70 Jahre Jürgen Wienecke

20.10.2007 – Während die großen Schachspieler häufig gefeiert werden, kommen die Männer im Hintergrund, die vieles erst ermöglichen, viel zu oft zu kurz. Diesmal nicht. Jürgen Wienecke ist einer von Ihnen. Als Schatzmeister von Frankfurt-West sorgt er seit 1974 für ordentliche Finanzen, nicht nur in seinem Verein, sondern auch für die Chess Classic in Frankfurt, später für das Turnier in Mainz. Da zitterten dem routinierten Kaufmann auch dann nicht die Hände, als er die Top Ten der Schachwelt auszubezahlen hatte. Hans-Walter Schmitt würdigt die Leistungen seines Schachfreundes, der heute seinen 70sten Geburtstag feiert. Mehr...

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Schatzmeister Jürgen Wienecke feiert 70 Geburtstag
30 Jahre Vorstand: Chess Tigers, SC Frankfurt-West und SK Unterliederbach

Eine Schachlegende feiert seinen runden Geburtstag. Seit Ende Januar 1994 ist er Schatzmeister, zuerst beim SC Frankfurt-West und seit dem 9.9.1999 zusätzlich bei dem neu gegründeten Schach-Förderverein 1999 e.V., einfach Chess Tigers genannt. Bewegende und große Momente hat Jürgen Wienecke im geschäftsführenden Vorstand als Schatzmeister verantwortet - ein selten mutiger Kaufmann dem nie die Hände zitterten, selbst dann nicht, wenn die zehn besten Spieler der Welt ihr Salär empfingen. Arbeitswille, Kontinuität, Zähigkeit, Leidenschaft, Mut und Treue zeichneten ihn aus, aber auch - und das ist sehr selten bei Kaufleuten - Flexibilität, Fortschrittsdenken und Geschäftstüchtigkeit. Lieber Jürgen, wir anderen Tiger im Freigehege danken Dir herzlich für das Geleistete und wünschen Dir zum 70.Geburtstag alles erdenklich Gute.

70 Euro Schein für Jürgen Wienecke bei der EZB beantragt


Die Graphik zum Geburtstag

70 Jahre und kein bisschen leise wird am 20.Oktober 2007 Jürgen Wienecke. Seit dem 01.Juli 1977 ist er dem Schach verbunden als Vereins- und Mannschaftsspieler beim am 9.Mai 1924 gegründeten SK Unterliederbach, der dann 1989 mit dem Schwesterverein SC Sindlingen 1925 fusionierte und ab diesem Zeitpunkt SC Frankfurt-West sich nennen lässt. Doch das Organisationsschwergewicht ist nicht nur Spieler sondern auch aufopferungsvoller Organisator. Schon 1980, also drei Jahre nach Eintritt in den SK U. wählte man ihn nach zweijährigen kurzen Intermezzo von Karlheinz Arnold als Vorsitzenden zum Lenker der Geschicke, der dem großen Vorsitzenden Herrmann Leipe - heute Ehrenvorsitzender beim SC West folgte und schon bald passten die Schuhe. Acht Jahre bis 1988 erfüllte er diese Aufgabe und musste erkennen, dass die Freizeitgestaltung sich wesentlich änderte. Die gelebte Familienstruktur wurde mehr und mehr den individuellen Spielerbedürfnissen angepasst, sodass die Mitgliederzahl es erforderte, dass die Fusion der von Paul Kern mit gegründeten Vereine SK Unterliederbach und SC Sindlingen unabdingbar war - klugerweise überließ er dies der neuen Generation von Funktionären, die viel weniger Berührungsängste als die "Alten" plagten. Dem Vorstand blieb er natürlich verbunden und übernahm forthin die Schnittstelle zu den Vereinsringen.

Der Start: Spieler oder Funktionär


Ein Chess Tiger aus Leidenschaft

Nachdem Ferdinand Niebling vom SV Wiesbaden und Hans-Walter Schmitt von den Schachfreunden Königstein nach der erfolgreichen Fusion das spielerische Potenzial bei Frankfurt-West anreicherten und Letztgenannter im Januar 2002 den Vorsitz und Erstgenannter den Turnierleiter übernahm, konnte der gelernte Kaufmann Wienecke beim Anblick und dem Aufgabenvolumen der ersten Chess Classic 1994 einfach nicht widerstehen, er stieg zuerst für die Chess Classic als kaufmännischer Projektleiter ein und wurde 1996 in die entscheidende Funktion des Schatzmeisters gewählt.

Aufbruch zu neuen Ufern - Ziel: ein Weltklasseturnier!


Verantwortlich für 14 mal Chess Classic, die Schwergewichtszwillinge im jährlich weltweiten Turnierzirkus, Schatzmeister Jürgen Wienecke und Vorsitzender Hans-Walter Schmitt immer Flagge zeigend - unermüdlich im Einsatz

Bei der Vorstellung des 10-Jahres-Turnierkonzeptes verbunden mit der parallelen Jugendentwicklung erkannte er als Erster das riesige Potenzial, das chancenreich vor dem SC Frankfurt-West lag. Seit diesem Zeitpunkt wurde SC West eine „Marke“: 1996 bereits Verein des Jahres in Deutschland, mehrmalig hessischer U10 und U12 Einzel- und Mannschaftsmeister, die 1.Mannschaft war aus der Bezirksliga in die Landesklasse aufgestiegen. Mit Vishy Anand 1994, Vladimir Kramnik, Alexei Shirov, Dr.Robert Hübner und Peter Leko 1996 begann dann die Post abzugehen, die 1998 in das stärkste Schnellschachturnier aller Zeiten einmündete. Garry Kasparov, Vishy Anand, Vladimir Kramnik und Vassily Ivanchuk stellten mit einem Elo-Schnitt von 2781 alle Turnierrekorde in den Schatten. Im Umgang als Schatzmeister mit Weltklassespielern und Sponsoren mauserte sich der Club im Frankfurter Westen zur „Premium Marke“ und es floss auch ein bisschen Kleingeld - wie auf dem Bild ganz oben zu sehen - durch seine Hände. Die Ehrenmitgliedschaft Des Schachclubs Frankfurt-West hattest Du redlich verdient. Nachdem aber die "Vorstandszwillinge" Schmitt und Wienecke immer mehr Gas gaben und im Jahre 1999 - 75 Jahre Frankfurt-West - mit 12 Veranstaltungen vom Familienturnier über die Main-Taunus-Schach-Meisterschaft, Hessische Blitzschachmeisterschaft, Deutsche Schnellschachmeisterschaft bis hin zur Frankfurt Chess Classic 1999 in der Ballsporthalle - Empfang im Römer - die feindlichen russischen Weltmeister Kasparov und Karpov sowie die zukünftigen Weltmeister Anand und Kramnik zusammenbrachten, wurde klar, dass der SC West mit seinem Anspruch dies nicht mehr alles leisten konnte und wollte. Das Zitat: Für Kasparov tun sie alles, aber was bekommen wir?", war das klare Signal zum Handeln. Eine neue Organisationsstruktur musste her.


Jürgen Wienecke überreicht dem "Größten" das Kuvert

Gründung der Frankfurt Chess Tigers


Kasparov, Schmitt, Wienecke

Am 9.9.99 wurde mit 9 Mitgliedern der Frankfurt Chess Tigers Schach-Förderverein 1999 e.V. gegründet, der sich fortan um die Chess Classic kümmerte - Jürgen Wienecke war nun in beiden Vereinen Schatzmeister. Im Jahr 2000 stand dann der vorläufige Höhepunkt an, mit der "Premiere der Top Ten". Zum ersten Mal in der nunmehr 156-jährigen Geschichte des Turnierschachs trafen sich im Parkhotel in Bad Soden am Taunus die 10 führenden Spieler der damaligen Weltrangliste: Kasparov, Anand, Kramnik, Shirov, Morozevich, Adams, Ivanchuk, Bareev und Topalov.  Viswanathan Anand gewann mit +5/=5/-0 das doppelrundige Turnier vor Kasparov und Kramnik. Seither hat er den Chess Classic Schnellschach-Weltmeister Titel sieben Mal verteidigt. Auch hier kümmerte sich Wienecke um die Finanzen und war zusätzlich verantwortlich für die logistische Anmeldung und Abwicklung des ORDIX Open. Die Aufgaben wuchsen an, Jürgen war mittlerweile beruflich in Rente gegangen und wir waren uns sicher, dass wir auch die sogenannte Frankfurter Chess Classic Krise nach dem Weggang der Frankfurter Sport- und Kulturdezernentin Sylvia Schenk zum Bund deutscher Radfahrer meistern würden. Der Sponsor Siemens hatte aus strategischen Gründen keine Ambitionen mehr weiter zu machen, weil Kasparov uns die zwei Schnellpartien gegen "Fritz on Primergy" versagte, aber stattdessen ein 40er Simultan offerierte und hier gelang der Glücksfall der Rhein-Main-Schachgeschichte.

Der Chess Classic Wechsel nach Mainz

Der Mainzer Oberbürgermeister Jens Beutel nahm den im angebotenen Platz im Simultan gegen Weltmeister Garry Kasparov an und trotzte ihm neben dem Chess Tigers Vorsitzenden Schmitt sitzend ein Remis in einer aufregenden "Schottischen Partie" ab. Als sein Nachbar ebenfalls ein Remis mit der Damenindischen Verteidigung erreichte, war es Jürgen Wienecke, der die Frage des OB Jens Beutel: "Wie wäre es, wenn ihr die Chess Classic in Mainz abhaltet", spontan heraus beantwortet mit "Warum nicht, habt ihr genug Sponsoren mit Munition, Spiellokal und Hotel?" Natürlich wussten wir, dass der passionierte Jens Beutel bereits 1994, damals noch als Richter am Oberlandesgericht in Mainz, an dem 1.ORDIX Open in der Stadthalle in Frankfurt-Zeilsheim teilgenommen hatte und seither den steilen Aufstieg verfolgte – wie schätzten unsere Chancen gut ein, dass das Turnier in Mainz weitergeht, aber in einem anderen Format, das Millennium Turnier war nicht mehr zu steigern. Das Ding ging klar: Hilton Mainz, Congress Centrum Mainz mit Rheingoldhalle, Mainzer Sponsoren und die Chess Tigers - eine neue Ära begann. Seither hat Mainz sieben Mal die Chess Classic erlebt, genauso lang wie Frankfurt.


Der schwergewichtige Turm mit seinen flinken Bäuerlein, Opa Jürgen und die Enkel Ann-Katrin und Andreas 

Chess960 - eine Innovation mit riesigen Chancen

Neben vielen weiteren Aktivitäten wurde in Mainz Chess960 mit einem Prominententurnier gestartet, wo Minister und Staatssekretäre, Oberbürgermeister und Unternehmer teilnahmen und es wurde im Anschluss ein Profi-Testwettkampf zwischen GM Peter Leko und GM Michael Adams - Nr.4 und Nr.6 in der Weltrangliste – erfolgreich veranstaltet. Die Turnierserie startete ein Jahr später mit dem ersten FiNet Open Qualifikationsturnier und später folgten die jährlichen Weltmeisterschaften.

Die Gründung der Chess Tigers Universität

Ein weiterer Meilenstein, den er kaufmännisch und logistisch begleitete, war die Gründung der Chess Tigers Universität mit Deutschlands führendem Trainer und Großmeister Artur Jussupow. Nach drei Jahren trainieren mit insgesamt knapp 2000 Studenten mit den zur Verfügung stehenden 960 Lektionen in 24 Leistungsstufenn. 41 Vereine, viele Familien und die Privaten wollen natürlich kaufmännisch bewältigt werden, genauso wie die Betreuung der Primepartner ChessBase, Niggemann und dgt projects. Der eigene Shop mit mittlerweile über 100 Produkten erfordert auch den ganzen Mann und das macht der 70-Jährige mit Engagement und Unternehmergeist - wohl der Organisation, die einen Jürgen Wienecke hat, der sich auch nicht scheut, die ganze Familie in den Dienst seiner Chess Tigers zu stellen.

Wir danken Dir, wünschen Gesundheit und Glück

Danke Jürgen, irgendwann wirst Du neben Vishy Anand, Vladimir Kramnik und Jens Beutel zum Ehrenmitglied ernannt, vielleicht 2009, verdient hättest Du es schon früher, aber erst wenn Du einen Nachfolger ausgebildet hast, der Dir baldmöglichst bei der vielen Arbeit zur Seite steht – es muss ja weiter gehen. Mit Deiner Frau Brigitte habe ich gesprochen, ob eine junge Sekretärin mit kaufmännischer Erfahrung das Richtige wäre? Mit einem Lächeln blickte Sie mich skeptisch ungläubig kopfschüttelnd an. Fast 15 Jahre haben wir nacheinander Fortune und die richtige Nase gehabt - Können und Glück, Zusammenhalt, wenn es knüppeldick kam, Ideen und Kreativität, wenn wir nicht mehr weiter wussten waren immer der "Alten" Faustpfand. Ich danke Dir aufrichtig und jeder Chess Tiger sollte es auch tun.

Chess Tigers / Hans Walter Schmitt

 

 


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