2. Bundesliga: Der aktuelle Stand

von Klaus Besenthal
12.04.2016 – In der 2. Bundesliga stehen einige Entscheidungen bereits fest. Der SK König Tegel (auf dem Foto GM Rene Stern, das Spitzenbrett der Berliner) hat sich in der Nord-Staffel mit fünf Punkten Vorsprung auf die Konkurrenz - bei einer noch ausstehenden Runde - den erneuten Aufstieg in die Schachbundesliga gesichert. Ein vollständiger Überblick im Artikel. Mehr...

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In der Turnierordnung der Schachbundesliga ist die Abstiegsfrage eindeutig geregelt: "Die vier letztplatzierten Mannschaften steigen in die 2. Bundesliga ab", heißt es dort. Tatsächlich so passiert ist es aber zuletzt in der Saison 2011/12, als auf den Plätzen 13, 14, 15 und 16 der SC Hansa Dortmund, der USV TU Dresden, der SC Remagen und der SK König Tegel eingekommen waren. Diese vier Mannschaften stiegen dann auch ab. Der SC Remagen ist inzwischen von der Bildfläche verschwunden, während der SC Hansa Dortmund (hochgradig abstiegsgefährdet) und der USV TU Dresden (sicher gerettet) in der aktuellen Saison 2015/16 wieder in der Bundesliga spielen. Das gilt in der kommenden Saison 2016/17 auch wieder für den SK König Tegel, der in der Nord-Staffel der 2. Bundesliga eine Runde vor Schluss bereits den riesigen Vorsprung von fünf Mannschaftspunkten aufzuweisen hat:

2. Bundesliga, Staffel Nord: 

 1. SK König Tegel             8 14  40 
 2. SK Zehlendorf              8  9  36½ 
 3. SSC Rostock 07             8  9  35 
 4. Hamburger SK II            8  9  33½ 
 5. SV Glückauf Rüdersdorf     8  8  35 
 6. SV Werder Bremen II        8  8  31½ 
 7. Rotation Pankow            8  7  29 
 8. Preetzer TSV               8  7  26 
 9. SF Schwerin                8  6  28½ 
10. SC Kreuzberg               8  3  25 

 

Vier Großmeister an den Spitzenbrettern, die alle regelmäßig gespielt und entsprechend Punkte gesammelt haben, waren die Basis dieses Erfolgs, wie ein Blick auf die Einzelergebnisse der Berliner zeigt:

  Spieler Nat Elo Tit  1  2  3  4  5  6  7  8  9
 1 Stern,Rene GER 2536 GM ½   ½ ½ 1 ½ ½ 1 1
 2 Rabiega,Robert GER 2499 GM ½   1 0 ½ ½ ½ 1 1
 3 Richter,Michael GER 2508 GM 1   0 ½ ½ ½ 1   ½
 4 Muse,Mladen CRO 2376 GM     ½ ½ ½ ½ ½ ½ 1
 5 Muse,Drazen CRO 2363 IM ½   ½ ½ ½ ½ ½ 1 ½
 6 Von Herman,Ulf GER 2357 IM ½   1 ½ ½ ½ ½ ½  
 7 Sarbok,Torsten GER 2339 FM ½           ½ 0 ½
 8 Fruebing,Stefan GER 2378 FM     ½ 1 1 1   0 1
 9 Berger,Steve GER 2397 IM                  
10 Bruedigam,Martin GER 2404 FM ½   1 ½ 1 1 1   1
11 Breier,Andreas GER 2380 FM 1                
12 Kachibadze,Georg GER 2280                 0  
13 Giemsa,Stephan GER 2260 FM                  
14 Dimitrijeski,Boris,Dr. GER 2306 FM                  
15 Jahnz,Fabian GER 2258 FM                  
16 Anibar,Ahmed MAR 2274                    
17 Wierzbicki,Jirawat GER 1989                    

Seit der Saison 2012/13 ist der Abstieg aus der Schachbundesliga nicht einmal mehr planmässig verlaufen:

In der Saison 2012/13 erklärte der eigentlich gerettete Wiesbadener Schachverein 1885 freiwillig seinen Rückzug aus der Schachbundesliga, während sich aus der West-Staffel der 2. Bundesliga kein Verein zum Aufstieg entschließen konnte. So kamen die eigentlich abgestiegenen Schachfreunde Berlin und der SV Griesheim letztlich doch noch am "Grünen Tisch" zum Klassenerhalt. Als Absteiger blieben nur der SC Forchheim und der SK Norderstedt. 

Ein Jahr später zog sich nach Beendigung der Saison der SV Wattenscheid freiwillig aus der Bundesliga zurück. Dem FC Bayern München, der als 13. eigentlich abgestiegen war, gelang auf diese Weise doch noch der Klassenverbleib. Absteiger waren in der Saison 2013/14 somit nur der SV Griesheim, der SK König Tegel und der SC Viernheim.

2014/15 schließlich war es der SC Eppingen, der sich freiwillig zurückzog. Da sich aus der West-Staffel der 2. Bundesliga erneut kein Aufsteiger fand, blieben die Schachfreunde Berlin und der FC Bayern München - beide rein sportlich eigentlich abgestiegen - Mitglieder der Schachbundesliga. Absteiger waren die (in der Endtabelle vor den Bayern platzierten) SF Katernberg, die ebenfalls freiwillig verzichteten, und der SSC Rostock 07. Die Rostocker mussten in der aktuellen Saison der 2. Bundesliga Staffel Nord, wie oben bereits dargestellt, dem SK König Tegel den Vortritt lassen und verpassten somit den Wiederaufstieg.

In der West-Staffel der 2. Bundesliga heißt der Seriensieger der letzten sieben Jahre SG Porz. Auch in diesem Jahr deutet vieles auf einen erneuten Erfolg der Porzer hin, die eine Runde vor Schluss zwar nur einen Mannschaftspunkt Vorsprung haben, zugleich aber nur noch gegen den SV Mülheim Nord II anzutreten haben, wo ihnen ein 4-4 bereits reichen würde.

2. Bundesliga West:

 1. SG Köln Porz               7 13  38 
 2. DJK A.-Aachen              7 12  33½ 
 3. Aachener SV                7 10  30 
 4. SG Bochum 31               7  8  29 
 5. SF Katernberg              7  6  28 
 6. SF Schöneck                8  5  27 
 7. SG Solingen II             7  5  25½ 
 8. SV Mülheim Nord II         7  3  24½ 
 9. SV Dinslaken               7  2  20½ 
10. Godesberger SK             0  0   0 

 

Die Gründe für die Überlegenheit der Porzer legt ein Blick auf die Aufstellung offen:

  Spieler Nat Elo Tit  1  2  3  4  5  6  7  8  9
 1 Van Wely,Loek NED 2654 GM ½     ½     1    
 2 Timman,Jan H NED 2556 GM 0   ½ 0 1 ½ 1   ½
 3 Baklan,Vladimir UKR 2616 GM 1   1 1 ½ 1 1   ½
 4 Khenkin,Igor GER 2586 GM 1   1 1 ½ ½ 1   ½
 5 Reinderman,Dimitri NED 2595 GM       1 1 1 1   ½
 6 Van Den Doel,Erik NED 2557 GM 0     ½ 1 ½ 1   ½
 7 Lutz,Christopher GER 2524 GM ½   0 ½ ½ 1 1   1
 8 Rotstein,Arkadij GER 2513 GM 1   0 1 0 1 1   ½
 9 Bok,Benjamin NED 2604 GM 1   1            
10 Malykin,Vitaly UKR 2385 IM           1      
11 Korotkjevich,Stanislav UKR 2389       ½           0
12 Pauly,Carlo GER 2233       ½            
13 Wagenknecht,Uwe GER 2200                    
14 Thalwitzer,David GER 2114                    
15 Liard,Thibaud FRA 2174                    
16 Finke,Kai GER 2023                    
17 Xu,Xianliang GER 2267 FM         0        
18 Fieberg,Samuel GER 2176                    

Definitiv eine Erstligamannschaft, die jedoch regelmäßig auf den sportlich errungenen Aufstieg verzichtet. Auf der Homepage des Vereins wurde dies nach der Zweitligameisterschaft 2015 so begründet: "[...] die von unserem Mäzen Wilfried Hilgert in der Vergangenheit vorgebrachten Kritikpunkte am 'Schachbundesliga e.V.' haben ja auch weiterhin Bestand." Das haben sie wohl auch 2016 - die Geschichte ist öffentlich und kann z.B. bei Wikipedia nachgelesen werden. Dem inzwischen 82jährigen Wilfried Hilgert, der die SG Porz dennoch weiterhin unterstützt, missfällt demnach die "Vernachlässigung des Amateur- und Jugendbereichs", die, seiner Meinung nach, mit der Gründung des "Schachbundesliga e.V." einherging.

Wilfried Hilgert

Verzichtet eine eigentlich sportlich qualifizierte Mannschaft auf den Aufstieg in die Schachbundesliga, dann werden der Zweit- bzw. Drittplatzierte gefragt. Verzichten auch diese, dann wird nicht etwa der Viertplatzierte gefragt, sondern es wird vielmehr die Anzahl der Absteiger aus der Schachbundesliga reduziert. Verzichtet haben in diesem Sinne in der Vergangenheit auch schon DJK Aachen und die SG Bochum. Was also am Ende tatsächlich in der West-Staffel der 2. Bundesliga passiert, muss wohl zunächst noch abgewartet werden.

In der Süd-Staffel der 2. Bundesliga hat sich die SG Speyer-Schwegenheim bereits vorzeitig die Meisterschaft gesichert:

2. Bundesliga, Staffel Süd:

 1. SG Speyer-Schwegenheim     8 16  42 
 2. TSV Schönaich              8 11  35½ 
 3. SV Hofheim                 8 11  35½ 
 4. SC Untergrombach           8  9  29½ 
 5. SC Eppingen                8  8  34½ 
 6. TSV Schott Mainz           8  8  33½ 
 7. SC Viernheim               8  7  28 
 8. OSG Baden Baden II         8  5  33 
 9. SC Brombach                8  5  28 
10. SK Landau                  8  0  20½ 

 

Auf der Homepage der SG Speyer-Schwegenheim ist zu lesen, dass man "bereits für die Schachbundesliga planen" könne. Beruhigend, verglichen mit der Situation in der West-Staffel!

Ein Blick auf die Aufstellung zeigt, dass man sich in der Schachbundesliga auf den Neuzugang durchaus freuen darf:

  Spieler Nat Elo Tit  1  2  3  4  5  6  7  8  9
 1 Neiksans,Arturs LAT 2622 GM +         1 ½   1
 2 Feller,Sebastien FRA 2623 GM       1 1        
 3 Horvath,Adam HUN 2515 GM 1   0 ½ ½ 0   1  
 4 Ruck,Robert HUN 2567 GM       1 ½ 0   1  
 5 Meskovs,Nikita LAT 2459 IM 1   1   ½   0 1 ½
 6 Kantans,Toms LAT 2496 IM         1 0 1   1
 7 Kovacs,Gabor HUN 2463 IM 0   ½ 1 ½ ½   1  
 8 Nemeth,Miklos HUN 2480 IM ½   1 1 1 1   ½  
 9 Bratanov,Zsivko BUL 2409 IM     ½       1    
10 Starostits,Ilmars LAT 2461 GM       1         ½
11 Zueger,Beat SUI 2396 IM       1     -    
12 Csonka,Attila Istvan HUN 2334 IM ½   ½     1   ½  
13 Commercon,Simon GER 2235   ½   ½   ½ 1 ½ 0 ½
14 Flierl,Pascal GER 2224   ½   ½ 1     1 ½ ½
15 Theel,Thomas GER 2180               ½   ½
16 Gellendin,Ingo GER 2149                   ½
17 Thumm,Felix GER 1939                    
18 Thumm,Niklas GER 1788                    

Arturs Neiksans, das Spitzenbrett der SG Speyer-Schwegenheim

In der Staffel Ost sind bereits alle Runden gespielt.

2. Bundesliga Staffel Ost:

 1. MSA Zugzwang               9 15  41 
 2. SK Göggingen               9 13  43½ 
 3. Nickelhütte Aue            9 13  42½ 
 4. Bindlach-Aktionär          9 12  41½ 
 5. BAD Mergentheim            9 12  40 
 6. SC Garching                9  8  34½ 
 7. SC Forchheim               9  7  32½ 
 8. SF Neuberg                 9  7  31½ 
 9. SG AE Magdeburg            9  3  25½ 
10. SG Leipzig                 9  0  27½ 

 

Wer sich darüber wundert, dass mit dem MSA Zugzwang, der sich auf seiner Homepage als "Ein Schachverein in München" vorstellt, ein bayerischer Verein Meister in der "Ost"-Staffel geworden ist, dem sei gesagt, dass die Reisekosten bei der Zusammenstellung der Staffeln eine nicht unwesentliche Rolle spielen.

Überhaupt sind die Finanzen das Thema schlechthin, wenn es darum geht, von der zweiten in die erste Bundesliga zu wechseln. In der 2. Bundesliga reist man in der Regel regional, und das auch nur für eine Partie am Wochenende, so dass es u.U. ohne Übernachtung geht. Die Gesamtzahl der Partien ist ohnehin geringer. Die Kosten sind also gar nicht vergleichbar. Hinzu kommt natürlich, dass in der ersten Bundesliga auch die Aufrechterhaltung bzw. Herstellung einer gewissen Konkurrenzfähigkeit viel Geld kosten kann. Und wem das noch nicht genug ist, der muss sich dann auch noch mit den sonstigen Anforderungen auseinandersetzen, die in den Statuten der Schachbundesliga geregelt sind. Auch die Realisierung der Internetübertragung oder der geforderten allgemeinen Spielbedingungen (Spiellokal, Größe der Tische usw.) kann teuer werden.

Vor diesem Hintergrund kann man auf der Homepage des MSA Zugzwang folgenden letzten Stand bezüglich der nun anstehenden Entscheidung nachlesen (von GM Gerald Hertneck):

"Und wie geht es nun weiter? Wird der Verein sich für den Aufstieg in die höchste Spielklasse entscheiden oder nicht? Hier stehen wir wahrlich unter Zugzwang! Diese spannende Frage werden der Vorstand, der Sponsor und die Mannschaft nach Ostern in einer gesondert angesetzten Mannschaftsbesprechung gemeinsam entscheiden."

Wie auch immer, man hatte in der 2. Bundesliga eine starke Mannschaft:

  Spieler Nat Elo Tit  1  2  3  4  5  6  7  8  9 10
 1 Bromberger,Stefan GER 2531 GM 0 ½     1 1 ½ 1   1
 2 Kindermann,Stefan AUT 2515 GM 1 ½ 1 ½ 1 ½ 1 0   ½
 3 Hertneck,Gerald GER 2467 GM 1 ½ 1 ½ ½ 0 0 1   1
 4 Zysk,Robert GER 2385 IM 1 1 ½ ½ ½ 0 ½ 0   0
 5 Gerigk,Erasmus GER 2381 FM     ½ ½ ½ ½ ½ 1   0
 6 Lammers,Markus GER 2318 IM 1 0 0 ½ ½ 0 0 ½   ½
 7 Eichler,Christoph GER 2325 FM ½ ½ ½ ½     1 ½    
 8 Hoffmeyer,Falk GER 2354 FM 1 ½ ½ 1 1 ½ 1 1   1
 9 Panteleev,Petar BUL 2243       1 ½           ½
10 Boric,Elena BIH 2208 WIM                    
11 Krulich,Roman MNC 2215 CM                    
12 Motl,Martin GER 2153                      
13 Tasdelen,Deniz Murat TUR 2102                      
14 Dengler,Dijana BIH 2044 WFM 0 ½                
15 Siegmeth,Hugo GER                        
16 Brychcy,Felix GER 2015           ½          
17 Buehner,Maximilian GER 1821             0        

Das Feiern des Erfolgs jedenfalls ließ man sich nicht nehmen, wie folgendes, auf der Homepage veröffentlichtes Foto beweist:

Alle Tabellen und Ergebnisse beim Schachverband.

 

 



Klaus Besenthal ist ausgebildeter Informatiker und ein begeisterter Hamburger Schachspieler. Die Schachszene verfolgt er schon seit 1972 und nimmt fast ebenso lange regelmäßig selber an Schachturnieren teil.
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