Arbeiten mit Fritz 17 und Fat Fritz: Erfahrungsbericht eines Hobbyspielers

von Gregor Poniewasz
01.12.2019 – Gregor Poniewasz ist ein technikaffiner Hobbyschachspieler mit großem Interesse an Schachengines und Innovationen in diesem Bereich. Unter diesem Blickwinkel hat er Fritz 17 mit Fat Fritz beleuchtet und ein paar Experimente gemacht. Hier ist sein Erfahrungsbericht (Teil 1).

ChessBase 15 - Megapaket ChessBase 15 - Megapaket

Kombinieren Sie richtig! ChessBase 15 Programm + neue Mega Database 2020 mit 8 Mio. Partien und über 80.000 Meisteranalysen. Dazu ChessBase Magazin (DVD + Heft) und CB Premium Mitgliedschaft für ein Jahr!

Mehr...

Das neue Fritz 17 bringt Farbe in den grauen Winter: Nach Blau, Grün und Gelb der Vorversionen begrüßt uns jetzt wieder ein feierliches-vorweihnachtliches Rot. Die Bedienoberfläche mit dem etwas eigenwilligen vorgeschalteten Simpel-Menü-Bedienfenster ist quasi unverändert. Bekannterweise ist eine der zwei zentralen Neuerungen der Eröffnungstrainer / -Verwalter. Dieser ist in dieser Rezension kein Thema, da er ausführlich in einer hilfreichen mehrteiligen Serie beschrieben wird, die gerade auf Chessbase.de gestartet ist: https://de.chessbase.com/post/fritz-17-ereoffnungstrainer-tutorial-01. In diesem ersten von zwei Erfahrungsberichten mit Fat Fritz geht es im wesentlichen um die ganz praktischen Fragen bei Installation und Inbetriebnahme vor allem von Fat Fritz, da diese Engine ganz neue Anforderungen an den Computer-Schachspieler stellt. Im zweiten Stück werden dann spannende Beobachtungen des Spielstils von Fat Fritz geteilt werden.

Das ganz große PC-Schachprogramm - Jetzt mit FAT FRITZ

Fritz, genau jenes Schachprogramm, das seit über 25 Jahren (!) die gesamte Schachwelt fasziniert: Siege gegen Garry Kasparov und den damaligen Weltmeister Vladimir Kramnik, innovative Trainingsmethoden für Amateure & Profis, fast 20 Jahre Internetschach auf dem Fritz-Server u.v.m.

Fritz, das „populärste deutsche Schachprogramm“ (Der Spiegel), bietet alles, was Sie als Schachfreund brauchen. Und das Sahnehäubchen: mit Fritz17 sind Sie teilnahmeberechtigt für die 1. Deutschen Online-Meisterschaft***!

Mehr...

Bei der Installation des Programms geht ChessBase in der Download-Version diesmal einen etwas anderen Weg: Es liegen für die verschiedenen Versionen der Software und Zusätze getrennte Dateien vor. So sind beispielsweise Versionen von Fritz 17 für ältere 32-Bit-Windows-Computer besser von denen für 64-Bit-PCs zu unterscheiden. Dies hat den Vorteil, dass man leichter auswählen kann, was der eigenen Hardware entspricht, das war bei früheren Versionen nur Software-Kennern möglich. So ist es nun kein Problem, Fritz 17 auf einem einfachen 100-Euro-Tablet zu installieren, das beispielsweise nur mit Windows 10 in 32-Bit-Version läuft. Dabei ist jedoch die Frage, wie sinnvoll das ist, denn für die zweite zentrale Neuerung, die Integration der neuen Fat Fritz-Engine, braucht man spezielle Rechenkraft im Computer, die einfache Tablets oder billige Laptops oder Büro-PCs nicht liefern. Auf der anderen Seite ist es heute damit möglich, wenn man die Installation z.B. mit einer BIG- oder MEGA-Datenbank kombiniert, komplexeste Schachfragen mit einem taschenbuchleichten Gerät unterwegs auszutüfteln - faszinierend!

Sehr umständlich wird die Aufteilung in separate Installationsdateien jedoch am Punkt der Installation der Fat Fritz-Engine. ChessBase folgt ja seit langem schon dem Prinzip, auf Windows-Rechnern viele Inhalte und Funktionen windowsnutzerspezifisch zu installieren. Das bedeutet, dass jeder Benutzer eines Windows-PCs viele Inhalte auch nur nutzen kann, wenn er sich mit seinem Windows-Account anmeldet. Andere auf dem selben PC eingerichtete Benutzer, die sich einloggen, können auf viele Teile der ChessBase-/Fritz-Installation nicht zugreifen und müssen diese Teile für sich selbst nachinstallieren. Dieses Konzept hat den Vorteil, dass auf einem PC mehrere Nutzer unabhängig voneinander ihre Daten(banken) in ChessBase/Fritz pflegen können. Es hat aber den Nachteil, dass die Fritz-Software-Bestandteile weit über viele Ordner auf dem PC verstreut sind.

Das wird besonders deutlich und zum Problem bei der Installation der Fat Fritz-Engine: Diese wird in einen Ordner geschrieben, den man fast nicht findet und der dann auch noch von Windows versteckt wird (Tipp: Der Weg zum Ordner ist C (Festplatte) -> (Dateiordner mit Namen des gerade angemeldeten Benutzers) -> AppData (dieser Ordner wird standardmäßig von Windows versteckt, dazu muss man im Dateiexplorer "Ansicht -> ausgeblendete Elemente" ankreuzen) -> Roaming -> ChessBase -> Engines.UCI).

Das bedeutet, man muss spezielle Ansichtsmodi aktivieren, um den Inhalt überhaupt sehen zu können. Möchte man auf demselben PC also mit mehreren Nutzern auf die Fat Fritz-Installation zugreifen braucht man Kenntnisse über die Ordnerstruktur von Windows. Das gilt auch für die Nutzung von Fat Fritz an sich: Nach der Installation über die separat abgelegte Installationsdatei muss im Fritz 17-Programm die Engine erst "erstellt" und dann "geladen" werden. Für die Erstellung muss auf dem PC nach der eben installierten Engine gesucht werden, was aber wie oben beschrieben sehr mühsam ist. Am einfachsten ist es eigentlich, nach der Installation der Fat Fritz-Engines diese ganz simpel in einen Ordner zu kopieren, der allen Nutzern eines PCs zugänglich ist, also z.B. C -> Benutzer -> Öffentlich. Dieser Ordner ist dann auch von allen Fritz-Installationen aus unkompliziert zugänglich.

Wenn man diese Schritte jedoch bewältigt hat, stehen drei Fat Fritz-Engine-Versionen zur Verfügung: Die, die vom Hauptprozessor ("CPU") gesteuert wird und eine "Open CL"- und eine "CUDA"-Version. Letztere beide benötigen einen Extra-Grafikprozessor im Computer, und nur mit so einem wird die Fat Fritz-Engine interessant (ein weithin undokumentierter Tipp ist, dass viele AMD-Grafikkarten und sogar die in modernen Intel-Prozessoren eingebauten Grafikkerne "Open CL" unterstützen, die Leistung der integrierten Grafikkerne ist zwar niedrig aber immer noch weit höher als die der CPU): Fritz 17 ist in jedem Fall das erste kommerzielle Programm, das eine abgewandelte Version der "Leela Zero" Chess Engine enthält.

Trotz der beschriebenen Installationshürden macht Chessbase es einem Nutzer damit wesentlich leichter als würde man sich die LC0-Engine aus dem Internet herunterladen (was auch möglich ist, doch auch dann ist die Auswahl unter mehreren Versionen, eben für CPU oder Grafikkarte, nötig). Dazu müssen nämlich noch sogenannte "Weights"-Dateien geladen werden, die letztlich das Gehirn der Engine sind. Das alles muss wieder in die richtigen Ordner gelegt werden und in einer Schachprogrammoberfläche eingerichtet werden. Die Spielstärke wird von den "Weights"-Dateien beeinflusst, also muss der eigenen Stärke die richtige aus Hunderten herausgesucht werden (die stärksten stehen bei rechnerisch deutlich über 3.000 ELO, aber das ist nur begrenzt vergleichbar). Das alles ist möglich aber nicht jedermanns Sache, zumal auch Windows-Schutzmechanismen umgangen werden müssen.

Es gibt auch einen Ansatz im Netz, der gratis zugänglich ist, bei dem ein Entwickler Leela-Zero-Bestandteile und eine simple Bedienoberfläche verknüpft hat, "Nibbler Chess", aber die eigenwillige Bedienung ist nicht jedermanns Sache. Dafür ist nicht mal eine Installation nötig, das Programm muss nur ausgeführt werden (was aus Windows-Sicherheitsgründen auch nicht ohne Weiteres möglich ist): https://github.com/fohristiwhirl/nibbler. ChessBase verdient also zu Recht Lob für das Zur-Verfügung-Stellen dieser spannenden Engine in einer letztlich sicheren und zugänglichen Form. Zudem ist nach ChessBase-Aussage die Leela-Zero-Version mit bemerkenswerten Partien aus der eigenen Chessbase-Datenbank trainiert worden, zur Spielweise jedoch später mehr.

Das besondere an Fat Fritz, das ja bekanntlich auf dem Gratis-Open-Source-Projekt "Leela Zero Chess" basiert, ist seine völlig andere Herangehensweise an die Berechnung von Schachzügen. Dies ist auf ChessBase schon in Ansätzen erklärt worden: https://de.chessbase.com/post/neu-fritz-17-mit-neuronaler-fat-fritz-engine

Auch dass leistungsstarke PC-Hardware nötig ist, um das System zu nutzen, ist in Ansätzen erklärt worden (https://de.chessbase.com/post/fat-fritz-welche-grafikkarte-braucht-man).

Vor einigen Jahren hatte ChessBase ja die Idee umgesetzt, Rechenleistung in der Cloud anzubieten (Cloud Engines) und auch Fat Fritz ist ja auf dem Chessbase-Server zu mieten. Aber manchmal ist es eben doch so, dass es schön ist, Dinge selbst zu besitzen, und sei es, um damit Experimente anstellen zu können. Dies bringt jetzt zum ersten Mal in der Geschichte von Schachprogrammen eine echte Hardware-Wettrüst-Komponente ins Spiel: Die sogenannten Grafikkarten, die im PC laufen, und die einen Großteil der Leela Zero Chess-Berechnungen ausführen, kosten von 50 bis zu mehreren 1.000 Euro. Die schnelleren CPUs der Vergangenheit haben zwar auch für die Performance der Schachengines etwas genützt, aber zwischen langsamen CPUs und schnellen CPUs gab es lange nicht so einen Spielstärkenunterschied, wie den Schubt, der jetzt durch die leistungsstarken Grafikprozessoren verursacht wird.

Und Rechenleistung ist übrigens meist Äquivalent zum Stromverbrauch: Bei Anzeige eines Textdokumentes verbraucht eine Grafikkarte, auch eine starke, etwa 10 Watt. Schon eine gut durchschnittliche Grafikkarte, wie sie Computer-Gamer in ihren PCs haben, verbraucht unter Last das 10fache. Wollen wir die Rechenleistung einmal einordnen, könnte man sich an die Werbung von Apple für ihre Desktop-PCs um die Jahrtausendwende erinnern: Da hieß es "Gigaflop!" und die Leistung war beachtlich, doch heutige übliche Grafikkarten in Computer-Spiel-PCs, obwohl technisch nur indirekt vergleichbar, leisten über 10.000x soviel!

Wer übrigens die üblichen Vergleiche moderner PCs mit früheren sog. "Supercomputern" mag und sich freut, dass der eigene Heimrechner heute vielfach so stark ist wie früher ganze Hallen voller Rechengerätschaften, dem sei gesagt, dass heutige Supercomputer wiederum über 100.000x schneller sind als heutige Home-PCs. Daher sind auch die Erfolge von Google mit ihrer Schach-Engine Alpha Zero, aus deren Idee Leela Zero hervorging, keinesfalls demnächst zu Hause zu reproduzieren. 

Je nach Rechnung sind derzeit Grafikkarten für spezielle Aufgaben wie jetzt eben Fat Fritz mindestens 100x so schnell wie Computer-Zentralprozessoren ("CPUs"). Spannend ist jedoch, dass sich dieser Abstand nach aktuellen Schätzungen bis 2025 verzehnfachen wird, da die Entwicklung der Grafikkarten schneller voranschreitet.

Wenn wir jetzt sehen, dass neuronale Schach-Engine-Netze wie Leela Zero jetzt schon atemberaubende neue Ansätze im Schach bringen (wie auch Magnus Carlsen kürzlich sagte), so erleben wir gerade den Beginn der spannendsten Entwicklung nicht nur des Computer-Schachs seit Erfindung der ersten Schachprogramme, sondern vielleicht auch den Beginn der spannendsten Entwicklungen und Entdeckungen im Schach seit seiner Erfindung als Spiel überhaupt. Auch vor diesem Hintergrund ist es ein toller Schachzug von ChessBase, als Marktführer diese Technik nun voll mitzugestalten.

Nun aber zum praktischen Anwendungstest der interessantesten neuen Fritz-17-Eigenschaft, der Fat Fritz-Engine. Vorweg sei gesagt dass der "Freund"-Modus, bei dem man ja die Engine gezielt auf eine Art reduzierte ELO-Stärke drosseln kann, nicht mit Fat Fritz zu funktionieren scheint, er startet stets mit der Fritz-17-Engine. Dies führt also zur Situation, dass man sich Leela Zero also offenbar in mehr oder weniger voller Stärke stellen muss.

Das Testsystem hier ist ein durchschnittlich schneller Intel-Prozessor und eine Nvidia-GTX-1060-Grafikkarte mit 6 GB Speicher, die derzeit ca. noch 250 Euro kostet. ChessBase empfiehlt die Nvidia-RTX-Grafikkarten, die ab 300 Euro kosten. Letztlich ist aber auch mit einer für 50 oder 100 Euro gebraucht gekauften Nvidia-Karte aus der vorigen Generation schon eine ganz massive Beschleunigung der Rechenleistung gegenüber der CPU erreichbar. Man sieht: Die spannendsten Entwicklungen der Schachzukunft könnte Computerbastelei mit dem montieren immer neuer Grafikkarten (neue Generationen mit bis zu Verdoppelung der Rechenleistung erscheinen ca. alle 18 Monate) bedeuten...

Experimente

Man könnten nun darangehen, die Engine künstlich schwach zu halten: Beim Laden der Engine in den Einstellungen wird daher das "Rechnen auf Gegnerzeit" ebenso deaktiviert wie die "Intelligente CPU-Nutzung". Danach wird die Bedenkzeit auf 1 Sekunde gesetzt und die Anzahl der benutzten Prozessorkerne auf 1 beschränkt. So beschnitten spielt Fat Fritz immer noch gut, allerdings sind zuweilen "seltsame" Züge zu bemerken, wobei letztlich offen bleibt, ob das an dieser beschnittenen Rechenleistung liegt: In einem Spielverlauf wurde beispielsweise von Fat Fritz ein Springer dreimal mehr oder weniger hin- und hergesetzt anstatt an anderer Stelle eine Figur vorteilhaft zu schlagen. Dieses Verhalten wurde auch beobachtet, also die Engine auf Gegnerzeit und auch länger rechnen durfte: Man weiß heute, dass Leela Zero / Fat Fritz seine Stärke erst richtig ausspielen kann, wenn ein wenig mehr Zeit zur Berechnung zur Verfügung steht. Was dann auffiel, waren zuweilen diese vermeintlich "seltsamen" oder unsinnigen Züge. Dies ist nun ein sehr spannender Punkt: Fat Fritz gewann alle Partien dennoch souverän, und da die Engine ja jeden Zug klar nach Gewinnwahrscheinlichkeit und nicht seinem Zentibauernwert beurteilt, kann das eigentlich nur bedeuten, dass diese "seltsamen" Züge aus Engine-Sicht absolut zielführend waren: Fat Fritz hätte, ein Versäumnis seines Gegners, an anderer Stelle einen Offizier nehmen können, verzichtete jedoch darauf und setzte seine Springer völlig ergebnislos hin- und her.

Die Engine muss die Gesamtsituation der Partie also schon in dem Moment als dermaßen klar für sich selbst gewonnen gesehen haben, dass eine Art von Zugzwang-Erzeugung für den Gegner der beste Zug für die Engine war, nach dem Motto: Die eigene Stellung wird als so gut gesehen, dass jeder Zug, den der Gegner macht, dessen Lage nur verschlechtern kann.

Hier kommen wir in Bereiche, die sicher einen Aufschrei klassisch ausgebildeter Schachexperten nach sich ziehen kann, denn im Schach wird Stillstand nicht belohnt, dennoch bleibt es ein sehr interessantes Verhalten. Vielleicht bringt uns diese neue Sicht auf Schach die Erkenntnis, dass Zugzwang nicht nur mit Zwang zu tun hat. Beweisen lässt sich das derzeit so einfach aber nicht, letztlich müsste man Weltklassespieler -zig Partien gegen Fat Fritz spielen lassen, um solche Vermutungen wirklich seriös aufstellen zu können. Letztlich hielt sich die Engine mit den Springerzügen quasi aus dem Spiel für 3 Züge "heraus", und der Weg gab ihr Recht, bald danach war die Partie gewonnen.

Hier ist also nun nicht eine Weltneuheit an Eröffnung zu berichten, sondern ein Spielverhalten, das hochinteressant ist. Schon mit seinem gut ausgestatten kräftigen Heim-PC kann man mit Fat Fritz also offenbar eine ganz neue Sicht der Engine auf eine ganze Partiesituation erleben. Das ist absolut faszinierend und man bekommt Lust, viel damit herumzuprobieren. Wohlgemerkt ist dies nur ein Interpretationsversuch. Ein "Fehler" der Engine mit diesen "Zwischenzuügen" ist mit der zur Verfügung gestellten Rechenleistung jedoch unwahrscheinlich. Auf jeden Fall muss aber gesagt werden, dass dies zu beobachten und auszuprobieren einfach Spaß macht, keinesfalls kann hier behauptet werden, mal eben so nebenbei neue Schach-Erkenntnisse beobachten zu haben... Vielleicht ja aber doch, aber das ist auch gar nicht das Wichtigste, denn es ist einfach nur spannend mit Fat Fritz zu arbeiten.

Es bleibt für einen Hobbyspieler natürlich die ernüchternde Situation, jedes (und wirklich jedes!) Spiel gegen die Engine zu verlieren. Im freien Leela Zero sind durch die Kombination mit herunterzuladenden "Weights"-Dateien verschiedene Spielstärken möglich, diese Option findet man bei Fat Fritz in Fritz 17 nicht. Sicher arbeitet ChessBase schon daran, Finetuning des Setups zu erlauben, hier ist noch viel in der Entwicklung. Dennoch ist es eine absolut faszinierende neue Art des Spielens.

Für die praktische Anwenung sei noch empfohlen, den recht starken Desktop-PC, auf dem Fat Fritz läuft, vielleicht fernzubedienen, da doch ein starkes Lüfterrauschen auch des Netzteillüfters zu beobachten ist, weil die Engine einfach massive Rechenleistung auch der Grafikkarte anfordert (überraschenderweise ist aber nur eine Auslastung von ca. 15% der Grafikkarte zu sehen, möglicherweise aber auch ein Anzeigefehler des messenden Windows-Tools, oder aber es zeigt, dass die Karte nur teilgenutzt werden kann; diese 15% zeigen sich auch maximal in der Nutzung mit Leela Zero).

Eine Lösung ist, die Gratis-Fernbedienungssoftware "TeamViewer" auf dem schnellen PC zu installieren und mit einem flüsterleisen aber für die eigentliche Berechnung zu langsamen Laptop den Bildschirm des PCs fernzusteuern / zu sehen. Das funktioniert hervorragend und kann ein lautes Rechenmonster hinter verschlossener Tür werkeln lassen.

Dies ist also mit Fritz 17 ein extrem spannender Anfang einer neuen Ära der Schachsoftware. Sicher wird ChessBase bald mehr Funktionen zur Steuerung von Fat Fritz hinzufügen, ein absoluter Wunsch wäre, würde ChessBase auch einen weiteren Pionierschritt gehen, nämlich seine hoffnungslos veraltete Handy-App (die gekauft werden muss) mit einem Paukenschlag zu renovieren und Leela Zero / Fat Fritz auf einem Handy laufen zu lassen.

Der Sinn ist begrenzt, da bei günstigen Handys eben Rechenleistung fehlt, auf der anderen Seite sind Top-Smartphones heute durchaus zu hoher Rechenleistung fähig. Es wäre ein Novum, da es derzeit auch in der freien Open-Source-Programmiererszene noch keine halbwegs simple und nachvollziehbare Lösung gibt, Leela Chess, gern auch in Form von Fat Fritz, auf dem Handy laufen zu lassen. Hier könnte ChessBase also punkten und sicher einen vernünftigen Preis für die App fordern.

In einem zweiten und abschließenden Beitrag werden wir noch mehr das Spielverhalten von Fat Fritz beleuchten und davon berichten. Ganz wichtig ist wirklich zu betonen, dass alles hier aus der Sicht eines Hobbyspielers geschrieben und beobachtet ist. Allerdings werden sich bei den Fritz-17-Kunden ja viele solche finden, insofern ist letztlich schon wichtig, wie Fat Fritz für diese Kundengruppe funktioniert.

 



Themen: Fritz 17, Rezension

Gregor Poniewasz, Jahrgang 1969, arbeitet im digitalen Marketing und ist ein begeisterter Hobbyschachspieler. Er verfolgt das Geschehen im Turnierschach sehr intensiv und interessiert sich vor allem für die technischen Aspekte von Schachengines, besonders seit dem Start von Alpha / Leela Zero.
Discussion and Feedback Join the public discussion or submit your feedback to the editors


Diskutieren

Regeln für Leserkommentare

 
 

Noch kein Benutzer? Registrieren

Rainbow66 Rainbow66 08.12.2019 01:08
Neuer Test Fat Fritz - Stockfish 281119:
20 Partien 30m+5s mit GTX 1050 Ti. Ergebnis: 10,0 - 10,0 Alle Partien endeten remis.
Gespielt wurden 10 verschiedene Eröffnungen mit Farbwechsel, wobei jeweils die drei ersten Züge vorgegeben wurden.
Die Partien waren spannend. 13 waren länger als 60 Züge und ergaben mitunter bizarre Positionen. Besonders beeindruckt hat mich die Verteidigungsstärke beider Programme in kritischen Situationen.
Das Ergebnis wundert mich nicht. Wer die TCEC-Turniere verfolgt, dem ist die Spitzenposition von Stockfish und Lc0 nichts Neues.
rollinghills rollinghills 04.12.2019 01:11
Ich habe Fat Fritz mal auf meinem alten Laptop ohne schicke Grafikkarte, also in der CPU Version gegen Fritz 14 spielen lassen. Mit ausgeglichenem Ergebnis.
Rainbow66 Rainbow66 03.12.2019 01:57
Erster Test:
Fat Fritz-Stockfish 281119, 4 Partien 5m+3s mit GTX 1050 Ti: 2,5 - 1,5
Seher2016 Seher2016 03.12.2019 01:52
Zitat: "Es wäre ein Novum, da es derzeit auch in der freien Open-Source-Programmiererszene noch keine halbwegs simple und nachvollziehbare Lösung gibt, Leela Chess, gern auch in Form von Fat Fritz, auf dem Handy laufen zu lassen." Dies ist schlichtweg falsch! Denn es gibt im Play-Store für Android recht einfache Lösungen Lc0 auf dem Handy zum Laufen zu bringen - z. B. unter DroidFish. Auf einem Galaxy Note 8 läuft sie ganz passabel. Ich kann auch die Begeisterung für die Lc0 / FatFritz in diesem Ausmaß nur schwer nachvollziehen. Lassen Sie die Engines doch einmal etwa den Eigenmann-Test durchlaufen. Die Engines aus der Stockfish-Familie sind da gegenüben den KI-Engines haushoch überlegen. Ebenso wenig kann man sich z. B. beim Fernschach oder dem Studium der Eröffnungen auf die ausschließliche Analyse der KI-Engines verlassen. Stock-Fish & Co. sind da weitaus gründlicher. Apropos FatFritz-Varianten - wieso schreibt der Autor nichts über die rtx-Engine? Die ist im Lieferumfang ebenfalls enthalten. Ich bin davon ausgegangen, daß sie für die RTX-Grafikkarten optimiert ist, oder?
Rainbow66 Rainbow66 03.12.2019 12:33
Vielen Dank für den interessanten und hilfreichen Bericht. Er beendete meine titanischen Anstrengungen zum Auffinden von Fat Fritz. Der Hinweis auf "die separat abgelegte Installationsdatei" bewahrte mich vor vergeblichen Versuchen, die gefundenen UCIs ins Programm einbinden zu wollen. Auch hier waren detektivische Fertigkeiten gefragt. Dabei entdeckte ich auch die Install-Exen für die Datenbank und das Eröffnungsbuch. Wenn man sich solche Spielchen mit den Usern erlaubt, sollten wenigstens die Pfade in der Produktbeschreibung angegeben werden.
Das neuronale Netzwerk bringt mich zum Staunen. Was Rechentiefe und Knotenzahl betrifft, ist Lc0 bzw. Fat Fritz eine "lahme Ente" und dennoch wird "saustark" gespielt und analysiert.
Nun bin ich gespannt auf Teil 2 des Berichts. Ich hoffe auf ein paar Tipps und Tricks sowie auf Erläuterungen zu den Einstellungen, denn mit Begriffen wie FpuValueAtRoot oder KLDGainAverageInterval sowie den bis zu elfstelligen Zahlen weiß ich zur Zeit noch nichts anzufangen.
Nochmals besten Dank, Gregor Poniewasz.
ChessChrissy ChessChrissy 01.12.2019 12:34
Neue Ergebnisse: FatFritz-Stockfish 26.11.19
60Min. 0-2-0
16Min. 0-3-3 !!!
Grafikkarte RTX 2080 Super
CPU mit 35 Kerne
Einstellung von ChessBase empfohlen
1