werden schärfer und rechenintensiver.
Fischer Random (Chess960) gewinnt an Bedeutung In diesem Format kommt es noch mehr auf reine Kalkulation und Anpassungsfähigkeit an.
Um im modernen Schach zu dominieren und Einladungen zu Eliteturnieren zu erhalten, sind Blitz- und Schnellschach heutzutage entscheidend. Zum Glück ist Gukesh erst 19 Jahre alt. Instinkt lässt sich trainieren.
Als Viswanathan Anand auf der europäischen Schachbühne erschien, hatte er in Indien schon einige Erfolge erzielt, die indischen Jugendmeisterschaften und als Jugendlicher auch die Landesmeisterschaften der Erwachsenen gewonnen. Mit gerade einmal 14 Jahren wurde Anand 1984 für die Schacholympiade in die indische Nationalmannschaft berufen. 1987 wurde er Juniorenweltmeister, 1988 verlieh die die FIDE dem 19-jährigen den Titel eines Großmeisters.
Viswanathan Anand spielte von Anfang an instinktiv. In seiner Jugend zog er oft mit atemberaubender Geschwindigkeit. Er erkannte den richtigen Zug und berechnete nur selten, um seine Intuition zu bestätigen. In den 1990er-Jahren, als er zur absoluten Weltspitze aufstieg, wurde Anand klar, dass Instinkt allein nicht ausreichte. Um die absolute Spitze zu erreichen, musste er seine Berechnungen vertiefen, seine Endspieltechnik verbessern und impulsive Entscheidungen vermeiden. Er trainierte sich, langsamer zu spielen. Das Ergebnis: fünf Weltmeistertitel und eine bemerkenswerte Karriere!
Bei Gukesh scheint die Situation umgekehrt zu sein. Er ist ein phänomenal berechnender Spieler. Doch er muss möglicherweise seinen praktischen Instinkt weiterentwickeln. So wie Anand sich darin übte, langsamer zu spielen, muss Gukesh vielleicht lernen, schneller zu spielen. Eine Verbesserung seiner Blitzstärke wird nicht nur seine Elo-Zahl erhöhen, sondern auch seine Entscheidungsfindung unter Zeitdruck im klassischen Schach verbessern.
Gukesh wird nicht umsonst als Rechenmaschine bezeichnet. | Video: ChessBase India
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Kasparov stellte Anand und Kramnik einmal gegenüber, indem er Vassili Smyslov zitierte. Smyslov sagte bekanntlich: „Ich spiele 40 gute Züge. Wenn mein Gegner 40 gute Züge spielt, endet die Partie remis.“ Kasparov bemerkte, dass Anand, wie Smyslov, pragmatisch sei. Er gebe sich mit guten Zügen zufrieden. Kramnik hingegen suchte oft nach dem perfekten Zug. Das Streben nach Perfektion zehrte enorm an seinen Kräften. Anands Pragmatismus trug zu seiner langen Karriere bei. Smyslov erreichte mit 63 Jahren das Kandidatenfinale. Anand, Mitte fünfzig, spielt nach wie vor auf höchstem Niveau.
Für Rechengenies wie Gukesh oder Praggnanandhaa ist dies eine wertvolle Lektion. Es gibt keine Preise für schöne oder tiefgründige Berechnungen. Die Preise liegen im Gewinnen von Partien und Turnieren. Man sollte sich nicht im Dschungel der Analyse verlieren, insbesondere wenn die Suche nach einem Ausrufezeichenzug in Zeitnot mit einem Fragezeichen endet.
Strategische und taktische Vorschläge für Gukesh
Bis 2028 sollte er zu den Top-10-Spielern in allen drei Schachformaten gehören. Dafür ist ein systematisches Training im Schnell- und Blitzschach erforderlich.
Vor der Weltmeisterschaft 2026 sollte ein geschlossener Trainingskampf mit besonderem Fokus auf Zeitmanagement ausgetragen werden, gefolgt von Schnellschach- und Blitzschach-Sparring.
Er sollte auf einem Inkrement ab dem ersten Zug im Weltmeisterschaftskampf 2026 bestehen.
Gukesh ist bereits Weltmeister und noch ein Teenager. Die Frage ist nicht, ob er gut genug ist. Die Frage ist, ob er seine Ära dominieren will. Blitzstärke könnte der entscheidende Faktor dafür sein.
10.02.2026 – Nach seinem historischen Triumph befindet sich Weltmeister Gukesh Dommaraju in einer Phase der Neuorientierung: Für den 19-jährigen Inder geht es längst nicht mehr nur um Titel, sondern um konstante Weiterentwicklung und mentale Stärke. In einem exklusiven Interview mit der Times of India spricht er offen über die Herausforderungen des Alltags als Champion, die Bedeutung von Niederlagen und seine Sicht auf die Zukunft des Schachs. | Fotos: FIDE/Eng Chin An
26.01.2026 – Das Turnier in Wijk aan Zee bietet eine Fülle von Schach, Geschichten, Eindrücken und interessanten Personen. Der folgende Bericht wirft einen Blick hinter die Kulissen mit Hintergrundinformationen und Interviews. So kann man zum Beispiel den Mann kennenlernen, der hinter dem fantastischen Live-Erlebnis auf der Tata Steel Chess Webseite steckt. | Fotos: Nils Rohde (wenn nicht anders angegeben), Interviews: André Schulz und Arne Kähler
Benoni ist eine aktive Eröffnung für Schwarz, und gerade jetzt genießt sie ein Comeback. Das Zähmen der gegnerischen Dynamik in Stellungen, wo der Nachziehende auf seine aktiven Figuren und die Damenflügelmajorität pochen kann, ist den Weißspielern immer schwergefallen. Thema dieser 60-Minuten-Videoplips ist der Kern des Abspiels 8.h3 0-0 9.Ld3 (nach 1.d4 Sf6 2.c4 c5 3.d5 e6 4.Sc3 exd5 5.cxd5 d6 6.e4 g6 7.Sf3 Lg7). Dieses stößt unter Benoni-Anhängern auf keine große Gegenliebe - dem Traum, den Gegner zu massieren, kommen die Anziehenden damit nämlich gefährlich nahe. Wie man diesem aussichtsreichen Aufbau am besten begegnen soll, wird nach wie vor hitzig diskutiert, denn nicht jeder ist mit dem schwarzen Hauptabspiel mit dem sofortigen 9…b5 zufrieden. Gut vorbereitete Benoni-Liebhaber können immer noch Wege finden, dem Ausgleich nahezukommen, doch die Initiative bleibt fest in der Hand von Weiß. Der slowakische GM Lubomir Ftacnik analysiert und bewertet alle zentralen Ideen der Verteidigung und zeigt Wege, Schwarz unter Druck zu setzen. Ergänzt wird das Ganze durch eine Datenbank mit den wichtigsten Partien. Jeder, der ein solides, aussichtsreiches und klar strukturiertes Eröffnungssystem gegen Benoni sucht, findet eine Fülle an sorgsam ausgewählten Informationen.
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Die Abtauschvariante im Damengambit (5.Lf4) bietet eine hervorragende Balance zwischen positionellem Spiel und scharfen Bauernvorstößen. Sie ist für Ihre Gegner eine echte Überraschung & für Sie leicht zu erlernen, da die wichtigsten Muster vertraut sind.
Nach 1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Dxd4 Sc6 5.Lb5 Ld7 6.Dd3 umgeht Weiß die Hauptvarianten und lenkt die Partie in weniger erforschte, strategisch gehaltvolle Stellungen.
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Im Katalanen wählt Zwirs einen ambitionierten Ansatz: Er nimmt den Bauern und verteidigt ihn mit …c6 und …b5, um früh unbalancierte, kämpferische Stellungen zu erreichen.
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