7.g4 - Untersuchungen eines Spezialisten

27.02.2009 – Die Partie Carlsen - Anand, Linares 2009, - siehe die Analyse von Dorian Rogozenco - sorgte aus mehreren Gründen für Aufsehen. Ein Aspekt war Verwunderung ob der Eröffnungsphase, die den Weltmeister im Shabalov-Shirov-Gambit direkt in ein etwas schlechteres Endspiel führte. Einer der größten Spezialisten des Gambitzuges 7.g4 ist der polnische GM Michal Krasenkow. Er hat in CBM 127 und 128 (in CBM 129 folgt ein abschließender Teil) seinen Lieblingszug gegen Halbslawisch untersucht. Sehen Sie hier in einem gekürzt wiedergegebenen Beitrag in CBM 127 den Teil, der sich mit 7…Sxg4 beschäftigt. ChessBase Magazin 127 Krasenkow: 7.g4 Sxg4...

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Angenommenes Shabalov-Shirov-Gambit

Von Michal Krasenkow

1.d4 d5 2.c4 c6 3.Sf3 Sf6 4.Sc3 e6 5.e3 Sbd7 6.Dc2 Ld6 7.g4 Sxg4 8.Tg1

Allgemein ist das Gambit ein bisschen umstritten und reflektiert moderne Trends in der Schachstrategie ("zweite Eröffnungsrevolution der 90er"?). Das Zentrum ist weder stabil noch wird es von Weiß dominiert, wie also kann ein solcher Flankenangriff Erfolg haben. Doch die schwarzen Bemühungen um Gegenspiel im Zentrum (7...dxc4 mit der Idee ...e6-e5; 7...Lb4 mit Kampf um das Feld e4; schließlich, 7...h6 nebst ...e6-e5 oder ...d5xc4 Lf1xc4 b7-b5 mit der Idee ...Lc8-b7 und ...c6-c5, was von L.Schandorff untersucht wurde), wiewohl völlig gerechtfertigt und positionell korrekt, haben keinerlei "Widerlegung" geliefert. Es ist bemerkenswert, dass GM Boris Gelfand, der früher immer über das Shabalov-Shirov-Gambit zu witzeln pflegte ("in den entstehenden Stellungen würde sich Weiß oft freuen, g4-g2 zu spielen"), später darauf zurückkam und es in seiner eigenen Praxis anwandte!

Vor kurzem wandte GM Vladimir Kramnik seinen Blick wieder dem offensichtlichsten Zug zu:

7...Sxg4

Diese Annahme des Shabalov-Shirov-Gambits ist absolut logisch, und man mag sich wundern, weshalb sie in der Großmeisterpraxis nicht besonders populär ist. Wie so oft sind die Gründe überwiegend historischer Natur. Im Jahr 1992, als das ganze System zu dämmern begann, erzielte Weiß in diesem Abspiel einige überzeugende Siege (wenngleich nicht auf höchster Ebene), wonach es für lange Zeit ad acta gelegt wurde. Heutzutage (vor allem nach der vor kurzem gespielten Partie Morozevich,A - Kramnik,V) könnte der Prozess der Neuentdeckung und -entwicklung endgültig einsetzen. Wenn Sie daher dieses System als Weißer spielen, sollten Sie darauf gefasst sein, damit konfrontiert zu werden, und zwar sehr, sehr bald.

Nach 8.Tg1 hat Schwarz in der Praxis die folgenden Möglichkeiten angewandt:

C) 8...Df6. Ein wichtiger Zug. Nach 9.Txg4 Dxf3 10.Txg7 gewinnt Weiß den  Bauern zurück, aber die schwarze Dame auf f3 ist recht lästig.

Schwarz kann seine Entwicklung auf zweierlei Weise fortsetzen:

C1) 10...Sf6. Meines Erachtens lautet die beste weiße Erwiderung 11.Tg5! (drohend, den Eindringling mittels 12.Lg2 zu fangen). Nach 11...Se4 (andere Optionen werden erwähnt in den Anmerkungen zu Benitah,Y - Flear,G 1-0) 12.Sxe4 kann Schwarz mit der Dame oder dem Bauern wiedernehmen. Diese beiden Möglichkeiten werden untersucht in Benitah,Y - Flear,G 1-0 bzw. Gonzalez Vidal,Y - Mosquera,M 0-1. Sowohl im Endspiel als auch im Mittelspiel bewahrt Weiß ein kleines Plus.

C2) 10...Sf8 (drohend 11...Sg6) 11.Tg1 (11.Tg5!? ist auch hier interessant, allerdings gibt es zu wenig Material, um irgendwelche Schlüsse zu ziehen). Schwarz kann nun einmal mehr Material gewinnen (auf h2 und später sogar auf f2), aber Weiß behauptet, nachdem er die lange Rochade vorbereitet, Entwicklungsvorsprung und eine starke Initiative. In der Praxis sah man 11...Sg6 (Krasenkow,M - Piket,J ½-½); 11...Lxh2 12.Le2 und nun 12...Df6 (Sadykov,R - Sveshnikov,E 1-0) oder 12...Dh3 (Agrest,E - Korobov,A 1-0).



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